Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?
Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ? - # 2

allgemeiner Austausch
Jen
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Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?

Post 16 im Thema

Beitrag von Jen »

Huhu Zusammen,

Ich möchte hier nur einen kleinen Einwurf machen... :|

Was manche vorher schrieben, dass Vicky als Beamtin zwar arbeitsrechtlich im Gegensatz zu Betrieben in der freien Wirtschaft nichts zu befürchten hätte stimmt.
A B E R
Natürlich ist das Arbeitsrechtliche schon mal Gold wert. Aber alles Gold der Welt ist nichts wert, wenn das Zwischenmenschliche nicht passt!!!

Ich finde das folglich ein bisschen einfach daher gesagt "mach mal!", da ein Outing leider nicht so einfach ist, wie es von manchen dargestellt wird, nur weil es bei ihnen gut lief.
Erinnert Euch bitte, was Ihr Euch im Vorfeld für Gedanken gemacht habt, da Ihr nicht wusstet, wie reagieren die Leute. Und es ist eine Sache sich seinem privaten Umfeld zu outen als im Geschäft. Privat könnt Ihr Euch rausnehmen, wenn es nicht so läuft wie erhofft. Den Job müsst Ihr weiterhin wahrnehmen, da es sich leider ohne Geld nicht so gut leben lässt. Und damit meine ich nicht den 10. Sportwagen, sondern Verpflichtungen, die jeder von uns in irgendeiner Weise hat... (Bitte keine Grundsatzdiskussion hierüber... Danke)

Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn man sich jeden Tag ins Geschäft quälen muss, weil man von Kollegen eventuell gemobbt wird, sich Gedanken machen muss, was hinter vorgehaltener Hand gesprochen / getratscht wird, sich bei jedem Blick von Kollegen Gedanken machen muss, keine Unterstützung mehr erfährt, man in der Mittagspause allein da sitzt und einfach keinen Spaß mehr an der Arbeit hat und irgendwann sich das ganze in Angst verwandelt usw....

Da kann sich ein Arbeitstag ganz schön in die Länge ziehen und Stunden werden zu Tagen und Tage zu Wochen... Abgesehen davon, dass man Zuhause nicht mehr abschalten kann, weil man sich gedanklich schon wieder auf den nächsten Tag vorbereitet / Angst davor hat und mit der Zeit dann nicht mal mehr nachts schlafen kann...
Da finde ich den Abstieg schon vorprogrammiert, da es eine teuflische Spirale nehmen kann. Geschäft mies --> Privat daher auch unausgeglichen --> Beziehung zu Familie / Freunden leidet --> Geschäft noch mieser ---> Privat noch unausgeglichener --> usw...

Also bitte, bitte stellt das Beamtentum nicht Freifahrtschein hin alles machen zu können, was man möchte und stellt das Outing nicht so einfach hin!!! Das ist ein bisschen zu einfach!!! Ich möchte auch unbedingt fliegen können und obwohl ich es wirklich will, springe ich nicht von einer Brücke und hoffe der Schwerkraft zu entgehen.. :wink:

Sorry, jetzt hab ich schon wieder ein bisschen mehr geschrieben. Aber ich finde, das Outing ist ein sehr wichtiger Schritt und der möchte sehr, sehr gut wegen seinen möglichen Konsequenzen überlegt sein, da diese irreversibel sind.

Ich wünsche Euch einen schönen Tag

Jen
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Den Mensch an seinen Freunden.
Marit
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Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?

Post 17 im Thema

Beitrag von Marit »

Hallo Vicky,

es gab jetzt schon viele Beiträge, die ich gar nicht kommentieren kann, möchte aber auch eine Kleinigkeit beitragen.
Für mich sind die Themen Outing und Homeoffice getrennte Themen, die du auch getrennt durchdenken und lösen kannst.
Sicher gibt es gute Gründe für dich, eine erweiterte HO-Regelung anzustreben. Alles was nicht mit deinem Frausein zu tun hat, würde ich dem Chef präsentieren. Die kann er bei wohlwollender Betrachtung auch woanders vertreten, ohne dass es zu einem ungewollten Outing kommt.

Das Outing ist die andere Seite und ich sage mal wie viele vor mir, dass es sich geoutet wesentlich besser lebt. Nun hatte ich Glück in meinem Umfeld und das ist leider nicht für alle so.
Ein Gefühl dafür. ob das für dich möglich ist, kannst nur du entwickeln. Da geht es einerseits um dein Selbstbewusstsein. Dazu kommt dein persönliches Netzwerk. Diese Faktoren können einen positiven Einfluss.
Die andere Seite sind Vorgesetzte und natürlich Kollegen. Dazu kommt der Mindset des Dienstherrn - wird Diversity schon gelebt oder ist man sehr konservativ. Vielleicht gibt es sogar ein LGBT"¦ MitarbeiterNetzwerk?

Aus all diesen Faktoren kannst du dir ein Bild machen - das kannst auch nur du und nicht wir hier. Dieses Bild verknüpfst du mit deinem Bauchgefühl und deinem Leidensdruck.

Ist das für dich eine Hilfe, deine ursprüngliche Frage zu beantworten? Hoffentlich, denn das kannst nur du allein.

Schöne Grüße
Marit
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Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?

Post 18 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo, Vicky,

sicherlich kommt es auf deine Behörde an, in der du arbeitest. sicher auch eine Frage, wieviel Publkumsverkehr es gibt. Da sollte ien Outing niht überstürtzt sein, denn es lässt sich nicht mehr rückgängig machen.

Hier im Forum gab es doch schon einige Beispiele, wo Menschen in Behörden arbeiten und sich mithilfe von Vorgestzten und Personalrat geoutet haben. Vielleicht kannst du zu einigen Leuten Kontakt aufnehmen, und sie um ihre Erfahrungen und Tipps zur Lage fragen.

Ich würde auch bedenken, dass in einem Beamtinnenleben sechs Jahre ja keine allzu lange Beschäftigungszeit mehr ist. Checke doch einmal ab, was schlimmstenfalls passieren kann, wenn du evtl. wegen Mobbing und ähnlichen Nervereien längere Zeit ausfällt. Da hilft evtl. auch die Gewerkschaft mit einer Transgender-Beratungsstelle, am besten wit entfernt in einem anderen Bundesland.

Ich kenne auch Leute, die die letzten Jahre des Arbeitslebens noch als MAnn durchgezogen haben, um dem Stress des Outings aus dem Weg zu gehen. Also, das ist aufs Längere betrachtet auch eine Lösung.

Liebe Grüße
Inga
ChristinaF
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Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?

Post 19 im Thema

Beitrag von ChristinaF »

Kann mich da Arias Beitrag nur anschließen. Noch dazu, weil du ja eine Beamtin bist. Unkündbar und nur noch ein paar Jahre im Dienst.
Paralellen dazu gibs zu mir. Bin ebenso eine Beamtin in einer städtischen Behörde und arbeite seit Jahren dort als Frau. Irgendwann gings bei mir nicht mehr, mit dem ständigen Wechsel. Beruf nicht frau; daheim völlig. So outete ich mich bei meiner Dienstvorgesetzen und gleichzeitig bei meinen Kolleginnen/en und dem Personalrat. Das ist jetzt über zehn Jahre her.
Seit dieser Zeit bin ich voll und ganz als Frau Christina F. akzeptiert; und es käme mir im Traum nicht mal vor, in meinem Beruf noch als "Mann" zu erscheinen. Es gibt in dieser Behörde mit mir keinerlei nennenswerten Probleme, weder mit der Anrede noch mit den Toiletten. Gut hin und wieder, kommt es im Publikumsverkehr vor, dass ich angeglotzt werde. Was mir natürlich, wie jeder Frau auch, unangenehm ist, wenn Männer ständig auf Beine oder Oberweite starren.
Bezüglich des HO habe ich aber die Frage, was denn passiert, wenn deine "Kunden", die dich ja als Frau sehen, dies gegenüber anderen äußern?
So oder so, es ist wahrlich keine leichte Entscheidung, aber mit dem Punkt des Outens lebts sich echt leichter.
Liebe Grüße
Christina
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Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?

Post 20 im Thema

Beitrag von sbsr »

uferlos hat geschrieben: Mi 6. Okt 2021, 13:35 Für mich sind die Themen Outing und Homeoffice getrennte Themen, die du auch getrennt durchdenken und lösen kannst.
Ich denke man muss sogar noch weiter gehen und sagen, "die du NUR getrennt durchdenken und lösen kannst".

Aus Sicht des Arbeitgebers (ich stehe bei solchen Themen auf der "anderen" Seite) darf das eine mit dem anderen nichts zu tun haben. Die Freigabe für Homeoffice oder dauerhaftes mobiles Arbeiten ist eine arbeitsrechtliche Entscheidung mit weitreichenden Konsequenzen, die Arbeitnehmer meist gar nicht so auf dem Schirm haben.

Für Abweichungen von Betriebsvereinbarungen oder betrieblicher Übung muss es sachliche Argumente geben, die sich notfalls vor Gericht vertreten und belegen lassen.
Die Vorliebe für bestimmte Kleidung oder andere Äußerlichkeiten gehören da keinesfalls dazu, ganz egal ob CD/TS/..., Gothic, Nudist oder sonst was, selbst Erkrankungen, die Auswirkungen auf die äußere Erscheinung haben, zum Beispiel Verbrennungsnarben, zählen in dem Zusammenhang erstmal nicht.

Zum Thema Outing in der Arbeit kann ich Dir ein wenig meine Geschichte aus den letzten anderthalb Jahren erzählen. Als die Fabrik zu Anfang der C-Pandemie und dadurch bedingte Stillstände relativ leer war, habe ich den Mut gefasst auch mal auffälligere Damenkleidung anzuziehen. Tja, die Büchse der Pandora und so :wink:
Seitdem mache ich mir kaum mehr Gedanken, ob ein Mann so etwas tragen kann, sondern nur was mir steht und womit ich mich wohl fühle. Da wurde natürlich geschaut und wahrscheinlich auch getuschelt, aber nur eine kurze Zeit, dann wurde es wohl langweilig.

So wirklich geoutet in dem Sinn habe ich mich nie, meine Abteilung hat sich relativ schnell einfach daran gewöhnt und kennt mich eigentlich nur noch in Damenkleidung, thematisiert wurde das aber nie. Im Gegenteil, es ist so zur Selbstverständlichkeit geworden, dass sich weibliche Kolleginnen mit mir völlig normal über Klamotten und Makeup unterhalten. Einmal ging so ein Gespräch sogar in Richtung Unterwäsche und letztlich Monatsregel, dass ich mir nicht mehr sicher war ob ihnen klar ist, dass da eigentlich ein Mann dabei steht.

Was das angeht hatte ich richtig Glück in einem doch recht aufgeschlossenen Umfeld mit überwiegend jungen Leuten zu arbeiten.

In letzter Zeit wurde der Gedanke über ein Teil-Outing immer stärker. Ich fühle mich mit der Anrede "Herr" nicht mehr wirklich wohl, "Frau" stimmt aber halt auch nicht und erscheint mir zu radikal, und würde wahrscheinlich zu viele Fragen aufwerfen.
Wir arbeiten viel mit dem Ausland zusammen, die Kommunikation läuft weitgehend auf Englisch, da ist es zunehmend üblich sich mit Vornamen anzusprechen. Meistens ergibt sich das von selber, ansonsten kann man es auch höflich anbieten. Im Geiste bin ich schon länger auf der Suche nach einer Art Spitzname, der irgendwie an meinem gesetzlichen Vornamen angelehnt ist und möglichst neutral klingt, bis jetzt ist mir aber noch nichts eingefallen.
LG, Svenja

Erinnerungen sind das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.
Wally
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Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?

Post 21 im Thema

Beitrag von Wally »

sbsr hat geschrieben: Do 7. Okt 2021, 10:30 Im Geiste bin ich schon länger auf der Suche nach einer Art Spitzname, der irgendwie an meinem gesetzlichen Vornamen angelehnt ist und möglichst neutral klingt, bis jetzt ist mir aber noch nichts eingefallen.
Hallo Svenja,
Hast mal an Swan (Kurzform zu Swanhild) gedacht?
Herzliche Grüße
Wally
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Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?

Post 22 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-01-22 »

Vicky_Rose hat geschrieben: Di 5. Okt 2021, 15:15 Jetzt bleiben mir noch zwei Wege, um ein höheres Maß an Home Office zu erzielen. Die Ultima Ratio wäre das Outing, um mir den nötigen Freiraum zu erkämpfen. Das bringt mich in eine massive Zwickmühle. Meine Frage ist also, soll ich diesen Weg beschreiten, wenn alles andere versagt ?
Hallo Vicky,

ich war in der selben Situation wie du und kann dir aus meiner Erfahrung heraus sagen, daß, alles was mit der Arbeit zu tun, ein "erkämpfen" nicht in Erwägung ziehen würde. Natürlich gesehen aus dem Blickwinkel eines CD's und keiner transsexuellen Person - da sieht es dann wieder ganz anders aus.
Ich habe auch das Glück bei mir im Home Office zu arbeiten, aber auch Bürotage habe und so zwischen diesen beiden Orten immer wieder "pendle". Als ich mit dieser Arbeit begann, fragte ich in der "Chefetage" und bei den Mitarbeitern an, ob ich in "femininer Persona" in Büro arbeiten könnte. Als Antwort bekam ich "..wenn es sich nicht negativ auf das Arbeitsklima und die Arbeit auswirkt, ist es ok." - sozusagen wurde es anfänglich eher "geduldet", als "akzeptiert". Heute (nach Jahren) kennen mich die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nur noch so und keinen stört es - obwohl ich mittlerweile schon einige Chefs hatte und diese jedes Mal auf neue "klären musste".

Hätte ich damals ein klares "Nein" zur Antwort bekomme, hätte ich im Büro auf meine Weiblichkeit verzichtet und nur im Home Office angewandt. Mein Vorschlag an dich Vicky wäre, wenn du unbedingt im Büro "en femme" arbeiten möchtest, dann spreche deinen Chef daraufhin an. Vielleicht hast du so viel Menschenkenntniss und kannst im Vorfeld seine Reaktion bereits beurteilen? Das wäre hilfreich. Wenn er es ablehnt, würde ich es damit beruhen lassen. Aber wenn du dich nicht traust zu fragen, wirst du dich ewig fragen, was hätte sein können.

Von daher, habe den Mut - ich weiß aus deinem Kontakt mit meiner Mama wie viel es dir bedeutet "en femme" sein zu können und es auch gerne bei der Arbeit zu sein. Also, traut dich.

Jennifer
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Aktueller Beziehungsstatus: Jennifer ist verliebt !-!-!

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Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?

Post 23 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Hallo Ihr Lieben,

vielen Dank für die vielen, sehr hilfreichen Beiträge. Sie geben meinen inneren Widerstreit gut wieder und kann vieles dat'raus ziehen. Meine innere Verfassung ist wieder etwas ruhiger. Nachts war ich teilweise ziemlich in Aufruhr. Ich verstehe das als eine Reaktion für die in Zukunft reduzierten Möglichkeiten. Ich habe mich in den letzten 1,5 Jahren ziemlich an die Möglichkeiten, die mir das Home Office eröffnet hat. Jetzt stehe ich an einem Punkt, der weitere Schritte nötig machen. Wie hieß es früher in der DDR bei Erich Honecker: "Vorwärts immer, rückwärts nimmer !"

Der wichtigste Punkt: Die Veränderungen lassen sich nicht in kleinem Rahmen halten. Mir wären kleine Schritte lieber. Ich spiele mit den denkbaren Szenarien:

- Akzeptieren der Situation mit reduziertem HO, hier zeichnen sich seelische Probleme in gewissem Umfang ab,
- Outing in der Dienststelle mit den Vorgesetzen, mehr HO und damit die Möglichkeit, zuhause Weiblichkeit zu leben. (wenn es gut liefe), das wäre derzeit meine favorisierte Situation. Vielleicht ist die aber auch über andere Wege erreichbar.
- "großes Outing" in der Dienststelle: Möglichkeit auch im Büro en femme zu leben. zu bedenken:
- Mobbing (halte ich für sehr klein),
- wegen vieler Kontakte durch die Arbeit mit Externen kann es zu einer Aufgabenverlagerung kommen. Meine derzeitige Aufgabe gefällt mir aber sehr.
- da ein Kollege in der Nachbarschaft lebt sowie bei Zu- und Abfahrten käme das einem Outing in der Nachbarschaft gleich. Meine Frau hat dabei aber große Bedenken und befürchtet Nachteile.

Ich werde noch ein wenig in mich gehen und schauen, wie es weiter geht. Auf Eure Beiträge gehe ich später noch einmal detaillierter aus.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?

Post 24 im Thema

Beitrag von ChristinaF »

Übereile nichts. Und gut zu überlegen ist immer ein sehr guter Vorsatz. Sei so lieb und halt uns alle auf dem Laufenden.
LG Christina
ExUserIn-2026-04-08
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Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?

Post 25 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Das mache ich, aber ich sehe auch die Gefahr, dass man vor lauter Überlegen zu keinen Schritten kommt. Ganz nach dem Grunddsatz: Wer etwas will, findet Wege, wer etwas nicht will, findet Gründe ...

Klar werde ich berichten, weiß bloß noch nicht wann ...
Viele Grüße
Vicky

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Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?

Post 26 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

zu den Antworten:
MichiWell hat geschrieben: Di 5. Okt 2021, 19:53 ich am liebsten nach Lust und Laune mal so und mal so in die Firma gehen würde. Aber mir war damals schon klar, dass das meine Mitmenschen noch mehr herausfordern würde, als ein 100%iger Wechsel.
Sehe ich auch so. Das fängt mit Vornamen und Anrede an ...
MichiWell hat geschrieben: Di 5. Okt 2021, 19:53 Was kann denn schlimmstenfalls passieren, wogegen du dich nicht offiziell und erfolgreich wehren könntest?
Man könnte mir die aktuelle Aufgabe (die ich gerne mache) entziehen, da ich viele Außenkontakte habe (natürlich nicht mit der Begründung von Trans). Bei der materiellen Versorgung gäbe es in der Tat keine Einbrüche.
heike65 hat geschrieben: Di 5. Okt 2021, 20:38 und das Gerede ist schnell vorbei, dann wird die nächste Sau durchs Dorf getrieben
Das kann ich mir auch gut vorstellen.
Wally hat geschrieben: Di 5. Okt 2021, 21:25 kratzt dann doch permanent an der Legitimität Deines Frau-Seins; so kommst Du nie zu einer unbefangenen Haltung.
Auch das ist nachvollziehbar und ich denke das auch manchmal.
Wally hat geschrieben: Di 5. Okt 2021, 21:25 endlich darf ich mich ganz offen so zeigen, wie ich bin, ich brauche mich nicht mehr zu verstecken.
der Jackpot ...
Wally hat geschrieben: Di 5. Okt 2021, 21:25 Positiv akzeptieren werden sie es in dem selben Maß, in dem Du dich selber als (Teil-)Frau akzeptierst und freimütig dazu stehst.
Auch da habe ich keine Einwände ...
Jen hat geschrieben: Mi 6. Okt 2021, 09:00 Da kann sich ein Arbeitstag ganz schön in die Länge ziehen und Stunden werden zu Tagen und Tage zu Wochen...
Schön, eine andere Meinung. Auch die kenne ich nur zugut. Die Kernfrage bleibt, was lässt mich zögern ? Und was Du über Mobbing schreibst, ist nicht aus der Luft gegriffen, auch wenn ich in meiner Behörde nicht wirklich daran glaube. ich habe eine ganz andere Vermutung für mich gefunden. Meine inneren Widerstände sind ja nicht rational durchdacht und ich glaube auch nicht, dass der Zugang zu diesen Widerständen rational beseitigt werden kann. Meine Vermutung bezieht sich auf meine Prägung in der Kindheit. Ich war immer bemüht, Anerkennung zu finden und mich angenommen zu fühlen. Damit habe ich immer versucht, es meinen Eltern Recht zu machen. Dieses Verhalten lässt sich weit in mein Leben in den verschiedensten Aspekten verfolgen. Eine frühere Freundin sagte einmal, ich hinge noch an Mutters Rockzipfel. Damit hatte sie gar nicht so Unrecht.

Also wird man als Junge eben zum Mann. Das Verhältnis zu meinen Eltern war leider nicht so geartet, dass ich großes Vertrauen gehabt und das Thema Weiblichkeit angesprochen hätte. Sie waren keine schlechten Eltern, nur das war nicht möglich. Und die Notwendigkeit hat in den 1960ern und 1970ern kaum jemand gesehen.

So etwas wirkt scheinbar heute noch in mir. Ich präsentiere mich als Mann, weil das von mir so erwartet wird. Ich lese gerade ein Buch (Gestatten Ich), in dem das als eine Form des Umgangs damit als "selbstzerstörend" genannt wird. Die gute Nachricht: es ist heilbar ... ;-)
Jen hat geschrieben: Mi 6. Okt 2021, 09:00 jetzt hab ich schon wieder ein bisschen mehr geschrieben
Manchmal darf es etwas mehr sein ...
uferlos hat geschrieben: Mi 6. Okt 2021, 13:35 Outing und Homeoffice getrennte Themen,
Ich sehe das jetzt ähnlich. Ich denke, das habe ich gerade beantwortet.
Inga hat geschrieben: Mi 6. Okt 2021, 23:53 Vielleicht kannst du zu einigen Leuten Kontakt aufnehmen, und sie um ihre Erfahrungen und Tipps zur Lage fragen.
Ich habe unsere Gleichstellungsbeauftragte im Blick. Zu ihr hätte ich Vertrauen.
ChristinaF hat geschrieben: Do 7. Okt 2021, 08:56 Irgendwann gings bei mir nicht mehr, mit dem ständigen Wechsel.
Es fühlt sich an, als wäre ich an einer ähnlichen Stelle ...
sbsr hat geschrieben: Do 7. Okt 2021, 10:30 dauerhaftes mobiles Arbeiten ist eine arbeitsrechtliche Entscheidung mit weitreichenden Konsequenzen, die Arbeitnehmer meist gar nicht so auf dem Schirm haben.
Das wurde bei uns umfangreich durchdacht und beide Seiten haben jetzt eine Menge praktischer Erfahrungen. Einige Stichworte sind die Trennung Beruf-Arbeit, recht auf Nichterreichbarkeit oder Arbeitssicherheit.
sbsr hat geschrieben: Do 7. Okt 2021, 10:30 So wirklich geoutet in dem Sinn habe ich mich nie, ... Was das angeht hatte ich richtig Glück in einem doch recht aufgeschlossenen Umfeld mit überwiegend jungen Leuten zu arbeiten.


Ich würde das auch nur im engsten Arbeitsumfeld machen. Das hat eine ähnliche Gruppenzusammensetzung.
Lady Jennifer hat geschrieben: Do 7. Okt 2021, 11:54 ein "erkämpfen" nicht in Erwägung ziehen würde
Das hatte ich auch nicht im Sinne von "Durchsetzen" gemeint. Der Kampf tobt wohl eher in mir.
Lady Jennifer hat geschrieben: Do 7. Okt 2021, 11:54 wenn du unbedingt im Büro "en femme" arbeiten möchtest, dann spreche deinen Chef daraufhin an.
Mein Favorit wäre das HO und nicht die Frage en femme im Büro. Zwei Tage die Woche zu Hause wird mir einfach zu wenig. Jetzt dreht die Diskussion sich in eine andere Richtung. Soll ich die Möglichkeit mich überhaupt im Büro en femme sehen lassen, für mich in Anspruch nehmen ? Deshalb wäre mir das Gespräch mit einer Vertrauensperson auf der Arbeit, an das ich schon länger denke, wichtig. Das wäre die Gleichstellungsbeauftragte. Und ja, der Wunsch, en femme leben zu können, ist größer geworden. Der innere Druck steigt ...

Ein Fazit, dass ich jetzt schon ziehen kann: ein Outing vor dem Hintergrund, mehr HO genehmigt zu bekommen, macht keinen Sinn. Entweder Outing, weil ich es für mein Leben so will oder ich lasse es sein.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?

Post 27 im Thema

Beitrag von Aria »

Vicky_Rose hat geschrieben: Do 7. Okt 2021, 17:48 Entweder Outing, weil ich es für mein Leben so will oder ich lasse es sein.
Ich denke, das ist die essenzielle Erkenntnis aus der Diskussion. Die Zeit im HO hat quasi als Katalysator auf dein Verhältnis zu dir und deinem Trans-Sein gewirkt. Die Frage in wie fern, du das jetzt ins Berufsleben integrieren möchtest, steht dabei eher hinten an.
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Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?

Post 28 im Thema

Beitrag von Wally »

Vicky_Rose hat geschrieben: Do 7. Okt 2021, 14:17 - da ein Kollege in der Nachbarschaft lebt sowie bei Zu- und Abfahrten käme das einem Outing in der Nachbarschaft gleich. Meine Frau hat dabei aber große Bedenken und befürchtet Nachteile.
Liebe Vicky,

Von welcher Art sollten solche Nachteile denn sein?

Ich lebe seit Januar diesen Jahres komplett als Frau, nachdem ich mich bisher nur zuhause oder gelegentlich im Urlaub (mit Frau) weiblich gekleidet hatte. Und zwar wirklich konsequent: meist in Rock und Bluse, mit Pumps und Ohrhängern, gelegentlich auch in einem dezenten Kleid. Wenn ich aus praktischen Gründen doch mal eine Hose trage, dann eine, die in Machart und Farbe eindeutig Damenkleidung ist. Männliche Kleidung habe ich seit Januar keinen einzigen Tag und keine einzige Stunde mehr getragen. Meine Frau hat seitdem NIE über irgendetwas Auffälliges berichtet, für sie hat sich dadurch im Umfeld überhaupt nichts geändert; dabei ist sie weit mehr als ich hier im Dorf (1200 Einwohner, da kennt man einander noch...) eingebunden, macht in diversen Vereinen mit und engagiert sich in der Flüchtlingshilfe. Ich selber war schon immer eher introvertiert und lebe seit meiner Verrentung (vor 4 Jahren) ziemlich zurückgezogen, habe aber seit dem öffentlichen Rollenwechsel auch wieder deutlich mehr Freude daran, rauszugehen, mich zu zeigen und Kontakte zu pflegen.

Im Juli habe ich nun den Antrag auf Personenstandsänderung gestellt - nicht ohne meine liebe Frau um ihr Einverständnis zu bitten. Ich weiß: rechtlich brauche ich das nicht; aber sie ist mir so wichtig, dass ich das ohne ihr ausdrückliches Einverständnis nicht tun würde. Sie hat gründlich (ca. 14 Tage) überlegt und sich dann nach ein paar ausführlichen Gesprächen schließlich einverstanden erklärt. Ein bißchen schwierig war für sie dabei die Vorstellung, gegenüber Dritten von mir als ihrer "Frau" zu reden - sie ist halt seit 15 Jahren gewöhnt, dass ich offiziell "ihr Mann" bin. Aber da ich bei all dem im direkten Umgang dieselbe Person bleibe (es geht mir nur sichtlich besser, was ja im Alltag auch auf sie abfärbt), geht es dabei wirklich nur um ein sprachliches Umgewöhnen. Sie bemüht sich seitdem schon konsequent darum, obwohl das Verfahren noch lange nicht durch ist.

Vielleicht könnte es Euch beiden helfen, mal persönlich mit uns beiden Kontakt aufzunehmen und Erfahrungen auszutauschen? Wenn Ihr das möchtet, stehen wir gerne zur Verfügung.
Herzliche Grüße
Wally
Michi
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Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?

Post 29 im Thema

Beitrag von Michi »

Vicky_Rose hat geschrieben: Do 7. Okt 2021, 17:48 zu den Antworten:
MichiWell hat geschrieben: Di 5. Okt 2021, 19:53 ich am liebsten nach Lust und Laune mal so und mal so in die Firma gehen würde. Aber mir war damals schon klar, dass das meine Mitmenschen noch mehr herausfordern würde, als ein 100%iger Wechsel.
Sehe ich auch so. Das fängt mit Vornamen und Anrede an ...
Hallo Vicky,

das sehe ich zumindest in meinem Falle noch nicht mal als wirkliches Problem. Wir reden uns generell mit dem Vornamen an, und Michi als Kurzform für die männliche und die weibliche Version meines Vornamens würde sich sehr wahrscheinlich schnell durchsetzen, weil die eh schon teilweise im Gebrauch ist. E-Mail-Adresse wäre auch kein Problem, da nur der erste Buchstabe vom Vornamen verwendet wird.

Das Problem sind vielmehr die transfeindlichen und homophoben Kollegen, die eine erhebliche Belastung wären. Aktuell sind mir schon mal zwei Exemplare bekannt und ausgerechnet auch noch in einem Zimmer mit mir. Bei den weiteren in Frage kommenden Kandidaten müsste ich jedes Mal Schau-laufen .. wäre ihren Blicken und Bemerkungen ausgesetzt, wenn ich mir einen Kaffee oder etwas anderes zu trinken hole. Und ich kenne schon den Umgang, den die untereinander pflegen, weiß also, was mich erwarten würde.

Und dazu käme wohl noch, dass täglich Wetten laufen würden, ob ich heute als Mann oder Frau ins Büro komme. Was ja nicht gerade dazu beiträgt, dass meine Situation angenommen und sich die Lage in der Firma normalisieren würde.
Vicky_Rose hat geschrieben: Do 7. Okt 2021, 17:48
MichiWell hat geschrieben: Di 5. Okt 2021, 19:53 Was kann denn schlimmstenfalls passieren, wogegen du dich nicht offiziell und erfolgreich wehren könntest?
Man könnte mir die aktuelle Aufgabe (die ich gerne mache) entziehen, da ich viele Außenkontakte habe (natürlich nicht mit der Begründung von Trans). Bei der materiellen Versorgung gäbe es in der Tat keine Einbrüche.
Das verstehe ich, möchte aber zu Bedenken geben, dass du da sicherlich über den Betriebsrat und/oder Gleichstellungsbeauftragten etwas unternehmen könntest, notfalls mit dem freundlichen Hinweis, wie es wohl in der Öffentlichkeit ankäme, wenn man dich wegen Trans in die Besenkammer abschieben möchte.


Liebe Grüße
Michi
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
Wally
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Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?

Post 30 im Thema

Beitrag von Wally »

MichiWell hat geschrieben: Do 7. Okt 2021, 19:26 Und dazu käme wohl noch, dass täglich Wetten laufen würden, ob ich heute als Mann oder Frau ins Büro komme.
:-)

DAS fände ich nun wiederum ausgesprochen amüsant :-)
Und ich würde es sogar eher bedauern, dass solche Wetten dann relativ schnell langweilig würden.
Herzliche Grüße
Wally
Antworten

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