ich wollte eigentlich zuerst auf dieses Thema antworten:
Aber hier geht es doch wohl eher darum, wie eine Mutter mit einer Transidentität umgeht, als um die Folgen, die ein Outing als Kind oder Jugendliche*r für eine nicht-binäre Person haben können. Deshalb eröffne ich hier ein eigenes Thema.Anja hat geschrieben: Mi 11. Dez 2019, 13:36 Moinsen
"Mama, wir haben ein Problem." Wenn Julian das sagte, dann ging es meist darum, dass die Klassenfahrt längst hätte bezahlt sein müssen, er aber vergessen hatte, den Zettel abzugeben. Diesmal aber war es anders. Er sagte: Ich bin ein Mädchen und stecke im falschen Körper." Eine Mutter erzählt, wie sie ihren Sohn auf seinem Weg zur Geschlechtsumwandlung begleitet, was sie dabei fühlte und wie sich das Leben nun verändert hat.
Transgender, das muss nicht schrill und bunt und laut sein, wie es das Privatfernsehen oft vermittelt. Das lernte die Familie nun, diese Familie, die so zusammenhält, die nach all dem gemeinsam Erlebten jetzt nur noch näher zusammengerückt ist. Denn auch für Transgender darf es keine Schubladen geben.
Zum Artikel gehts hier entlang.
Grüße
die Anja
Ich frage mich nämlich, wie es bei mir gelaufen wäre, wenn das Thema Transgender zur Zeit meiner Kindheit und Jugend in den Medien auch nur annähernd so präsent gewesen wäre wie heute. So stellte ich mir nur die Frage, ob ich schwul sei, die ich schnell mit einen klaren Nein beantwortete. Dass ich gerne mit Puppen spielte, beim Karneval lieber "Winnetous Schwester" war als ein Cowboy, kurze Haare hasste und keinen Fußball mochte nahm ich erst mal einfach so hin. Auf die Idee etwas anderes als ein Junge zu sein kam ich nicht.
Und wenn ich mich geoutet hätte, dann wahrscheinlich erst mit über 18. Was meine Mutter mir sonst mit Ärzten und Psychologen angetan hätte, wäre wohl unerträglich geworden. Als volljährige Person ohne Mamas Fuchtel hätte ich vermutlich erkannt, dass ich nicht-binär bin, nur wusste damals noch keiner, dass es so etwas überhaupt gibt. Also wie wäre es weiter gegangen? Als Transvestit am Rande der Gesellschaft oder doch letztlich so ähnlich, wie es abgelaufen ist? Keine Ahnung?
Was wäre aber gewesen, wenn ich mich doch als Kind oder Jugendlicher geoutet hätte? - Mama, ich bin ein Mädchen. Wenn ich es geschafft hätte, die Psychologen zu überzeugen, hätte wohl meine Mutter auf deren Anraten die Transition gnadenlos durch gezogen. Wenn schon kein Junge, dann hätte es eben unbedingt ein Mädchen sein müssen und nicht so etwas wie ein "perverser Transvestit". Und ich hätte sicherlich alles daran gesetzt als trans anerkannt zu werden, damit mich meine Mutter nicht als psychisch krank bevormundet und nieder macht. Schließlich, nach der kompletten Transition mit GaOP, wäre dann wohl die Familie mit ihrer "Tochter" weit weg in eine andere Stadt gezogen.
Und was hätte es mir gebracht? Vermutlich wäre ich als Frau genauso unglücklich geworden wie als Mann. Und dann wäre es wohl irgendwann entweder zum Selbstmord oder zur Selbstfindung als Enby gekommen - nach einer letztlich sinnlosen und überflüssigen Angleichung und für den Rest des Lebens auf Hormone angewiesen. Detranstionieren - also hin zu männlichen Hormonen - würde ich aber höchst wahrscheinlich nicht. Ich fühle mich ja nicht als Mann.
So viel also zu diesem Thema aus der Sicht eines Enbys. Da kann ich jetzt nur hoffen, dass es heute eher zu einer richtigen Einschätzung der Lage kommt als vermutlich damals. Bei einer Mutter, die so denkt, wie es meine tat, in Kombination mit konservativ und streng binär denkenden Psychologen kommen mir da aber ganz große Zweifel.
Liebe Grüße
Nicole