Liebe Community: Wir müssen reden.
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allgemeiner Austausch
Marielle
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Post 1 im Thema

Beitrag von Marielle »

Hallo zusammen,

in einem anderen Thread ist (wiedermal) ein Thema aufgetaucht, dass mich immer wieder frustriert, mir aber auch sehr wichtig erscheint. Es scheint mir sinnvoll es in einen neuen Thread zu übernehmen, um es nicht als Teilaspekt des anderen Threads zu verwursten. Als Aufhänger möchte ich ein Zitat aus dem anderen Thread verwenden:

Vielleicht ist es an uns allen uns täglich in der Toleranz zu üben, die wir selbst uns gegenüber erwarten?
Die Aufforderung ist grundsätzlich richtig, denke ich, so sollte es sein. Ein Stück weit ist die Aufforderung, nach meinem Empfinden, aber auch sachlich leer (sorry).


Mir stellen sich folgende Fragen: Wie macht man das mit der Übung in Toleranz, wenn es um die Bestimmung dessen geht, was Toleranz in diesem Kontext ausmacht bzw. auf welcher sachtheoretischen Basis sie stattfindet, wenn zwei sich gegenseitig ausschliessende Positionen bestehen, die von keiner der jeweiligen Vertreter_innen bewiesen werden können? Wie geht man in dieser Debatte damit um, dass von allen Seiten an individuelle Positionen oft Ansprüche geknüpft und daraus Deutungshoheiten abgeleitet werden, die auf andere Menschen normativ und damit in gewisser Weise systematisch intolerant wirken? Und auch das noch: Wie verhindert man, dass aus dieser Debatte Beschädigungen von Menschen entstehen? Sind diese überhaupt vermeidbar oder vielleicht unvermeidlich oder sind sie gar selbstverschuldet?


Tatsächlich ist mein Beitrag (auf den mit obigem Zitat Bezug genommen wurde), in dem ich meine dekonstruktivistische Sicht der Dinge darstelle, nicht wirklich nett. Er ist vielleicht auch eine Art von "Schelte", wie in einer Antwort stand, aber er sollte auch ein Anstoss zu einer, meiner Meinung nach dringend zu führenden, Diskussion sein, in der es darum gehen muss, ob wir den substanziellen Riss durch die Community, der zwischen den Positionen 'Dekonstruktion von Geschlecht' und 'Neu-Konstruktion von Geschlecht' verläuft, dauerhaft mit rosa Buttercreme überdecken oder uns ernsthaft mit diesem Riss beschäftigen.

Ob man diesen Riss schliessen kann, ob man darüber eine Brücke bauen kann oder ob man ihn einfach bestehen lassen muss und fortan frohen Mutes getrennter Wege geht, weiss ich nicht. Eine Antwort würde hoffentlich / vielleicht als Ergebnis einer Diskussion rauskommen, wenn man sie führen würde. Ich persönlich glaube, dass diese Diskussion notwendig ist und das sie uns alle weiterbringt.

Wir müssen darüber reden, dass 'Community' mit einem T geschrieben wird, 'getrennt' aber zwei Ts enthält und wir sollten darüber reden, welcher der richtige Weg ist, um für uns alle die beste Position zu entwickeln.


Meine These: Die Dekonstruktion von Normen, die nicht für ein friedliches Miteinander notwendig sind, führt zur größtmöglichen Individuellen Freiheit. Sie führt auch zu einem Maximum an notwendiger Selbstbestimmung(-sarbeit), welche aber der angemessene Preis der individuellen Freiheit ist.


Habt es gut

Marielle
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Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Post 2 im Thema

Beitrag von meisje »

Hallo Marielle,

dein Bericht ist schwere Kost am späten Abend 🙄
Über deine Aussagen muss ich noch eine Nacht schlafen 😴.

Kurz meine Meinung hierzu :
Man muss mehr miteinander statt übereinander reden.
Man muss fünfe gerade sein lassen.
😮Denn so entstehen auch Kriege 😯

In diesem Sinne eine friedvolle Nacht

meisje ---))) ))):s
Wege entstehen dadurch, dass wir sie gehen. -Franz Kafka

Das geht so nicht, das macht man so nicht… Kennst Du?
Dann ist es Zeit, damit aufzuhören. Schaff Dir neue Wege, neue Möglichkeiten.
Denke um die Ecke, denke quer.
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Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Post 3 im Thema

Beitrag von Aubergine »

Liebe Marielle,

ich lese deine Beiträge immer sehr gerne, wobei ich ehrlich sagen muss, dass ich sie - trotz Fachhochschulreife und guter Allgemeinbildung (das behaupte ich jetzt mal) sie oft erst nach dem 3. oder 4. lesen wirklich verstehe. Manchmal auch nicht.
Wenn du hier eine Diskussion anregen möchtest, dann bitte ich doch darauf Rücksicht zu nehmen, dass hier nicht nur Akademiker verkehren sondern auch ganz einfache Leute (zu denen ich mich auch zähle) die jetzt nicht wirklich verstanden haben, worüber du diskutieren möchtest.
Mir ist das als Grundlage zu schwer, zu hoch und zu unverständlich. Versuch das gleiche doch bitte mal in einfache Worte und Sätze zu fassen.
Denn eines ist klar, wenn ich etwas nicht verstehe, kann ich auch nicht drüber diskutieren.
Ich bin nicht dumm, aber das ist mir ehrlich gesagt eine Etage zu hoch.
Nicht böse sein, es liegt an mir und nicht an dir, aber du kannst es sicher auch einfacher rüber bringen.

LG Aubergine
Dir geht's nicht gut? Du fühlst dich mies? So was kommt schnell mal vor.
Geteiltes Leid ist halbes Leid, ich leih dir gern mein Ohr.
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Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Post 4 im Thema

Beitrag von Kerstin »

N' Abend Marielle

Deine Fragen sind allsamt berechtigt, nur bevor du sie beantworten kannst, solltest du die Frage beantworten:" Gibt es sowas wie eine 'Community' überhaupt?"

Ich sage klar Nein!

Was unter dem " T* " zusammen gefasst wird ist ein sammelsurium unterschiedlichster Bedürfnisse und Selbstverständnisse welche du niemals auf einen gemeinsammen Nenner vereinigen kannst.
Das sind keine Risse, das ganze Schluchten ja Spaltensysteme die sich da auftun. Und die werden auch nicht "dauerhaft mit rosa Buttercreme überdecken" lassen, sie werden dadurch unsichtbar gemacht, das immer weitere Teile einfach verstummen.


Gute Nacht wünscht dir
Kerstin - die Ketzerin
Ich brauche Informationen - eine Meinung bilde ich mir selbst.
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Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Post 5 im Thema

Beitrag von Michelle_Engelhardt »

Liebe Marielle,

da schließe ich mich Aubergine gerne an. Auch ich bin der deutschen Sprache mächtig und durchaus wortgewandt, wie ich glaube. Trotzdem habe auch ich öfter Probleme Dir zu folgen. Um ehrlich zu sein, lasse ich Deine Beiträge inzwischen links liegen, da sie mir teilweise ganz einfach zu hoch sind. Das finde ich ehrlich gesagt schade, denn die Beiträge von Dir, die ich verstehe, schätze ich sehr.

Nix für ungut und alles liebe
Michelle
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Weihnachtsmarkt ist das Wacken für Büroangestellte!
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Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Post 6 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo, Marielle,

schön, dass du die Diskussion aus dem anderen Thread heraus gelöst hast.

Wir sollten nicht nur Toleranz gegenüber anderen Haltungen und Positionen haben, sondern auch Respekt gegenüber anderen Personen und so mit Respekt gegenüber anderen diskutieren können. Meiner Meinung nach gehört auch das zuhören wollen dazu, verstehen, nachvollziehen der anderen vielleicht so unverträglichen Position. Und wenn wir genug miteinander diskutiert haben, uns gegenseitig unsere Haltung, Meinung, Position verständlich gemacht haben, ist manchmal auch Schweigen, d.h. die Beiträge einfach nebeneinander stehen lassen, eine gemeinsame Stärke. Gerade dann, wenn wir voneinander wissen, dass wir auf unterschiedlichen Wegen sind.

Die Community ist nicht gleichförmig. Da sollten wir auch nicht tun, als ob es eine Hauptrichtung geben muss. EWs gibt hier Threads und Unterforen, an denen ich nicht teilnehme, weil sie mich auch nicht betreffen oder nicht ansprechen. Dazu gehören etwa alle die zum Gebrauch von Medikamenten und Hormonen. Vielleicht ändert sich das in einigen Jahren. Dann bin ich froh, auf die Beiträge von damals zurück zu greifen. Jetzt aber lasse ich sie mangels Interesse einfach an der Seite liegen. Für mich gut so und trotzdem fühle ich mich zur Community dazu gehörig.

Daneben entwickeln wir alle über die Jahre und Jahrzehnte weiter. Da lernen wir allein durch die Teilnahme einiges dazu, reflektieren uns selbst, verändern sich Überzeugungen und Haltungen. Diese Freiheit sollten wir uns auch hier im Forum gönnen.
.
Und dass es hier in aller Vielfalt und Verschiedenheit durchaus so etwas wie eine umfassende Community gibt, zeigen uns z. B. nicht zuletzt die Beiträge zu NAREAs Schicksal.

Liebe Grüße
Inga
Marielle
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Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Post 7 im Thema

Beitrag von Marielle »

Liebe Aubergine, Liebe Michelle,

ich bin nicht böse, ihr habt ja Recht mit euren Beiträgen.

Ich möchte eine Diskussion anzustossen, in der es darum geht, wie man mit zwei völlig gegensätzlichen Positionen möglichst gut umgehen kann.


Auf der einen Seite gibt es Menschen die davon ausgehen, dass es ein weitgehend biologisch festgelegtes und überwiegend zweigeteiltes Geschlecht gibt. Dieses Geschlecht wird nicht durch die Fortpflanzungsfunktion eines Menschen bestimmt. Weil dieses Geschlecht als überwiegend zweigeteilt und festgelegt angesehen wird, wird daran eine Unterscheidung in Männer und Frauen festgemacht, die sich auch auf gesellschaftliche Normen, z.B. Gesetze, und Verhaltensweisen, z.B. Anrede von Personen und Kleiderordnung, auswirken soll. Diese Gruppe will Geschlecht als Unterscheidungsmerkmal erhalten und es dazu (neu bzw. anders) festlegen.

Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die Geschlecht und alles was daran festgemacht wird im wesentlichen als eine menschengemachte Konstruktion betrachten. Sie gehen davon aus, dass weder die Fortpflanzungsfunktion noch ein anderes Merkmal eine Unterscheidung von Menschen rechtfertigt, die über die eigene Selbstbestimmung des Menschen hinausgeht. Es soll demnach keine Gesetze und Verhaltensweisen geben, die Menschen nach einem 'Geschlecht' eingruppiert. Diese Gruppe will Geschlecht als übergeordnetes Unterscheidungsmerkmal abschaffen, d.h. dekonstruieren.

Im persönlichen Umgang miteinander ist es noch relativ einfach, diese beiden Meinungen nebeneinander stehen zu lassen. Wenn es aber um Konventionen oder Gesetze geht, schliessen sich die beiden Meinungen gegenseitig aus. Man kann nicht zur gleichen Zeit ein Gesetz haben, dass nach Frauen und Männern unterscheidet UND das keine Unterscheidung nach 'Geschlecht' macht.


Bislang gibt es wenig bis keine Aussicht auf einen Mittelweg, wie man ihn in solchen Fällen üblicherweise sucht. Vielleicht gibt es diesen Mittelweg auch gar nicht. Jedenfalls beharren beide Seiten auf ihrer Position und versuchen die andere Seite davon zu überzeugen oder sie zu bekämpfen. Im Ergebnis schadet dieses Vorgehen allen, weil es die Position von allen Menschen mit irgendwelchen individuellen Abweichungen von bestehenden gesellschaftlichen Normen schwächt.


Eine entscheidende Frage dabei könnte sein, wie man in diesem Zusammenhang mit der eigentlich völlig richtigen Forderung nach Toleranz umgehen kann. Wie geht Toleranz, wenn es zwei sich gegenseitig ausschliessende Meinungen, aber z.B. nur ein Gesetz und nur eine Kleiderordnung gibt?

Ist es tolerant genug, wenn die einen sagen, dass die Geschlechterunterscheidung erhalten bleiben muss, die anderen aber keines haben müssen?

Ist es tolerant genug, wenn die einen sagen, dass das die Geschlechterunterscheidung weg muss, und die anderen sich halt irgendwie selbst bestimmen müssen?


Hab es gut

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Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Post 8 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

wir haben als Forum keinen "politischen Auftrag". Insofern müssen wir keine gemeinsame Linie und auch keinen Mittelweg finden. Es gab Vorstöße, z.B. "Die Initiative" - leider im Sande verlaufen.
Die politische Arbeit findet an anderer Stelle statt.

Das Forum ist ein "offenes Haus" für Menschen, die sich für "unsere Themen" interessieren und mitreden möchten.

Es geht mir persönlich nicht um eine "Einheitsmeinung" und ich habe auch kein übersteigertes Harmoniebedürfnis.

Ich möchte nur darum bitten, dass Fremdbestimmungen von Einzelpersonen und Gruppen unterbleiben.

Das hat auch nichts mit einer "gesunden Streitkultur" zu tun.

Gruß
Anne-Mette
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Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Post 9 im Thema

Beitrag von Michi »

Hallo Marielle,

du schreibst ...
Marielle hat geschrieben: Do 29. Jun 2017, 09:05 Auf der einen Seite gibt es Menschen die davon ausgehen, dass es ein weitgehend biologisch festgelegtes und überwiegend zweigeteiltes Geschlecht gibt. Dieses Geschlecht wird nicht durch die Fortpflanzungsfunktion eines Menschen bestimmt. Weil dieses Geschlecht als überwiegend zweigeteilt und festgelegt angesehen wird, wird daran eine Unterscheidung in Männer und Frauen festgemacht, die sich auch auf gesellschaftliche Normen, z.B. Gesetze, und Verhaltensweisen, z.B. Anrede von Personen und Kleiderordnung, auswirken soll. Diese Gruppe will Geschlecht als Unterscheidungsmerkmal erhalten und es dazu (neu bzw. anders) festlegen.
Irgendwie erscheint mir das auf Grund des fett markierten Wortes doch ziemlich unlogisch, insbesondere die ersten bieden Sätze widersprechen sich. Die biologische "Festlegung" eschließt sich doch gerade aus der Fortpflanzungsfunktion. Davon abgesehen ... Solltest du die "normalen", Nicht-Trans-Menschen meinen, dann ist das Wort "nicht" zu viel. Solltest du dagegen die Gruppe von TS sehen, die das bipolare Geschlechtermodell nur zu gern zementiert sehen, die "nur" den Seitenwechsel für sich selbst in Anspruch nehmen wollen, dann wäre "biologisch festgelegt" in der Aussage überflüssig.
Marielle hat geschrieben: Do 29. Jun 2017, 09:05 Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die Geschlecht und alles was daran festgemacht wird im wesentlichen als eine menschengemachte Konstruktion betrachten. Sie gehen davon aus, dass weder die Fortpflanzungsfunktion noch ein anderes Merkmal eine Unterscheidung von Menschen rechtfertigt, die über die eigene Selbstbestimmung des Menschen hinausgeht. Es soll demnach keine Gesetze und Verhaltensweisen geben, die Menschen nach einem 'Geschlecht' eingruppiert. Diese Gruppe will Geschlecht als übergeordnetes Unterscheidungsmerkmal abschaffen, d.h. dekonstruieren.
Ich wüsste nicht, was daran falsch sein soll. Das biologische Geschlecht ist zwar ein starkes Indiz dafür, wie sich ein Mensch selbst sieht. Aber die Natur lehrt uns nun mal an allen Ecken und Enden, dass es kein Schwarz-Weiß gibt.

Was das soziale Konstrukt Geschlecht bewirkt, ist ein sehr starker Druck zur Normierung in zwei gegensätzliche Geschlechter, der auf die Menschen ausgeübt wird.

Und genau das machen auch jene TS, die anderen Menschen vorschreiben wollen, wie sie sich zu fühlen haben und/oder was sie zu sein haben.
Marielle hat geschrieben: Do 29. Jun 2017, 09:05 Im persönlichen Umgang miteinander ist es noch relativ einfach, diese beiden Meinungen nebeneinander stehen zu lassen. Wenn es aber um Konventionen oder Gesetze geht, schliessen sich die beiden Meinungen gegenseitig aus. Man kann nicht zur gleichen Zeit ein Gesetz haben, dass nach Frauen und Männern unterscheidet UND das keine Unterscheidung nach 'Geschlecht' macht.

Bislang gibt es wenig bis keine Aussicht auf einen Mittelweg, wie man ihn in solchen Fällen üblicherweise sucht. Vielleicht gibt es diesen Mittelweg auch gar nicht. Jedenfalls beharren beide Seiten auf ihrer Position und versuchen die andere Seite davon zu überzeugen oder sie zu bekämpfen. Im Ergebnis schadet dieses Vorgehen allen, weil es die Position von allen Menschen mit irgendwelchen individuellen Abweichungen von bestehenden gesellschaftlichen Normen schwächt.
Ich denke schon, dass eine Lösung möglich ist.

Diese kann allerdings nur darin bestehen, dass keine Seite Zwang auf die andere ausübt, also in deren Persönlichkeit und das Recht auf Selbstbestimmung eingreift.

Folglich muss ein Gesetz abgeschafft werden, welches die zwangsweise Einteilung/Zuweisung in Männer und Frauen festschreibt.
Andererseits muss es jedem Menschen frei stehen, sich selbst weiterhin als Mann oder Frau zu bezeichnen.

Ich habe es schon mal an anderer Stelle geschrieben:

Die (Selbst-)Bezeichnung als Mann oder Frau sollte lediglich ein Namenszusatz sein, den man frei wählen oder auch weglassen kann.
Irgendwelche besonderen Rechte dürfen sich aus dem gewählten Namenszusatz nicht ergeben.

Man könnte das ein Stück weit mit der Abschaffung der Adelstitel vergleichen, die heute auch nur noch Bestandteil des Famiiennamens sind.
Marielle hat geschrieben: Do 29. Jun 2017, 09:05 Eine entscheidende Frage dabei könnte sein, wie man in diesem Zusammenhang mit der eigentlich völlig richtigen Forderung nach Toleranz umgehen kann. Wie geht Toleranz, wenn es zwei sich gegenseitig ausschliessende Meinungen, aber z.B. nur ein Gesetz und nur eine Kleiderordnung gibt?

Ist es tolerant genug, wenn die einen sagen, dass die Geschlechterunterscheidung erhalten bleiben muss, die anderen aber keines haben müssen?

Ist es tolerant genug, wenn die einen sagen, dass das die Geschlechterunterscheidung weg muss, und die anderen sich halt irgendwie selbst bestimmen müssen?
Der entscheidende Punkt ist das Recht auf Selbstbestimmung. Die mögliche, und meiner Meinung nach zielführende Lösung habe ich zuvor beschrieben.

Liebe Grüße
Michi
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
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Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Post 10 im Thema

Beitrag von Manu.66 »

Hi Mädels!

Sicher, wir haben in diesem Forum keinen politischen Auftrag zu erfüllen. Aber, es müsste jedem bewusst lebenden Menschen klar sein, dass alles irgendwie mit Politik zu tun hat, alles irgendwie Politik beeinflusst. Das stimmt gerade für das digitale Zeitalter in verstärktem Umfang. Insofern ist auch dieses Forum - selbst wenn die Administratorin dies gern anders sieht - politisch.

Und in diesen - politischen - Fällen verweise ich immer gern auf das in aller Welt als eine der besten Verfassungen deklarierte deutsche Grundgesetz:

In Artikel 1, Absatz 1, GG steht "Die Würde des Menschen ist unantastbar." Das gilt für alle Menschen. Da steht nicht, die Würde des deutschen Menschen ist unantastbar oder die Würde des Mannes oder der Frau ist unantastbar. Es ist eine universelle, unisexuelle, allgemeingültige Norm die auch Toleranz gegenüber allen Menschen bedingt. Es wäre wirklich schön, wenn sich alle Menschen an diesen Grundsastz hielten!

In Artikel 2, Absatz 1, GG steht: "Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit..." Diese Regelung gilt für jeden Menschen - vgl. oben! Der alte Fritz hat das schon vor langer Zeit auf seine Weise formuliert: "Jeder solle nach seiner Fason seelig werden!" - immer sofern er nicht andere in ihren Rechten verletzt. Einfach ausgedrückt: Die einen so, die anderen so. Es macht keinen Sinn, unssinnige Gleichmachungsversuche, unssinige, Rosa Pilcher mäßige Harmoniebestrebungen durchsetzen zu wollen. Menschen sind unterschiedlich und jeder Mensch hat das Recht, anders zu sein. Und das ist gut so! Insofern sind andere Meinungen zu tolerieren, andere Lebensentwürfe zu tolerieren ohne den Menschen unnötige Hindernisse in den Weg zu legen (TSG ich grüße dich!)

in Artikel 3, Absatz 1 und Absatz 2, GG steht: "Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. ... Niemand darf wegen seines Geschlechtes ... benachteiligt oder bevorzugt werden." Aktuell soll der Absatz 2 ja ergänzt werden "wegen seines Geschlechtes oder seiner sexuellen Orientierung..." Bitte nicht verwechseln: Hier geht es nicht um "Gleichmachung" sondern um Gleichbehandlung, also im weiteren Sinn auch um Toleranz den anderen gegenüber.

Konkret:
Hier im Forum und im Alltag allgemein akzeptiere und respektiere ich Menschen, die sich als "Freizeitfrauen" bezeichnen ebenso wie solche, die sich als "24/7" Frauen bekennen. Die Hormone nehmen und solche, die sie ablehnen. Die eine GOAP haben machen lassen, anstreben oder für sich ablehnen. Selbst diejenigen, die allein hin und wieder im Damenslip unter ihrem Anzug rumlaufen sind ok und sind voll und ganz zu tolerieren. Irgendwelche "Community" Abgrenzungen/Definitionen lehne ich ab. Besonders strange sind mir diejenigen, die meinen, die Trans* Deutungshoheit gepachtet zu haben oder andere in irgendeine Richtung drängen wollen ("Waaaaass, Du trägst...., Du machst..., Du bist ..., das geht doch garnicht!!!!")

Liebe Grüße
Manuela
Zuletzt geändert von Manu.66 am Do 29. Jun 2017, 14:32, insgesamt 2-mal geändert.
Mein Lebensmotto: "Ich kann, weil ich will, was ich muss." (Kant)
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Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Post 11 im Thema

Beitrag von Marielle »

Liebe Michi,

du schreibst:
Irgendwie erscheint mir das auf Grund des fett markierten Wortes doch ziemlich unlogisch, insbesondere die ersten bieden Sätze widersprechen sich. Die biologische "Festlegung" eschließt sich doch gerade aus der Fortpflanzungsfunktion.
Das ist nur dann unlogisch oder widersprüchlich, wenn man davon ausgeht, dass nur die Fortpflanzungsfunktion eine biologische Festlegung bedeutet. Es gibt aber eine ganze Reihe von Menschen, die davon ausgehen, dass ihr Geschlecht zwar nicht durch ihre Fortpflanzungsfunktion, trotzdem aber durch biologische, vor der Geburt entstehende Eigenschaften als Mann oder Frau festgelegt ist. Such mal mit dem Stichwort 'Hirngeschlecht' danach.

Folglich muss ein Gesetz abgeschafft werden, welches die zwangsweise Einteilung/Zuweisung in Männer und Frauen festschreibt. Andererseits muss es jedem Menschen frei stehen, sich selbst weiterhin als Mann oder Frau zu bezeichnen.
Das kann man so sehen (tue ich selbst auch), aber es gibt eben auch andere Menschen, die das anders sehen und deswegen die rechtliche Einteilung erhalten wollen. Das ist genau das Dilemma, das ich hier zu beschreiben versuche. Die Einteilung in Mann und Frau 'von Rechts wegen' wird von manchen Menschen als ihr Recht verstanden und soll deswegen erhalten bleiben, andere wollen sie unbedingt weg haben. Und beides zusammen geht eben nicht.


Es gibt genug Forderungen und Vorschläge von jeder Seite, wie man es im eigenen Interesse am besten regelt. Sowohl die Gesetze als auch den gesellschaftlichen Umgang damit betreffend. Woran es mangelt sind Überlegungen und Vorschläge, wie Konzepte aussehen könnten, mit denen beide Seiten gut leben können. Ich möchte dabei auch gar nicht nur auf Gesetze raus, sondern vielmehr auch gesellschaftliche Fragen in den Blick nehmen.

Marielle

PS: @Daenerys; Du bringst interessante Aspekte. Ich komm heute Abend darauf zurück.
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Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Post 12 im Thema

Beitrag von Joe95 »

Ich versuche das hier zu verstehen.
Es geht um Geschlechter, Gesetze, diese Community und Toleranz.
Fangen wir mit dieser Community und ihrem politischen Auftrag an.
Ich behaupte das diese Community garkeinen Auftrag hat.
Hier schreiben Menschen - Individuen - was sie bewegt oder was sie zu etwas, was hier geschrieben wurde, beitragen möchten.
Natürlich ist jede Veröffentlichung einer Meinung Politik, aber die ist nicht "Auftragsgemäß" sondern entsteht durch die Ansichten der beteiligten Individuen.
Was natürlich nicht ausschliesst das diese Induvidien sich berufen fühlen sich politisch zu betätigen.

Gesetze und Toleranz.
Wenn ich richtig verstanden habe ging es darum, das ein Gesetz von einem anderen abgelöst wird und wo dabei die Toleranz bleibt.
Nirgendwo.
Gesetze sind Produkte von Toleranz oder eben Intoleranz.
Ein Gesetz, das vorschreibt Menschen einem Geschlecht zuzuordnen, scheint mir eher ein Produkt von Intoleranz zu sein.
Wären die Gesetzgeber wirklich tolerant wäre garkein Gesetz nötig, das irgendwen zwangsweise irgendeinem Geschlecht zuweist.

Man kann Toleranz nicht in ein Gesetz packen.
Der Versuch jemandem Toleranz per Gesetz zu "verordnen" funktioniert nicht.
Andersrum wird ein Schuh draus.
Erst wenn die Menschen tolerant werden, werden auch die Gesetzgeber tolerant und erst dann verschwinden intolerante Gesetze.
Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen.
Natürlich ist das wahr, es steht doch im Internet!

Du hast ne Frage, brauchst Rat oder Hilfe?
Ohren verleih ich nicht, aber anschreiben darfst du mich jederzeit...
Magdalena
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Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Post 13 im Thema

Beitrag von Magdalena »

Hallo,

auch wenn die Community keinen politischen Auftrag hat,was ich gut finde, so hat aber jede/r von uns seinen eigene Meinung, die zu vertreten sein gutes Recht ist. Da spielen natürlich die Interessen wie die Themen die mit Transgendern allgemein zu tun haben in unserer Community eine wichtige Rolle. Und je nach persönlichem Empfinden und dem sich selber einordnen in unserer Community ergeben sich durchaus unterschiedliche Meinungen zu einem Thema. Dies sollte eigentlich allen bewusst sein und es sollten die Meinungen der Anderen auch respektiert werden. Und ich persönlich empfinde es als gut, dass es keine Einheitsmeinug gibt, der alle blind folgen. Es wird durchaus um ein Thema gerungen, doch es muss sachlich bleiben und darf keinen verletzen.

Viele Grüße Magdalena
Lebe jeden Tag.
ab08
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Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Post 14 im Thema

Beitrag von ab08 »

Hallo meine Lieben,

Vorbemerkung: Am Donnerstag, den 29. Juni bekam ich nichts mit!! -> Um 9 Uhr früh brach in meiner Straße die Stromversorgung(!) zusammen. Kurz vor Mitternacht war es provisorisch repariert. Das brachte mich bis heute durcheinander. Diesen interessanten Thread fand ich erst jetzt und wurstelte mich mit Danksagungen durch.
-> Den Beitrag von Magdalena finde ich z.B. sehr gut! (Ansonsten geht es mir bei manchmal wie Aubergine :oops: Trotz intensiven Bemühens versteh ich nicht alles...)

Zur Sache selbst:
Meiner Meinung nach, die ich bereits öfter äußerte, wäre die allgemeine Regelung auf "Geschlecht" zu verzichten, nicht tolerabel. -> Vielen Mitmenschen gibt das Halt!! - Erfahrungen beim Unterricht in der Psychiatrie (auch mit einfachen oder behinderten Menschen) lehrten mich, wie wichtig Normen ("klare Verhältnisse") für viele Menschen sind. - Manche Menschen brauchen (bisweilen/oder immer) einfach Regeln/Strukturen, um gesund leben zu können.

Daher sehe ich im Geschlechtervielfaltsgesetz (GVielfG) nach dem Entwurf des Deutschen Instituts für Menschenrechte
den idealen Kompromiss mit dem hoffentlich alle(!) ganz gut leben können :wink: :
Vier Kategorien: --- "weiblich" --- "männlich" --- "weitere Geschlechtsoptionen" --- "keine Angabe"
"weitere Geschlechtsoptionen" --> Für Personen, die sich anders verorten. (z.B. für manche Intersexuelle, Androgyne ...)
"keine Angabe" --> z.B. für Menschen, die mit dem Begriff "Geschlecht" gar nichts anfangen können und eine Einordnung ablehnen...

Aber nochmal ganz deutlich:
Eine fiktive Gesellschaftsordnung, die ganz auf Geschlecht verzichtet, hielte ich für zutiefst inhuman.
Das ist, meiner Ansicht nach, eine schlimmere Utopie wie "1984" von George Orwell :!:

Liebe Grüße
Andrea
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
ERGO: Umfassende Bildung für alle, effektive Regeln in Alltag und Netz, eine gut ausgestattete Polizei/Justiz
Laura R
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Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Post 15 im Thema

Beitrag von Laura R »

Hallo Andrea und auch hallo an alle anderen die hier geschrieben haben,
beim Lesen tat sich für mich eine Frage auf. Was behinderte Menschen sind weiß ich, aber was sind einfache Menschen?
Im grossen und ganzen haben Marielle und auch alle anderen Schreiberinnen hier Recht, was mir in letzter Zeit doch sehr auffällt das der Respekt und auch die Toleranz vor anderen doch langsam weniger wird. Da gibt es Satzformulierungen da sage selbst ich das ist milde gesagt frech.
Grade das ist doch in einer Community das wichtigste, Respekt voreinander und Toleranz. Was wird hier zum Teil gemacht wird,ich bezeichne es als Erbsenzählerei wie hier mit Begriffen umgegangen wird. Schlicht ergreifend Kindergarten Niveau ! Wie ich schon an anderer Stelle geschrieben habe sollte sich doch wirklich jeder um seine eigene Sache kümmern, dabei hat die jenige bestimmt genug eigene Baustellen, als sich einen Kopf zu machen wie sich jemand anderes bezeichnet. Was hier auch einige mal Betrachten sollten: Transsexuelle Menschen sind nicht der Mittelpunkt der Welt sondern ein Teil des Ganzen.
Es ist doch egal wie sich wer bezeichnet zählt nicht der Mensch der dahinter steckt? Aber nein es wird auf begrifflichkeiten rumgeritten immer und immer wieder und es kommt nichts bei rum. Diese Zeit kann durchaus sinnvoller genutzt werden.
Auch wie zum Teil im Chat miteinander umgegangen wird, würdet ihr so miteinander reden wenn ihr euch gegenüber sitzt? Ich glaube nein.
Nun habe ich genug geschrieben.
Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende ))):s mit nicht soviel Regen
Liebe Grüsse
Laura
Ich bin wie ich bin und weiß wer ich bin. Das gut so!
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