Malvine hat geschrieben: Mo 21. Apr 2025, 11:12für mich ist ein Großteil des Alten Testaments ein Geschichtsbuch, das vom Leben vieler Menschen auf ihrem Lebensweg mit Gott erzählt und gerade in der Schöpfungsgeschichte sehe ich den Versuch etwas unbeschreibliches so zu formulieren, so das Menschen vor ein paar tausend Jahren es auch verstehen konnten.
Ich gehe da mit Claudia konform, es geht nicht darum, ob es Adam und Eva tatsächlich gab, sondern zu zeigen, das es einfach ein Gut und Böse in dieser Welt gibt. Die beiden mußten halt einfach zur Erklärung herhalten um sich das ganze besser vorstellen zu können. Auch damals Fragten sich die Menschen schon nach den Ursachen, warum die Dinge so sind, wie sie sind.
Als persönliche Perspektive verständlich, gleichzeitig finde ich sehr problematischen Stellen in deinen Sätzen.
Zum einen sind sämtliche biblischen Texte keineswegs Geschicht
-s-bücher in einem heutigen Sinn, sondern Geschicht
-en-bücher. Bis in die Neuzeit hinein wurde auf historische Exaktheit und überhaupt Wahrhaftigkeit sehr wenig Wert gelegt.
Auch wenn es geschrieben wurde, hat es keinerlei Beweiskraft. Und objektive Beweise für die biblischen Geschichten gibt es quasi nicht. Weder im älteren noch im neueren Teil dieses sehr viel später kuratierten und redigierten Konvoluts. Selbst wenn sich Orte finden lassen, fehlen Querverbindungen, weitere Quellen, physische Beweise. Die Daten und Zeitangaben des älteren Teils sind vollkommen unbrauchbar. Die Ereignisse lassen sich auffinden. Teile sind schlicht aus anderen Kulturen kopiert. Manchmal fast wörtlich, wie die Sintflut. Nicht mal im jüngeren Teil, in einem verwaltungstechnisch ziemlich hoch entwickelten Gebiet unter einer kulturell unabhängigen ausländischen Besatzungsbürokratie finden sich passende Eintragungen, Dokumente, Quellen oder ähnliches, um die Berichte von vor fast 2000 Jahren zu bestätigen.
Vereinfacht gesagt: Sämtliche christlichen Basistexte sind weitestgehend Legenden. So wie Odysseus, Beowulf, Osiris oder Gilgamesh. Es sind Geschichten, keine historische Geschichte.
Punkt zwei ist das ganze Thema "Gott" und "Schöpfungsgeschichte". Das wäre ja als reine Spökenkiekerei ja ganz nett. Lasst uns ein paar Geschichten ausdenken und unschuldig nebeneinander stellen, ohne Anspruch auf Wahrheit oder Konsequenzen. Rein als freier Wettbewerb von Ideen. Damit kann ich gut. Damit lassen sich auch Vorstellungen, Ideen und Konzepte von Philosophie, Moral und Ethik transportieren und diskutieren. Der fatale Knackpunkt ist, wenn Leute diese Hypothesen und Vermutungen, metaphysische noch dazu, für die einzig wahre Wahrheit nehmen und sie anderen aufdrücken, als soziale und_oder politische Norm durchsetzen, usw. Das ist dann nämlich reine Willkür.
Insbesondere in deinem zweiten Absatz. Die beiden zentralen Übel sind, "Gut" und "Böse" irgendwie normativ fassen zu wollen. Und zwar für jetzt und alle Zeiten. Zweitens diese Norm auf eine Fiktion, die Erzählung eines höheren Wesens zu bauen, dessen Weisungen weder nachprüfbar sind, noch in Frage gestellt werden dürfen. Die allermeisten unserer Probleme beginnen mit einem dualistischen Ansatz. Wir vs die. Es gibt nur das eine oder das andere. Keine Zwischentöne, keine Anpassung, keine Kompromiss- oder gar Konsensfindung. Keine Anpassung, keine Weiterentwicklung.
Das Problem sind nicht die Fragen nach Ursachen und warum Dinge so sind, sondern sich mit ausgedachten Antworten ein für alle mal zufrieden zu geben UND sie auch noch für andere verbindlich zu machen. Sprich: Nicht weiter zu fragen und auch die Scheinantworten nicht zu hinterfragen. Nach Gut und Böse anhand von Mythen formal zu suchen, statt nach Zusammenhängen und besserer Erkenntnis. Die fiktive Basis bringt Vorurteile und Wertungen ein, was häufig genug eine wohlwollende, empathische, verstehendere Sichtweise von vornherein beschränkt bis verhindert.
Insofern ist, um den nicht zitierten letzten Satz deines Beitrags zu kommentieren, die Entscheidungsfreiheit tatsächlich wertvoll, aber die Behauptung einer normativen Eindeutigkeit von Gut und Böse beschränkt diese Freiheit sowohl im Geiste als auch in der Realität, vor allem wenn Institutionen sie "dem Buchstaben nach" durchsetzen. Dann werden Menschen wegen Ehebruch gesteinigt, wegen ihres Liebeslebens ins Gefängnis gesteckt oder sterben, wie aktuell, im Kindbett. Gut und Böse sind so sehr relativ, dass wir sie nicht fiktiven Geschichten und ausgedachten Antworten überlassen dürfen. Dazu ist die Welt längst zu komplex.