Das ist völliger Unfug, Wally, beruhend - mal wieder - auf der meines Erachtens bewussten Vermischung der verschiedenen Bedeutungen des Wortes Geschlecht im Deutschen.
Kein Mensch will Geschlecht in irgendeiner Form abschaffen oder wegwerfen. Weder Sex noch Gender. Im Gegenteil. Lediglich die Zwangszuweisung von (vemuteten) Genitalien auf soziale Rolle, die Mensch gemäss rechter Ideologie lebenslang und unveränderbar spielen soll.
Unterlassen werden soll die, eben auch von rechten Kräften geforderte strikte und zwangsweise Trennung von Männern und Frauen in quasi verschiedenartige Wesenheiten, zugeschriebene Klischees, wie Männer eben seien oder Frauen eben seien, und dass es nichts anderes als diese zugeschriebenen Stereotypen gäbe, das ist der Kern rechter Genderideologie - und übrigens auch TERF-Sichtweise. Nennt sich biologischer Essenzialismus, wer es googlen möchte.
Die Gegenposition, also moderne, pluralistische und freiheitliche Sicht auf Sex und Gender ist einfach: Respektiert Menschen wie sie individuell sind. Presst sie nicht in zwei strikte Rollen. Akzeptiert Zwischentöne, Varianz und Veränderung. Wer mit der zugeordneten cis-binären Rolle glücklich ist: Prima. Viel Spass dabei. Aber alle anderen haben eben auch ein Recht auf Glück, Zufriedenheit, Akzeptanz und Frieden.
Es ist die Anerkennung, dass eine Genitalien-Beschau bei Geburt nicht bestimmen kann oder darf, welche Klamotten ein Mensch tragen darf, ob Makeup oder Kettensäge okay sind, wer weinen darf, fürsorglich sein, kompetetiv, dominant, usw. Dass Fortpflanzungsorgane nichts darüber aussagen, wie kompetent Menschen auf irgendwelchen Gebieten sind. Dass ausserdem Menschen vielfältig sein können und "Männlichkeit" auch für Menschen mit Penis möglicherweise kein erstrebenswertes Ziel ist und - das ist der Knackpunkt - dies von der Umwelt gefälligst zu akzeptieren ist. Ohne Häme, ohne Hass, ohne Hetze, ohne Gewalt.
Das gibt geschlechtlicher Identität eine viel bewusstere, persönliche Bedeutung, nämlich Wertschätzung jedes Menschen in seiner Individualität, wo rechte Kräfte quasi alle Menschen unterschiedslos in zwei Lager zwangskollektivieren wollen, inklusive Festschreibung des Patriarchats.
Übrigens ist in den USA genau zu beobachten, was aus der rechten Rhetorik folgt. Die Hysterie gegen trans und gendernonkonforme Menschen geht inzwischen so weit, dass in einigen Staaten und Gemeinden das tragen von Kleidung, die "nicht dem biologischen Geschlecht bei Geburt entspricht" (aka Genitalienbeschau) strafbar ist.
Nein, das wird sicher nicht flächendeckend durchgesetzt, aber es ist eine stete Drohung, mit der gegen queere Menschen jederzeit vorgegangen werden kann. Klamotten kaufen in der Mall? Wenn du auf die falschen Leute triffst kann das im Knast enden. Ein CD-Stammtisch wie im Falkenstein? Kann im Knast enden - falls nicht das Lokal schon abwinkt, um bloss nichts zu riskieren.
Einige Teile der USA sind inzwischen bei Stufe 6 der 10-teiligen
Genozidskala angekommen. Hier bitte das Niemöller-Zitat einfügen.
Auch da wurde lange Zeit herumgeeiert, von angeblich nur übertrieben scharfer Rhetorik gefaselt. Das ist brandgefährlich. Die Geschichte zeigt, dass solche Reden am besten wortwörtlich ernst genommen werden sollten.
Wenn Menschen wie diese afdler*innen irgendwo Macht bekommen, werden (nicht nur) queere Menschen bis hin zu crossdressenden physisch zu leiden haben, weil rechte nun mal Vielfalt und Varianz nicht akzeptieren können.