Hei ihr Lieben
Jetzt bekomme ich auch das Zitat mit Namen hin. Ich bin gar nicht so blond.
Daniela04 hat geschrieben: Do 2. Jul 2026, 11:26
Ich weiss wie wichtig es ist, seine Seele offenzulegen wenn es einem nicht gut geht. Das Schöne in unserem Forum ist, dass es hier am richtigen Platz ist. Ich habe Deine Geschichte gerne gelesen. Ich habe in meinem Thread auch meine Geschichte niedergeschrieben, eine Art Tagebuch rückblickend, wie Du es machst, das tut Dir gut, wie es mir gut getan hat. Ich schreibe mittlerweile über meine "Abenteuer" auf meinem Weg meine Weiblichkeit auszuleben.
Ja, das Reflektieren und Rückblicken hilft mir wirklich richtig viel, zumal jetzt in den kommenden Wochen viele wichtige Termine anstehen. Daher beeile ich mich jetzt mal ein wenig mit meinem Rückblick, denn das Leben findet ja im Hier und jetzt statt. Also mache ich mal weiter. Viel Spaß beim Lesen, wünsche ich natürlich noch.
Wir haben also Weihnachten 2015 und wir fahren, wie in den letzten Jahren auch, nicht zu unseren Familien. Für den zweiten Weihnachtsfeiertag hatten wir Theaterkarten in Lübeck. Ich weiß nur nicht mehr, welches Stück es war. Meine Frau schlug vor, doch einfach mit Sabrina ins Theater zu gehen. Ein toller Vorschlag, aber soll ich wirklich? Lübeck ist ja nicht Hamburg, aber was soll passieren? Also willigte ich ein und am 26. Dezember hieß es dann richtig ordentlich rasieren und gut schminken. Den Pulli und die Jeans hatte ich am Vortag schon rausgesucht und die Stiefel geputzt. Ich erinnere mich auch nicht mehr, wann es im Theater losging. Entweder 18 Uhr oder 19 Uhr. In jedem Fall hatten wir beschlossen, vorher noch einen Kaffee zu trinken. Das war leichter gesagt als getan. In Lübeck hatten die Cafés alle zu. So blieb nur Mc´Café in Reinfeld. Ich packte noch meine Handtasche und dann fuhren wir los. Ab auf die A1 Richtung Lübeck. Die Nachbarn waren mir in dem Moment vollkommen egal. In Reinfeld war es verdammt voll, aber wir bekamen noch einen Platz und Kaffee und Kuchen waren auch gut. Zwar schlug mein

richtig heftig, aber die meisten hatten nur einmal geschaut und sich dann wieder mit dem eigenen Essen beschäftigt.
Erleichtert ging es dann nach Lübeck. Wir parkten an der Trave und schlenderten ein wenig durch die Stadt. Ein tolles Gefühl, einfach sein zu können stellte sich bei mir ein. Im Theater dann das gleiche Spiel. Viele Menschen schauen einmal, dann gehen sie ihrer Wege. Wir gaben die Jacken ab und gingen zu unseren Plätzen. Ich schwitzte ganz schön unter der Perücke, aber neben meiner Frau verflog die Nervosität dann recht schnell. Nach der tollen Vorstellung holte ich unsere Jacken und meiner Frau ging es plötzlich nicht so gut. Ihr wurde schwindelig und sie musste sich kurz hinsetzen. Dann sackte sie kurz zusammen und schon standen viele Menschen um uns herum, wollten helfen. Und ich mittendrin, ein wenig überfordert mit der Situation. Aber zum Glück ging es meiner Frau schnell etwas besser und als einer der letzten konnten wir dann zum Auto gehen. Wir fuhren dann über die Landstraße nach Hause. Was für ein Tag! Dieses Weihnachten werde ich wohl nie vergessen. Aber trotz des Schreckens auch ein sehr schöner Tag.
Mitte Januar 2016 musste ich dann im Rahmen einer Abordnung wieder mal nach Nürnberg. An einem der ersten Wochenenden nahm ich dann einen Teil meiner Sachen mit. Ich hatte eine kleine Wohnung mitten in der Stadt, recht nah zur U-Bahn. Da wollte ich doch meinen neuen Mut probieren. Unter der Woche hatte ich nur kaum Zeit und freitags ging es zurück nach Hause und sonntags wieder nach Nürnberg. Da war für Sabrina mal wieder keine Zeit. Aber dann kam meine Frau mit nach Nürnberg und blieb länger, so dass wir einen Sonntag zum Wöhrder See fuhren und einen Spaziergang mit Kaffeetrinken machten. Es war recht grau und wenig Menschen unterwegs. Und ich fühlte mich wieder richtig wohl. Es folgten noch 2 Ausflüge alleine, als ich im Frühsommer über das Wochenende in Nürnberg bleiben musste, da an einem Freitag eine Dienstbesprechung für 11 Uhr angesetzt war, die 2 Stunden dauern sollte. Bei meinem zweiten Ausflug fuhr ich mir der Bahn Richtung Ansbach und stieg in Heilsbronn aus, um mir die Stadt anzuschauen. Hier war alles in Ordnung und ich wurde nicht beachtet. Auf der Rückfahrt gab es auch keine Probleme, aber beim Umsteigen am Hauptbahnhof. Ich ging aus dem Ostausgang Richtung U-Bahn und wurde plötzlich von einer Gruppe Jugendlicher beleidigt und ausgelacht. Also ging ich schneller zur U-Bahn. Sie kamen zum Glück nicht hinter mir her und ich sah zu, dass ich nach Hause kam. Dieses Ereignis hat mir mächtig zugesetzt und wirkt noch bis heute nach. Leider.
Ich traute mich also nicht mehr hinaus und war nur noch im Männermodus unterwegs. Dafür habe ich dann in dieser Zeit sehr viel an den verschiedenen Bahnstrecken fotografieren können. Zu irgendetwas musste es ja gut sein.
Dann wurde mir eine feste Stelle in Nürnberg angeboten und ich nahm nach Rücksprache mit meiner Frau an, da sie sich in Schleswig-Holstein nicht richtig heimisch fühlte. Das Jahr verging mit viel Arbeit und dann kam nach Ende der Probezeit die Wohnungssuche. Hier wurden wir recht schnell fündig und konnten im Frühling 2017 nach Mögeldorf ziehen. Zu dieser Zeit ging es meiner Frau sehr schlecht und es dauerte bin zum Sommer, bis es ihr wieder einigermaßen gut ging. In dieser Zeit bleib keine Zeit für Sabrina, dafür war zu viel anderes um mich herum. Die neue Umgebung und die Sorgen um meine Frau ließen Sabrina zurück. Es war keine Zeit. Und zu dieser Zeit merkte ich, dass meine Depressionen wieder schlimmer wurden. Aber ich tat es ab und schob es, wieder einmal, auf den Stress an der Arbeit.
Im Mai / Juni 2018 hatte ich dann wieder richtig viel Zeit für Sabrina. Ich war vorher im Krankenhaus gewesen und hatte viel Zeit zum Nachdenken. Und ich wollte gerne Hormone nehmen. Aber wie? Ich hatte keine Psychotherapie und ich schämte mich immer noch für mich, für meine weibliche Identität. Aber der Wunsch war riesig. Da ließe sich meine Frau für sich Hormonpflaster verschreiben damit ich es ausprobieren konnte. Sie war zwar dagegen, aber merkte, wie wichtig es mir war und verstand auch meine Angst. Aber ich musste ihr versprechen, dass ich noch mindestens eine Woche drüber nachdenke. Das tat ich und ich kam zu dem Schluss, dass es Wahnsinn ist, die Pflaster einfach zu kleben. Da bin ich meiner Frau gleich doppelt dankbar.

Da ich im August zur Reha kam, war Sabrinas Sturm- und Drangphase erst einmal vorbei.

Nach der Reha musste ich recht viele Überstunden machen und war mehr oder weniger ständig auf Dienstreise. Also bleib wieder keine Zeit. Über den Jahreswechsel ging es meiner Frau richtig schlecht und es kam wieder ein längerer Klinikaufenthalt bei ihr. So blieb für Sabrina nicht viel Zeit und es zog sich das ganze Jahr 2019 so durch. Rückblickend war es wirklich ein sehr schlimmes Jahr. Und so setzte es sich 2020 fort. Dazu kam noch Corona und es stand die ganze Welt ja Kopf.
Corona belastete uns sehr und die Krankheit meiner Frau wurde immer schlimmer. Den kurzen guten Phasen standen viele längere schlechte Phasen gegenüber. Aber sie kämpfte weiter gegen die Krankheit und ich tat alles, um ihr zu helfen. Da bleib für Sabrina keine Zeit mehr. Und im August starb meine Frau nach langem Kampf an ihrer Krankheit.

Die Welt war für mich von heute auf morgen eine andere, auch wenn wir öfter über den Tod sprachen und auch damit rechneten. Aber wenn es soweit ist, dann haut es einen doch um.
In den nächsten Wochen und Monaten war dann viel zu organisieren. Die Trauerfeier und Bestattung unter Corona-Bedingungen, das Finanzielle, das Abwickeln eines Lebens und für mich die Organisation des Neustarts in Ostfriesland. All das kostete unendlich viel Kraft. Ich kaufte ein Haus und musste es erst einmal richtig renovieren. Das alles nach der Arbeit und es häuften sich bei mir depressive Phasen, wo ich nur noch funktionierte und nach dem Ausschalten des PC zu Hause nichts mehr machen konnte. So zog sich das die nächsten Jahre hin. Eigentlich hatte ich bei meinem Umzug im Frühjahr 2021 geplant, Sabrina gleich einen festen Platz in meinem Leben zu geben, den Nachbarn in der Siedlung gleich beide Seiten zu präsentieren. Doch dazu hatte ich keine Kraft mehr. Die beiden Jahre 2022 und 2023 verliefen entsprechend mit vielen depressiven Phasen, was ich auf den immer noch nicht verarbeiteten Verlust und dem wahnsinnigen Stress an der Arbeit schob. Zum Glück habe ich eine sehr verständnisvolle Hausärztin.
Im Oktober 2023 machte ich dann eine Urlaubsreise durch Skandinavien. Wir wollten immer zusammen auswandern und so fuhr ich von Rostock nach Trelleborg, dann an der Küste entlang bis nach Kemi und von dort nach Kiruna. Es war Mitte Oktober und es lag kniehoch Schnee. Dann ging es nach Narvik in Norwegen, da ich als Kind schon immer von den schweren Erzzügen fasziniert war und diese unbedingt mal selber sehen wollte. Und ich verliebte mich in Norwegen, ein tolles Land in dem meine Seele aufatmen konnte. Nach ein paar Tagen in Narvik ging es dann quer durch Norwegen nach Kristiansand. Und ich erlebte viele tolle Dinge und lernte viele tolle Menschen kennen, da ich mittlerweile Geocachen zu meinem Hobby zähle.
Im April 2024 verbrachte ich dann knapp 6 Wochen in Südnorwegen und konnte zu dieser Zeit auch von dort aus arbeiten. So testete ich, ob sich Norwegen auch dann noch gut anfühlt, wenn man dort auch arbeiten muss und nicht nur im Urlaub da ist. Und es fühlt sich verdammt gut an, kann ich euch sagen.

Da reifte langsam der Plan, dort zu leben. Aber mein Arbeitgeber fand das nicht so lustig. Arbeiten aus dem Ausland geht ja nun gar nicht und im Juli kam eine entsprechende Weisung, die nur noch 10 Tage innerhalb eines Jahres erlauben und auch nur noch in der EU und der Schweiz. (Wer jetzt vielleicht den gleichen Arbeitgeber hat, kann mich gerne anschreiben.

)
Es musste also eine Alternative her, da sich die Situation an meinem Arbeitsplatz immer mehr verschlechterte. Aus einer vertraulichen Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung wurde immer mehr Misstrauen, aus Freiheit Kontrolle, aus Wertschätzung Argwohn. Dieses Zustände belasten mich sehr und so beschloss ich, nach Norwegen auszuwandern. Das Ziel steht und ist jetzt, nach nochmaliger Korrektur, für März / April 2027 geplant. Ich lerne die Sprache mittels Onlinekurs einer Osloer Sprachschule. Die Situation an der Arbeit entwickelte sich Ende 2024 immer schlimmer. Es gab nur noch Druck für mich als Verantwortlichen für ein IT-Produkt, alles musste sofort erledigt werden und wir befassten uns mehr und mehr mit uns selber. Das führte dann im März 2025 dazu, dass meine Hausärztin einen Riegel vorschob. Ich schlief nicht mehr, hatte keinen Antrieb mehr und konnte mich auf nichts mehr konzentrieren. Selbst das Aufstehen fiel unendlich schwer. Aber ich bekomme die Rückendeckung meiner Ärztin. Auch, als ich mein Ziel Norwegen mit ihr besprach. Dafür bin ich ihr auch sehr dankbar.
Im Herbst 2025 war ich dann bereit, mich in der psychiatrischen Tagesklinik aufnehmen zu lassen. Es dauerte dann noch bis zum Februar 2026. Dann stand ich am 2. Februar vor der Tür der Klinik und war gespannt, was mich erwartet. Und es sollte nach den 8 Wochen einiges ins Rollen kommen, womit ich so gar nicht gerechnet habe. Aber das kommt, ihr wisst, beim nächsten mal.
Ja, beim nächsten Mal geht es weiter. Mir war es heute wichtig, im Hier und Jetzt anzukommen. Die Vergangenheit ist aber, denke ich, für das Gesamtverständnis wichtig, auch wenn dieses Kapitel nun nicht zu denen gehört, die zu den besten in meinem Leben zählen. Aber ich denke, auch alles das, was passiert ist, hat mich ein Stück weit zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Und wie immer, wenn ihr Fragen habt, Kritik oder Anmerkungen, immer her damit. Mir helfen ja immer auch andere Sichtweise, daher ist dieses Forum ja so wertvoll für mich.
Ich wünsche euch einen schönen Abend und morgen einen guten Start in die neue Wochen.
