Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person
Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person - # 2

allgemeiner Austausch
Jasmine
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 6432
Registriert: Di 16. Jul 2013, 08:25
Pronomen: sie
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 3 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 16 im Thema

Beitrag von Jasmine »

Petra Sofie hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 19:58 .................. die Mißachtung meiner Person durch Gesellschaft.
...............
Ja die Akzeptanz die ich in meinem Umfeld erfahre ist für mich sehr wichtig und erleichtert mir mein Leben.
Liebe Grüße Jasmine
Kleine Ketzerin
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 101
Registriert: Fr 10. Mär 2017, 17:35
Geschlecht: weiblich
Pronomen:
Wohnort (Name): Norddeutschland
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Kontaktdaten:

Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 17 im Thema

Beitrag von Kleine Ketzerin »

Hallo Marlene!

Die Diagnostik bei psychischen/seelischen Problemen ist generell ein hochproblematisches Feld, in dem befremdliche Erfahrungen leider oft eher die Regel als die Ausnahme sind. Das ist aber ein riesengroßes Fass, dessen Öffnung den Rahmen hier jetzt sprengen würde. Mir ging es im Grunde auch nur um eins, weil an anderer Stelle ja Kompromissvorschläge gefordert wurden: Unser Gesundheitssystem akzeptiert in anderen Bereichen eine solche "Checklistendiagnostik" als Rechtfertigung einer kassenfinanzierten Behandlung, warum dann nicht auch bei Trans?
Ralf-Marlene hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 19:03 Ich frage mich wie Du oder andere sich eine Profilaxe in Bezug auf Transsexualität (oder auch Homosexualität oder Intersexualität) vorstellen.
Ich beschränke mich mal auf den Bereich Transsexualität, weil Intersexualität und besonders Homosexualität (was sollte da therapiert werden?) nochmal wieder andere Probleme aufwerfen. Unter "präventiver Behandlung" verstehe ich hier, dass eine körperliche Behandlung auch dann angezeigt sein kann, wenn (noch) kein "klinisch relevanter Leidensdruck" besteht. Es gab und gibt ja immer wieder Fälle, wo eine Transsexualität zwar bestätigt wurde, eine körperliche Behandlung aber mit der Begründung "zu wenig Leidensdruck" abgelehnt wurde. Hab' ich selber exakt so erlebt... Es gibt auch heute noch "Therapeuten", die glauben, man müsse mindestens einen Suizidversuch hinter sich haben, um "genügend Leidensdruck" für die Rechtfertigung einer körperlichen Behandlung zu haben. Sowas geht einfach gar nicht.
Ralf-Marlene hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 19:03 Einen Punkt möchte ich noch extra betonen. Ich finde, wir brauchen keine Fachärzte, denen von Amts wegen zugestanden wird Transsexualität zu "erkennen". Transsexualität muss als normale Variante der Geschlechtsentwicklung angesehen werden und Teil der allgemeinen Ausbildung und alltäglich sein.
Das sehe ich genau wie Du. Aber weil an anderer Stelle ja Kompromisse gefordert wurden, dachte ich mir, ich gehe die Angelegenheit mal lieber etwas vorsichtiger an, damit man mir nicht gleich wieder vorwirft, mein Vorschlag würde ja bedeuten, dass dann auch ein Ophtalmologe Trans diagnostizieren und Luxusyachten und Rennwagen - äh - Hormone und Operationen verordnen kann. ;)
Nicole Fritz
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3017
Registriert: Mo 20. Mär 2017, 17:38
Geschlecht: Enby
Pronomen:
Forum-Galerie: gallery/album/567
Hat sich bedankt: 158 Mal
Danksagung erhalten: 253 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 18 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Henning hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 19:50 Du sprichst mir aus der Seele.
Hallo Maverick,

Ich habe meine Schreiberei gerade unterbrochen und abgespeichert.

Dein Toiletten-Problem kann ich gut nachvollziehen, obwohl ich als MzF-Enby da eigentlich keine Probleme habe. Ich trage Frauenkleider und gehe auf die Damentoilette. Erscheint vollkommen normal und niemand fragt. Nur einige Damen schauen schon mal irritiert.

Aber wie wäre es nun auf der Herren-Toilette? Ans Pinkelbecken, Rock hoch, Schniedel raus und laufen lassen. - Ich versuche es gar nicht erst, obwohl es einfach nur bequem wäre. Bei einer Einzel-Unisex-Toilette mit Pinkelbecken mache ich das so. Aber da sieht mich ja keiner. Ich weiß, dass Männer sehr böse darauf reagieren können, wenn ein Mann Frauenkleider trägt. Auf einen Konflikt möchte ich es also nicht ankommen lassen.

Thema Brüste: Als MzF hätte ich natürlich gerne etwas größere. So mit ein wenig weiblichen Hormonen nachhelfen wäre also nicht wirklich falsch. Nur komplett gegengeschlechtlich, Testosteron-Bocker - nein danke! Eine "richtige?" Frau bin ich ja nicht. Also was tun? Ohne ärztliche Kontrolle mit dubiosen Mittelchen aus dem Internet herum probieren? - Das muss ich jetzt nicht wirklich haben.

Und dann das Thema Partnersuche ... .

Liebe Grüße
Nicole
Kleine Ketzerin
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 101
Registriert: Fr 10. Mär 2017, 17:35
Geschlecht: weiblich
Pronomen:
Wohnort (Name): Norddeutschland
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Kontaktdaten:

Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 19 im Thema

Beitrag von Kleine Ketzerin »

Hallo Kathi!
Kathi87 hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 17:52 ich kann deine Argumentation komplett nachvollziehen und nach dem ich mir deine Punkte so durchgelesen habe, muss ich sagen, mit meinem Psychologen und meinen Ärzten läuft es genauso.
Es freut mich, dass Du Psychotherapeuten und Ärzte gefunden hast, mit denen Du gut zurecht kommst. Natürlich gibt es Ärzte und Therapeuten, deren Vorgehen meinen Vorschlägen recht nahe kommt. Es gibt allerdings einen nicht ganz unbedeutenden Unterschied zwischen dem, was Du erlebst, und meinem Vorschlag: Du musst(!) weiterhin regelmäßig Deinen Therapeuten aufsuchen, was man nach meinem Vorschlag nicht muss, wenn man nicht will. Und das "nicht wollen" ist hier eben der springende Punkt. Ich halte es einfach für extrem übergriffig, Menschen eine Behandlung aufzunötigen, die sie nicht wollen. Und um das zu verhindern, habe ich in meinem Vorschlag die "Begleitung" von der "Eingangsdiagnostik" ganz bewusst abgetrennt.
Nicole Fritz
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3017
Registriert: Mo 20. Mär 2017, 17:38
Geschlecht: Enby
Pronomen:
Forum-Galerie: gallery/album/567
Hat sich bedankt: 158 Mal
Danksagung erhalten: 253 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 20 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Hallo,

dann versuche ich einmal das Nicht-Binär-Problem darzustellen:
Kathi87 hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 15:13 .. es muss aber geschaut werden ob es sich wirklich um Trans handelt und nicht um irgendwelche anderen Probleme, denn dann wäre der Weg zum Scheitern verurteilt. ..
Wenn es nur die beiden Geschlechter männlich und weiblich und nichts daneben oder irgendwo dazwischen gibt, ist diese Art der Beurteilung richtig und zielführend. Und dann bin ich da raus. Ich fühle mich nicht vollständig als Frau, und werde auch nicht glücklich, wenn ich mich vollständig zur Frau angleichen lasse. - Also: "Schön sie kennen gelernt zu haben, alles Gute, Tschüss." Ich habe ja irgendwelche andere Probleme.

Und jetzt? Soll ich meine depressiven Zustände, die ich habe, weil ich mit meiner männlichen Identität nie klar gekommen bin, jetzt mit Medikamenten, also letztlich mit Drogen, "ruhig stellen" lassen? Dabei irgendwie fremdgesteuert dahin dämmern? Vielleicht noch der eine oder andere Selbstmordversuch, mit geschlossener Psychiatrie als Folge? - Das sind jetzt keine schönen Aussichten, denke ich mal.

Also was macht nun ein MzF-Enby der*die*x sich als trans identifizieren kann und/oder im Trans-Weg eine Chance sieht? - Er*sie*x setzt vielleicht alles daran an eine Indikation zu kommen und beginnt dann erst einmal mit der HT. Sich so weit schlau zu machen, dass man den Psychologen von trans überzeugen kann, sollte kein allzu großes Problem sein. Dann als nächste Schritte die VÄ/PÄ mit den beiden Gutachten, Bart epilieren, Stimmtraining, ... . Die GaOP wird dann gerne "aus gesundheitlichen Gründen - Übergewicht, Herzprobleme, ... -" vor sich her geschoben. Ein Enby braucht sie ja nicht.

Der ganze Stress der Transition lenkt erst einmal von den depressiven Zuständen ab. Irgendwann ist aber das meiste erledigt. Dann geht es wieder los mit dem Gefühl irgendwo außerhalb der Gesellschaft zu stehen - bis hin zu einer schweren Depression und Selbstmordgedanken. Und in der SHG: "Was hast du denn? Du bist doch jetzt eine Frau, und wenn ich dein Passing hätte ... ." Das hilft nur nichts, wenn man Enby ist und nicht als Frau im falschen Körper geboren. Und warum hat der Psychologe das nicht erkannt? Ganz einfach: weil er selbst nicht betroffen ist und in den Kopf eines Menschen nicht hinein schauen kann. Und wie viele Trans-Menschen erkennen nicht, dass sie in Wirklichkeit eher nicht-binär als trans sind? Nach dem, was ich hier im Forum und bei einer SHG mit bekommen habe, vermute ich, dass es nicht wenige sind.

Nur: Ordne ich mich dem Trans-Weg unter, erhalte ich Unterstützung, Hilfe und Begleitung. Oute ich mich aber als nicht-binär, darf ich mit meiner Geschlechter-Rollen-Dysphorie alleine zurecht kommen. Vielleicht werde ich sogar noch als Hobby-Transvestit oder sexuell motiviert ausgegrenzt. Und nur das Symptom Depression mit Medikamenten behandeln? NEIN DANKE!!!

Liebe Grüße
Nicole
Kathi87
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 252
Registriert: Fr 13. Dez 2019, 06:43
Geschlecht: weiblich
Pronomen: sie
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 21 im Thema

Beitrag von Kathi87 »

Liebe Ketzerin,

ich empfinde die Besuche auch nicht als Zwang, das ist das was ich in meinem Post geschrieben habe. Eine Begleitung ist nicht verkehrt und wenn ich mit bekommen wieviele wirklich anecken und das hier schreiben, dann kann das nur hilfreich sein.
Ich gehe im Schnitt alle 3-4 Monate hin und ich bestimme wie lange der Termin geht. Es gab Sitzungen, da bin ich hin gegangen und 10 Minuten später gegangen nur um die Richtlinien zu erfüllen, die wie ich schon erwähnt habe dringend abgeschafft werden sollten.
Und jetzt wo ich meine Indikationen habe, werde ich die Therapie soweit herunter fahren, das ich nur noch nach der gaop 1-2 Sitzungen haben werde, aber auch nur weil mich mein Therapeuten darum bat, da nach seiner Erfahrung dort immer wieder Gesprächsbedarf ist, erst recht wenn es Komplikationen gibt.

Liebe Grüße
Kathi
Es ist besser, für das was man ist, gehasst,
Als für das, was man nicht ist, geliebt zu werden.
Kleine Ketzerin
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 101
Registriert: Fr 10. Mär 2017, 17:35
Geschlecht: weiblich
Pronomen:
Wohnort (Name): Norddeutschland
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Kontaktdaten:

Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 22 im Thema

Beitrag von Kleine Ketzerin »

Kathi87 hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 21:49 ich empfinde die Besuche auch nicht als Zwang, das ist das was ich in meinem Post geschrieben habe. Eine Begleitung ist nicht verkehrt und wenn ich mit bekommen wieviele wirklich anecken und das hier schreiben, dann kann das nur hilfreich sein.
Liebe Kathi,

nimm mir die "ruppige" Formulierung bitte nicht übel, aber das sind zwei Denkfehler in zwei Sätzen:

1. Dass Du Deine "Begleittherapie" nicht als Zwang empfindest, bedeutet nicht, dass das für andere genau so gilt. Ich z.B. habe diese "Begleittherapie" damals als Zwang empfunden.

2. Es gibt keine Behandlung, die "nur hilfreich sein kann" und keinerlei Risiken und Nebenwirkungen birgt. Das gilt auch für Psychotherapie, wurde in dem Bereich aber viel zu lange aus purer Arroganz vernachlässigt. Eine gerade bei länger andauernden Psychotherapien nicht seltene "Nebenwirkung" ist das, was ich in einem anderen Thread als "lädierte Selbstkompetenz" bezeichnet habe. Dabei geht es in erster Linie darum, dass Menschen durch eine Psychotherapie in einen Zustand geraten können, in dem sie kaum noch Entscheidungen ohne Therapeuten treffen können. Zusätzlich ist da dann noch der Schaden, den alleine schon der Zwang anrichten kann und der häufig auch maßlos unterschätzt wird.

Und dann wären da noch all die Probleme für nicht-binäre Menschen, die Nicole angesprochen hat. Für die ist aktuell in den "Begleittherapien" einfach kein Platz, obwohl die offiziellen Diagnoseschlüssel "Geschlechtsdysphorie" und "Geschlechtsinkongruenz" Nicht-Binarität ausdrücklich mit einschließen. Nicht-binäre Menschen müssten jetzt also erstmal abwarten, bis möglichst alle Therapeuten sich entsprechend fortgebildet haben, um überhaupt eine nicht völlig an ihnen und ihren Bedürfnissen vorbeigehende "Begleittherapie" bekommen zu können. Völlig absurd...

So, und zuletzt muss ich dann ganz gemein auch noch die böse Erfahrungskarte spielen... Ich denke einfach, dass jemand, der noch "mittendrin steckt", das Thema "Begleittherapie" vielleicht auch ein bisschen "verklärter" betrachtet als jemand, der diesen Unfug schon sehr lange hinter sich hat. Ich kann Dir wirklich und aufrichtig versichern: den universellen Nutzen, den man dieser "Begleittherapie" unterstellt, hat sie nicht. Deshalb bleibe ich auch dabei: eine kurz gehaltene "Eingangsdiagnostik" muss reichen und eine "Begleittherapie" darf nicht mehr sein als ein optionales Modul der Behandlung.
Lavendellöwin
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3247
Registriert: Do 6. Sep 2018, 15:56
Geschlecht: weiblich
Pronomen:
Hat sich bedankt: 526 Mal
Danksagung erhalten: 874 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 23 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Kleine Ketzerin hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 22:58 Dabei geht es in erster Linie darum, dass Menschen durch eine Psychotherapie in einen Zustand geraten können, in dem sie kaum noch Entscheidungen ohne Therapeuten treffen können. Zusätzlich ist da dann noch der Schaden, den alleine schon der Zwang anrichten kann und der häufig auch maßlos unterschätzt wird.
Kleine Ketzerin hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 22:58 So, und zuletzt muss ich dann ganz gemein auch noch die böse Erfahrungskarte spielen... Ich denke einfach, dass jemand, der noch "mittendrin steckt", das Thema "Begleittherapie" vielleicht auch ein bisschen "verklärter" betrachtet als jemand, der diesen Unfug schon sehr lange hinter sich hat. Ich kann Dir wirklich und aufrichtig versichern: den universellen Nutzen, den man dieser "Begleittherapie" unterstellt, hat sie nicht. Deshalb bleibe ich auch dabei: eine kurz gehaltene "Eingangsdiagnostik" muss reichen und eine "Begleittherapie" darf nicht mehr sein als ein optionales Modul der Behandlung
Hmm..

da muss ich mal ein wenig dagegen halten..

ich gehe gerne zu meiner Begleittherapeutin obwohl ich es gar nicht mehr müsste,
nur um alle 2 Monate mal die aktuelle Situation zu beleuchten.
Das mache ich weil ich auch gerne nochmal eine andere, neutrale Sichtweise auf die
Dinge höre...


Da die Gespräche auf Basis meiner Freiwilligkeit sind, lege ich zuvor das Thema fest.
Und jedes Mal gehe ich dort gelöster raus als ich zur Stunde kam..

Du hast wohl tatsächlich Zwang erlebt, das finde ich schade-aber vielleicht haben sich
die Zeiten doch ein wenig geändert...

und das Beste kommt noch, ich zahl die Stunde sogar selbst und es ist mir die 100 Euro
vollkommen wert...

Alles Liebe Marie (flo)
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
Inga
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3851
Registriert: Mo 19. Jul 2010, 00:32
Pronomen:
Hat sich bedankt: 118 Mal
Danksagung erhalten: 207 Mal
Kontaktdaten:

Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 24 im Thema

Beitrag von Inga »

Hallo, miteinander,

das ist ein spannender Thread geworden. Die Frage ist, wie ich als Patient selbstbestimmt entscheiden kann, ich benötige diese oder jene medizinsche Leistung, damit mein Körper sich meiner gefühlten geschlechtlichen Idendität gemäß ausreichend angepasst ist.

Ich glaube, dass dies eine sehr subjektive Entscheidung ist. Nicht jede Trans*Person will das volle Programm an GaOps und Hormonbehandlungen, sondern will selber entscheiden, was für sich indibniduell überhaupt notwendig ist. Qualifizierte Beratung auf freiwilliger Basis kann da sicher nichts schaden - und das sollte m. E. die Rolle der Ärzte sein: auf Wunsch des Patienten für einzelne Maßnahmen qualifiziert zu beraten und ggbfs. qualifiziert durchzuführen bzw. begleiten.

Eine wichtige Voraussetzung zum seelischen Wohlbefinden ist überhaupt die Selbstfindung. Den Prozess zur Selbstfindung sollte m. E. bei Bedarf auch qualifiziert begleitet werden können durch Psychologen, Psychiater oder ähnliches. Doch sollte es ein Angebot sein an die Trans*Person und nicht ein Zwang, wie es zur Zeit durch die Gutachtenpflicht nun besteht. D. h. es muss auch ohne Psychologen gehen können.

Ich glaube, dass der Druck auf Trans*Menschen zum Ausnutzen des vollen Behandlungsprogramms vor allem dadurch entsteht, dass die die "Zwischenformen" noch immer zu wenig gesellschaftlich anerkannt sind. Und das drückt sich meines Erachtens immer noch darin aus, dass die Regelungen im Personenstandänderungsgesetz für einen anderen Eintrag fürs Geschlecht einfach immer noch zu eng sind. Mehr Freizügigkeit etwa in der Wahl des Eintrags "divers" ohne gleich an umfangreiche körperliche Unregelmäßigkeiten von Mutter Natur zu denken, täte ganz gut. Hat bei der Trans*-Person der Prozess der Selbstfindung stattgefunden, und wie auch immer der Prozess war, sollte es von den Behörden bzw. dem Gesetzgeber auch als ausreichend gesehen werden. Damit einher muss m. E. auch die gesellschaftliche Anerkennung und mehr natürliche Akzeptanz auch vom Zustand des nicht-binüären ,"irgendwo zwischen den Extremen" voranschreiten.

Zurück zur medizinischen Seite. Ich habe überhaupt keine Ahnung, wieviel die Krankenkassen insgesamt für alle Trans*Maßnahmen ausgeben und wieviel das pro Trans*Mensch ist. Ich habe keine Ahnung wieviel Menschen soweit davon betroffen sind, dass sie medizinsiche Maßnahmen in Anspruch nehmen und wieviel das von der Gesamtheit kostet. Ja, mich interessiert der Kostenrahmen für die Gesellschaft. Um welche Summen, die im Jahr für die Kassen anfallen mögen, sprechen wir denn hier überhaupt? Und wieviel ist das im Verhältnis zu anderen Bereichen? Und selbst wenn für Trans*Maßnahmen das doppelte auszugeben ist, ist das im Verhältnis zu den Geamtausgaben der Kassen wirklich so viel in derem Haushalt? Frage an die Politprofis hier: Über welche Dimensionen des Finanzbedarfs reden wir denn überhaupt? Ich vermute, dass wir hier letztendlich über ein "Nischenprodukte des Gesundheitsmarktes" reden.

Ich kann mir schon vorstellen, dass man Trans*Maßnahmen etwa von einem Kostenanteil abhängig machen kann, ähnlich etwa beim Zahnersatz (Verzeiht mir den Vergleich) Vernünftiger Zahnersatz wird der Person, die es benötigt, ja auch weitgehend vom Solidaritätssystem bezahlt. Aber der Eigenanteil je nach persönlicher finanzieller Leistungsfähigkeit, ist schon groß genug, dass sich nicht jede zweite Person begeistert die Zähne ziehen lässt, um teure Goldzähne gesetzt zu bekommen. Wer aber sehr schlechte Zähne hat, bekommt (wenn er will) schon durch den Profi einen stabilen ordentlichen gut aussehenden Zahnersatz, und zwar weitgehend auf Kosten der Allgemeinheit.

Ich halte Trans*Menschen an sich für Menschen, die mit ihrem eigenen Körper verantwortungsvoll umgehen. Und das sollte m. E. vom Gesetzgeber und vom Gesundheitssystem auch wertgeschätzt werden.

Soweit meine Gedanken zumThema

Liebe Grüße
Inga
Kleine Ketzerin
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 101
Registriert: Fr 10. Mär 2017, 17:35
Geschlecht: weiblich
Pronomen:
Wohnort (Name): Norddeutschland
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Kontaktdaten:

Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 25 im Thema

Beitrag von Kleine Ketzerin »

!EmmiMarie! hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 23:27 Hmm..

da muss ich mal ein wenig dagegen halten..
Das brauchst Du aber eigentlich gar nicht, denn ich will die "Begleittherapie" doch gar nicht verbieten... Ich will nur, dass sie nicht mehr verpflichtend für alle ist. Jeder, der so eine Therapie freiwillig machen möchte, soll sie doch auch weiterhin machen können. Und die, die das nicht wollen, machen eben keine. Aber sie können natürlich, sofern sich Probleme ergeben, auch jederzeit eine solche Therapie nachträglich beginnen. Ich finde, diese Art von Wahlfreiheit sollte man mündigen Patienten schon zugestehen. Tut man das nicht, dann stuft man trans Menschen de facto zu unmündigen Patienten herab, was sich meiner Ansicht nach heutzutage weder ethisch noch rechtlich rechtfertigen lässt.
!EmmiMarie! hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 23:27 Du hast wohl tatsächlich Zwang erlebt, das finde ich schade-aber vielleicht haben sich
die Zeiten doch ein wenig geändert...
Ich denke nicht, dass die "Zeiten" hier eine große Rolle spielen. Menschen haben eben unterschiedliche Persönlichkeiten. Ich lege sehr viel Wert auf Freiheit und Autonomie, verachte Hierarchien, die nur um ihrer selbst Willen existieren, empfinde Abhängigkeitssituationen als extrem belastend und trage die Verantwortung für mich am liebsten selbst. Selbst wenn sich die Zeiten also tatsächlich geändert haben sollten, würde ich dennoch jede angebotene Psychotherapie dankend ablehnen, weil einfach das "Setting" einer solchen Art von Behandlung nicht zu meiner Persönlichkeit passt. Deshalb empfinde ich es grundsätzlich als übergriffig und respektlos, Menschen, die eigentlich etwas anderes wollen - eben eine körperliche Behandlung - in ein solches "Setting" zu zwingen.
ExuserIn-2020-10-20
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 361
Registriert: Di 3. Dez 2019, 06:51
Geschlecht: mzf
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Nähe Lübeck
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 26 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-10-20 »

Die Zeiten haben sich noch nicht geändert, aber das Pendel beginnt sich wieder in die andere Richtung zu bewegen.

Die Feder ist gespannt, die Unruh (e) gibt den Weg frei.

Petra Sofie
Inga
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3851
Registriert: Mo 19. Jul 2010, 00:32
Pronomen:
Hat sich bedankt: 118 Mal
Danksagung erhalten: 207 Mal
Kontaktdaten:

Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 27 im Thema

Beitrag von Inga »

Guten Morgen,

ich finde, wir sollten dies ganze Thema konsequent aus der Sicht des mündigen Patienten angehen. Dazu gehört auch freiwillige Entscheidung und die Freiheit einer kritischen Sicht auf "professionelle Begleiter".

Die Sicht des für sich veraantwortlichen, mündigen Patienten ist auch erforderlich, damit nicht die eigenen Bedürfnisse und Einstellungen in irgendwelche Schunbladen und rollen gepresst werden. Nicole hat es in ihrem Beitrag mir ziemlich deutlich gemacht.

Von Professionellen Menschen erwarte ich, dass sie die Mündigkeit des Patienten wollen und unterstützen.

Wir Trans*Menschen sind doch keine durchgeknallten Menschen, die die Kontrolle über sich verloren haben und darum wieder auf den rchten Weg gebracht werden müssen.

Liebe Grüße
Inga
Nicole Fritz
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3017
Registriert: Mo 20. Mär 2017, 17:38
Geschlecht: Enby
Pronomen:
Forum-Galerie: gallery/album/567
Hat sich bedankt: 158 Mal
Danksagung erhalten: 253 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 28 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Inga hat geschrieben: Sa 4. Jan 2020, 11:11 Von Professionellen Menschen erwarte ich, dass sie die Mündigkeit des Patienten wollen und unterstützen.
Ich definitiv nicht!

Ich denke nur an das, was ich in meiner langjährigen Tätigkeit als Bauingenieur erlebt habe. Was da professionell abgeliefert wurde, war oft mehr als nur eine Zumutung. Wer möchte, kann sich per PN bei mir melden. Dann teile ich ihm*ihr mit, wo er*sie sich "den schiefen Turm von Duisburg" * anschauen kann, ein Bauwerk für das ich mich immer noch schämen muss.

* dieser "Turm" steht sicher auf seinem Fundament und erfüllt seinen Zweck. Also wäre es sinnlos gewesen sich wegen dieses Baumangels durch die gerichtlichen Instanzen zu klagen. - Ein Schandmal ist er trotzdem.

LG Nicole
Marlene K.
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 2149
Registriert: Fr 10. Aug 2018, 17:54
Geschlecht: größtenteils weiblic
Pronomen: sie, ohne Überempfin
Wohnort (Name): Berlin
Hat sich bedankt: 223 Mal
Danksagung erhalten: 66 Mal
Kontaktdaten:

Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 29 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Petra Sofie hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 19:58 Ein Leidensdruck ist nicht vorhanden, er entsteht erst durch die Mißachtung meiner Person durch Gesellschaft.

Wäre eine Akzeptanz meiner Wesensart in der Gesellschaft vorhanden, stünde nur die Frage an, ob die entsprechenden medizinischen Möglichkeiten bei mir zur Anwendung kommen können.

Petra Sofie
Liebe Petra Sofie,
das ist für viele von uns die Frage nach Ei und Huhn...

Würde meine Lebensart von der Gesellschaft als gleichwertig betrachtet, wäre dann noch der Druck da, meinem Körper einem vermittelten Bild durch Operationen anpassen zu lassen?
Wo der Leidensdruck herkommt, ob aus mir heraus oder durch die Gesellschaft vermittelt ist für mich bei meiner Transidentität so wie bei meiner Depression für mich unerheblich. Ich bin nicht krank aber ich leide, also brauche ich Hilfe.

Was Du aufwirfst ist ja genau die Frage ob GaOps noch nötig wären, wenn Transidentitäten anerkannt würden...

Nachdenklich und solidarisch

Marlene
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
Marlene K.
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 2149
Registriert: Fr 10. Aug 2018, 17:54
Geschlecht: größtenteils weiblic
Pronomen: sie, ohne Überempfin
Wohnort (Name): Berlin
Hat sich bedankt: 223 Mal
Danksagung erhalten: 66 Mal
Kontaktdaten:

Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 30 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Inga hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 23:35 Ich kann mir schon vorstellen, dass man Trans*Maßnahmen etwa von einem Kostenanteil abhängig machen kann, ähnlich etwa beim Zahnersatz (Verzeiht mir den Vergleich) Vernünftiger Zahnersatz wird der Person, die es benötigt, ja auch weitgehend vom Solidaritätssystem bezahlt. Aber der Eigenanteil je nach persönlicher finanzieller Leistungsfähigkeit, ist schon groß genug, dass sich nicht jede zweite Person begeistert die Zähne ziehen lässt, um teure Goldzähne gesetzt zu bekommen. Wer aber sehr schlechte Zähne hat, bekommt (wenn er will) schon durch den Profi einen stabilen ordentlichen gut aussehenden Zahnersatz, und zwar weitgehend auf Kosten der Allgemeinheit.

Ich halte Trans*Menschen an sich für Menschen, die mit ihrem eigenen Körper verantwortungsvoll umgehen. Und das sollte m. E. vom Gesetzgeber und vom Gesundheitssystem auch wertgeschätzt werden.

Soweit meine Gedanken zumThema

Liebe Grüße
Inga
Ich stimme Deinen Ausführungen weitgehend zu, liebe Inga,
allerdings sehe ich die Frage nach den gesellschaftlich zu tragenden Kosten eher als nicht zielführend an. Weder die Gesamtkosten noch die Kosten auf den Einzelfall bezogen können bei Leiden oder Krankheit als Bezugsrahmen dienen. Ja, sie sind nicht ohne Einfluss, so sehr wir dies auch versuchen. Aber sie dürfen nicht Grundlage einer grundsätzlichen Entscheidung sein.

Das mit dem Kostenanteil sehe ich besonders kritisch. Auch als Rentnerin mit einer Rente unter der Armutsgrenze hätte ich bei Zahnersatz und Brille seit der "Gesundheitsreform" im Zusammenhang mit den "Hartz IV" Gesetzen schlechte Karten ohne die private Zusatzversicherung die ich 1983 für Zahnersatz und Sehhilfe abgeschlossen habe. Keine Gleitsichbrille sondern Bifokallinsen der billigstmöglichen Variante würden mich schon im Gesicht deutlich als unter der Armutsgrenze lebend kennzeichnen. Bei Zahnersatz sieht es durchaus ähnlich aus.

So habe ich auch in der Transgemeinschaft schon die Empfehlung bekommen zu bestimmten Ärzten in Privatkliniken zu gehen. Auf meinen Hinweis, dass ich mir das selbst wenn gewünscht nicht leisten könne kam der abbügelnde Bescheid, dass ich für eine gute körperliche Anpassung ja wohl doch 20.000€ zusammensparen könne, sonst sei es in dieser Gesellschaft halt so, dass ich das nehmen müsse was kommt und noch dankbar sein müsse.

Diese Haltung ist für mich keine, die ich mir auch nur irgendwo in der Gesellschaft wünsche. Wie gesagt, ich war schlau genug mir, als die Gesetze zuerst diskutiert wurden eine Zusatzversicherung abzuschließen, die, da ich jung war bei Abschluss auch jetzt noch bezahlen kann. Aber ich finde auch ohne eigene Betroffenheit dass es die selbstverständliche Aufgabe der Gesellschaft ist dafür zu sorgen, dass die Armut zum Beospiel von Brillentragenden nicht schon auf den ersten Blick anhand der Gläser im Kassengestell abzulesen ist.

Liebe Grüße

Marlene
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
Antworten

Zurück zu „Crossdresser Transgender DWT Portal“