Crossdressing darf auch Spaß machen!
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Helga
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Crossdressing darf auch Spaß machen!

Post 1 im Thema

Beitrag von Helga »

In einem etwas aus der Spur geratenen Vorstellungssthread findet sich folgender Absatz:
!EmmiMarie! hat geschrieben: Mo 9. Nov 2020, 12:50 Da gebe ich dir Recht, aus Spass outet man sich nicht. Aber trotzdem glaube ich, das es für mache hier genau das auch ist,
Spass haben am tragen weiblich konotierter Kleidung, oder eben der Wohlfühlfaktor.
Liebe Marie, sieh es mir bitte nach, dass ich dich mal wieder zitiere, aber du schneidest hiermit einen ganz wichtigen Punkt an, der irgendwie nicht im Kollektivbewusstsein verankert zu sein schein: Crossdressing darf auch Spass machen, es soll sogar Spass machen!

In der Grundschule versuchte mir ein Sportlehrer "vom alten Schlag", Jahrgang um 1920, natürlich gedient (sogar doppelt, bis '45 und nach`55) die "gute alte" preußische Tugend "lerne leiden ohne zu klagen" näher zu bringen. Heulende Jungs waren ihm ein Greuel, auch wenn er mit seiner aufbrausenden Art und der gelegentlich ausrutschenden Hand an solchen Gefühlsausbrüchen nicht ganz unbeteiligt war.
Wir sind uns sicherlich einig, dass eine solche Geisteshaltung letzlich nur in ein frühes Grab führen kann. Soweit ich mich erinnere zeigte mir meine Mutter seine Todesanzeige irgendwann Anfang der 1980er Jahre. Ich kann mich leider nicht erinnern oder habe es nie erfahren welches Leiden er klaglos ertragen hat.

Der Begriff "Leidensdruck" dürfte in diesem Forum im Ranking der meistbenutzten Wörter wohl mit unter die Top 10 fallen. Vom "Leiden" wissen wir vermutlich mehr als mancher Schmerztherapeut.
Die besondere Neigung oder Variation (von Störung müssen wir zu Glück nicht mehr sprechen), aus der sich die Gruppenkohäsion unseres Forums nährt, ist geeignet schweres psychiches Leid, in Extremfällen bis hin zur Suizidalität auszulösen. Es gibt wohl kaum ein Forumsmitglied, das nicht irgendwann über einen gewissen Zeitraum zu leiden hatte. Wenn mensch bedenkt, dass 30 Jahre hierbei keine Seltenheit sind, nimmt dieses Leiden Ausmaße an, die sich Außenstehende kaum vorstellen können.
Da mir nicht die Begriffshoheit obliegt bin ich nicht sicher, ob ich hier von "Geschlechtsinkongruenz" oder gar "Geschlechtsdysphorie" schreiben darf, ich glaube allerdings nicht, dass sich die Grundlage zwischen Crossdressern oder Transsexuellen wesentlich unterscheidet außer vielleicht in ihrer Intensität.
Hinzu kommt sicherlich, dass die meisten Betroffenen auf eine lange Phase des Schämens, vor anderen und insbesondere vor sich selbst zurückblicken. Diese Selbstscham, entstanden aus einer konservativ- rückständigen Erziehung, führt mutmaßlich dazu, dass einige sich unterbewusst durch zusätzliches Leiden selbst dafür bestrafen so ein "perverser, entarteter Mensch" zu sein.

Aber kann diese besondere Neigung oder Variation auch etwas anderes auslösen als Leiden?
Ja, das kann sie! Mensch kann den Spieß auch umdrehen. Richtig eingesetzt ist diese besondere Neigung oder Variation in der Lage genau das Gegenteil auszulösen, nämlich Spaß, Freude, Glück, Wohlgefühl etc. Wenn mensch aufhört mit sich selbst zu hadern können hieraus Erlebnisse, Erfahrungen, Empfindungen, etc. entstehen, die keinem cis- Mann vergönnt sind.

Um auf den oben zitierten Thread zurück zu kommen kann ich jeder/m die/ der nicht weiter weiß raten, sich eben diese positiven Gefühle zu verschaffen. Wie dies zu bewerkstelligen ist, ist individuell sicherlich unterschiedlich und schlussendlich eine Sache des Ausprobierens. Ob es stundenlanges Powershopping, ausgedehnte Spaziergänge an reizvollen Orten, ergiebige Fotoshootings, Cosplay, der Besuch eines Theaters oder Konzertes im rascheligen Abendkleid, ein Auftritt als Dragqueen, ein Kurzurlaub en femme, lustvoller Sex, Online- Computerspiele oder... ist, spielt keine Rolle. Das Forum hält reichlich Beispiele parat. Wichtig ist den körpereigenen Drogendealer an die Arbeit zu bringen und den Ausstoß von Dopamin, Serotonin oder was auch immer gerade als Glückshormon gehandelt wird in Gang zu bringen und auf diese Weise auch die im Kopf vorhandene Verknüpfung "nicht-Crossdressing=Leidensdruck" zu lösen und stattdessen die Verknüpfung "Crossdressing=Spaß" herzustellen. Es scheint auf den ersten Blick auf das Gleiche heraus zu kommen, ist aber wie mit dem halbvollen oder halbleeren Glas. Durch entsprechende Konditionierung kann mensch dahin kommen in den MM- Phasen nicht darunter zu leiden kein Kleid tragen zu können, sondern vielmehr Vorfreude auf das nächste Crossdressing- Erlebnis zu empfinden. Schöne Erlebnisse halten sehr lange nach und helfen auch einen Corona- Winter zu überstehen ohne adäquat gekleidet zu sein.
Wichtig ist dabei sich nicht selbst noch Leiden zuzufügen. Bitte nichts wegwerfen! Fehlende Ausstattung führt zu Leidensdruck. Mensch sollte immer das Gefühl haben "ich kann wenn ich will". Schön ist, wenn dann das Umfeld auch noch mitspielt und die Crossdressing- Erlebnisse ohne Zeitdruck und insbesondere ohne schlechtes Gewissen genossen werden können. Also versucht entsprechende Arrangements zu treffen.

Abschließend noch ein persönliches Statement: Mir hat das Crossdressing in den zwei Jahren, in denen ich es wirklich aktiv betreibe soviel zusätzliche Lebensqualität aber auch soviel Positives für mich als Persönlichkeit (auch im MM) gebracht, dass ich keinesfalls mehr auf meine Neigung verzichten möchte. Und käme jemand, der eine Pille erfunden hätte, die mich zum cis- Mann macht, ich würde entrüstet ablehnen.

Liebe Grüße
Helga
Was bin ich?- Zunächst einmal bin ich ein Mensch!
Meistens bin ich ein Mann.
Wenn mir danach ist bin ich eine Frau.
Ich muss mich nicht festlegen.
vanessa34
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Re: Crossdressing darf auch Spaß machen!

Post 2 im Thema

Beitrag von vanessa34 »

Vielen Dank für die interessante Perspektive.
Lg,
Vanessa
VanessaB
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Re: Crossdressing darf auch Spaß machen!

Post 3 im Thema

Beitrag von VanessaB »

Liebe Helga,

das ist ein wirklich schöner, wunderbarer Beitrag von Dir. Vielen Dank dafür und natürlich darf das Leben Spaß machen!

An dieser Stelle habe ich jedoch gestockt:
Helga hat geschrieben: Mi 11. Nov 2020, 22:14
Da mir nicht die Begriffshoheit obliegt bin ich nicht sicher, ob ich hier von "Geschlechtsinkongruenz" oder gar "Geschlechtsdysphorie" schreiben darf, ich glaube allerdings nicht, dass sich die Grundlage zwischen Crossdressern oder Transsexuellen wesentlich unterscheidet außer vielleicht in ihrer Intensität.
Natürlich unterscheiden sich Crossdresser nicht von Transsexuellen ... es sind alles Menschen. Dann fängt es aber schon an sich zu trennen, denn bereits das Tragen der weiblichen Kleidung erfolgt aus unterschiedlicher Motivation/Perspektive. Menschen, die durch eine Transition gehen, sind meiner Meinung nach nicht vergleichbar mit Menschen, die einen zeitweisen Rollenwechsel vollziehen. Nicht umsonst gibt es im ICD die Unterteilungen in F64.0, F64.1 oder F65.1 und wie ich immer mal gerne anführe ... es gibt auch noch TransMänner und Butches. Die werden in diesem Forum oft ganz ausgeblendet und haben zum Teil wieder andere Themen und Perspektiven. Übergänge sind natürlich fließend und von geschlechtsneutralen Personen oder genderfluiden Menschen habe ich noch gar nicht gesprochen.

Nein, es macht aus meiner Sicht keinen Sinn, unterschiedliche Dinge gleichzustellen. Dies führt immer wieder zu Konflikten, wie wir ja in diesem Forum des Öfteren lesen. Als Mann eine weibliche Seite haben und ausleben ist nicht die gleiche Grundlage wie eine Frau mit einem männlichen Körper zu sein, auch wenn weibliche Kleidung da eine Schnittmenge ist. Alles und jeder hat seine Berechtigung, ist aber deswegen nicht gleich und muss nicht gleicher gemacht werden ... es lebe die Vielfalt ...

und wie Du so schön formuliert hast .... es darf auch Spaß machen ... tanzen wir durch unser Leben und freuen uns darüber so zu sein, wie wir sind. Individuell und einzigartig! Namasté.

Alles Liebe
Vanessa

PS: Falls es nicht klar genug formuliert war, alles nur meine persönliche Meinung, ohne Anspruch auf Wahrheit. Jeder ist frei, seine eigene Sicht zu haben.
Beratung - Mediation - Coaching - oder einfach nur OHRZEIT in Kiel

Liebe ist das Ziel - Dialog der Weg - Würde das Prinzip
Doreen
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Re: Crossdressing darf auch Spaß machen!

Post 4 im Thema

Beitrag von Doreen »

Helga hat geschrieben: Mi 11. Nov 2020, 22:14 Und käme jemand, der eine Pille erfunden hätte, die mich zum cis- Mann macht, ich würde entrüstet ablehnen.
Guten Morgen Helga,
da stimme ich Dir voll zu, ich empfinde mein Crossdressen nicht als Leiden sondern als etwas Tolles.
Auch ich freue mich jedesmal wenn ich wie gestern erst wieder, nach einer ärztlichen Untersuchung ohne Dessous und Halterlosen
nach Hause komme und mich umkleiden kann. Da kann ich es kaum erwarten in meine Alttagswäsche zu schlüpfen, den BH auszufüllen und ins Kleid zu steigen.
Dann beginnt der Wohlfühleffekt bei mir und die Entspannung.

Früher in den 1960/1970er Jahren war es für mich ein Leiden meinen Wunsch und Drang nach weiblicher Kleidung zu verheimlichen und zu unterdrücken.
Damals glaubte ich schwul zu sein, hatte aber nie das Bedürfnis etwas mit einem Mann anzufangen, also was war es was mich zum Anlegen weiblicher Kleidung zwang?


Die damaligen Begriffe für Männer die sich in Frauenkleidung schmissen wie "Tunte", Schwuchtel" usw wollte ich für mich nie gelten lassen, ich war und bin männlich
und liebe eben die Weiblichkeit die in mir steckt und die zeigt sich in dem ich Kleider, Röcke Wäsche und Nachthemden trage, äußerlich Mann, innerlich Frau.

Leidensdruck verspüre ich stets wenn ich mal aus verschiedenen Gründen keine Damenunterwäche tragen darf, (Krankenhausaufenthalt, Kur, oder Reha) oder auch offene Umkleidekabinen in Fitnesscentern.

Einen schönen Tag an alle
LG Doreen
Kathi87
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Re: Crossdressing darf auch Spaß machen!

Post 5 im Thema

Beitrag von Kathi87 »

Guten morgen ihr Lieben,

ich denke genau in dem Leidensmaß liegt in meinen Augen der Unterschied. Unsere Gemeinsamkeit ist das wir alle queere Menschen sind und dann unterteilen wir uns auch schon.

Für mich ist ein Mensch wenn es sich als weiblich vorstellt weiblich und wenn es sich als männlich Vorstellt männlich oder wie auch immer die Konstellation ist.

Aber wenn ich vergleiche eine Teilzeifrau ist glücklich wenn sie mehr oder weniger Zeit die Rolle wechselt, aber dann auch zufrieden wieder in die alte Rolle zurück fällt.

Für mich als transgender gibt es kein zurück mehr, ein zurück würde mich kaputt machen, so wie ich an der falschen Rolle zerbrochen bin. Ich kann es auch nicht heimlich Zuhause ausleben, den für mich ist es kein ausleben sondern Leben.

Ich sehe da schon Unterschiede, aber damit steht keine der Fraktionen der anderen in irgendwas nach, schließlich gibt es auch so viele Punkte wo wir gleich fühlen und denken.

Ich denke jeder Mensch sollte glücklich sein, wenn es nicht trans ist, das ist ein fürchterlich anstrengender Weg und ich habe mir während meiner Transition oft die Frage gestellt reicht dir Teilzeitfrau nicht? Das hätte mir vieles erspart. Leider ist es nicht so einfach.

Und natürlich sollte gerade crossdressen Spaß machen. Das springen in ein anderes Rollenbild und sich neu zu erfinden, ist doch was befreiendes

Liebe Grüße
Katharina
Es ist besser, für das was man ist, gehasst,
Als für das, was man nicht ist, geliebt zu werden.
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Re: Crossdressing darf auch Spaß machen!

Post 6 im Thema

Beitrag von Stina »

Moin zusammen!
Ich glaube, daß Spaß am cross dressen genau der Punkt ist! Es soll doch für die Seele ein Ankerplatz sein. Sowas wie ein Heimathafen. Erst als ich das begriffen habe, konnte ich meinen Schatz verstehen. Für mich war es grade wichtig zu wissen, ob da noch mehr ist. Ob er auch gerne Mann ist. Ja, ist er. Ich konnte mir es nicht vorstellen und habe es auch nicht geglaubt, daß beide etwas davon haben können! Jetzt weiß ich es besser. Wir haben eine Menge Spaß zusammen. Und wenn ich sehe, wie entspannt mein Liebling ist, geht mir das Herz auf ❤️ Wir sind beide im Heimathafen eingelaufen.
LG, Stina
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Re: Crossdressing darf auch Spaß machen!

Post 7 im Thema

Beitrag von Doreen »

Danke Stina, das ist schön ausgedrückt und sagt doch alles.
Meine Frau findet es auch stets so, sie hat im Laufe unserer
25jährigen Beziehung festgestellt daß mich das Tragen von Damenwäsche und Kleidern ausgeglichener macht.

Ohne diese Kleidung macht mich der Tag zuweilen launisch.
Ob ich nun Transsexuell, Transvestit, Drag Queen oder Damenwäscheträger bin ist doch ganz egal, ich mag alles in dieser Richtung.
Vielleicht bin ich doch mehr als nur CD, denn auch in mir keimt manchmal der Wunsch ganz ein weibliches Leben zu führen.
Gern würde ich mal ein paar Tage an einem fremden Ort als Frau hinausgehen, leider geht das nicht, habe ich meiner Liebsten versprochen dies nicht zu tun,'.
Dafür darf ich mein Frausein voll zu Hause ausleben, und das erfüllt mich vollkommen.

Lange dachte ich man könne den Wunsch nach Weiblichkeit wegtherapieren, ich weiß heute das dies nicht funktioniert.
Von Geburt an habe ich diese zweite Lebensweise in und an mir und bereue sie nicht. Ich kann als Mann mitreden wie es ist einen Büstehalter zu tragen, kann nachempfinden
wie schön es sich anfülht in Seidenstrümpfen gekleidet zu sein, kann die unbeschreiblichen Gefühle in einem Petticoat unterm Kleid zu stecken beschreiben
Welcher Mann kann das von sich behaupten, außer die vielen anderen Nicht-Leidensdruck-Mädels?

Jeder Mensch sollte das Tragen können was im gefällt, ohne Vorurteile oder Anfeindungen, Wenn unsere Gesellschaft mal soweit wäre, das wäre super!

LG Doreen
Lisa84
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Re: Crossdressing darf auch Spaß machen!

Post 8 im Thema

Beitrag von Lisa84 »

Ich danke Helga vielmals für diesen tollen Beitrag, denn er fasst viele Punkte zusammen, denen ich uneingeschränkt zustimmen kann. Der Spaß ist es doch, was Crossdressing ausmacht. Dabei ist es meines Erachtens auch völlig irrelevant, aus welcher Motivation heraus dies geschieht. Ob ich nun meine sexuellen Vorlieben damit ausleben möchte, es als Mittel der Entspannung ansehe, ob ich meiner inneren Weiblichkeit damit zeitweise Raum geben möchte oder es als Ausdruck meines Ausbruchs aus heteronormativen Alltag und Gesellschaft ansehe: Alles sind vollkommen legitime Gründe und es steht vor allem die Befriedigung innerer Bedürfnisse an erster Stelle.
Insofern stimmt es natürlich, dass wir uns grundlegend von Transgendern unterscheiden, andererseits einen uns jedoch auch ganz viele praktische Aspekte:
  • Das Outing (vor uns selbst oder Familie und Freunden) betrifft uns alle irgendwie und da ist es doch schön, wenn man auf Erfahrungen zurückgreifen kann.
  • Bei Kleidung und Schminke eint uns eine gewisse körperliche Grundlage, die auch ganz unabhängig von Geschlecht und Motivation unterschiedlich ausgeprägt ist (Ich spreche da aus Erfahrung :? )
  • Mit Problemen in Partnerschaften, Familie, beim Arbeitgeber und in der Gesellschaft haben wir alle mehr oder weniger Erfahrungen in unterschiedlichen Intensitäten
Und das sind nur ein paar Beispiele. Ich finde es wichtig und schön, wenn wir als Gesellschaft weniger auf die Unterschiede eingehen und uns viel mehr auf die Punkte konzentriert die uns zusammenbringen, darunter eben auch der Spaß.
sbsr
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Re: Crossdressing darf auch Spaß machen!

Post 9 im Thema

Beitrag von sbsr »

Crossdressing nur aus Spaß gibt es unbestritten: junge Männer, die sich zum Karneval als Frauen verkleiden, weil sie es gerade lustig finden.

Ich denke, alle anderen, also insbesondere wer in einem Forum wie diesem hier angemeldet ist, macht das nicht aus reinem Jucks an der Freude.

Manchmal weiß ich selbst nicht, wie trans* ich eigentlich bin. Wenn die gute Fee vor mir stünde und mir einen biologisch und schon immer weiblichen Körper anbietet, wahrscheinlich würde ich annehmen. Genauso würde ich aber auch die Pille nehmen, damit das alles aufhört. Ich gehe nicht an der Tatsache kaputt ein Mann zu sein, der Weg der Transition kommt für mich nicht in Frage. Und trotzdem habe ich gelitten, mein Leben lang, und leide immer noch, Tag für Tag sehe ich Frauen mit ihren wohl geformten Körpern, ihren langen Haaren und schönen Kleidern, und träume davon auch so zu sein. Das erste Mal im Sommerkleid aus dem Auto aussteigen, den Bürgersteig entlang gehen und einen tollen Abend im Biergarten zu verbringen, das hat sich angefühlt wie der erste Atemzug nach 35 Jahren Luft anhalten. Hätte ich das nicht gemacht, drei Monate später wäre ich erstickt.

Jetzt gerade stehe ich im Rosa Lagenlook Blusenpullover und einer flared Hose im Büro an meinem Schreibtisch. Für meine Kolleginnen ist der Anblick total normal geworden. Es bereitet mir Freude, weil das für mich die richtige Kleidung ist. Die typischen Männerhosen und Hemden fühlen sich falsch an, darin komme ich mir verkleidet vor. Und trotzdem weiß ich, auf dem Heimweg werde ich mich im Auto umziehen in genau so eine Männerhose und Hemd, damit meine Frau nicht mitbekommt, dass ich in Damenkleidung zur Arbeit gehe. Das strengt an und macht die ganze Freude daran wieder zunichte. Morgen wird es aber wieder so laufen, nächste Woche auch und wahrscheinlich noch viele Wochen danach.

Spaß und Freude, ganz klar. Einfach nur Spaß, keinesfalls. Leidensdruck, ja,mal mehr mal weniger auszuhalten. Ich bin keine Trans*frau, bestenfalls Teilzeitfrau, wobei Zeit ganz klein geschrieben werden muss, ich würde mich zu den Crossdressern zählen, ein Mann der Damenkleidung trägt. CD, Drag, DWT, Trans*frauen und Trans*männer, wir unterscheiden uns in den Motiven, im Ausmaß und in vielem anderen, das ist auch gut so. Aber wir haben alle eines gemeinsam, es gibt einen Grund, der in unserer Persönlichkeit liegt, aus dem wir das tun was wir tun, dem wir uns nicht ewig widersetzen können ohne darunter zu leiden. Ich würde mir niemals anmaßen, jemandem größeres Leid als anderen zu attestieren, oder einer der Gruppierungen ihr Leid abzusprechen.
LG, Svenja

Erinnerungen sind das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.
Lavendellöwin
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Re: Crossdressing darf auch Spaß machen!

Post 10 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Helga hat geschrieben: Mi 11. Nov 2020, 22:14
!EmmiMarie! hat geschrieben: Mo 9. Nov 2020, 12:50 Da gebe ich dir Recht, aus Spass outet man sich nicht. Aber trotzdem glaube ich, das es für mache hier genau das auch ist,
Spass haben am tragen weiblich konotierter Kleidung, oder eben der Wohlfühlfaktor.
Liebe Marie, sieh es mir bitte nach, dass ich dich mal wieder zitiere, aber du schneidest hiermit einen ganz wichtigen Punkt an, der irgendwie nicht im Kollektivbewusstsein verankert zu sein schein: Crossdressing darf auch Spass machen, es soll sogar Spass machen!


Abschließend noch ein persönliches Statement: Mir hat das Crossdressing in den zwei Jahren, in denen ich es wirklich aktiv betreibe soviel zusätzliche Lebensqualität aber auch soviel Positives für mich als Persönlichkeit (auch im MM) gebracht, dass ich keinesfalls mehr auf meine Neigung verzichten möchte. Und käme jemand, der eine Pille erfunden hätte, die mich zum cis- Mann macht, ich würde entrüstet ablehnen.

Liebe Grüße
Helga
Hi Helga...

sehr sehr gerne darfst du das zitieren-es freut mich sogar!
Und ich glaube auch, das wir inzwischen einen recht respektvollen Umgang miteinander haben..super, dafür danke ich dir.

Ich finde es auch toll, das du hier mal über deine positiven Erfahrungen schreibst, was dir das Crossdressing gibt,
naja, ich höre auch zu gerne solche Dinge, denn grade ist doch genau das unendlich wichtig..

Natürlich möchte ich auch noch was dazu sagen...

ich für mich würde schon sehr zwischen Kleidung und Körper differenzieren, meinetwegen auch Rolle, aber wieder
auch nicht, da ich neutral erzogen wurde-das möchte ich an der Stelle aber nicht wiederholen.

Wenn ich jetzt meine Bekannten und Freundinnen anschaue, wenn wir zusammen sind und was zusammen machen,
spüre ich für mich immer wieder, das sie natürlich (dabei meine ich natürlich und natürlich) Freude daran haben ihrer Weiblichkeit
Ausdruck zu verleihen.
In ganz verschiedener Form mit Kleidung, Make-Up, darüber zu reden, die neusten Sachen auch mal anzuprobieren
und zu zeigen...aber, sie könnten alle auch genauso gut ohne diese Dinge und was wären sie dann?
Genau, Frauen.
Und weil ich schon immer die Freiheit hatte zu tragen was ich möchte, hab ich auch Spass und Freude dran,
nicht mehr nicht weniger-ich bin was ich bin, eine Frau. Kleidung definiert mich nicht...

..aber, mein Körper definiert mich und ich meinen Körper, wechselseitig.
So wenig ich für mich von Kleidung abhängig bin, bin ich es umso mehr von körperlichen Merkmalen, von der Stimme,
von meinen Haaren, meinen Nägeln, das sind die Ausdrücke meines Selbst, wo ich wirklich einen "Zwang" spüre,
das es so sein muss, nein MUSS-dick unterstrichen und mit Zucker oben drauf.
Ich spüre jedes Mal, wie mir diese Körperlichkeit auf die Füsse fällt, wenn es ein Tag ist, wo nach dem Haare waschen
und bürsten mehr Haare im Waschbecken liegen. Ich zähle die sogar manchmal...
Ob ich eine Strumpfhose tragen darf oder kann oder was weiss ich, ist mir vollkommen egal.
Würde ich, und ich weiss das müssen viele, eine Perücke tragen müssen, würde es mein innerstes Selbst zerreissen.
Ja, es würde wie der Tod eines integralen Bestandteils meines Frau Seins sein.

Da in meinem Herzen ist etwas, was sagt, könntest du Mutter werden, endlich spüren wie Leben in dir wächst,
würdest du dafür später dein Leben geben? Ja, ich würde ohne zu zögern, wenn das Kind dafür leben würde.
Doch, einmal möchte ich es an der Brust halten dürfen..

vielleicht denken manche, da hat sie wirklich einen Hau, aber ich sitze hier und die Tränen sind echt, sie sind
warm und laufen über meine Wangen..
Das Gefühl hätte ich nie, wenn jemand sagen würde, heute darfst du keinen Rock anziehen..
dann ziehe ich eben eine Hose an, was solls? Ich bleibe was ich bin, eine Frau..

alles Liebe Marie (flo)
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
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Re: Crossdressing darf auch Spaß machen!

Post 11 im Thema

Beitrag von Engelchen »

Erst einmal DAAAANKE für den Thread. (he) (he) (he)
SO wunderschön zu lesen und vor allem Respektvoll und enstpannt. (pea)



!EmmiMarie! hat geschrieben: Do 12. Nov 2020, 13:52 Da in meinem Herzen ist etwas, was sagt, könntest du Mutter werden, endlich spüren wie Leben in dir wächst,
würdest du dafür später dein Leben geben? Ja, ich würde ohne zu zögern, wenn das Kind dafür leben würde.
Doch, einmal möchte ich es an der Brust halten dürfen..

vielleicht denken manche, da hat sie wirklich einen Hau, aber ich sitze hier und die Tränen sind echt, sie sind
warm und laufen über meine Wangen..
Das Gefühl hätte ich nie, wenn jemand sagen würde, heute darfst du keinen Rock anziehen..
dann ziehe ich eben eine Hose an, was solls? Ich bleibe was ich bin, eine Frau..

alles Liebe Marie
Ach Emmi, ich kann dich so verstehen - wenn ich vor 45 Jahren.... usw.
Es bringt mir aber nichts darüber weiter nach zu Denken.
Es wird uns immer verwehrt bleiben.

Ich weiß ja das ich mal wieder ein Auslöser war - mit meinem Statement nicht immer gleich mit dem "Trans-Label" zu wedeln. :(

Glaubt es mir - ich beneide jeden Crossdresser der glücklich damit umgehen kann und beide Seiten ausleben kann.
Je mehr Spaß ihr dabei habt umso schöner und ich gönne es euch von ganzem Herzen ---))) (he) (he) (he)

Ich konnte es eben irgendwann nicht mehr und musste meinen Weg Of no Returm gehen.
Für mich gab es keine Alternative mehr.
Ich bin eben eine Frau - Punkt
Das ist es auch was für mich den Unterschied macht - CD - Trans

Trotzdem gibt es viele Punkte die uns gleich machen - dieselben Ängste - das selbe Passingproblem - dasselbe Outing
Auch das Unverständnis der Umwelt zu uns

Und deswegen gibt es diese so wichtige Forum, wo wir unsere Erfahrungen, unsere Ängste von der Seele reden können.
Uns Gegenseitig stützen und Hilfe geben können.

Wir sind Bunt - Miteinander und nicht Gegeneinander (sym)

Lisa
Zuletzt geändert von Engelchen am Do 12. Nov 2020, 15:06, insgesamt 1-mal geändert.
Liebe geben und offen sein für Neues
LauradeChile
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Re: Crossdressing darf auch Spaß machen!

Post 12 im Thema

Beitrag von LauradeChile »

Mein Kommentar zur Überrschrift:
"Crossdressing darf auch Spaß machen!"

Aber HALLO!!!! So etwas von richtig und wichitg! (gitli)
Marlene K.
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Re: Crossdressing darf auch Spaß machen!

Post 13 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

!EmmiMarie! hat geschrieben: Do 12. Nov 2020, 13:52 ...
Da in meinem Herzen ist etwas, was sagt, könntest du Mutter werden, endlich spüren wie Leben in dir wächst,
würdest du dafür später dein Leben geben? Ja, ich würde ohne zu zögern, wenn das Kind dafür leben würde.
Doch, einmal möchte ich es an der Brust halten dürfen..
...
Liebe Marie,
wie schon so oft hast Du für mich genau den Punkt getroffen.
Fühl Dich gedrückt und danke

Marlene
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
Lavendellöwin
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Re: Crossdressing darf auch Spaß machen!

Post 14 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

LauradeChile hat geschrieben: Do 12. Nov 2020, 14:23 Mein Kommentar zur Überrschrift:
"Crossdressing darf auch Spaß machen!"

Aber HALLO!!!! So etwas von richtig und wichtig! (gitli)

Du hast natürlich Recht Laura...

ich wollte nicht den Thread kapern oder jemand zu nahe treten und schon gar nicht zurücksetzen..
es floss eben einfach nur aus mir raus und ich konnte nicht anders,
ohne Gefühle wäre das Leben so arm und leer, also zeigt sie, alle auf eure Art

Alles Liebe Marie (flo)

PS..liebe Lisa..es ist alles schön..
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
Jasmine
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Re: Crossdressing darf auch Spaß machen!

Post 15 im Thema

Beitrag von Jasmine »

!EmmiMarie! hat geschrieben: Do 12. Nov 2020, 13:52 ....
Da in meinem Herzen ist etwas, was sagt, könntest du Mutter werden, endlich spüren wie Leben in dir wächst,
würdest du dafür später dein Leben geben? Ja, ich würde ohne zu zögern, wenn das Kind dafür leben würde.
Doch, einmal möchte ich es an der Brust halten dürfen..
...........
Liebe EmmiMarie, da hast du bei mir einen Punkt getroffen.
Wenn ich erleben dürfte wie ein Kind in mir heranwächst...-... ein Traum der nie in Erfüllung gehen wird.
Jetzt laufen mir Tränen aus den Augen.

LG Jasmine
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