Liebe Community: Wir müssen reden.
Liebe Community: Wir müssen reden. - # 2

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ab08
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Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Post 16 im Thema

Beitrag von ab08 »

Laura R hat geschrieben: Sa 1. Jul 2017, 10:26 ... aber was sind einfache Menschen? ...
... Transsexuelle Menschen sind nicht der Mittelpunkt der Welt sondern ein Teil des Ganzen. ...
Hallo Laura,

zu Deiner Frage: -> Das ist ein großes Thema und nicht schnell zu beantworten. vgl. google/Duden "durchschnittlich", "normal" usw.
zum zweiten Punkt: -> Das ist mir bewusst und schrieb ich schon öfter.

Mir ist wichtig, meinen Standpunkt/ meine Sicht der Dinge/ darzustellen und das hat wenig mit meiner Transsexualität, sondern mit den Menschen, mit denen ich im RL Umgang habe, also meinen Erfahrungen, zu tun. - Ich will nicht missionieren, überzeugen etc. Jede/jeder soll sich selber seine eigene Meinung bilden. :wink:


Liebe Grüße
Andrea
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Drachenfrau
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Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Post 17 im Thema

Beitrag von Drachenfrau »

Hallo Ihr Lieben,

ich habe in der letzten Zeit wieder mehr mitgelesen und als Partnerin bin ich durch dieses Forum sehr nachdenklich geworden.
Hauptsächlich darüber, wie wenig ich vor dem Thema Transsexualität über den eigenen Tellerrand geschaut habe.
Dann kam die Erkenntnis Transsexualität ist ja nur ein Thema über den Tellerrand hinaus, da gibt es ja auch noch mehr und wie soll ein Mensch dieses Gesamtpaket verkraften?

Per Definition etwas zu unterscheiden allein macht ein Denken von schwarz und weiß, doch aus allen Bereichen des Lebens wissen wir, dass es dazwischen nicht nur Graustufen gibt, sondern noch ganz andere Farben mit weiteren Farbnuancen und Farbvarianten.

Durch das Thema der Transition mit Denies und unserer Veränderung kam vor einer Weile auf, "Wenn du zu deinem Mann hältst, der in der Transition zur Frau ist, dann bist du lesbisch!"
Ich stand da mit offenem Mund. Hä? Weil - ich fühle mich nicht lesbisch. Wieso? Weil ich mich zu diesem einen Menschen, zu dieser einen Frau hingezogen fühle, jedoch nicht generell zu Frauen.
Jedoch wird es sehr viele Menschen geben, die meinen, ich sei dann lesbisch. Sie dürfen ihre Meinung gerne haben.
Einer Freundin habe ich das erzählt und sie meinte: du das schockt mich jetzt, darüber habe ich bei dir noch gar nicht nachgedacht.
Ich bin mir sicher, kein Mensch passt einfach so in eine vorgefertigte Schublade und selbst, wenn man für jeden eine eigene anfertigen würde, wäre diese nicht passend, denn wir Menschen entwickeln uns weiter und verändern uns.

Weiter bin ich hier nachdenklich geworden über die Begriffe: Toleranz und Akzeptanz und schließlich habe ich mir die Definitionen der Begriffe angeschaut.

tolerare ("erdulden", "ertragen")
https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz
https://www.wertesysteme.de/toleranz/


"accipere" für gutheißen, annehmen, billigen
https://de.wikipedia.org/wiki/Akzeptanz
https://www.wertesysteme.de/akzeptanz/

Prost Mahlzeit.
Wertesysteme.de gibt beiden Begriffen Synonyme, die sich gefälliger und viel freundlicher anhören.
Dennoch liegt in "erdulden, ertragen, billigen" die Ablehnung.
Für mich heißt das diesen Begriffen nach, dass, wenn ich etwas toleriere, akzeptiere = erdulde, ertrage, billige, ich zwar keine Gegenmaßnahmen ergreife und meine Ablehnung im besten Fall auch nicht äußere - diese Ablehnung genau genommen immer noch vorhanden ist.

Draußen regnet es, habt im inneren einen sonnigen Tag. )))(:

Herzliche Grüße vom sehr sehr nachdenklichen Drachen
Hingabe
Gedankenstille
Seelenfrieden
Michi
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Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Post 18 im Thema

Beitrag von Michi »

Hallo Darachenfrau,
Drachenfrau hat geschrieben: Sa 1. Jul 2017, 12:29 Weiter bin ich hier nachdenklich geworden über die Begriffe: Toleranz und Akzeptanz und schließlich habe ich mir die Definitionen der Begriffe angeschaut.

tolerare ("erdulden", "ertragen")
https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz
https://www.wertesysteme.de/toleranz/


"accipere" für gutheißen, annehmen, billigen
https://de.wikipedia.org/wiki/Akzeptanz
https://www.wertesysteme.de/akzeptanz/

Prost Mahlzeit.
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Dennoch liegt in "erdulden, ertragen, billigen" die Ablehnung.
Für mich heißt das diesen Begriffen nach, dass, wenn ich etwas toleriere, akzeptiere = erdulde, ertrage, billige, ich zwar keine Gegenmaßnahmen ergreife und meine Ablehnung im besten Fall auch nicht äußere - diese Ablehnung genau genommen immer noch vorhanden ist.
Da schreibst du etwas sehr Wahres. Vielen Dank, dass du das angesprochen hast.

Ich versuche schon länger, meiner Umwelt den bedeutenden Unterschied zwischen Toleranz und Akzeptanz klar zumachen, weil es mich ehrlich gesagt ankotzt, wenn sich Menschen regelrecht dafür feiern, wie tolerant sie doch seien, und ihr ganzes Verhalten auch tatsächlich nicht mehr als Dulden und Ertragen ist. Und machmal noch nicht mal das, wenn ich an die aktuellen Äußerungen denke, wegen derer dieserThread überhaupt entstanden ist.

Zwischenzeitlich habe ich ein sehr treffendes Zitat von Johann Wolfgang von Goethe gefunden:

"Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: Sie muß zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen."


Liebe Grüße
Michi

Edit:Typo
Zuletzt geändert von Michi am Sa 1. Jul 2017, 13:41, insgesamt 1-mal geändert.
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
Michi
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Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Post 19 im Thema

Beitrag von Michi »

ab08 hat geschrieben: Sa 1. Jul 2017, 08:52 Aber nochmal ganz deutlich:
Eine fiktive Gesellschaftsordnung, die ganz auf Geschlecht verzichtet, hielte ich für zutiefst inhuman.
Das ist, meiner Ansicht nach, eine schlimmere Utopie wie "1984" von George Orwell :!:
Hallo Andrea,

ich denke nicht, dass man "Geschlecht" abschaffen sollte, geschweige denn, dass es diesbezüglich irgendwelche Bestrebungen gibt.

Aber man sollte es als die persönliche Angelegenheit betrachten, die es ist, und die jeder Mensch für sich selbst regeln darf. Letztlich ist es doch genau das, was von vielen TS gewünscht wird. Sie selbst wollen entscheiden dürfen, dass sie sich als Frau sehen, und von der Gesellschaft auf Grund ihrer höchst persönlichen Enstcheidung als solche respektiert werden.

Was liegt also näher, als auf die gesellschaftliche, fremdbestimmte Einteilung zu verzichten, und Geschlecht nicht länger als gesellschaftliche Kategorie zu betrachten, und demzufolge eine geschlechtsbeschreibende Bezeichung zum optionalen Bestandteil des Namens zu machen?

Wenn also gerade mache TS (aber auch nicht wenige Hetero-Männer) auf der starren Einteilung/Zuweisung von "Mann" bzw. "Frau" beharren, wirft das bei mir die Frage auf,
in wie weit sich diese Menschen ihrer eigenen Identität überhaupt sicher sind, und ob sie die starre Einteilung nicht eher als Zuflucht vor ihrer eigenen Unsicherheit benutzen.


Liebe Grüße
Michi
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Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Post 20 im Thema

Beitrag von ab08 »

MichiWell hat geschrieben: Sa 1. Jul 2017, 13:40Was liegt also näher, als auf die gesellschaftliche, fremdbestimmte Einteilung zu verzichten, und Geschlecht nicht länger als gesellschaftliche Kategorie zu betrachten, und demzufolge eine geschlechtsbeschreibende Bezeichung zum optionalen Bestandteil des Namens zu machen?
Hallo Michi,

nix für ungut, :oops: :oops:
aber ... ich will nicht von Amtswegen gezwungen werden, auf meinen Geschlechtseintrag zu verzichten und stattdessen
"eine geschlechtsbeschreibende Bezeichung zum optionalen Bestandteil des Namens machen"
und ich vermute, viele andere "Normalbürger" wollen das auch nicht.
-> Ein wichtiges Argument beim Beschluss der "Ehe für Alle" war: -> Niemandem wird was weggenommen! - Heterosexuelle Ehen bleiben also unverändert bestehen!
Obige Regelung verschlechtert meine Situation, meinem Eindruck nach, doch erheblich :!:
Akzeptanz anderer Lebensformen ist mir wichtig! - Ich bemühe mich wirklich, wo ich kann, dass andere zu ihrem Recht kommen.
Umgekehrt möchte ich selbst dabei aber auch nicht unter die Räder kommen... :wink:

Wer so eine Regelung für sich selbst(!) erreichen will, den unterstütze ich und der mag es dann gern genauso tun :!: :!:
-> Aber eine allgemeine Regelung, die für alle Menschen(also auch für mich) gilt, betrachte ich als sehr übergriffig.
Daher bin ich weiter der Meinung, das es am sinnvollsten wäre, dass der Geschlechtseintrag frei bleiben kann.
-> Mir persönlich ist der Eintrag in meinen Ausweispapieren nämlich wichtig und ich möchte das so behalten!

Noch ein privater Hinweis: Übrigens bin ich mir bei meinem Geschlecht(wie viele andere Frauen auch) sicher, und lass mir nix unterstellen...!! Ich 'sehe' mich nicht als Frau, sondern bin weiblich! (Das ist und war bei mir nie eine persönliche 'Entscheidung'/ sondern ist eine Tatsache!)-> Unoperiert unterrichtete ich 8 Jahre, war im Schwimmbad etc. - Ich wußte immer, was ich war -> war mir sicher! ... Wenn obiges ("Verzicht auf gesellschaftliche Einteilung") Gesetz würde, dann vermute ich stark, würde dies, -wie es gegenwärtig bereits leider zu spüren- bei Menschen wie mir, Fremdbestimmung /Diskriminierung deutlich verstärken! :wink:

Liebe Grüße
(eine, durch die sprachlich/inhaltlichen Ausrutscher, doch ziemlich verletzte)
Andrea
Zuletzt geändert von ab08 am So 2. Jul 2017, 08:44, insgesamt 17-mal geändert.
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Yasmine
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Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Post 21 im Thema

Beitrag von Yasmine »

Intoleranz ist jeder Diskussion Ende.
Schade eigentlich, denn Marielle verfolgt ein gutes Ziel, von dem wieder alle abweichen, nur weil sie von ihren Begrifflichkeiten nicht abweichen können.

Yasmine
JaquelineL
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Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Post 22 im Thema

Beitrag von JaquelineL »

Hallo Michi, hallo Johann Wolfgang ;) ,
MichiWell hat geschrieben: Sa 1. Jul 2017, 13:23 Hallo Darachenfrau,
Drachenfrau hat geschrieben: Sa 1. Jul 2017, 12:29 Weiter bin ich hier nachdenklich geworden über die Begriffe: Toleranz und Akzeptanz und schließlich habe ich mir die Definitionen der Begriffe angeschaut.

tolerare ("erdulden", "ertragen")
https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz
https://www.wertesysteme.de/toleranz/


"accipere" für gutheißen, annehmen, billigen
https://de.wikipedia.org/wiki/Akzeptanz
https://www.wertesysteme.de/akzeptanz/

Prost Mahlzeit.
Wertesysteme.de gibt beiden Begriffen Synonyme, die sich gefälliger und viel freundlicher anhören.
Dennoch liegt in "erdulden, ertragen, billigen" die Ablehnung.
Für mich heißt das diesen Begriffen nach, dass, wenn ich etwas toleriere, akzeptiere = erdulde, ertrage, billige, ich zwar keine Gegenmaßnahmen ergreife und meine Ablehnung im besten Fall auch nicht äußere - diese Ablehnung genau genommen immer noch vorhanden ist.
Da schreibst du etwas sehr Wahres. Vielen Dank, dass du das angesprochen hast.

Ich versuche schon länger, meiner Umwelt den bedeutenden Unterschied zwischen Toleranz und Akzeptanz klar zumachen, weil es mich ehrlich gesagt ankotzt, wenn sich Menschen regelrecht dafür feiern, wie tolerant sie doch seien, und ihr ganzes Verhalten auch tatsächlich nicht mehr als Dulden und Ertragen ist. Und machmal noch nicht mal das, wenn ich an die aktuellen Äußerungen denke, wegen derer dieserThread überhaupt entstanden ist.

Zwischenzeitlich habe ich ein sehr treffendes Zitat von Johann Wolfgang von Goethe gefunden:

"Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: Sie muß zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen."


Liebe Grüße
Michi
eine andere Sicht auf diese Begriffe kann sein: Toleranz darf man in einer aufgeklärten Gesellschaft fordern, um Akzeptanz kann man nur werben (bzw. einfach darauf hoffen).

Genauso, wie ich einfordere, dass ich meine Meinung haben darf, gestehe ich dies auch anderen zu. Das ist nicht weniger, aber auch nicht mehr als Toleranz, auf beiden Seiten.

Liebe Grüße
Jackie
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Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Post 23 im Thema

Beitrag von Michi »

JaquelineL hat geschrieben: Sa 1. Jul 2017, 14:36 Hallo Michi, hallo Johann Wolfgang ;) ,
[....]

eine andere Sicht auf diese Begriffe kann sein: Toleranz darf man in einer aufgeklärten Gesellschaft fordern, um Akzeptanz kann man nur werben (bzw. einfach darauf hoffen).

Genauso, wie ich einfordere, dass ich meine Meinung haben darf, gestehe ich dies auch anderen zu. Das ist nicht weniger, aber auch nicht mehr als Toleranz, auf beiden Seiten.
Hallo Jackie,

mir ist wohl bewusst, dass heutzutage eine ziemliche Verwirrung und Gleichgültigkeit über die Bedeutung der Begriffe Toleranz und Akzeptanz herrscht, und unter diesem Aspekt sehe ich auch die Äußerungen meiner Mitmenschen. Dennoch nehme ich mir die Freiheit, darüber aufzuklären und den Unterschied ins Bewusstsein zu rücken, zumal ich oft genug spüre, dass viele Menschen doch mehr als nur tolerant sein wollen.

Aus diesem Grunde verdeutliche ich es gern mal mit drastischen Worten, und ich hoffe sehr, dass ich damit nicht gegen die Forenregeln verstoße:

Toleranz ist im Grunde kaum mehr, als dass man einen Mitmenschen, den man aus irgendeinem Grund nicht sonderlich mag, nicht gleich wie einen räudigen Hund erschlägt.
Akzeptanz bedeutet dagegen, diesem Menschen aufgeschlossen und wohlwollend entgegenzutreten, mit ihm ohne Unbehagen in einem Raum sein zu können, ...

Toleranz ist also nichts, worauf man stolz sein sollte. Und ich finde, dass muss man den Menschen schon bewusst machen und um Akzeptanz werben.
Genau deswegen finde ich das Zitat von Goethe auch so bemerkenswert und wichtig. Sonst ruhen sich die Leute auf ihrer Toleranz aus,
und sagen voller Inbrunst Sätze wie: "Ich hab ja nichts gegen Schwule, aber die sollen sich gefälligst nicht vor meinen Kindern küssen!"


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Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Post 24 im Thema

Beitrag von Yasmine »

MichiWell hat geschrieben: Sa 1. Jul 2017, 15:17 Toleranz ist also nichts, worauf man stolz sein sollte.
Danke, das sind wahre Worte.
Schlimm ist es nur, wenn es hier teilweise selbst an der Toleranz fehlt.

LG
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Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Post 25 im Thema

Beitrag von JaquelineL »

Liebe Michi,
MichiWell hat geschrieben: Sa 1. Jul 2017, 15:17
JaquelineL hat geschrieben: Sa 1. Jul 2017, 14:36 Hallo Michi, hallo Johann Wolfgang ;) ,
[....]

eine andere Sicht auf diese Begriffe kann sein: Toleranz darf man in einer aufgeklärten Gesellschaft fordern, um Akzeptanz kann man nur werben (bzw. einfach darauf hoffen).

Genauso, wie ich einfordere, dass ich meine Meinung haben darf, gestehe ich dies auch anderen zu. Das ist nicht weniger, aber auch nicht mehr als Toleranz, auf beiden Seiten.
Hallo Jackie,

mir ist wohl bewusst, dass heutzutage eine ziemliche Verwirrung und Gleichgültigkeit über die Bedeutung der Begriffe Toleranz und Akzeptanz herrscht, und unter diesem Aspekt sehe ich auch die Äußerungen meiner Mitmenschen. Dennoch nehme ich mir die Freiheit, darüber aufzuklären und den Unterschied ins Bewusstsein zu rücken, zumal ich oft genug spüre, dass viele Menschen doch mehr als nur tolerant sein wollen.

Aus diesem Grunde verdeutliche ich es gern mal mit drastischen Worten, und ich hoffe sehr, dass ich damit nicht gegen die Forenregeln verstoße:

Toleranz ist im Grunde kaum mehr, als dass man einen Mitmenschen, den man aus irgendeinem Grund nicht sonderlich mag, nicht gleich wie einen räudigen Hund erschlägt.
Akzeptanz bedeutet dagegen, diesem Menschen aufgeschlossen und wohlwollend entgegenzutreten, mit ihm ohne Unbehagen in einem Raum sein zu können, ...

Toleranz ist also nichts, worauf man stolz sein sollte. Und ich finde, dass muss man den Menschen schon bewusst machen und um Akzeptanz werben.
Genau deswegen finde ich das Zitat von Goethe auch so bemerkenswert und wichtig. Sonst ruhen sich die Leute auf ihrer Toleranz aus,
und sagen voller Inbrunst Sätze wie: "Ich hab ja nichts gegen Schwule, aber die sollen sich gefälligst nicht vor meinen Kindern küssen!"


Liebe Grüße
Michi
offensichtlich haben wir ein unterschiedliches Verständnis von diesen Begriffen. Ich finde mich dabei in dem wieder, was Drachenfrau aus dem Wörterbuch zitiert hat: Toleranz bedeutetet, dass ich mein Gegenüber "nicht erschlage, nur weil er nicht meiner Meinung ist" (und weniger drastisch ausgeführt, dass ich respektiere, dass mein Gegenüber eine andere Meinung haben kann als ich). Akzeptanz bedeutet meines Erachtens, dass ich dessen Meinung *teile*, also der gleichen Meinung bin.

Akzeptanz zu fordern, statt sich mit Toleranz zufrieden zu geben, ist bei einem solchen Wortverständnis also nichts anderes als Intoleranz für die Position des anderen. Und in diesem Sinne meine ich weiterhin, dass JWvG zu weit geht in seiner Formulierung.

Oder reden wir insofern aneinander vorbei, als dass Du gar nicht Toleranz/Akzeptanz hinsichtlich der *Meinung* des Gegenüber sprichst, sondern über die Akzeptanz des Menschen, quasi "akzeptieren, *dass* der Gegenüber überhaupt eine Meinung hat, egal ob meine"? Diese Form der Akzeptanz ist natürlich die Grundlage für die Toleranz gegenüber Anderssein.

Liebe Grüße
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Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Post 26 im Thema

Beitrag von meisje »

Michi Well... mein Forumsmotto... Lange vor diesen beiden Threads von Goethe schon entlehnt.😉

Es grüßt dich

meisje 🌻🌞
Wege entstehen dadurch, dass wir sie gehen. -Franz Kafka

Das geht so nicht, das macht man so nicht… Kennst Du?
Dann ist es Zeit, damit aufzuhören. Schaff Dir neue Wege, neue Möglichkeiten.
Denke um die Ecke, denke quer.
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Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Post 27 im Thema

Beitrag von Michi »

Hallo Marielle,

du schreibst:
Marielle hat geschrieben: Do 29. Jun 2017, 14:28 Das ist nur dann unlogisch oder widersprüchlich, wenn man davon ausgeht, dass nur die Fortpflanzungsfunktion eine biologische Festlegung bedeutet. Es gibt aber eine ganze Reihe von Menschen, die davon ausgehen, dass ihr Geschlecht zwar nicht durch ihre Fortpflanzungsfunktion, trotzdem aber durch biologische, vor der Geburt entstehende Eigenschaften als Mann oder Frau festgelegt ist. Such mal mit dem Stichwort 'Hirngeschlecht' danach.
Der Begriff "Hirngeschlecht" ist mir bekannt. Der Grund warum ich gefragt hatte war, dass du die Fortpflanzungsfunktion bei der Bestimmung des biologischen Geschlechts ausgeschlossen hattest. Ich gehe konform mit der Annahme, dass das Hirngeschlecht von dem über die Gene, Gonaden und Anatomie bestimmten Geschlecht abweichen kann. Die seelisch-emotionale Entwicklung des Gehirns im Bezug auf ein konkretes Geschlechtsempfinden, was wahrscheinlich durch die Hormone während der embryonalen Entwickling beeinflusst wird, ist sicherlich auch ein biologischer Prozess. Aber ich glaube nicht, dass das ausreicht, um in den anderen Punkte (Gene, Gonaden und Anatomie) sehr wohl, und viel fester unter dem Begriff "biologisch" verortet sind, während das empfundene Geschlecht eher unter "Psyche" rangiert - was es nicht weniger bedeutend, sondern (mindestens) gleichwertig und unveränderbar macht.

Ich hoffe, du verstehst jetzt besser, warum ich irritiert war, und nachgefragt habe.
Marielle hat geschrieben: Do 29. Jun 2017, 14:28 Es gibt genug Forderungen und Vorschläge von jeder Seite, wie man es im eigenen Interesse am besten regelt. Sowohl die Gesetze als auch den gesellschaftlichen Umgang damit betreffend. Woran es mangelt sind Überlegungen und Vorschläge, wie Konzepte aussehen könnten, mit denen beide Seiten gut leben können.
Nun, genau darum geht es mir doch bei meinem Vorschlag. So lange es eine feste Kategorie "Geschlecht" gibt, wird es bei der Fremdbestimmung bleiben. Weil ich aber eine Abschaffung (nicht nur, aber auch mit Blick auf den Interessenausgleich) nicht für angemessen und sinnvoll erachte, finde ich es daher folgerichtig, die Geschlechtsbezeichnung als (freiwilligen) Teil des Namens zu betrachten.

Klar werden einige damit nicht zufrieden sein. Aber das war auch so, als man vor rund 100 Jahren in Deutschland den Adelsstand abgeschafft hat.
Von daher ist übrigens auch meine Idee entstanden, die Geschlechtsbezeichnung ans Teil des Names einzuführen, so wie das mit den alten Adelstiteln gemacht wurde.

Liebe Grüße
Michi
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Mina
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Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Post 28 im Thema

Beitrag von Mina »

Toleranz gibt es nicht! Es ist nur ein Kampfmittel - und ich bin der Kampfmittelbeseitigungsdienst!

Hier mein Gesetzesvorschlag zur Reform des TSG und der damit gesetzlich notwendig, durchgedrückten Toleranz seitens des Gesetzgebers. Und an dieser Stelle kann noch 1000 Jahre diskutiert werden, echte Toleranz wird von uns keiner erleben. Denn es würde darin enden, das alles an Landmasse der Erde als EIN Land deklariert werden müsste und alle Menschen der Erde an eine Förderation geheftet sind. Das ist die einzig logische Konsequenz um Einheit und Nächstenliebe zu leben. (Wenn es denn weitergedacht wird als bis zur eigenen Haustüre).

Ergänzungs-/änderungsparagrafen TSG

-§1.2.1
Ein jeder Mensch, unter Zugehörigkeit der deutschen Staatsbürgerschaft hat das unanfechtbare Recht, ab dem vollendeten 18. Lebensjahr über sein Geschlecht, Pronomen und Lebensweisen selbst zu bestimmen, sofern diese nicht in Konflikt mit dem Grundgesetz entgegen stehen.
Im Falle einer daraus resultierenden medizinisch notwendigen, geschlechtlichen Angleichung, haben die gesetzlichen, wie auch privaten Krankenkassen die Fürsorgepflicht, dem Antragsteller auf dessen bestätigten Wunsch und Unabwendbarkeit zur Korrektur, den Gesundheitszustand vollständig herzustellen. Die Notwendigkeit muß hierfür durch ein psychoanalythisches Gutachten in nicht weniger als 30 Sitzungen bei einem dafür zertifizierten psychologischen
Dienst erstellt werden um eine kurzzeitige "Lebensphase" des Betroffenen und damit verzögerte seelische Leiden, auszuschließen. [usp. Patientenschutz]

-§1.2.2
Ein jeder Mensch, unter Zugehörigkeit der deutschen Staatsbürgerschaft hat das unanfechtbare Recht, seine geschlechtliche Ausrichtung, Orientierung und damit verbundene Lebensweise, auszuleben und zu behaupten solange er nicht gegen das Grundgesetz verstößt oder die guten Sitten.
Im Falle von Diskriminierung, des verbalen oder körperlichen Angriffes, eines Angriffes über soziale Medien, den beruflichen Weg oder der Beschwerung dem Betroffenen durch Mobbing, üble Nachrede oder das Erschweren des Lebens durch Abwendung, Verbannung und vorsätzlicher Desinformation, hat der Verursacher seine Grundrechte der Bundesrepublik Deutschland verwirgt und hat die strafrechtlichen Konsequenzen durch Geldstrafe von nicht weniger als 8.000 Euro oder einer Freiheitsstrafe von nicht weniger als 5 Jahren, zu tragen. Eine Strafabstufung durch das Aussetzen der Strafe auf Bewährung kann im Falle, bei Verstoß gegen die allgemein gültigen Menschenrechte, nicht bewilligt werden.


Und warum haben wir in der BRD ein "Strafrecht"? Exakt - weil Dich niemals ein Polizist anhalten wird und Dich lobt, wie gut und vorbildlich Du gefahren bist! ;-)
Ziel: Human being -> Ist Dein Ziel erreicht, war es zu niedrig angesetzt -> Der Weg ist das Ziel!
ExuserIn-2022-05-28
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Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Post 29 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2022-05-28 »

Hi Mina,
Die Toleranz gibt es nicht. Da stimme ich Dir zu. Man kann nicht alles alles und jeden tollerieren. Pädophile fordern auch Tolleranz, aber diese hört da auf, wo andere geschädigt werden.

Man kann einzelne Personen tollerieren, man kann auch bestimmte Weltanschauungen tolerieren.

Toleranz heist dann aber nur : Mir ist es egal ob es diese Weltanschauung oder Person gibt oder nicht.

Toleranz heist nicht, dass ich dieser Anschauung alle Rechte einräume oder sie gar zu meiner mache oder machen muss.

Und genau das kann sich nur in Gesetzen widerspiegeln. Im Fall Trans* oder Non-Binär also lediglich : Jeder hat das Recht so angesprochen zu werden, wie er es möchte. Nicht mehr und nicht weniger.

Keine Gruppe kann einer anderen ihre Ideologie aufzwingen. Es kann immer nur versucht werden einen gemeinsamen Nenner zu finden, der die jeweiligen Gruppen am wenigsten schädigt. So ist es durchaus hinnehmbar, wenn jemand Frau Müller genannt werden möchte, genauso wie es hinnehmbar ist, wenn jemand nur Müller genannt werden möchte.


Was das TSG anbelangt: Deine Forderung von mindestens 30 SItzungen ist eine hohe Hörde, die nur viele Person von medizinischen Massnahmen abschreckt und in die Depri treibt.

Ein Therapeuth kann und soll nur feststellen, ob die jeweilige Person aufgrund ihrer Verfassung in der Lage ist die Tragweite ihrer Entscheidung zu überblicken und ob durch eine Nichtdurchführung der Massnahme ein psychiches Leiden entstehen kann.

Das kann in wenigen oder vielen Sitzungen herausgefunden werden, je nach dem Vorhandensein von psychischen Störungen, ist aber dem jeweiligen Therapeuten zu überlassen.

Generell 30 Sitzungen zu fordern würde in vielen Fällen ein zusätzliches Leiden von 3 oder mehr Jahren bedeuten.

Wie häufig kommen Sitzungen vor? In der Regel zwischen monatlich und 3 monatlich, nur in Problemfällen mit Depri auch häufiger, da ein Thera nicht nur für ein paar Personen da ist sondern auch Zeit für andere Patienen vorhalten muss.

Es stellt sich zudem die Frage : Was bedeutet Phase ? 1 Monat, 1 Jahr, 10 Jahre ?
Und ist es zulässig, weil es vielleicht nur eine Phase von 10 Jahren ist, die Person 10 Jahre leiden zu lassen?

LG Chrissie
Das Leben ist zu kurz um sich zu verleugnen.
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Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Post 30 im Thema

Beitrag von Mina »

Chrissie hat geschrieben: Sa 1. Jul 2017, 18:18 Deine Forderung von mindestens 30 SItzungen ist eine hohe Hörde, die nur viele Person von medizinischen Massnahmen abschreckt und in die Depri treibt.
Es geht um Patientenschutz. Was machst Du mit Jenen welche sich aus einer Lebenslagelaune ne Neovagina hinbasteln lassen und nach fünf Jahren merken "Shit -was hab ich da gemacht?" Psychologie ist komplex - es zu unterschätzen um des Gleichstellungswillen, fatal! Verstehst Du das? Nicht jeder Mensch ist sich seiner aktuellen Lebenlage und Wünsche auch lebenslang bewußt. Dafür gibt es Fachleute, welche sehr exakt rausfinden, ob es zutrifft oder Dir späterer Schaden bewahrt bleibt.
Anderes Beispiel: Soll man Vergewaltigungsopfer einen psyhologischen Dienst verwehren? Nach dem Motto "Nun stell Dich ma nicht so an?" Manche Frauen geben sogar Anzeigen auf, in einschlägigen Portalen, um einen potentiellen Vergewaltiger zu suchen, der ihnen das Gefühl vermittelt, ungefragt benutzt zu werden. Ich hatte das persönliche Gespräch mit einer der genannten Frauen. Im ersten Moment war es die Erlösung für sie. Nach einem weiteren Jahr suchte sie aber professionelle Hilfe, da es sie nicht los ließ, was sie da angezettelt hatte. Vielleicht hinkt der Vergleich für Euch - weiter gedacht ist er aber vordergründig. Leider. Und nur um in unserem Thema milde gesagt "Demokratie" zu fordern, muß keiner sich selbst unsagbares Leid antun. )))(:

Wie soll ein Therapeut in nur wenigen Sitzungen eine komplexe Situation, der irreversiblen Angleichung verantworten? Kein Therapeut der Welt würde sich derart weit aus dem Fenster lehnen! Es geht um Verantwortung. Und die kann ich nicht meiner aktuellen Stimmung verantwortlich machen. Woher soll der Therapeut das wissen, ob es temporär oder dauerhaft ist? Ihr wisst es, klar! Ist das so schwer nachzuvollziehen?
Ziel: Human being -> Ist Dein Ziel erreicht, war es zu niedrig angesetzt -> Der Weg ist das Ziel!
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