Drachenfrau hat geschrieben: Mi 2. Mai 2018, 22:46
Hallo Vicky,
Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 2. Mai 2018, 07:53
Du bringst meine Gedanken auf den Punkt. Jede Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben führt zu einer Transition (im Sinne von Veränderung oder meinst Du etwas anderes ?). Je tiefer die Auseinandersetzung, um so tiefer sind die Veränderungen. Und im Kern geht es meiner Erfahrung nach um die Selbstliebe und das sich selber anerkennen.
Ganz genau so ist es.
Wenn sich Veränderung in einer Beziehung (oder egal in welchem Gefüge im Leben) einstellt, dann kann es nur etwas Gemeinsames bleiben, wenn alle Beteiligten sich verändern wollen/können, um damit wieder gemeinsam in eine neue Balance kommen zu können.
Richtig. In der Selbstliebe habe ich ja auch gefragt, was kann ich jetzt für mich in dieser Situation tun? Worin habe ich mich vernachlässigt? Mit was kann ich dieses Neue für mich erfüllen, gestalten?
Ohne Selbstliebe/Eigenliebe kann man schlecht Veränderungen willkommen heißen.
Denn was bedeutet Transition? Doch "lediglich" von A nach Z zu kommen oder?
was man alles für sich bereinigen kann in seinem Leben - bleiben dann denn überhaupt noch Trans*Probleme übrig?
Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 2. Mai 2018, 07:53
Sehr treffend, aber bis es so weit ist, ist eine Menge aus dem Weg zu räumen, zumal Einflüsse von außen nicht ganz von der Hand zu weisen sind. Aber hat man erst einmal das Stadium erreicht, sich selber ernst zu nehmen, sind die Grundlagen geschaffen, auch mit den Einflüssen von außen umzugehen.
Also, schaue ich mir an, was an Themen bei mir seit Sommer 2016 anklopften, so hatte das genau genommen sehr wenig bis nichts mit Denies zu tun, sondern es klopften Schutzreaktionen aus alten schlechten Erfahrungen an, die jedoch für das JETZT keine Gültigkeit mehr haben dürften.
Dies zu erkennen, das war gar nicht immer so einfach. Und dann - wie schaffe ich es, von dem schmerzhaften Verhalten aus der Vergangenheit geprägt, die Wandlung (Transition) hin zu innerem Frieden, Vertrauen, Heilung zu lenken? => Damit die Möglichkeit da ist, besser agieren zu können.
Es hat mich zu neuer geistiger Gelenkigkeit, Freiheit und Offenheit eingeladen und mich mit meinen Gedanken hinzusetzen (auch zu meditieren) und mir wirklich zuzuhören und BEWUSST zu erkennen, was da so alles in mir denkt sowie welche Konsequenzen sich daraus für mich ergaben.
Was die Einflüsse von außen betrifft — ja, sie sind da — doch haben wir nicht auch eine Wahl, wie wir damit umgehen?
Diese kann man jedoch nur haben, wenn man überhaupt erkennt, was oder wer beeinflusst und wenn man komplett in der eigenen Verantwortung zuhause ist, dann — so glaube ich — hat man die Möglichkeit über den erkannten Einfluss eine Wahl zu treffen: annehmen oder ablehnen.
Ist man sich der Einflüsse am wenigsten bewusst, so glaube ich, besteht die Gefahr, dass man sich denken lässt anstatt selbst zu denken und man kann seine eigene absolute Kraft/Wirkmacht nicht ausschöpfen.
Als Denies sagte, sie wollte als Frau leben, da hätte ich denken können "und was ist mit mir?" Dann bekommt dieser Gedanke "Babies" und diese Gedanken, wenn ich sie geglaubt hätte, wären das, was mich hätte verletzen können und dabei ist noch nicht einmal gesagt, dass diese Gedanken, die ich mir hätte machen können, auch nur im geringsten der Realität entsprächen.
Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 2. Mai 2018, 07:53
Den Satz musste ich dreimal lesen, bis ich ihn verstanden hatte ...

Aber es stimmt, was Du schreibst. Vieles ist Kopfkino und zum verletzen gehört auch eine Haltung, dass man verletzt werden
will. Ich betone das Wollen an dieser Stelle, denn ich denke, dass die Verletzung der Motor ist, Veränderungen einzuleiten. Voraussetzung ist, dass man aufmerksam auf sich selber achtet. die Kernfragen lauten, warum kann mich ein Gedanke, Worte etc. verletzen ? Was ist es im Detail, was mich verletzt ? Ist es wirklich der Andere, der mich verletzt oder sind es meine Gedanken und Wertungen ? Kann ich eine andere Haltung einnehmen, so dass ich nicht verletzt werde ? .
Frag mal mich, wie ich meine Gedanken erforschen musste, bis ich den Satz zusammen hatte

.
Du hast recht, es hat etwas mit der inneren Haltung zu tun und der Bereitschaft, sich etwas aus verschiedenen Sichtweisen anzuschauen. Sich mal emotional aus einer Situation heraus nehmen und einen anderen Blickwinkel einnehmen.
Es gibt da eine Frau, Byron Katie, die mit The Work 4 Fragen für sich erkannt hat, eine Technik, um genau diese Gedanken zu entlarven, mit denen wir leiden und wie man einen Weg finden kann hin zu wohligen Gedanken und Gefühlen.
Und ja, - diese Technik habe ich ausprobiert und gemäß nach "riechen, schmecken, fühlen, alltagstauglich?" erforscht.
Sehr spannend (und es war für mich sehr hilfreich - schon länger als ich Denies kenne).
Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 2. Mai 2018, 07:53
Z.B.: für Partnerinnen ist es sicher ein Schock, wenn der Mann ganz oder teilweise als Frau leben will. Vielleicht hat er dies über Jahre hinweg geheim gehalten. Ist das wirklich ein Vertrauensbruch ? Oder kann man das nicht auch anders sehen ?
Es ist mit Sicherheit erst einmal etwas, das sehr plötzlich ins Gewahrsein rückt und natürlich kann die Partnerin das als Vertrauensbruch sehen.
Dies gestehe ich einer Partnerin im ersten Moment auch gerne zu. Doch wenn man dies nicht loslassen kann und man diesen Vorwurf immer weiter verfolgt (= Gedanken, die wieder Babies bekommen - dabei haben sie keinen Wahrheitsgehalt, sondern beinhalten hauptsächlich die Angst vor etwas in der Zukunft liegendem von dem man nicht wissen kann, ob es tatsächlich geschieht), ohne sich zusammen das warum, weshalb anzuschauen und zu fühlen, dass der crossdressende/transsexuelle PartnerIn Angst hatte, dies direkt aufzuarbeiten, kommt die Partnerin nicht in das Mitgefühl, um sich damit die Möglichkeit von reifen, wachsen, sich weiter entwickeln zu erschließen.
Wenn ein Mensch lügt, dann erfüllt er sich das Bedürfnis wahrscheinlich nach Sicherheit und vermeidet, dass er sich der Angst vor Ablehnung durch die Wahrheit stellen muss.
Wenn Denies Angst hätte, mit mir zu sprechen, dann müsste ich mich fragen, was für ein Mensch ich bin, dass jemand Angst vor mir hat - vor allem der Mensch, mit dem ich zusammen lebe, den ich liebe und sogar geheiratet habe - was für mich inzwischen das höchste Zeichen von Vertrauen und Hingabe darstellt.
Ich glaube, PartnerInnen, die in der Ablehnung feststecken und so erstarrt sind, dass keine Inspiration von außen hilft, sind an einem sehr schmerzhaften Ort durch sich selbst gefangen. Diesen Ort habe ich auch einmal kennen lernen müssen, um dann nach einem Jahr zu spüren, wie sehr es mich meiner restlich vorhandenen Kraft auch noch beraubt und es mir nicht hilft, wenigstens Erleichterung erfahren zu dürfen.
In diesem Moment bedurfte es, eine klare Entscheidung für mich zu fällen und eine klare Absicht zu formulieren, die hieß: ich möchte aufhören zu leiden.
Das bedeutet jedoch nicht in Bezug auf das eigentliche Thema, wie man mit einem transidenten Partner umgeht, dass die wahre Lösung ist, zusammen zu bleiben.
So sehe ich das überhaupt nicht.
Viel wichtiger ist es, sich erst einmal wirklich und wahrhaftig begegnen zu können, in einem Prozess sich noch einmal neu kennen zu lernen, vielleicht darin auch zu spüren, dass es besser ist, wenn man sich trennt.
Eine Trennung sehe ich hier auch nicht als Katastrophe, sondern die Chance das Leben noch einmal neu und ganz anders als bisher zu entdecken und sich frischen Wind um die Nase wehen zu lassen.
Das, was man sich an Materiellem aufgebaut hat, finde ich, sollte einem nicht aufhalten, wenn das bedeutet, dass ich mich selbst verleugnen muss und ich mich zu 100 % dem Risiko aussetze, krank zu werden (psychosomatisch zu erkranken, kann ein schlimmer Fluch sein).
Was nützt es, wenn man die letzte Reise antritt, dass Materielles "da" war? Noch keiner hat es je können mitnehmen.
Doch, wenn ich sterbe, dann möchte ich sterben dürfen in dem Wissen, dass ich Träume verwirklicht habe, viel gelacht und geweint, mich ganz und gar spüren durfte, Wertschätzung für das Erlebte zu haben, mich glücklich gefühlt zu haben, dass mein Herz offen und nicht verschlossen ist — selbst nach all dem Erlebten aus der Vergangenheit, Gelassenheit empfunden haben zu dürfen, um mit anderen mitfühlend und liebevoll umgehen zu können, ein bereicherndes und erfülltes Leben (auch für andere) gehabt zu haben, mich selbstverwirklicht soweit es nur ging.
Und wer sagt, dass eine Trennung immer in einem Rosenkrieg ausarten muss?
Wenn man auch hier zusammen bereinigend die Beziehung beendet, dann ist das auch möglich, sich freundlich zu trennen. Diese Freundschaft kann doch sehr wertvoll und wunderbar sein.
Ja, je offener wir für einander wurden, je verletzlicher wir uns einander zu wanden, desto weniger konnten wir uns verletzen bzw. uns verletzt fühlen.
Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 2. Mai 2018, 07:53
Das finde ich einen spannenden Satz. Es scheint ein Paradoxon zu sein. Aber ich sehe es auch so. Dem Eingeständnis der eigenen Verletzlichkeit ist die Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben voraus gegangen. D.h. ist muss mich zwangsläufig mit den Ursachen der Verletzlichkeit beschäftigt haben und dann kann ich damit besser umgehen. Aus meiner Sicht ist es ein guter Weg.
Es war und ist auch spannend.
Die Auseinandersetzung mit sich selbst/dem eigenen Leben ist dem voraus gegangen und ist ein nie endender Prozess.
Denn es ist, wie man eine Zwiebel Schicht für Schicht abschält. Es kommen immer wieder neue Ebenen zum Vorschein und man hört nie auf, sich selbst neu zu erkennen und zu verstehen bzw. den Partner/die Partnerin, das Umfeld.
Ja, wir sind beide auch immer wieder neu auf Ursachenforschung und sehen plötzlich Vergangenes in einem ganz anderen Licht. Verdrängtes kann so an die Oberfläche kommen und aufgearbeitet werden, verschüttete Erinnerungen kommen wieder zum Vorschein und man kann ganz viel innerlich heilen.
Ich bin Denies sehr dankbar, dass sie von Anfang an bereit war, diesen bewussten Weg mit mir zu gehen und sich diesem "Abenteuer" mit mir zu stellen — was sie wohl auch nur konnte, da sie wie ich schon, sich vorher auf diesen Weg machte.
Viele liebe Grüße,
Ulla