Mal ein kritischer Artikel zum Thema Trans.
Mal ein kritischer Artikel zum Thema Trans. - # 2

Jaddy
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Re: Mal ein kritischer Artikel zum Thema Trans.

Post 16 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Sabrina Verena hat geschrieben: So 7. Apr 2024, 14:14 Was ich interessant finde, ist die Aussage, das Menschen deshalb vermehrt Trans werden, weil sie sich in den klassischen Erwartungen an den Geschlechtern nicht wieder finden.
Ist das nicht irgendwo paradox?
Ich verhalte mich nicht so, wie es von einem Jungen erwartet wird, und entscheide mich deshalb dazu, einer mit Vorurteilen und Diskriminierung zu kämpfenden Minderheit anzugehören?
Welchen Sinn ergibt es, sich das Leben schwerer zu machen?

Könnte es nicht sein, dass genau hier der Ansatz liegt, Transpersonen wieder als krank abzustempeln?
Auf jeden Fall. Grundlegend ist das nichts anderes als "Das kann überhaupt nicht wahr sein. Das hat es doch früher nicht gegeben. Vor allem nicht so viele. Das ist doch nicht normal, deshalb sind die entweder geisteskrank oder wurden verführt". Also alles eigene Projektion. Auch das alles schon mal da gewesen zum Thema Homosexualität. Nathalie Wynns sehr gutes Video über JKRowling und Anita Bryant; (Youtube, ohne Youtube).
missy
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Re: Mal ein kritischer Artikel zum Thema Trans.

Post 17 im Thema

Beitrag von missy »

Ich bin nahe bei dem, was Conny geschrieben hat.
conny hat geschrieben: Sa 6. Apr 2024, 20:38 Die Aussagen in dem Artikel beruhen darauf, dass die Autorin etwas geglaubt oder vermutet, und für ihre Meinung einige Einzelbeispiele als Beweis anführt. Diese gibt es natürlich, aber sie reichen natürlich nicht für eine evidenzbasierte trans-Grundsatzdiskussion.
Ist völlig richtig. Aber das ist auch nicht, was die Autorin will, wissenschaftlich basierte Erkenntnisse.
conny hat geschrieben: Sa 6. Apr 2024, 20:38 Bleibt zu hoffen, dass alle Leser des Artikels auch zu dieser Erkenntnis kommen.
Und hier habe ich massive Zweifel.

Hier geht es meines Erachtens nur um Meinungsmache. Nicht durch fachliche Diskussion wie bei Jaddy, Lana und Patricia. Nein, die Autorin Julia Ruhs setzt auf Stimmungen, Ängste, Abwertungen u.a. Ich will versuchen, ein paar Beispiele zu bringen:

- "Ich teile ihren [Alice Schwarzers] Verdacht." Sie formuliert bewusst vage, schafft Unsicherheiten. So nach dem Motto "Da könnte ja was falsch sein." Aber bloß nichts schreiben, auf das man sie festlegen könnte.
- "angeblich trans". Oder "Plötzlich doch nicht mehr trans". Was für Abwertungen! Als ob sie beurteilen könnte, wer trans ist und wer nicht. Oder das zweite Zitat: "Plötzlich ..." Sie nimmt Trans-Menschen nicht erst und tut so, als würden wir von Minute zu Minute unsere Einstellung ändern. Unfassbar.
- "der transitioniert eben". Die nächste Dreistigkeit. Als ob eine Transition eine Bagatelle ist, die frau / man mal eben so ganz nebenbei machen kann. Eine ungeheuerliche Ignoranz gegenüber den körperlichen und psychischen Qualen, die damit realiter einhergehen. Eine Verharmlosung, wie sie im Buche steht.
- "In den vergangenen Jahren explodierten die [Trans-]Zahlen." Sie schürt gezielt Befürchtungen und Ängste, so nach dem Motto "Das könnte ja noch schlimmer werden." Natürlich wie immer ohne Fakten, ohne Zahlen, ohne Perspektiven.
- "Ich dachte, wir wären gesellschaftlich weiter." Das ist die nächste Abwertung. Sie hätte den Satz auch fortführen können "Nur ihr doofen Trans-Leute erkennt das ja nicht." Dazu ist sie natürlich zu geschickt.
- "Manchmal muss man Menschen Steine in den Weg legen, ..., um die Leute vor ihren eigenen falschen Entscheidungen zu schützen." WOW. Jetzt ist der Weg klar. Ihr Weg. Und was falsch ist, ist auch klar. Die Transition. Auch hier nutzt Ruhs wieder ein beliebtes Stilmittel: Sie lässt das, was sie denkt, andere für sich aussprechen. Unangenehm.
- "Ich fürchte, dass sie [Alice Schwarzer] leider ziemlich recht hat." Sie schürt erneut Unsicherheit, indem sie "fürchtet". Alice Schwarzer wurde im Artikel beschrieben als "Radikalfeministin, die Trans-Menschen ausschließt". Na prima, wenn so eine Haltung nach Meinung der Autorin richtig ist.

Mir ist dieser Artikel in FOCUS online zutiefst zuwider. SO wird Stimmung gemacht, so werden Meinungen gemacht. Leider.

Liebe Conny, diesmal hoffe ich, dass möglichst viele Menschen merken, was da gemacht wird und wie es gemacht wird. Vielleicht verliert der FOCUS dann mal den einen / die andere LeserIn.

Liebe Grüße, missy
Toleranz ist lernbar, zu viel Toleranz ist heilbar.
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Re: Mal ein kritischer Artikel zum Thema Trans.

Post 18 im Thema

Beitrag von Lana »

Ich bin vollkommen d'accord mit deinem "buddhistischen" Ansatz, auch wenn ich die Begrifflichkeiten in der Originalsprache eher abschreckend finde. Sie suggerieren, daß sie für ein hochkomplexes Theorie- oder Glaubensgebäude stehen, zu dem ich mich mangels Kompetenz besser nicht äußern sollte?OK, du erklärst sie in einfacher Sprache, und da gehe ich mit. Leider scheinen große Teile der Gesellschaft weit davon entfernt zu sein.
Jaddy hat geschrieben: So 7. Apr 2024, 15:42 Das Mindeste ist meiner Ansicht nach, sich im Zweifel und bei eigenem Informationsmangel aktiv ein Minimalwissen Stufe 1, "wie vermeide ich Verletzungen und Fettnäpfchen" zu holen. Und wenn dann noch Bedarf ist, zugewandt nachzufragen.
Auch das funktioniert nur dann, wenn die Leute überhaupt bemerken, dass sie in Fettnäpfchen treten oder andere verletzen. Es ist diese grassierende Unachtsamkeit, die sich immer weiter auszubreiten scheint. Keine Ahnung, ob sie eine Folge der allgemeinen Überforderung infolge immer schneller zunehmender Komplexität unserer Umwelt ist oder ob es "nur" mangelnder Respekt dem Mitmenschen gegenüber ist. Ich nehme jedenfalls mit Sorge zur Kenntnis, dass heute fast jeder eine vorgefertigte Meinung zu nahezu jedem Thema hat. Fundiert ist die oft nicht, wird aber dessen ungeachtet mit großer Überzeugung in die Welt geblasen.
Ich sehe die Medien als Hauptverursacher dieser gesellschaftlichen Misere. Wir waren da schon mal deutlich weiter, was Toleranz und das Prinzip Leben-und-Leben-lassen angeht. Kontroverse Standpunkte wurden in der Vergangenheit von den Leitmedien ausführlich dargestellt, so dass man sich selbst eine Meinung bilden konnte.
Heute bekommt man zu allen Themen mehr oder weniger schlecht aufbereitete mundgerechte Häppchen angeboten. Viele scheinen dieses Scheinwissen mit echter Kompetenz zu verwechseln, zumal jegliche Ambivalenz und Komplexität aussortiert wurde. Ist dem Konsumenten wohl nicht mehr zuzumuten, wenn es mal keine einfache Aussage nach dem Schwarz - Weiß-Schema gibt. Man muss ihm en détail vorkamen, was er zu denken hat. Nicht, dass er noch falsche Schlüsse zieht, wenn er seinen eigenen Verstand benutzt.
Mit diesem Vorgehen könnte man natürlich auch die Trans*-Debatte vom Kopf auf die Füße stellen. Das passiert aber nicht.
Die Frage ist, warum das so ist?

LGL
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Re: Mal ein kritischer Artikel zum Thema Trans.

Post 19 im Thema

Beitrag von Liv »

Jaddy hat geschrieben: So 7. Apr 2024, 04:44 Also ihr MSN Artikel kommt nicht aus dem Nichts und sie ist mit Sicherheit auch nicht so naiv und uninformiert, wie sie sich darin darstellt.
Danke Jaddy,
für deine Nachtschicht zur Klärung der Hintergründe. Wie du auch schon herausgefunden hast, ist Julia Ruhs keine unbedarfte Wald- und Wiesenreoprterin, sondern eine eine ausgebildete Journalistin beim BR mit betont konservativem Einschlag. Sind wird dafür von rechtspopulistischen Bloggern von Tichy bis Reitschuster gefeiert. Nachdem sie sich übers Gendern nicht-binärer Personen ausgelassen hat, hat sie wohl nun das Thema Trans* für sich entdeckt. Journalistisch wäre es ja zu begrüßen, nur ist ihre im Artikel transparent beschriebene Herangehensweise haarsträubend unjournalistisch:

- Sie hat ein Buch von Alice Schwarzer darüber gelesen. Sie hätte dabei bewenden lassen können und eine Buchzenzension schreiben können.
- Stattdessen hat sie sich an einen Realitätscheck versucht. Sie hätte dazu mit Betroffenen, Psychologen und Ärzten (aber bitte nicht Dr. K. aus M.!) sprechen können.
- Stattdessen hat sie auf Youtube "recherchiert" und ist dabei (Rabbit hole ick hör Dir trappsen) auf PersiaX & Co gestossen, die ja bekannt ist für ihr Friendly Fire in die Trans-Community.

Und natürlich kommt dann am Ende ein schöner "Aufreger" heraus. Wer sich nicht mit dem Thema auskennt, regt sich natürlich gleich mit auf. Es ist zwar "nur" eine Kolumne und die darf gerne etwas Meinung enthalten, aber es ist trotz allem Journalismus auf Schülerzeitungsniveau - zumindest soll es so wirken.

Nun ist sie ja nicht naiv, sondern macht das vermutlich sehr berechnend. Und DAS halte ich schlichtweg für bösartig. (ko)

LG
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Re: Mal ein kritischer Artikel zum Thema Trans.

Post 20 im Thema

Beitrag von conny »

Lana hat geschrieben: So 7. Apr 2024, 17:43 Ich sehe die Medien als Hauptverursacher dieser gesellschaftlichen Misere. Wir waren da schon mal deutlich weiter, was Toleranz und das Prinzip Leben-und-Leben-lassen angeht. Kontroverse Standpunkte wurden in der Vergangenheit von den Leitmedien ausführlich dargestellt, so dass man sich selbst eine Meinung bilden konnte.
Heute bekommt man zu allen Themen mehr oder weniger schlecht aufbereitete mundgerechte Häppchen angeboten.
War das früher in den Leitmedien wirklich so? Da musste man sich in verschiedenen Medien schlau machen, wozu der entsprechende Wille gehörte. Das ist m.E. heute nicht grds. anders.
Viel größer sehe ich heute das Problem des Internets, in dem jeder für seine Meinung irgendwo Gleichgesinnte findet und damit für seine Sicht der Dinge Bestätigung erhält. Diese Filterblasen führen nicht selten zu einem Gefühl, wie Andere das "richtige" zu denken, ohne das kritisch zu hinterfragen. Dem Prinzip Leben-und-Leben-lassen ist das nicht gerade förderlich.
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Re: Mal ein kritischer Artikel zum Thema Trans.

Post 21 im Thema

Beitrag von Lana »

conny hat geschrieben: So 7. Apr 2024, 21:12 War das früher in den Leitmedien wirklich so?
Ich nehme es so wahr. Die Unterschiede zwischen den großen Zeitungen verschwinden immer mehr, kleinere Regionalblätter haben oft keine eigene Redaktion mehr und bekommen den Content vom Mutterkonzern. In allen Blättern werden immer mehr Agenturmeldungen einfach nur durchgereicht. Erste Artikel tauchen auf, die gar kein Mensch mehr geschrieben hat, sondern eine Maschine aus unterschiedlichen Fundstücken und Textbausteinen nach Regeln der Statistik zusammengebastelt hat ("Künstliche Intelligenz"). Es gibt verstärkt Tendenzen, diejenigen einzuhegen, die aus dem engen Meinungskorridor ausscheren. Das geht von "Faktencheckern", die vorgeblich die absolute Wahrheit kennen, über das Verbannen unliebsamer Meinungen aus Suchmaschinen bis zur Löschung derselben ("Canceln"). Und damit meine ich nicht eindeutig verfassungswidrige Inhalte, die schon immer verboten waren und deren Veröffentlichung geahndet wurde, sondern Artikel, die mal eine andere Seite und ihre Sicht der Dinge darstellen. Und zwar möglichst neutral, so dass ich mir meine Meinung selbst bilden kann.

Ich finde, da hat sich in den letzten Jahren vieles in eine sehr bedenkliche Richtung entwickelt.

Mach einfach mal einen Selbsttest:
Lies einen Artikel zum selben Thema aus dem Spiegel und einen aus der FAZ, ohne zu wissen, woher welcher Artikel stammt. Vor zehn Jahren war es nach ein paar Zeilen klar, was du vor dir hast. Heute geht vieles in einem Einheitsbrei unter, kontroverse Meinungen (oder auch nur Berichte aus einer anderen Perspektive) muss man lange suchen. Das war vor einigen Jahren noch nicht so krass.

Dabei möchte ich es belassen, es ist ein anderes Thema.

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Re: Mal ein kritischer Artikel zum Thema Trans.

Post 22 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Zum Thema Abläufe, Hintergründe und Kritik an Medien und deren Firmen dahinter lese ich häufig und gerne Übermedien. Vollzugang ab 6€/Monat.
Da ich einen habe, kann ich gerne auch einzelne Artikel als PDF liefern. Besonders positiv finde ich, dass sie ihre Quellen verlinken, so dass eins direkt nachlesen kann, statt sich das erst per Suchmaschine erschliessen zu müssen.

Einer der Gründer*innen von Übermedien ist Stefan Niggemeier, der mit Bildblog.de gestartet ist. Damals ging es hauptsächlich um die Misinformation der Bild, das dann ausgeweitet wurde auf weitere Medien. Sein Bildblog wird inzwischen von Lorenz Meyer betreut, der täglich "6vor9" interessantes zu Medien verlinkt (kostenfrei). Zum Beispiel dieses Interview mit Mai Thi Nguyen-Kim.

Ziemlich gute Medienkritik im ÖRR macht ZAPP vom NDR.

Unabhängig von Medienkritik finde ich die recherchierten Hintergründe bei Krautreporter häufig nützlich. Und Perspective Daily (komplett deutschsprachig) fühlt sich speziell dem konstruktiven Journalismus verpflichtet und macht jeden Tag nur einen Artikel, an dem aber tagelang gearbeitet wurde. Bei beiden kann ich Artikel bei Bedarf teilen.
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Re: Mal ein kritischer Artikel zum Thema Trans.

Post 23 im Thema

Beitrag von Sophia69 »

missy hat geschrieben: So 7. Apr 2024, 17:09 "Manchmal muss man Menschen Steine in den Weg legen, ..., um die Leute vor ihren eigenen falschen Entscheidungen zu schützen."
Dieses Zitat aus dem Artikel schlägt für mich dem Fass den Boden aus! Abgesehen von allen zuvor geäußerten bodenlosen Frechheiten, wird meines Erachtens hier ganz explizit klar, dass sie und damit auch Alice Schwarzer, die Weisheit mit Löffeln gefressen haben und uns "armen, angeblichen trans* Menschen" glücklicherweise vor Torheiten bewahrt, in dem wir durch ihre großzügig verteilten Stolpersteine vielleicht sogar noch zu der Erkenntnis gelangen, dass wir einem falschen Rollenklischee anhaften und somit letztendlich, die durch Frau Schwarzer hat erkämpfte Emanzipation (so, wie sie es selber gerne sehen möchte) zu Nichte machen. Das bringt mein Blut in Wallung und da darf ich auch mal einfach (ko)

Sophia
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