Mein Weg zu mir selbst
Mein Weg zu mir selbst - # 2

Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
Sabrina-Eileen
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Re: Mein Weg zu mir selbst

Post 16 im Thema

Beitrag von Sabrina-Eileen »

Hei ihr Lieben )))(:

Dann will ich mal erzählen, wie es bei mir weiter ging. Viel Spaß beim Lesen (das wünsche ich diesmal wenigstens sinnvollerweise am Anfang und nicht am Ende 🤦‍♀️).

Ich beschloss, meiner Frau von Sabrina zu erzählen. Und ich musste an den Spruch meines Ausbilders beim Bund denken: Wenn schon Scheiße, dann Scheiße mit Schwung. Es war ein Sonntag Nachmittag. Es muss Anfang Dezember gewesen sein und wir kamen von einem Spaziergang zurück. Es gab heiße Schokolade und dann nahm ich all meinen Mut zusammen: "Schatz, ich muss mit dir reden und ich bitte dich, erst einfach nur zuzuhören." Mein Herz klopfte sicher so laut, dass die Nachbar sich gleich wegen Ruhestörung beschweren werden. Und dann nahm ich ihre Hand und begann zu erzählen. So in etwa, wie ich es hier auch aufgeschrieben hatte. Sie hörte mir geduldig zu, stellte keine Fragen und wartete, bis ich mit einer "Beichte" fertig war. Dann sah sie mich an und fragte: "Warum hast du mir das denn nicht eher erzählt?" In diesem Moment sind mir mehr Steine vom Herzen geplumst, als es im Jotunheimen gibt. (he) Wir haben dann sehr lange geredet, sie hat mir ganz viele Fragen gestellt und ich habe ihr dann noch die Broschüre des Projektes en femme gegeben, wo vieles richtig gut erklärt war. Sie fragte auch, ob ich nun immer als Frau leben wolle, aber das verneinte ich. Damals war das tatsächlich keine Option, aber da sieht man wieder, wie sich die Dinge entwickeln können. Dann zeigte ich ihr ein paar mit Selbstauslöser gemachte Fotos. Ohje, da schämte ich mir (mein Wischmopp). Und sie fragte mich nach meinem Namen. Zu der Zeit hatte ich Ann-Kathrin als Namen gewählt. Sie meinte sofort, dass der Name nicht zu mir passe und meinte, Sabrina wäre viel schöner. Und an meinem Aussehen müsse ich auch dringend arbeiten und sie möchte mir dabei helfen. Es war ein richtig toller Liebesbeweis für den ich ihr ewig dankbar bin.

Am nächsten Morgen musste ich dann auf eine Dienstreise, da ich ja Versicherungen verkaufen wollte. Ich war richtig beschwingt und habe im Auto viel darüber nachgedacht, was am Abend vorher passiert ist. Und ich fuhr bewusst von der Autobahn ab und gemütlich über Land, da da das Nachdenken einfacher war. Und ich konnte es kaum abwarten, am Donnerstag wieder nach Hause zu kommen. Und auch jede Dienstreise ist irgendwann einmal vorbei und am Abend war Sabrina dann nur kurz Thema und wir beschlossen, dass Sabrina am Samstag erstmals offen da sein darf. So ging der Freitag mit Bürokram rum und am Samstag Nachmittag war es dann soweit. Ich machte mich zurecht, was mit meinen damaligen Schminktechniken gar nicht so einfach war. Dann meinen Wischmopp aufgesetzt und ihn ein wenig in Form gebracht. Dann ging ich mit doch ziemlich Herzklopfen und etwas wacklig ins Wohnzimmer, darauf gefasst, dass meine Frau gleich loslachen würde. Damals hätte ich es mich gekränkt, heute würde ich selber laut lachen. Aber es kam kein Lachen, sondern ein Lob, dass ich schon ganz gut aussehen würde, aber da noch Potential sei. Und so suchten wir bei eBay nach einer passenden Perücke und nach Klamotten. Warum kann man das nicht einfach herzaubern, fragte ich mich. Aber so musste ich wieder Geduld haben. Aber es war eine richtige Befreiung, mich nicht mehr verstecken zu müssen, zumindest nicht mehr vor meiner Frau. In der kommenden Woche gingen wir dann noch zusammen in den DM und suchten passendes Make-Up aus. Und auch da dachte ich, die Kassiererin denkt sicher, das ist für mich. Welch blöde Gedanken.

So hatte ich dann auch unter der Woche immer wieder Gelegenheit, meine Schminkkenntnisse zu verbessern und meinen Styl zu entwickeln. Das tat mir gut und ich fühlte mich einfach wohl.

Im Frühling 2006 kam es in der Firma, über die meine Versicherungen und Finanzgeschäfte abgewickelt werden, zu Verwerfungen. Ich war nun schon nicht ein guter Verkäufer und nun wurde es noch einmal schwieriger. Das führte dazu, dass ich keine Zeit mehr für Sabrina hatte, da ich zwingend Geld verdienen muss. Eine Zeit, die mich immer depressiver machte. Dann bekam ich nach mehr als 2 Monaten eine Rückmeldung zu einer Bewerbung und eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Das fand an einem Freitag um 14 Uhr statt. Für eine Behörde eher ungewöhnlich. Ich machte wohl einen bleibenden Eindruck, denn dort arbeite ich heute (leider) immer noch, seit rund 20 Jahren. Aber das ist nur am Rande wichtig.

Nun hatte ich einen geregelten, wenn auch zunächst befristeten Job und ich wickelte meine Firma ab. Dann bleib endlich wieder mehr Zeit für Sabrina. Und es kam immer mehr der Wunsch, endlich auch mal vor die Tür zu gehen. Ich stand so oft an der Tür, aber jedes Mal machte ich einen Rückzug. Wir wohnten in einer kleinen Stadt und die Nachbar waren neugieriger als Bild und Express zusammen. Nein, da traute ich mich nicht. Auch meine Frau ermutigte mich, aber verstand auch meine Sorgen. Aber irgendwann muss ich mich mal trauen, dachte ich. Und so verging das Jahr 2006. Ich war mit meiner Situation soweit zufrieden, hatte keinen Wischmopp mehr auf dem Kopf und auch das Schminken war vorzeigbar. Ach ja, natürlich wuchs auch Bestand an Klamotten und Schuhen. :-D

So starteten wir in das Jahr 2007, was für uns eine große Veränderung bringen sollte. Aber das ahnten wir zu der Zeit noch nicht.

Jetzt ist der Cliffhanger wieder da. Ich hoffe, ich langweile euch nicht. Lasst es euch nicht zu warm werden. Hier an der Küste geht es noch. Und schon einmal ein schönes Wochenende. )))(:
Liebe Grüße

Sabrina
ChristinaF
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Re: Mein Weg zu mir selbst

Post 17 im Thema

Beitrag von ChristinaF »

Liebe Sabrina,
vielen Dank, dass du uns an deiner Entwicklung teilnehmen läßt. Ich lese sehr gerne deine Zeilen und wünsch dir weiterhin alles
Gute!
LG Christina
Violetta-TransFlower
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Re: Mein Weg zu mir selbst

Post 18 im Thema

Beitrag von Violetta-TransFlower »

Liebe Sabrina,

Dankeschön 💜 für Deine bisherige Lebensgeschichte.
Ich lese sehr gerne mit.
Hast Du Tagebuch geführt bis heute oder erinnerst Du Dich wirklich so gut an diese vielen Dinge aus der Vergangenheit ?

Glückwunsch zu Deiner Frau, solch eine Akzeptanz gibt's nicht allzu oft. (super)
Sabrina-Eileen hat geschrieben: Fr 26. Jun 2026, 18:20 Viel Spaß beim Lesen (das wünsche ich diesmal wenigstens sinnvollerweise am Anfang und nicht am Ende 🤦‍♀️).
Das dachte ich mir beim letzten Mal schon.
Da hatte ich es natürlich schon gelesen.
Sabrina-Eileen hat geschrieben: Fr 26. Jun 2026, 18:20 Jotunheimen
Interessierst Du dich für Metal oder für Norwegen?
Sabrina-Eileen hat geschrieben: Fr 26. Jun 2026, 18:20 denn dort arbeite ich heute (leider) immer noch, seit rund 20 Jahren.

Wieso "leider " ?
Belastet Dich Deine Arbeitssituation sehr?
Das interessiert mich.
Sabrina-Eileen hat geschrieben: Fr 26. Jun 2026, 18:20 Ich hoffe, ich langweile euch nicht.
Keineswegs, ich habe das schon oft geschrieben, ich lese gerne längere Berichte, auch Deine.

hat ein paar Fragen
Deine Violetta 💜 🌺
🌺 Das Glück 🍀 wohnt wieder in meinem Herzen 💜🙏
anika500
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Re: Mein Weg zu mir selbst

Post 19 im Thema

Beitrag von anika500 »

tolle geschichte und das deine frau so verständnisvoll reagiert hat ist schon ein glücksfall,respekt davor,leider ist meine nicht so ,sie weiss es zwar aber will es micht nicht in damnekleidung sehen.ab und zu mal kann ich kleine ausflüge machen,siehe mal bericht in geschichten(radtour marburg-wettlar)
schönes wochenende
anika
Sabrina-Eileen
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Re: Mein Weg zu mir selbst

Post 20 im Thema

Beitrag von Sabrina-Eileen »

Hei ihr Lieben

Erst einmal vielen Dank, dass ihr meine Geschichte gerne lest. (ki)

Dann fange ich erst einmal an, die Fragen zu beantworten und schaue mal, ob ich das mit dem Zitieren auch hinbekomme. Jo, das klappt, nur den Namen der zitierten Person noch nicht. Egal für heute, ist zu heiß.

Hast Du Tagebuch geführt bis heute oder erinnerst Du Dich wirklich so gut an diese vielen Dinge aus der Vergangenheit ?
Ich schreibe tatsächlich nur aus dem Gedächtnis. Ein Tagebuch habe ich zu der Zeit nicht geschrieben, daher nehme ich dieses hier als Ersatz und kopiere mir die Texte dann noch für mich. Ein digitales Tagebuch führe ich erst seit Oktober 2023. Und gerade abends hilft mir das, den Tag gut reflektieren zu lassen. Und ich habe für das Indikationsschreiben vor 3 Wochen einen sehr langen Fragebogen ausfüllen müssen, da kamen viele Erinnerungen wieder hoch.
Interessierst Du dich für Metal oder für Norwegen?
Ich höre gerne Metal und Norwegen ist das Land meines ❤️. Jetzt spoiler ich einfach mal: Ich plane aktuell eine Auswanderung und bin schon halb auf dem Sprung. Aber mehr kommt dazu dann in meiner weiteren Schilderung meines Lebensweges. Ist das jetzt auch schon wieder ein Cliffhanger? 🤔
Wieso "leider " ?
Belastet Dich Deine Arbeitssituation sehr?
Das interessiert mich.
Die Veränderungen an der Arbeit in den letzten 3 bi 4 Jahren sind massiv. Von einem Klima des Vertrauens ist es zu einem Klima des Misstrauens und der Kontrolle geworden. Das ist bei Depressionen nicht wirklich förderlich. Das Thema Depressionen kommt später auch noch ausführlicher. Wenn das aber jemanden antriggert oder es nicht gewünscht ist oder in ein eigene Thema soll, dann bitte einfach einen Hinweis. Und die Arbeitssituation in Norwegen ist mit flachen Hierachiene und einem wertschätzenden Umgang geprägt. Das suche ich für meinen Neuanfang. Wir können und da aber auch gerne separat zu austauschen, wenn du möchtest.

tolle geschichte und das deine frau so verständnisvoll reagiert hat ist schon ein glücksfall,respekt davor,leider ist meine nicht so ,sie weiss es zwar aber will es micht nicht in damnekleidung sehen.ab und zu mal kann ich kleine ausflüge machen,siehe mal bericht in geschichten(radtour marburg-wettlar)
Ich danke dir. Es ist schade, dass deine Frau dich nicht unterstützt. Das war ja auch meine große Sorge. Aber zumindest toleriert sie es. Ich drücke dir die Daumen, dass sich das vielleicht doch noch mal ändert.

So, ich denke, ich habe alles abgearbeitet. ✅
Liebe Grüße

Sabrina
Sabrina-Eileen
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Re: Mein Weg zu mir selbst

Post 21 im Thema

Beitrag von Sabrina-Eileen »

Hei ihr Lieben (888)

Nochmals vielen Dank für eure Rückmeldungen, auch wenn ich das schon mal geschrieben habe. Aber doppelt und so, ihr wisst.

Ich schreibe jetzt einfach mal weiter, weil es mir selber gerade sehr hilft, mein bisheriges (Er)Leben selber zu reflektieren und für mich zu bewerten. Also viel Freude beim Lesen.

Das Jahr 2007 begann recht positiv, da mein befristeter Vertrag auf 2 Jahre verlängert wurde. Das nahm doch ein wenig Druck aus der Sache, hatte ich mich doch Anfang des Jahres beim Arbeitsamt arbeitssuchend melden müssen. Bei meiner Frau war die Situation jedoch etwas anders. Zwar wurde sie im Herbst 2006 befördert, aber musste jeden Tag in die Außenstelle fahren (etwa 25 km) und machte eine Arbeit, die ihrem Studium widersprach. Aber als Beamtin hatte sie recht wenig Möglichkeiten. Seit Mitte Januar 2007 musste sie dann die Arbeit noch für 1,5 Kollegen mitmachen, kam sehr spät nach Hause und musste frühs bei Zeiten los. Für Sabrina bleib zu dieser Zeit meist ein Tag im Monat.

Am 8. Februar 2007 erreichte mich dann um kurz nach 8 der Anruf einer Kollegin meiner Frau, dass sie am Arbeitsplatz zusammengebrochen sei und mit dem Notarztwagen ins Krankenhaus gebracht wurde. Sie teilte mir mit, dass meine Frau mich bat, erst einmal nicht zu kommen, da sie die Untersuchungen abwarten wollte. Der Anruf kam gegen 10 Uhr. Es ging ihr besser und ich konnte sie abholen. Da sie das Auto hatte, musste ich mit der Bahn fahren und konnte dann erst gegen 12 Uhr bei ihr sein. Die wenig überraschende Diagnose lautete Burn out.

In den nächsten Wochen standen dann viele Arztbesuche an, die wir so planten, dass ich zunächst arbeiten konnte, dann aber sie begleiten konnte, damit sie nicht alleine unterwegs ist. Es war eine Zeit großer Sorgen und Sabrina trat komplett in den Hintergrund. Es gab einfach wichtigere Dinge zu tun. Ich bin jemand, der oftmals seine eigenen Bedürfnisse den Bedürfnissen anderer unterordnet. So merkte ich zwar, dass ich physisch und auch psychisch etwas kränker wurde, brachte es aber mit der Situation um meine Frau in Verbindung und schenkte dem keine Beachtung. Heute weiß ich es besser.

Auf ärztlichen Rat sollte meine Frau eine Reha machen und ihr wurde die Klinik in Stadtlengsfeld (Thüringen) empfohlen. Das war von uns nicht so weit weg und die Klinik hatte einen guten Ruf. Im Herbst 2007 ging meine Frau dann für 6 Wochen in die Klinik. An den Wochenenden konnte ich sie immer besuchen und so blieb für Sabrina keine Zeit. Das meine Psyche darunter litt, merkte ich nicht. In der Klinik wurde bei meiner Frau dann eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert, die in der Klinik nicht behandelt werden konnte. Das war zunächst ein Schock. Was tun, welche Klinik, welche Behandlungsmethoden? Viele Fragen, die wir gemeinsam klären mussten. Im Frühjahr 2008 fuhren wir dann durch die halbe Republik und schauten uns Kliniken an, sprachen mit Ärzten und bewerteten die Behandlungsangebote. Im Internet lasen wir viele Bewertungen und meine Frau entschied sich dann für die Traumaklinik in Bielefeld. Und Sabrina? Sie gab es noch, aber sehr versteckt, sehr zurückgezogen. Das machte mir psychisch immer mehr zu schaffen, aber eine Verbindung zum Verdrängen von ihr und meinen Depressionen stellte ich nicht her. Mein Zeitvertrag war zu dieser Zeit zum Glück in einen unbefristeten Vertrag geändert worden, so dass diese Sorge wegfiel.

Im Oktober 2008 ging meine Frau dann für 13 Wochen in die Klinik nach Bielefeld. Von uns waren es 380 km und ich besuchte sie jedes 2. Wochenende. Unter der Woche machte ich viele Überstunden, damit ich am Freitag schon vormittags losfahren konnte. Diese Situation belastete mich und ich ging zu meiner damaligen Hausärztin, die auch meine Frau betreute. Sie verschrieb mir Antidepressiva und da ich mich mit dem Zeug nicht weiters befasst hatte, nahm ich die auch. Meiner Psyche halfen die Dinger, meinem Körper eher nicht. Da das Medikament auf den Stoffwechsel wirkte, nahm ich massiv zu. Das führte immer mehr zu einer Ablehnung meines Körpers und war vor allem für Sabrina eine erhebliche Belastung. Auch diesen Zusammenhang stellte ich aber nicht her.

Eine Woche vor Weihnachten konnte ich meine Frau aus der Klinik holen. Wir entschieden uns, nicht die Familien zu besuchen, sondern verbrachten über Weihnachten und Neujahr einen schönen Urlaub in einem kleinen Ort bei Schlitz in Hessen. Ich natürlich als Mann.

Im Jahr 2009 ging es meiner Frau mal besser, mal etwas schlechter, aber insgesamt bleib endlich wieder Zeit für Sabrina. Und es ging mir psychisch deutlich besser. Noch immer war ich aber mit Blindheit geschlagen, da ich es auf den besseren Gesundheitszustand meiner Frau zurückführte. Die Erkenntnis des Zusammenhangs zwischen meinen Depressionen und Sabrinas Wegsperren sollte noch sehr lange auf sich warten lassen.

Beruflich gab es auch einige Veränderungen. Im Sommer 2010 wurde ich für ein Projekt nach Nürnberg abgeordnet. Das bedeutete pendeln und wir sahen uns nur am Wochenende. Zum Glück konnte meine Frau ihren Alltag wieder sehr gut alleine bewältigen. Das Projekt stand unter enormen zeitlichen Druck und die maximale Arbeitszeit von 10 Stunden galt nicht. Also arbeitete ich oft 12 Stunden, so dass die 11 Stunden Pause noch passten. In dieser Zeit nahm Sabrina langsam wieder etwas mehr Raum ein. Trotz der vielen Arbeit und der Trennung von meiner Frau ging es mir psychisch besser. Das kann ja nur an der neuen Aufgabe liegen. Wieder stellte ich keinen Zusammenhang her.

In Nürnberg gab es zu der Zeit Special-Trade, bevor die nach Schwaig gezogen sind. Ich wollte mich endlich mal beraten lassen, welchen Silikonbrüste für mich passen. So machte ich um 15 Uhr Feierabend und lief bei Nieselregen quer durch die Stadt. Mit jedem Schritt, dem ich dem Laden näher kam, schlug mein Herz höher, schneller und ich schwitzte trotz der Kälte. Es kamen die üblichen Gedanken, was die von mir denken, wie dich mich behandeln, ob sie mich auslachen. In meiner Not telefonierte ich mit meiner Frau. Sie hat mir richtig viel Mut gemacht und ich ging tapfer in den Laden. Ihr kennt es sicher, meine Angst war völlig unbegründet. Ich wurde klasse beraten und bekam ein Paar Brüste die zu mir passten und auch heute noch passen. Ich ging anschließend nicht nach Hause, ich schwebte in meine kleine Abordnungswohnung.

Am kommenden Wochenende hatten die Brüste dann Premiere und meine Frau als meine beste Freundin und gnadenloseste Kritikerin war begeistert. Und ich fühlte mich in meiner Haut damit einfach sauwohl. Und meiner Psyche? Der ging es auch sehr gut. Weihnachten und der Jahreswechsel verliefen unspektakulär, da wir für uns waren und nicht wieder die Familien besuchen mussten. Das entspannt doch. Auch 2011 lies sich zunächst sehr gut an. Meiner Frau ging es wieder besser und wir dachten, wir sind auf einem guten Weg.

Dann machte mein Arbeitgeber plötzlich Zicken, als es darum ging, dass Personal dem gesetzlichen Auftrag folgen soll und man wollte mich zur Kommune übergehen lassen. Zu Beginn meiner Abordnung war das anders besprochen, aber da habe ich gelernt, dass meinem Arbeitgeber nicht zu trauen ist und man wirklich alles schriftlich vereinbaren muss. Es ist immer wieder erstaunlich, wie Alzheimer plötzlich um sich greift. Aber ich gab mich nicht geschlagen und begann, Versetzungsanträge zu schreiben. Da bleib für Sabrina plötzlich keine Zeit mehr und mir ging es auch psychisch wieder schlechter. Wieder erkannte ich den Zusammenhang nicht. Dann hatte meine Frau im Oktober 2011 noch einen Radunfall und das aufgebaute Vertrauen in der Traumaarbeit war zerstört. Es folgte dann ein langer Klinikaufenthalt bis über den Jahreswechsel 2011 / 2012.

Wir hatten uns bereits im Herbst entschieden, aus Thüringen fortzuziehen und dann kam ein passendes Angebot für eine neue Aufgabe im Norden der Republik. Wir besprachen und lange und entschieden, das Angebot anzunehmen. Mitte Januar 2012 sollte es losgehen. Wohin? Das kommt im nächsten Teil. Ihr kennt das doch schon. )))(:
Liebe Grüße

Sabrina
Sabrina-Eileen
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Re: Mein Weg zu mir selbst

Post 22 im Thema

Beitrag von Sabrina-Eileen »

Hei ihr Lieben (eink-q)

Heute habe ich so einen richtigen Durchhänger und die Depressionen sind mal wieder schlimmer. Da hilft es mir, einfach ein wenig zu schreiben und mein Leben weiter zu reflektieren. Also kommt hier der nächste Abschnitt und ich wünsche wieder viel Spaß beim Lesen. (smili)

Wir schreiben also das Jahr 2012 und Mitte Januar trat ich meine neue Stelle in Hamburg an. Ein neues Aufgabenfeld, neue Rechtsvorschriften und natürlich neue Kollegen. Und dazu kam, dass wir ja auch noch eine neue Wohnung suchen müssen. In Hamburg? Nein, das schied sehr schnell aus. Wir sind beide eher Naturmenschen und dort, wo es in Hamburg schön ist mit viel Natur und Ruhe, da kann man es nicht wirklich bezahlen, wenn man nicht gerade zu Hause so ein nettes Tier hat, was Dukaten scheißt. Also bestand mein Alltag darin, nach Wohnungen außerhalb von Hamburg zu suchen, wenn ich Feierabend hatte. Gar nicht so leicht, da es auch eine gute Bahnanbindung geben sollte. Und da es meiner Frau gesundheitlich nicht so gut ging, musste ich alles alleine organisieren. An den Wochenenden fuhr ich freitags früh nach Thüringen und am Sonntagabend wieder nach Hamburg. Zu der Zeit fuhr die Bahn noch recht pünktlich. :lol: Dann stieß ich auf eine Wohnung in Bad Oldesloe die preislich ganz gut war, auch wenn man die Monatskarte für den HVV dazurechnete. Also fuhr ich einen Abend hin, schaute mir die Wohnung an und sie sagte mir zu. Abend besprachen wir alles und meine Frau war einverstanden. Dann am nächsten Morgen angerufen und die Liste bekommen, was alles einzureichen sei. Ihr kennt das vielleicht. Das war ziemlich Stress, zumal ich immer im Hotel übernachtete. Mitte April 2012 hatte das dann endlich ein Ende und wir zogen nach Bad Oldesloe.

In den nächsten Wochen kamen nach und nach die neuen Möbel, wir strichen die Wände und richteten uns ein. Im Herbst klopfte dann Sabrina mal wieder an. Die Nähe zu Hamburg eröffnet ja jede Menge Möglichkeiten, dachte ich. Also kümmerte ich mich um meine Klamotten und Kosmetik. Und ich wollte ja endlich auch mal die weite Welt erkunden. An einem Sonntag im Herbst war ich sehr mutig, wie ich fand. Ich zog meine neue Damenjeans an, ein Shirt drüber und eine Jeansjacke. Dazu dann die neuen rosafarbenen! Stoffturnschuhe. So gingen wir unsere Runde spazieren. Mein Herz klopfte wie wild, da ich dachte, jeder sieht nur auf die Schuhe, erkennt die Damenjeans und verspottet mich. Aber an der Hand meiner Frau fühlte ich mich sicher und die Leute, die uns begegneten, nahmen keine Notiz von uns. Mein erster kleiner Schritt war geschafft. (fwe3) Und ich klopfte mir auf die Schultern. Aber ohne meine Frau hätte ich mich wahrscheinlich wieder nicht getraut.

Ich übte also immer wieder, mich richtig zu schminken und übte den weiblichen Gang und wollte dann mit meiner Frau nach Hamburg zu der Selbsthilfegruppe im Kiss in Altona. Als wieder eines der Treffen war, fuhren wir nach Hamburg. Allerdings hatte ich wieder kalte Füße bekommen und bin als Mann gefahren. Wir liefen eine ganze Zeit durch Hamburg und aßen in Altona bei einem Asiaten zu Mittag. Dann war es irgendwann Zeit, zum Kiss zu gehen. Wir fanden auch das Treffen und wurden begrüßt. Mehr leider nicht. Es war sehr schwer, in dieser Gruppe in Kontakt zu kommen. Versuche, einfach mit jemanden zu reden, endeten meist nach 2 bis 3 Sätzen. Das Gefühl hatte meine Frau auch so. Regina und Juliane sehen es mir an dieser Stelle nach. So beschloss ich, hier nicht wieder herzukommen.

Zum Jahresende und zu Beginn des Jahres 2013 war bei mir sehr viel Stress an der Arbeit. Im Mai startete die neue Organisationsform und bis dahin mussten wir unsere Akten, die wir abgeben mussten, auf den aktuellen Stand bringen. Das bedeutete viele Überstunden. Dazu kam, dass es meiner Frau gesundheitlich nicht gut ging und ich ihr viel helfen musste, was ich sehr gerne tat. So blieb für Sabrina keine Zeit mehr. Anfang Mai besuchte ich dann meine Eltern und stellte fest, dass ich kaum noch in der Lage war, spazieren zu gehen oder sonst etwas zu machen. Ich saß sehr lange auf einer Bank am Wald und dachte über mein Leben nach. So kann es nicht weitergehen, dachte ich und machte die Arbeit für meine Situation verantwortlich. Wieder in Schleswig-Holstein nahm ich mir eine Auszeit, da es mit den Depressionen nicht besser wurde. Wie auch, wenn ich nichts geändert habe?! Aber da war ich noch recht unbedarft zu der Zeit. Und da ja einen echten Kerl nichts umhaut, so dachte ich, arbeitete ich dann wieder nach 4 Wochen. Das funktionierte aber nur bis Anfang August, dann ging nichts mehr. Ich rutsche in meine nächste tiefe depressive Phase. Vielleicht kennt ihr so was ja auch, wenn selbst der Gang zur Toilette einfach zu viel wird. So suchte ich mir einen Psychiater und dann ging es wieder mit den Antidepressiva los, die mir aber bis auf die Nebenwirkungen keine Hilfe waren. Nur Dank meiner Frau kam ich Anfang 2014 aus dem Tief heraus und konnte dann wieder arbeiten. Ich machte jetzt weniger Überstunden, und begann nach langem Suchen im Mai 2014 eine Psychotherapie.

Zunächst ging es nur um die allgemeinen belastenden Situationen an der Arbeit und zu Hause. Dann nahm ich aber meinen Mut zusammen und erzählte der Therapeutin von Sabrina, wie lange es schon ging und wir begannen, tiefenpsychologisch zu arbeiten. Die Zeit hätte ich mir eigentlich sparen können, wenn ich das heute so betrachte. Aber hinterher ist man ja immer schlauer. Aber ich ging einen Schritt weiter. Bisher kannte nur meine Frau Sabrina, sonst aber niemand. Und so schrieb ich meinen Eltern Ende September 2014 einen Brief und erklärte, dass es Sabrina gibt. Und ich legte ein Foto bei. Ich bat meine Frau, den Brief einzuwerfen, damit ich es mir nicht noch anders überlege. Ich kenne mich und meine kalten Füße ja recht gut.

Dann hieß es warten. Was sagen sie? Verstehen sie mich? Verachten sie mich? Mir gingen so viele Gedanken durch den Kopf. Dann rief mich meine Frau an der Arbeit an. Sie hatte mit meiner Mutter gesprochen und sie sagte, dass es meine Eltern sehr gut aufgenommen haben. Meine Frau hatte da auch sehr viel zu erzählt, dass es eben kein Fetisch ist und die Denkweise entsprechend in die richtige Richtung gelenkt. Das vielen mir wieder jede Menge Steine vom ❤️. Bei meinem nächsten Besuch im November bei meinen Eltern war Sabrina Thema und und ich bekam viel Verständnis. Leider schlief dieses Interesse seitens meiner Eltern und meiner Schwester alsbald ein. Aber ich weiß, dass sie mich trotzdem nicht verstoßen und dieses Wissen hilft mir aktuell sehr auf meinem Weg.

In den kommenden Monaten nahm Sabrina wieder deutlich mehr Raum in meinem Leben ein. Und ich beschäftigte mich mal wieder damit, ob ich nicht doch als Frau weiterleben möchte. Ein Gedanke, der immer wieder kam und kommt, ihr kennt es sicherlich. Bei einem meiner Termine bei meinem Neurologen in Hamburg nahm ich dann Fotos von Sabrina mit und erzählte ihm davon. Bis dahin dachte ich eigentlich, er sei sehr verständnisvoll und empathisch. Aber hier war er sehr schroff zu mir, meinte nur, das sei nicht sein Thema und da müsse ich nach Eppendorf in die Klinik. Mehr nicht. Das fand ich sehr enttäuschend, aber Menschen kann man ja nicht ändern. Also nahm ich das so hin und besprach das mit meiner Psychologin. Aber auch hier fand ich nicht das richtige Gehör, da wir ja viel in meiner Vergangenheit rumwühlten. Also machte ich es mit mir selber aus.

Im April 2015 war es dann endlich so weit. Es war nicht mehr länger zum Aushalten und so machte ich mich zurecht, packte meine Handtasche und dann ging ich tatsächlich zum Bahnhof. Meine Frau konnte leider nicht mit, machte mir aber ganz viel Mut. (he) Ich fuhr nach Hamburg, besuchte die Switch-Selbsthilfegruppe und fuhr mehr als zufrieden wieder nach Hause. Es schauten viele Menschen, auch bei der Fahrkartenkontrolle im Zug, aber mehr auch nicht. Ob es unsere Nachbarn bemerkten weiß ich bis heute nicht. Zumindest hat mich nie jemand drauf angesprochen. (yes) Der Anfang war gemacht. Und wie ging es meinem Inneren? Dort herrschte Chaos hoch 10. Ich war draußen und es fühlte sich so richtig, so stimmig an. Und es sollte nicht enden. Aber ich bin ja ein Mann, der sich um seine kranke Frau kümmern, den Haushalt organisieren und arbeiten muss. Da kann Sabrina ja "nur" ein Hobby sein, ein kleiner Teil, mehr nicht. Ja, so muss es sein und dass ich mir hier selber in die Tasche lüge, diese Erkenntnis kam erst viele Jahre später.

In den nächsten Monaten machte ich mich daran, mich mit einer Geschäftsidee selbstständig zu machen. Das kostete viel Zeit und Kraft und für Sabrina blieb wieder keine Zeit, nur zu Hause immer mal wieder. Aber so kannte ich es ja. Trotzdem war ich recht zu frieden, dachte ich. Doch mir fehlte etwas. Der Nervenkitzel, nach draußen zu gehen? Ja, es ist aufregend, auch Angst dabei, aber es ist noch ein anderes Gefühl, etwas Tieferes, nicht wirklich fassbar. Und so stand bald Weihnachten vor der Tür und dann machte meine Frau mir einen richtig tollen Vorschlag. Welchen? Das kommt beim nächsten Mal. :wink:

Ich danke euch, wenn ihr bis hier durchgehalten habt. Mir hat das Schreiben jetzt sehr geholfen, mich wieder geerdet und ins Hier und Jetzt zurückgebracht. So kann ich mich jetzt ums Abendessen kümmern und laufe nicht Gefahr, wieder ins Grübeln zu kommen. Einfach auch mal ein großes Dankeschön, dass ich hier sein darf. (moin)
Liebe Grüße

Sabrina
Malvine
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Re: Mein Weg zu mir selbst

Post 23 im Thema

Beitrag von Malvine »

Sabrina-Eileen hat geschrieben: Mi 1. Jul 2026, 18:52 Einfach auch mal ein großes Dankeschön, dass ich hier sein darf
Hallo Sabrina-Eileen,

vielen Dank für den Blick hinter die Kulissen deiner Entwicklung.
Dieses Forum lebt vom Geben und Nehmen und Berichte wie deiner zeigen, es ist nicht immer einfach.
Ich freue mich schon auf den nächsten Teil

LG
Malvine
Nicht das schwarze Schaf ist anders, die Weißen sind alle gleich
Alexandra S.
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Re: Mein Weg zu mir selbst

Post 24 im Thema

Beitrag von Alexandra S. »

Hallo liebe Sabrina )))(:
Vielen lieben Dank für Deine Geschichte.
Ich wünsche Dir viel Kraft und alles Gute, dass es Dir bald wieder besser geht (dr)
Liebe Grüße
Alexandra ))):s
Daniela04
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Re: Mein Weg zu mir selbst

Post 25 im Thema

Beitrag von Daniela04 »

Liebe Sabrina
Sabrina-Eileen hat geschrieben: Mi 1. Jul 2026, 18:52 Heute habe ich so einen richtigen Durchhänger und die Depressionen sind mal wieder schlimmer. Da hilft es mir, einfach ein wenig zu schreiben und mein Leben weiter zu reflektieren. Also kommt hier der nächste Abschnitt und ich wünsche wieder viel Spaß beim Lesen. (smili)
Ich weiss wie wichtig es ist, seine Seele offenzulegen wenn es einem nicht gut geht. Das Schöne in unserem Forum ist, dass es hier am richtigen Platz ist. Ich habe Deine Geschichte gerne gelesen. Ich habe in meinem Thread auch meine Geschichte niedergeschrieben, eine Art Tagebuch rückblickend, wie Du es machst, das tut Dir gut, wie es mir gut getan hat. Ich schreibe mittlerweile über meine "Abenteuer" auf meinem Weg meine Weiblichkeit auszuleben.

Ich freue mich schon auf den nächsten Teil (he)

Herzlicher Gruss
Daniela
Ich will einfach der sein, der ich wirklich bin: ein Mann, der seine mittlerweile erkannte sehr bedeutende Weiblichkeit vertieft kennenlernen möchte.
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