Gestern Abend hatte ich meine Ballett-Prüfung (für den Raum Vogtland) im Spitzentanz in der Kategorie 1st. Grade nach RAD-Standart - wahrscheinlich ist
Blossom die einzige hier im Forum die damit etwas anzufangen weiß...
Warum habe ich mich überhaupt prüfen lassen - da zitiere ich am Besten folgende Zeilen aus dem Infoblatt der Prüfungsunterlagen:
"Wir sind davon überzeugt, dass es für jede*n Schüler*in wichtig ist, ein erreichbares Ziel vor Augen zu haben. Unsere Prüfungen machen die Fortschritte und Entwicklung sichtbar. Sie inspirieren dazu, eigene Ziele zu verwirklichen und bieten einen Rahmen, um das eigene Können unter Beweis zu stellen."
Neben mir legten noch weitere 9 Mädchen und 3 Jungs ihre Prüfungen ab, aber in anderen Kategorien und Grade-Rängen, zudem waren alle viel jünger als ich. Die Prüfungen waren in 2 Bereiche unterteilt:
1. Vortanzen einer eigenen Choreografie (3 min)
2. die Prüfungskommission verordnet Ballett-Übungen, Schrittfolgen, etc. die vorgetanzt werden müssen
Beide Bereiche wurden jeweils in einem 100ter Wertesystem beurteilt, beides addiert und kommt so zu einem Endergebnis das die Prüfungsnote festlegt.
Spitzentanz bedeutet, daß man in Spitzenschuhen und eben auf Zehenspitzen tanzt. Mit diesem Training habe ich vor gut 1 Jahr begonnen und ist deutlich schwerer als in flachen Schläppchen zu tanzen. Demzufolge habe ich mich auch nur im leichtesten Grade prüfen lassen. Zur Prüfung war ein Dress-Code aus weißer Ballett-Strumpfhose, Trikot und natürlich Spitzenschuhen vorgegeben. Meine eigene Choreo trainierte ich viele Stunden in unserem Ballettstudio ein und hatte dennoch mächtig Lampenfieber diese vor dem Prüfungsausschuß zu tanzen. Während des Vortanzen merkte ich, daß ich einige Patzer drin hatte was an meiner Nervosität lag. Der zweite Teil der Prüfung lief auch nicht ganz reibungslos - Balance und Haltung auf Zehenspitzen ist eben nicht ganz ohne...
Nachdem alle Prüflinge dran waren, folgte nach einer Pause die Beurteilung, wobei alle Tänzer*innen ihre Bewertung bekamen. Teil 1 (eigene Choreo) erhielt ich 72/100 Punkten, Teil 2 schloß ich mit 84/100 Punkten ab, was einem Endergebnis von (72+84:2) = 78/100 Punkten und somit einem "Bestanden mit Gut" entspricht. Nebenbei haben auch alle anderen in ihren Kategorien bestanden - einige sogar mit vollen 100/100!
Was mich betriftt, hat die Prüfungskommission zudem 3 interessante Punkte erwähnt:
1. war mit 45 Jahre der älteste Prüfling in der Region Vogtland
2. war der erste Trans*-Prüfling
3. war der erste (als Mann geborene) Prüfling der im Spitzentanz eine Prüfung ablegte
Irgendwie macht mich das schon stolz. Meine erreichten 78 Punkte fand ich ok, aber dennoch hätte mehr drin sein können - aber ich bin auch nicht mehr die Jüngste und sollte somit zufrieden sein.
Von der Prüfung selbst kann ich euch keine Fotos zeigen (da herrschte natürlich ein Verbot, zudem war dabei auch nur die Kommission anwesend), aber wenigtens konnte danach ein Bild gemacht werden - zu sehen bin ich hier mit Franka (aus meinem Tanzstudio) die mich zur Prüfung "unterstützend" begleitet hat.
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Ich fand die Prüfung sehr aufschlußreich und zeigte mir, welches tänzerische Niveau ich derzeit im Bereich Spitzentanz erreiche. 78 Punkte sind zwar keine wirkliche "Werbung" für eine Ballerina mit größeren Ansprüchen. Ich werde definitiv mein Spitzen-Training fortsetzen und hoffe, daß mich meine Lehrerin doch mal für einen Auftritt im Spitzentanz mit einer Rolle besetzt. Werde sie erst heute im Studio treffen (konnte leider nicht bei der Prüfung dabei sein...) - mal sehen, was sie zum meiner Prüfung sagt.
Jennifer