Absurd: Feiertagsregelungen
Absurd: Feiertagsregelungen - # 8

Crossdresser, Transgender DWT... Plauderecke - was sonst nirgendwo passt
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conny
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Re: Absurd: Feiertagsregelungen

Post 106 im Thema

Beitrag von conny »

Lana hat geschrieben: Di 22. Apr 2025, 23:35
Das klingt für mich ein bisschen nach:
Ich hab da was, das du nicht hast. Und das ist so was besonderes, dass du etwas Wichtiges im Leben verpasst. Selbst schuld, wenn du dir das entgehen lässt.

Wahrscheinlich war es nicht so gemeint, sondern soll eurer Begeisterung für euren Glauben Ausdruck geben. Verstehen aber nicht alle so. Einige meinen womöglich, dass es Missionierung sei, wenn auch subtil. Manche Menschen haben da sehr feine Antennen dafür :wink:
Dazu zwei der Missionierung unverdächtige:

Herbert Wehner 1964 in der Hamburger St.-Michaelis -Kirche.
"Meine Damen und Herren, liebe Brüder. Ich kenne die Situation des Menschen, der sich entschieden hat, ohne die Kirche und das Evangelium zu leben, und der vielleicht sogar zu dem billigen Strohhalm des Atheismus greift. Aber ich weiß und habe erfahren, dass der Mensch diese Spannung in seinem Leben nicht aushält ... Auf die Dauer kann kein Mensch das Leben ohne Kirche ertragen."
https://www.domradio.de/artikel/gregor- ... -die-bibel
Lana
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Re: Absurd: Feiertagsregelungen

Post 107 im Thema

Beitrag von Lana »

Er verwechselt Kirche und Glaube bzw. Spiritualität.

Kirche als Institution in der heutigen Form ist mehr als entbehrlich.

LGL
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conny
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Re: Absurd: Feiertagsregelungen

Post 108 im Thema

Beitrag von conny »

Lana hat geschrieben: Mi 23. Apr 2025, 22:20 Er verwechselt Kirche und Glaube bzw. Spiritualität.
Nö, in den Sechzigern war das für ihn ganz offenbar kein Unterschied.
Lana
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Re: Absurd: Feiertagsregelungen

Post 109 im Thema

Beitrag von Lana »

Für ihn vielleicht nicht - für viele gläubige Menschen schon. Auch damals.
Die Gleichsetzung, die er macht, ist unzulässig, und war es damals schon. Sie begründet auch einen Teil der heftigen Streitereien, weil die eine Seite die Amtskirche kritisiert während die andere Seite sich in ihrem persönlichen Glauben angegriffen fühlt.

Ich bin für klare Begriffe. Kirche und Glaube schließen sich nicht aus, sind aber nicht das gleiche.

Kirche kann Glauben vermitteln, aber jeder Glaube ist individuell und kann auch völlig unabhängig davon bestehen.

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Jaddy
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Re: Absurd: Feiertagsregelungen

Post 110 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Herbert Wehner hatte stets sehr feste Meinungen, die häufiger nicht mit der Erfahrungswelt anderer Menschen kompatibel waren... Und damit war und ist er ja nicht allein. Ich denke, ihm wäre es auch schwer gefallen, sich in die Realitäten vieler heutiger Menschen hineinzuversetzen. Unserer zum Beispiel. Oder Neurodivergenten. Ich zweifle sogar sehr, ob er mit der Gleichstellung von Frauen klar käme. Geschweige denn mit nichtbinären Menschen.

Anyway, hier hilft Beweis durch Gegenbeispiel: Es gibt eine Menge Menschen, die problemlos das ganze Leben ohne Kirche im speziellen und Religion im allgemeinen klarkommen. Nicht nur ich, sondern auch viele Menschen, die ich kenne.

Das wird für viele religiöse Menschen ebenso schwer bis unverständlich sein, wie umgekehrt.

So wie zum Beispiel auch unser "spezielles" Verhältnis zu Genderdingen, Rollen usw. für die meisten Menschen nicht wirklich nachvollziehbar ist.

Das jeweilige Thema - Religion, Gender - ist eben für manche Menschen psychologisch / emotional ungeheuer wichtig, für andere nicht. An so einem grundsätzlichen Persönlichkeitsmerkmal lässt sich mE nicht herumdiskutieren. Es ist - wieder mE - sowohl fruchtlos als auch respektlos, anderen ihre Neigungen abzusprechen oder aufzunötigen.

Wir können und müssen allerdings schon darüber reden, in wie weit die jeweiligen -hm- Arten, dies auszuleben im allgemeinen Zusammenleben funktionieren können, ohne dass wir uns allzusehr auf die Füsse treten. Das kann - mE - nur gelingen, wenn die Motivation (zu Religion, Genderkram) und die konkreten Inhalte aus der Diskussion raus gelassen werden.

Sprich: Formen des Zusammenlebens absprechen, ohne Sinn oder Wahrhaftigkeit der jeweiligen Claims zu diskutieren. Oder noch einfacher: Es ist völlig egal, ob irgendeine religiöse Vorstellung irgendwie wahr ist oder irgendeine Form von Geschlechtsempfinden. Die einzige Frage ist, wie die einen ihren Glauben feiern können, andere sich authentisch fühlen und dritte was weiss ich was. Das sollte schon hinzukriegen sein, ohne dass wir anderen was absprechen.
Inga
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Re: Absurd: Feiertagsregelungen

Post 111 im Thema

Beitrag von Inga »

Lana hat geschrieben: Mi 23. Apr 2025, 22:20 ......
Kirche als Institution in der heutigen Form ist mehr als entbehrlich.

LGL
Hallo, Lana,

Wirklich?

Ich habe gerade ein Buch in der Hand gehabt mit dem Titel "Was fehlt, wenn die Christen fehlen?"
Vielleicht sollten wir uns ernsthafter Gedanken machen, wie die Gesellschaft zukünftig organisiert, wenn es deutlich weniger Kirchengemeinden gibt, wenn es weniger Bauten gibt, in die man sich in Stille mit sich zurück ziehen kann,
wenn es weniger kirchlich orientierte Ehrenamtliche gibt, wenn es weniger Gelegenheiten für nicht-kommerzielle Musikveranstaltungen gibt, wenn es weniger kirchlich getragene Obdachlosenhilfen gibt und weniger Plätze für Kirchenasyl, weniger kirchliche Kindergärten und weniger konfessionelle Schulen und weniger kirchlich motivierte Pflegedienste, weniger kirchlich motivierte Seniorentreffpunkte, weniger kirchlich motivierte Sozialarbeit, weniger Herz für Arme - gerade von weniger auf dem platten Lande? Wer wird es machen stattdessen?

Die Zivilgesellschaft kann das alles ausfüllen. Aber wird sie das wirklich in vollem Umfang machen können? Besser machen können auch in Krisenzeiten? Wird sie sich von Populisten und rechtgerichtetenen Atheisten unterwandern lassen, vereinnahmen lassen, wiee es auf dem Lande hier und da schon passiert?
Und was, wenn die Zivilgesellschaft es nicht ausfüllt? Wird es der Staat übernehmen? Wird er wenigstens entsprechend höhere Gelder aus dem Steueraufkommen zur Verfügung stellen oder bei der nächstbesten Haushaltskrise zusammen streichen?

Ja, und was wird uns im gesellschaftlichen Klima ändern, wenn es keine Menschen mit christlicher Zuversicht gibt, durch Krisen durchzukommen?
Was wenn zu autoritären Regierungen und möglicherweise ins Hause stehenden Diktaturen die Kirchen nicht mehr als Gegengewicht oder wenigstens Zufluchtsort vorhanden sind? (Die älteren von uns können es sich halbwegs vorstellen, wenn sie die DDR noch aus eigener Erfahrung gekannt haben)

Wie wird es, wenn es nicht einmal mehr Kirchen gibt, die an die Hoffnung auf Frieden und Gerechtigkeit erinnern, an die Bewahrung der Schöpfung und deren Gefährudung durch den menschlich gemachten Klimawandel erinnern?
Ja, wir werden die nächsten Jahre noch reichlich Gelegenheit bekommen, mit weniger Kirche oder auch regional ganz ohne zu leben.
Ob es aber immer so traumhaft schön wird, wie es manche hier schmackhaft zu machen versuchen, habe ich wahrlich meine Zweifel.

Ja, das Leben ist kein Ponyhof. Wem erzähle ich das hier ? Aber wagen wir es, uns doch mal ernsthaft vorzustellen, wie es "ohne Institution Kirche" sein könnte!

Liebe Grüße
Inga
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Gar nicht so absurd: Feiertagsregelungen

Post 112 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo,

ich wollte zu dem Thema des Threads noch etwas schreiben: Ich wohne in der Hör- und Sichtweite eines Rummeplatzes, der zwei Wochen lang jeden Tag über Ostern jeden Tag von 14.00 bis 23.00 Uhr in Betreib ist. Das heißt Lärm. dröhnende Musikboxen, gkreichende Manschenstimmen, grelle Lichter und permanent wandernde Suchscheinwerfer von speziellen Fahrgeschäften. Sicherheitschecks und Messerkontrollen.

Nur Karfreitag ist es anders. Wegen dem "Tanzverbot" hat der Rummelplatz am Karfreitag geschlossen. Es ist ruhig. Kein Lärm, kein Geschrei, keine grellen Scheinwerfer, keine reflektiernede Lichtblitze am Abend. Man kann über den Platz gehen, ohne dass einem das Geld aus der Tasche gezogen wird. Keine aggressiven Autofahrer auf hektischer Parkplatzsuche

Wenigstens ein Tag zum Luftholen in zwei Wochen Halligalli. Das hat schon etwas für sich!

Liebe Grüße
Inga
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Re: Absurd: Feiertagsregelungen

Post 113 im Thema

Beitrag von Lana »

Liebe Inga,

Du machst den selben Fehler wie Wehner.
Nirgends habe ich geschrieben, dass es keine Christen mehr geben sollte. Christen können auch ohne staatlich alimentierte Amtskirchen existieren. Und damit meine ich nicht nicht Kirchensteuer.

All die Dinge, die heute von Kirchen betrieben werden, können auch anders organisiert werden.
Bezahlt werden sie schon heute zum allergrößten Teil aus Steuern. Es würde sich also kaum was ändern, wenn die Steuergelder direkt für diese Zwecke ausgegeben würden, anstatt sie erst den kirchlichen Organisationen zu überweisen.

Wenn es einer Gesellschaft wirklich wichtig ist, dass bestimmte öffentliche Aufgaben gemacht und Dienstleistungen erbracht werden, wird sie Lösungen dafür finden. Das geht auch ohne Kirche, wenn es eine Mehrheit dafür gibt. Ansonsten ist es wohl den Menschen nicht wichtig genug.

Der Rest von dem, was du schreibst, ist Politik. Wenn jemand diese Interessen vertreten möchte, möge er bitte eine Partei gründen oder darauf hoffen, dass die C-Parteien sich der Bedeutung ihres ersten Buchstabens wieder bewusst werden.
Eine Kirche braucht es dazu jedenfalls nicht, und mit Glauben hat es nichts zu tun.

LGL
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Michi
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Re: Absurd: Feiertagsregelungen

Post 114 im Thema

Beitrag von Michi »

Inga hat geschrieben: Do 24. Apr 2025, 00:15 Wegen dem "Tanzverbot" hat der Rummelplatz am Karfreitag geschlossen.
Nur weil das Eine (hemmungsloser Kommerz) falsch ist, wird das Andere (Tanzverbot) nicht automatisch richtig.

Richtig wäre eine allgemeine, angemessene Ruhezeitregelung, die auch alle anderen Tage erträglich macht, nicht nur "deinen" Feiertag.
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
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Re: Absurd: Feiertagsregelungen

Post 115 im Thema

Beitrag von Inga »

Lana hat geschrieben: Do 24. Apr 2025, 00:20 Liebe Inga,

Du machst den selben Fehler wie Wehner.
Nirgends habe ich geschrieben, dass es keine Christen mehr geben sollte. Christen können auch ohne staatlich alimentierte Amtskirchen existieren. Und damit meine ich nicht nicht Kirchensteuer.

All die Dinge, die heute von Kirchen betrieben werden, können auch anders organisiert werden.
Bezahlt werden sie schon heute zum allergrößten Teil aus Steuern. Es würde sich also kaum was ändern, wenn die Steuergelder direkt für diese Zwecke ausgegeben würden, anstatt sie erst den kirchlichen Organisationen zu überweisen.

Wenn es einer Gesellschaft wirklich wichtig ist, dass bestimmte öffentliche Aufgaben gemacht und Dienstleistungen erbracht werden, wird sie Lösungen dafür finden. Das geht auch ohne Kirche, wenn es eine Mehrheit dafür gibt. Ansonsten ist es wohl den Menschen nicht wichtig genug.

Der Rest von dem, was du schreibst, ist Politik. Wenn jemand diese Interessen vertreten möchte, möge er bitte eine Partei gründen oder darauf hoffen, dass die C-Parteien sich der Bedeutung ihres ersten Buchstabens wieder bewusst werden.
Eine Kirche braucht es dazu jedenfalls nicht, und mit Glauben hat es nichts zu tun.

LGL
Liebe Lana,

sicher wird ein großer Teil der Leistungen auch aus Steuermitteln als Zuschuss bezahlt. Das ist gar keine Lüge, sondern steht in den Haushalten so drin.
Immerhin erbringen die Kirchen Leistungen für den Staat, die der Staat nicht anders auf die Reihe bringt.
(Das hat nichts mit der "Kirchensteuer" zu tun. Denn die "Kirchensteuer" ist nichts anders als der Mitgliedsbeitrag, der entsrechend der Abkommen übers Finanzamt eingezogen und weitergeleitet wird - wie auch für einige andere Konfessionen und einige andere Weltanschauungsorganisationen.)
Wer aber macht die siozialen Taten, wer bietet die Räumlichkeiten, wenn es die Kirchen es nicht mehr machen? Was machen wir, wenn es die Gesellschaft nicht übernimmt? Wenn die Mehrheit es nicht mehr finanzieren möchte?

Die Kirchen machen es ja nicht nur, weil sie dafür bezahlt werden, somnndern weil sich aus dem Glauben heraus das Bewusstsein gibt und gepflegt wird, sich z.B. den Armen, der Gerechtigkleitkeit, sich dem Menschen als Menschen anzunehmen und diese Haltung in die Gesellschaft auszustrahlen. Können wir wirklich darauf verzichten? Welche nichtkirchlichen Kräfte sind denn heutzutage gewillt, dies in dem vollen Umfang zu machen?

Liebe Grüße
Inga
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Re: Absurd: Feiertagsregelungen

Post 116 im Thema

Beitrag von Inga »

MichiWell hat geschrieben: Do 24. Apr 2025, 00:29
Inga hat geschrieben: Do 24. Apr 2025, 00:15 Wegen dem "Tanzverbot" hat der Rummelplatz am Karfreitag geschlossen.
Nur weil das Eine (hemmungsloser Kommerz) falsch ist, wird das Andere (Tanzverbot) nicht automatisch richtig.

Richtig wäre eine allgemeine, angemessene Ruhezeitregelung, die auch alle anderen Tage erträglich macht, nicht nur "deinen" Feiertag.
Lieber Michi,

Deine vorgeschlagene Ruhezeitregelung wurde lokalpolitisch bis jetzt nicht verwirklicht, denn da gibt es noch andere,kommerzielle, Interessenten, die die Notwendigkeit von Ruhezeiten nicht sehen wollen. (Die wollen dem Kommerz zuliebe auch Sonntags die Geschäfte öffnen.)

Da weiß ich die Realität des Ruhetages durch die Feiertagsregelung schon zu schätzen.

Liebe Grüße
Inga
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Re: Absurd: Feiertagsregelungen

Post 117 im Thema

Beitrag von Lana »

Inga hat geschrieben: Do 24. Apr 2025, 00:40 Wer aber macht die siozialen Taten, wer bietet die Räumlichkeiten, wenn es die Kirchen es nicht mehr machen? Was machen wir, wenn es die Gesellschaft nicht übernimmt? Wenn die Mehrheit es nicht mehr finanzieren möchte?
Nun, die ungefragte Mehrheit der Steuerzahler finanziert es derzeit zu über 90%. In meinem letzten Link steht ganz klar drin, dass der Rest ebenfalls staatlich finanziert werden kann, ohne Mehrkosten, wenn anderweitige Subventionen an die Kirchen wegfallen. Es ist also jetzt schon so, dass all das finanziert wird, weil es offensichtlich dem Mehrheitswillen entspricht. Zumindest sollte es in einer Demokratie so sein.
Inga hat geschrieben: Do 24. Apr 2025, 00:40 Die Kirchen machen es ja nicht nur, weil sie dafür bezahlt werden, somnndern weil sich aus dem Glauben heraus das Bewusstsein gibt und gepflegt wird, sich z.B. den Armen, der Gerechtigkleitkeit, sich dem Menschen als Menschen anzunehmen und diese Haltung in die Gesellschaft auszustrahlen. Können wir wirklich darauf verzichten? Welche nichtkirchlichen Kräfte sind denn heutzutage gewillt, dies in dem vollen Umfang zu machen?
Es ist eine mögliche Interpretation, dass christliche Menschen dies aus reinerNächstenliebe machen. Nächstenliebe gab und gibt es aber auch ohne Kirchen. Die Menschen mit dieser Neigung verschwinden ja nicht, nur weil es keine Institution mehr gibt, die sich mit deren Engagement schmückt und damit Geld verdient.
Es geht also um Imagepflege, Macht und Einfluss der Kirchen. Das zeigt sich auch ganz deutlich an der verfassungswidrigen Sonderstellung des kirchlichen Arbeitsrechts.

Das braucht alles kein Mensch, um Krankenhäuser, Kindergärten oder Pflegeheime zu betreiben. Und das Geld kommt ohnehin vom Staat, von allen Steuerzahlern, egal ob sie Mitglied einer christlichen Kirche sind oder nicht.

LGL
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Re: Absurd: Feiertagsregelungen

Post 118 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo, Lana,

natürlich ist bei Kirchens nicht alles so perfekt.

Die Mitgliederzahlen sinken, die Gemeninden werden weniger. Ältere sterben und jüngere kommen nicht mehr in dem Maße nach. Es entstehen immer größere Lücken in den sozial motoivierten Wirken, das der Staat nicht in vollem Umfang ersetzt.

Mit dem Arbeitsrecht haben die Kirchen vieles mit dem Pressewesen (Tendenzbetriebe) gemeinsam, was beides verbesserungswürdig ist.

Ansonsten bin ich jetzt einfach so tolerant und lass es einfach mal so stehen, was du geschrieben hast.

Anbei-: Warum schreibst du eigentlich ohne Anrede?

Liebe Grüße
Inga .
Jaddy
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Re: Absurd: Feiertagsregelungen

Post 119 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Inga hat geschrieben: Mi 23. Apr 2025, 23:47 Ich habe gerade ein Buch in der Hand gehabt mit dem Titel "Was fehlt, wenn die Christen fehlen?"
Vielleicht sollten wir uns ernsthafter Gedanken machen, wie die Gesellschaft zukünftig organisiert, wenn es deutlich weniger Kirchengemeinden gibt, wenn es weniger Bauten gibt, in die man sich in Stille mit sich zurück ziehen kann,
...
Aber wagen wir es, uns doch mal ernsthaft vorzustellen, wie es "ohne Institution Kirche" sein könnte!
Ich möchte mal ein bisschen spiegeln, wie das - der ganze Beitrag - bei mir - vollkommen areligiös - ankommt. Dabei ist dein Beitrag vor allem exemplarisch, weil so schön klar auf den Punkt. Es geht um einen generellen Eindruck.

Da gibt es eine Institution, deren -hm- "irdische Nützlichkeit" gepriesen wird. Sie liefert soziale Dienste, bietet Räume und Personal für bestimmte emotionale Bedürfnisse und - manchmal - auch ein Gegengewicht gegen ungerechte gesellschaftliche Bedingungen. Ausserdem verbreitet sie - größtenteils - Lehren von Solidarität, Mitmenschlichkeit und Friedfertigkeit. Wie du schreibst, können alle diese Elemente auch durch zivilgesellschaftliche Organisationen geliefert werden. Der übernatürliche Teil kann ohne Verlust an diesem Teil abgezogen werden.

Ob es also Christ*innen bzw Kirchen sein müssen? Nein, hierfür nicht. Das funktioniert mit jedem beliebigen ideologischen Unterbau, der irgendwie humanistisch ausgerichtet ist. Völlig säkulare Ethik reicht da vollkommen. Auch für Hoffnung und Zuversicht und Gleichmut gegenüber dem Leben und dem Leid(1).

Das Risiko von Vereinnahmung und Interwanderung? Dagegen waren Kirchen noch nie gefeiht. Sie haben sich mit faschistischen, "kommunistischen" und anderen autokratischen Regimen arrangiert, fleissig Machtpolitik betrieben und in tausenden aktuellen Fällen versucht, sich und ihr straffälliges Personal "irdischer" Gesetze zu entziehen. In den USA wird Jesus mit Sturmgewehr gepredigt, gegen alles "unchristliche", ob links, queer, muslimisch. In Afrika und Südamerika breiten sich solche Strömungen auch aus. Das ist nicht sonderlich weit von der Mentalität der Kreuzzüge entfernt. Und das sind nicht ein paar Abtrünnige, sondern ein wesentlicher Teil der Gläubigen. Das sind nicht einzelne Fehler und einzelne Fehlende, sondern einfach menschliches Verhalten, wie es überall auftritt. Die Religion schützt nicht automatisch vor solchen Abwegen. Gerade besonders fromme Christ*innen waren auch zu besonders unmenschlichem Verhalten fähig. Ob in der Inquisition oder auch protestantische Reformatoren und Eiferer. Luther war glühender Antisemit und hat die notleidenden Bauern als Aufrührer verdammt.

Darüber hinaus mischt sich Religion immer in Liebesleben, Sexualität, Partnerschaft, Kindererziehung und Lebensführung ein. Institutionalisierte umso mehr; inklusive Überwachungs- und Sanktionsmechanismen. Das Konzept "Sünde" ist ohne Religion quasi nicht denkbar. Und die Seelenqualen in Konflikten mit den religiösen Vorgaben ebenso.

Das vollständigere Bild ist also nicht so eindeutig positiv. Die Sozialfunktionen können mühelos mit sehr schlimmen Dingen parallel laufen. Drastisch gesagt: Auch die Hamas (und andere) hat Suppenküchen.

Das ist das was ich sehe und wohl auch das, was Michi meinte. Überspitzt - und das ist jetzt nur zur Verdeutlichung - fühlt es sich an, als hielten sich (viele) Christ*innen für etwas besseres, unverzichtbares, mit der einzig selig[sic!] machenden Wahrheit, während alle anderen und ihre gottlosen Werke so geistlich mangelhaft sind. Eben so als ob all diese schönen Sozialdienste doch nur von Christ*innen und zwar wegen ihres Glaubens geleistet werden könnten. Ich sage nicht, dass das absichtlich so gemeint ist, aber so kommt es häufig rüber. Und das erweckt einen ziemlich starken Eindruck von Überheblichkeit.

Ja, ich kenne auch den umgekehrten Eindruck und bin mir klar, dass auch meine Argumentationen zu dem Thema so aufgefasst werden könnten. Als ob pure Rationalität und Wissenschaftlichkeit "besser" wäre. Das entspräche aber ebensowenig meiner Sichtweise, wie ich deinem Beitrag absichtliche Überheblichkeit unterstelle. Ich gebe nur meinen unterschwelligen Eindruck wieder, der wie bei allen empfangenen Signalen stark von meinen bisherigen Erfahrungen geprägt ist.

Ich würde mir wünschen (blöder Konjunktiv), dass auch Gläubige ein bisschen klarer unterscheiden, was der tatsächliche religiöse Kern ist, sozusagen das Alleinstellungsmerkmal ihrer Religion, und was völlig unabhängig davon auch von beliebigen anderen Philosophien und Organisationen geliefert werden kann. Und sich mit Ansprüchen an andere - oben erwähnte Einmischungen - drastisch zurückzuhalten.

Gerade fiel mir dazu Brechts Kinderhymne ein. Der Text könnte leicht umgeschrieben werden, so dass es um das Zusammenleben von Weltanschauungen geht. "Und das liebste mag's uns scheinen, So wie andern (Menschen) ihrs."


(1) Es lässt sich tatsächlich sehr gut auch mit der Überzeugung leben, dass sowohl das Leben als auch das erfahrene Leid keinen tieferen oder höheren Sinn hat. Das tun und taten viele Atheist*innen - ich zum Beispiel. Dawkins, Hawking, Dennet, Schmift-Salomon, usw. Es entlastet sehr von Wut oder Verzweiflung gegenüber überirdischen Mächten, und auch von dem fruchtlosen Versuch, diese irgendwie milde stimmen zu wollen.
Zuletzt geändert von Jaddy am Do 24. Apr 2025, 01:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Absurd: Feiertagsregelungen

Post 120 im Thema

Beitrag von Lana »

Liebe Inga,
Inga hat geschrieben: Do 24. Apr 2025, 01:12 Anbei-: Warum schreibst du eigentlich ohne Anrede?
Ganz ehrlich: ich bin müde und habe nicht darauf geachtet. Tut mir leid, nimm es bitte nicht persönlich.
(flo)

LGL
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