ICD-10, ICD-11 und deren Folgen
ICD-10, ICD-11 und deren Folgen

Antworten
Lavendellöwin
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3230
Registriert: Do 6. Sep 2018, 15:56
Geschlecht: weiblich
Pronomen:
Hat sich bedankt: 502 Mal
Danksagung erhalten: 829 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

ICD-10, ICD-11 und deren Folgen

Post 1 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Juna33 hat geschrieben: Mi 20. Okt 2021, 15:23
!EmmiMarie! hat geschrieben: Mi 20. Okt 2021, 13:24
die Krankenkasse richten sich nach dem ICD und in der folgenden Version 11 wird Transidentität
ja nicht gestrichen, sondern nur die psychopathologische Sichtweise verändert, aus einer "Störung"
(is mir schlecht) wird ein Zustand "sexueller" Gesundheit.
Und die Krankenkassen orientieren sich daran-nicht am TSG.
Ärzte und Psychotherapeuten müssen im deutschen Gesundheitssystem nach ICD-10 (demnächst ICD-11) diagnostizieren. Diese Diagnosen sind Grundlage, dass überhaupt irgend was mit den Kassen abgerechnet werden kann. Umgekehrt ist es allerdings leider nicht so, dass jede Diagnose auch eine Abrechnungserlaubnis zur Folge hätte. Beispiel: wenn Du eine Flugangst hast, wird dir Dir die Kasse die Therapie in der Regel nicht zahlen. Die Logik hierbei: "Ja gut. Mag eine ICD-10-Diagnose sein. Aber fliegen kann man ja gut vermeiden, ist im Prinzip Privatsache und Luxus." Nur wenn Du beruflich unbedingt fliegen musst, sieht das anders aus.

Nun zur GAOP: schon jetzt haben die lieben Kassen oft keine große Lust, das zu zahlen und versuchen die Hürden möglichst hoch zu setzen. Wenn jetzt im ICD-11 das böse Wort "Störung" durch etwas Gefälligeres ersetzt wird (was durchaus sinnvoll ist) und die Gesetzeslage sich dahingehend ändert, dass das Geschlecht frei gewählt werden kann (auch dies für sich genommen von mir volle Zustimmung), dann wird da Widerstand von Seiten der Kassen bei der Kostenübernahme kommen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Im DSM-V gibt es den Begriff der "gender dysphoria". Ich hätte mir gewünscht, dass dieser auch so klar im ICD-11 übernommen wird - was leider nicht der Fall ist. Den entscheidend ist doch nicht, ob sich jemand als Mann, Frau, divers oder sonstwas definiert. Das soll natürlich jeder selbst entscheiden dürfen. Der "Krankheitswert", bzw. der Leidensdruck und damit die Indikation für eine Therapie (welcher Art auch immer) entsteht ja in Folge der Geschlechtsdysphorie. Und diese ist natürlich bei Transmenschen unterschiedlich stark ausgeprägt. Ich hoffe jetzt ist etwas klarer. worauf ich hinaus wollte: Bei allem Idealismus muss man aufpassen, dass einem am Ende nicht alles auf die Füße fällt. Radikale Forderungen haben schnell mal eine Schlechterstellung in bestimmten Bereichen zur Folge.
Liebe Anne-Mette,

das war nicht böse, du hast schon Recht...

Hallo Juna...(happy welcome :wink: )

ich verstehe schon worauf du hinaus willst und ich glaube wir denken doch gar nicht sooo unterschiedlich, oder?

Richtig der ICD und die Gebührenziffern geben den Rahmen vor.
Zum Beispiel der Flugangst...ist der Arzt schlau wird er eine F41.9 aufschreiben und diese nicht näher spezifizieren.
Oder richtiger eine F40.2 weil Flugangst eine situative Phobie ist und dann Tavor verschreiben, wobei Tavor im Grund nur Kummer macht.
(Weiss ich aus Erfahrung..) Ist die Angst länger präsent ist Insidon die bessere Wahl. Keine Kasse wird das so jemals anzweifeln.
Für eine Psychotherapie deswegen braucht es schon mehr Substanz, da ja ein Antrag gestellt werden muss..

sie wird aber in den meisten Fällen genehmigt, denn der Sinn ist ja die Krankheit zu erkennen, zu heilen, eine Verschlimmerung
aufzuhalten oder zu lindern. Das ist schon sehr flexibel.
Ich glaube daran wird sich auch mit dem ICD-11 nicht viel ändern, es gibt aber mehr Differenzierungen.

Hmm, GaOP, Haar/Bartentfernungen, Brust-OP, Stimmband-OPs, sind auch alle antragspflichtig und im Moment
gibt es klare Regeln, du hast den MDK mit im Boot, es gibt Gerichtsurteile in die eine oder andere Richtung.
Und ja, die Hürden die genommen werden müssen sind nicht niedrig-regelmässig kommt bei der einen oder anderen
Behandlung eine Ablehnung und das zermürbt gewaltig-unmöglich ist es aber nicht, besonders dann nicht, wenn der
MDK alle Vorgaben als erfüllt ansieht.

Ich glaube ja fest daran da wird sich nichts ändern..aber mal sehen.

Hmm was du mit deinen Indikationen machst, den Weg den du gehst ist einizig deine Sache, du darfst doch entscheiden was
du aus den ganzen Möglichkeiten für dich nutzen willst und kannst dich dafür einsetzen. Das ist eine Sache die dir niemand nehmen kann,
egal welcher ICD..


Alles Liebe Marie (flo)
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
Antworten

Zurück zu „Hygiene, Gesundheit, Medizin, Psychologie“