Marusha heißt Martin*a. Warum? Hab mich im Januar 2024 hier angemeldet und dachte, Marusha wäre ein schöner Name. Musste dann aber bemerken, dass Martina bzw. Martin*a für mich besser passt. Marusha kann man aber hier nicht mehr ändern leider.
Mein erstes Interesse am Transvestieren verspürte ich etwa 2002 - da war ich mal wieder Single. Kam aber viel anderes „dazwischen“ und das Interesse wurde verschüttet. In 2005 lernte ich meine Frau kennen, Heirat in 2007, Kinder in 2008 und 2012. Familienleben ganz normal. Uns fehlt‘s an nichts bzw. Klage wäre auf höchstem Niveau. In 2022 habe ich eine andere Abteilung in unserer Firma übernommen, verbunden mit viel Dienstreisen, die ich mit Campervan mache, um nicht dauernd in wechselnden Hotels, Flieger, Taxi und ICE rumzuhängen. Das brachte viel Zeit mit mir alleine, sodass nach 20 Jahren das Interesse, feminine Erscheinung auszuprobieren, wieder aufkeimte.
In 2023 kamen dann etliche Kleidungsstücke in den Camper und ich wagte mich im Schutz der Dunkelheit mit meinem Geheimnis vor die Tür. Erste Selfies waren echt grottig; ich dachte, mich schaut ein Gespenst an. In der Weihnachtspause hatte ich mir etliche Lektüre zu meinem Thema zu Gemüte geführt und erkannt, dass ich einerseits nicht absonderlich, krankhaft oder verhaltensgestört bin und dass andererseits ein Outing unausweichlich ist. Aber wie sag ich‘s meiner Frau?!?! Mir fehlten jegliche Worte, sodass ich mich zunächst bei meinen 3 besten Freundinnen im Januar 2024 outete und mit ihnen über mich sprechen konnte. Bald war ich mir über mich viel klarer und hatte die Worte, um mich zu erklären.
Das Outing schlug bei meiner Frau im Februar 2024 erdbebengleich ein. Sie hat paar Ansätze unternommen, sich mit Martina zu arrangieren, aber es scheiterte bis heute. Dass Martina existiert, ist für sie mittlerweile in Ordnung, aber sie mag sich nicht mit der Erscheinung von Martina konfrontieren. Dass ich mit einer alten Freundin ab und an als Martina unterwegs bin, stört sie mittlerweile auch nicht mehr offensichtlich. Dennoch ist sie wenig interessiert an meinen femininen Erlebnissen; wenn nicht ich Martina immer wieder dezent sichtbar werden lasse, würde sie‘s am liebsten ignorieren bzw. Ins Unterbewusstsein verdrängen. Damit ist ein Teil von mir, der feminine, weitgehend ausgeschlossen aus unserem Zusammenleben, und das zeigt sich doch manchmal als unangenehmes, mitunter depressives Gefühl.
Was mein feminines Äußeres betrifft: Mit 59 Jahren, 185cm, Schuhgröße 45, Konfektionsgröße 54/56 und Wohlstandsbauch sind die Voraussetzungen für eine weibliche Erscheinung nicht eben günstig. Autodidaktisch war ich 2024 gut beschäftigt, Kleidung, Make-Up, Bodyforming, Haltung und Motorik zu optimieren, damit mich in Selfies nicht mehr das Gespenst anschaut. Ich bin mit den Ergebnissen zunehmend zufriedener! Waren aber auch etliche Fehltritte dabei - schauderhaft! Und so genieße ich es ab und an, ganz feminin am helllichten Tag durch Städte zu bummeln, Einkaufen zu gehen …
Was mir tatsächlich fehlt, das ist die volle Akzeptanz in meiner Ehe. Es ist leider noch so, dass scheinbar nur der männliche Part von mir Aufmerksamkeit und Zuwendung erfährt. Und dadurch gibt‘s mittlerweile Löcher, in die ich falle.
Mittlerweile ist mein Bedürfnis, mich weiter auszutauschen, gewachsen. Das brauchte seit meiner Anmeldung hier tatsächlich 16 Monate. Ich bin nicht schnell, aber zumeist gründlich.
Für eine erste Vorstellung war‘s jetzt doch recht umfangreich. Ich hoffe, nicht gelangweilt zu haben.
Herzliche Grüße vor allem an alle, die bis hierher durchgehalten haben!
Martin*a
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PS: Würde mich ja auch gerne bildlich zeigen, kann aber leider nicht sehen, wo und wie das möglich wäre.