Bleibende Eindrücke, Erkenntnisse und neue Fragen – ein Rückblick vom 22.02.2026 und 15.05.2026
Im CD-Forum hatte ich, noch benommen von den Eindrücken und Erlebnissen, wenige Tage nach dem Wochenende einen Bericht nebst Bildern gepostet. Dies war eine eher chronologische Schilderung der mir wichtigen Ereignisse. Nicht mehr. Aber: Dieses Wochenende war mehr, je länger ich die Eindrücke und Erlebnisse, die ich nachfühlen kann, erinnere und vergegenwärtige. Ich bin in sowas langsam, war schon immer langsam, aber zumeist dann besonders gründlich. Diese Beobachtung meiner Mutter an Kind 4 von 4, als ich etwa 19 war, verstand ich damals nicht so recht, sie bewahrheitete sich aber mit den Lebensjahren immer wieder.
Vor dem Wochenende bewegte mich u.a. der Gedanke, was ich mache, wenn ich an Tag eins oder Tag zwei der Martina überdrüssig werde, schließlich kannte ich meine Geschlechtsidentität als recht volatil jeweils im Verlauf der Tage. Aber ich erlebte es anders. Martina fiel mir keinen Tag zur Last, und die Trennung samt Rückverwandlung am vierten Tag kurz vor Heimkehr fiel schwer; ich hätte gerade so weiterleben können, obgleich mir klar war, daß dieser safe space mich wie ein Paralleluniversum vereinnahmt hatte. Im weiteren Austausch mit einer lieben Schwester, die ich an diesem Wochenende kennenlernen durfte, war dann sogar für uns beide klar, daß wir, gäbe es keinerlei soziale Konsequenzen nach einer intuitiven Wahlentscheidung, uns gegenwärtig für die weibliche Form des Erscheinens und Erlebens entscheiden würden. Interessant war dabei u.a. auch ein Bildvergleich. Es wurde augenfällig vor allem aus den Feedbacks des Gegenübers oder von Freunden, dass die Bilder von der Person in der femininen Version deutlich mehr Zufriedenheit und Glück ausstrahlen, als sonst im Mannmodus.
Nach dem Wochenende hatte sich in mir für eine Woche eine Stimmung ergeben, die ich ähnlich erinnerlich nur einmal zuvor erlebt habe, und das war 1990 mit zarten 25 Jahren – eine absolute Ausnahmestimmung also. Über den Geschehnissen des Alltags lag ein sonderbarer Schleier und ich sah mich nicht in der Lage, mich persönlich mit Kolleg*innen und Mitarbeitenden zu konfrontieren, sodass ich die ganze erste Woche im Homeoffice verweilte. Das Erlebte hatte mich so sehr von der alltäglichen Realität entkoppelt, dass die Berührung mit eben dieser befremdlich wurde. Das Gewohnte erschien plötzlich sonderbar und verklärt. Aber was war es genau, das in mir diese Ausnahme-Reaktion hervorrief?
Um diese Frage zu beantworten, ist der Psychologe in eigener Sache gefragt. Ein Versuch ist’s wert. Wer bin ich, und wenn ja, wieviele? Kenne ich mich? Vor allem, kenne ich mich vollständig? Um das mit einem Ja beantworten zu können, muss vorangegangen sein, dass ich mich selbst vollständig er-kenne. Nun zeigen mir solche Reaktionen wie nach dem Waldschlößchen doch deutlich, dass ich wohl manches über mich weiß, aber eben nicht alles in mir er-kannt habe; woher sollten sonst die Befremdlichkeiten des Alltäglichen herrühren!?!
Es ist zwischenzeitlich etwas Zeit seitdem vergangen und ich kann, wenn ich das Heute mit dem Gestern aus 2025 vergleiche, Veränderungen feststellen, die nicht mit Paukenschlag, sondern schleichend sich eingestellt haben.
Zurück zum Waldschlößchen: Das waren Tage, an denen ich ohne jegliche Rücksichtnahme auf Erwartungen und Konventionen mein Äußeres und mein Inneres wählen und auskehren konnte, völlig frei nach meiner eigenen Stimmung, und ich bin dabei auf ein Umfeld gestoßen, das mich genau damit wie selbstredend akzeptiert hat. Was wie selbstverständlich angenommen werden sollte, ist zumindest in meinem Alltag nicht in solchem Maß repräsentiert. Aus Bescheidenheit, Scham, Rücksichtnahme, Manieren, Konformitätsbestreben, Pflichtbewusstsein, Anpassungsbestreben an soziale Normen …? Da mag von allem was dabei sein.
Status Quo vor dem Waldschlößchen: Es gab wenige Menschen, die Martina erlebt haben, grundsätzlich aber als eine gelegentliche Variante des Martin verstehen mussten, da sie den Martin seit vielen Jahren kannten. Einzig Violetta aus Thüringen (Transflower) kannte mich ausschließlich als Martina, was dem Kontakt zu ihr einen Ausnahmecharakter verlieh. Natürlich werde ich im Forum nicht als Martin wahrgenommen, aber Hand auf’s Herz: das echte Leben findet im persönlichen und weniger im virtuellen Kontakt statt. Das hat sich also nun mit dem Waldschlößchen verändert.
Es ergaben sich in der Gruppe Situationen, in denen über mich, ausdrücklich über „Martina“ gesprochen wurde. Das war schonmal neu und ungewohnt, dass wie selbstverständlich über mich ausschließlich bezüglich meiner weiblichen Identität gesprochen wurde – der Martin war erstmals zu 100% wie weggefegt. Es dauerte keinen Tag, bis das Ungewohnte von mir als selbstverständlich empfunden wurde. Vor 3 Wochen etwa wurde in einem Gespräch bei Freunden eine andere, mir nicht bekannte Martina thematisiert und ich spürte erstmals, obgleich im MM anwesend, dass die Aussprache des Namens Martina in mir zündete, also ebenso wie beim Vorkommen eines Namensvetters. Wie hat sich das angefühlt? Einfach nur richtig, denn Martin und Martina – es stimmt beides. Und wieder spüre ich, dass für mich ein weiblicher Phantasiename wie z.B. Marusha, den ich zunächst hier im Forum gewählt hatte, nicht adäquat ist, denn Martin / Martina erlebt das soziale Geschlecht fluide und stark volatil im Tagesverlauf; die „sortenreine“ Identität Mann / Frau kommt schon vor, ist ebenso volatil und nicht der Normalzustand. Ich will nicht verheimlichen: Sortenrein fühlt sich alles am schönsten an, aber ich komme mit den Grauzonen dazwischen zunehmend besser klar, sodass das Maß innerer Konflikte geringer wird.
Der Umstand, dass über Martina in der 3. Person gesprochen wurde, bedeutete natürlich auch, dass nun weitere Menschen die Martina kennen, ohne einen Martin als Basis mitzudenken. So etablierten sich langsam neue Freundschaften und die mit Violetta durfte sich trotz der großen Unterschiede zwischen uns vertiefen.
Mit Jana (aus dem Cuxland) folgten nach dem Waldschlößchen mehrere Videocalls mit interessanten Themen und Feststellungen und ich durfte sie und ihre Frau zu Hause besuchen, als ich im Norden zuletzt unterwegs war – ein riesiger Vertrauensbeweis, für den ich sehr dankbar bin. Der nächste Termin für ein Treffen war bald gefunden, musste aber unglücklicherweise von mir extrem kurzfristig abgesagt werden. Dafür hat mein Kalender schon die nächsten 2 Termine eröffnet – Vorfreude groß!!!
Bei unserem Treffen hatten wir ein gemeinsames Foto komplett vergessen. Die KI hat uns aber eines aus den zwei Selfies vor unserem Treffen zusammengebastelt.
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Quelle: https://i.ibb.co/hjQ8yvx/CD5-B5-FA4-3-F ... 489-CF.png
Mit Geli aus dem Großraum Frankfurt kam’s auch zu einem ersten Treffen in Darmstadt, da ich in der Gegend aktuell recht oft beruflich unterwegs bin. Gesundheitlich war ich ziemlich angeschlagen – ein Männerschnupfen bleibt halt ein Männerschnupfen, auch wenn ihn Frau zur Schau trägt.
Und schon wenige Wochen später konnten wir ein weiteres sehr nettes Treffen arrangieren. Eine CD-Freundin von Geli, die jedoch in keinem Forum, aber ansonsten sehr aktiv ist, war mit von der Partie und wir hatten auch an diesem Abend viel Spaß.
Quelle: https://i.ibb.co/tTMQ07nn/IMG-3998.jpg
Quelle: https://i.ibb.co/8nPV9Y04/IMG-5314.jpg
Quelle: https://i.ibb.co/6RP1NWBp/IMG-5342.jpg
Und mit Violetta ließ sich ein drittes Treffen ausmachen, das erste Wiedersehen nach dem Waldschlößchen. Violetta hat dazu ja schon berichtet in ihrem Thread. Auch da war ich bei ihr zu Hause und durfte erleben, wie Vertrauen wächst. Sehr schön!!! Ein besonderes Merkmal unserer Beziehung ist für mich, dass ich gerade wegen unserer großen Unterschiede den Teil an Vorurteilen, den ich noch mit mir herumtrage, deutlich reduzieren konnte, ohne gleich in die völlige Naivität abzudriften.
Quelle: https://i.ibb.co/6JW0GQ0v/IMG-5349.jpg
Martina hat also in 2026 mehr soziale Kontakte gefunden, und das macht sich bemerkbar. Vor 2 Jahren nötigte mich der Leidensdruck-Stau gleich nach der Abreise von zu Hause auf den nächstbesten Rastplatz, um die Transformation zu vollziehen – „notgeil auf Frausein“ umschreibt’s unschön, aber recht treffend. Da ist völlige Entspannung eingekehrt mittlerweile, und die zunehmenden sozialen Kontakte für Martina sind wesentliche Auslöser für diese Entspannung.
Hier sitze ich an einem kalten verregneten Gardasee und hatte seit langer Zeit endlich mal wieder die Muse, meine Gedanken zu sortieren und aufzuschreiben. Dem Sch-Wetter sei’s gedankt.


Martina

