Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person
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Marlene K.
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Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 1 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

In dem Thread zum Thema "TERF" ergab sich eine Diskussion zum Thema Transition und Wege zur Transition, Eigenverantwortung und gesellschaftliche Verantwortung.
Mehrfach haben Teilnehmende gesagt, dass dies ja eigentlich ein ganz eigenes Thema sei. Ich erlaube mir jetzt eine Antwort zum Aufhänger für ein neues Thema zu machen:
Kleine Ketzerin hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 13:29 Um das einfach nochmal deutlich zu machen: Mir ging es hier nie um das Gesundheitssystem, die Krankenkassen oder die Übernahme der Behandlungskosten. Das war und ist hier nicht mein Thema. Mein Thema hier ist die persönliche Entscheidung des Individuums für oder gegen "Transitionsmaßnahmen". Und diesbezüglich wollte ich lediglich darauf hinweisen, dass "Expertenmeinungen", wie sie ... hier zu den Themen Missbrauch und internalisierte Homophobie und deren Bezug zum Thema "Trans" referiert hat, im Rahmen des wieder aufflammenden "Glaubenskriegs" rund um das Thema "Trans" extrem widersprüchlich und deshalb keine gute Basis für Entscheidungen sind. Daher mein ursprünglicher "Rat", selbstbestimmt auf Basis frei verfügbarer Informationen eine eigenverantwortliche Entscheidung für sich und sein Leben treffen... Das hat mit Solidargemeinschaft oder Kassenleistung (noch) gar nichts zu tun, sondern nur(!) mit der Ebene der individuellen Entscheidung(en) betroffener Personen. Und ich finde es ehrlich gesagt erschreckend, dass diese Ebene kaum diskutiert werden kann, ohne gleich in eine hysterische Krankenkassen-Kostenübernahme-Diskussionen zu verfallen. Offen gestanden: Mich schockiert dieser Diskussionsverlauf. Aber er erhärtet auch meinen Verdacht, dass dieses ganze "Kostenübernahmegedöns" mitsamt dem darauf ausgerichteten "System Trans" die deutsche Trans-Community auf perfide Weise blockiert und dadurch auch wichtige Diskussionen erstickt. Wie man das nun konkret ändern könnte, gehört dann aber wirklich in einen anderen Thread.
Ich habe den Namen der anderen Zitzierten (...) bewusst gelöscht, da er nichts zur hier verhandelten Sache tut.

Ich finde beide Fragen, die Du, kleine Ketzerin, hier benennst, jede für sich diskutierenswürdig.

Also könnten wir hier auf der einen Seite die persönliche Verantwortung und Freiheit wertschätzend besprechen.

Auf der anderen Seite fände ich es durchaus wichtig auch zu verhandeln was wir von der Gesellschaft und vom Gesundheitssystem wollen und was nicht.
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
Marlene K.
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Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 2 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Marielle hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 11:48 Hallo zusammen,
Kleine Ketzerin hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 02:43Das ist mir auf argumentativer Ebene dann doch ein klein wenig zu durchgeknallt.
So oder ähnlich endet es an dieser Stelle meistens.

... hat aber nur die Position in die Diskussion eingebracht, der man gegenübersteht, wenn man z.B mit Politiker_innen über dieses Thema spricht. Da hilft es dann nicht weiter, wenn man sich in kleinkindlicher Manier auf den Boden wirft und sagt " Bäääh, ich will das aber!"


Es fehlt nach wie vor an einer schlüssigen Argumentation, wie ein selbstbestimmter Zugang zu medizinischen Massnahmen, die ohne weitere Entscheidungsinstanz aus einem Sozialsystem bezahlt werden sollen, praktisch gestaltet werden könnte. Diese Argumentation müssten diejenigen langsam mal bringen, die sowas fordern, statt immer nur beleidigt zu tun.

Dabei sind mindestens folgende Fragen zu klären:

- Wie grenzt man die geforderten Leistung von sogen. Schönheitsoperationen ab, die konsensual eben nicht aus 'der Kasse' gezahlt werden? Und zwar unter Beachtung der Entscheidungen des BVerfG zum TSG.

- Wie regelt man den Entscheidungsprozess in Fällen, in denen die ausführenden Mediziner_innen ein Problem oder gar einen Ausschluss im Verhältnis zwischen der körperlichen Konstitution der Person und der von ihr gewünschten Massnahme sehen?

- Wie begründet man den Anspruch auf solche Leistungen ganz allgemein, also tatsächlich in Abgrenzung zu anderen Forderungen an Sozialsysteme, wie z.B. die vollständige Übernahme von Pflegekosten / Unterbringungskosten im Alter, die Entfernung von Tätowierungen oder die 'Reparatur' missglückter Piercingaktionen? (Um hier nicht das Auto und die Villa zu bringen, obwohl diese Beispiele zwar überspitzt, aber trotzdem grundsätzlich richtig sind)

Neben vielen anderen sind dabei folgende Entscheidungen des BSG zu berücksichtigen, die die Funktionsweise der solidarisch finanzierten Krankenkasse betreffen:

Bundessozialgericht B 1 KR 37/18 R 27.08.2019
Bundessozialgericht B 1 KR 35/15 R 08.03.2016
Bundessozialgericht B 1 KR 69/12 R 04.03.2014

Tenor der Entscheidungen: Die KK ist kein Selbstbedienungsladen und Leistungen der KK brauchen eine Indikation bzw. Begründung. Leistungspflichten ergeben sich nicht aus den Wünschen der Versicherten.


Freue mich über durchdachte Vorschläge und wünsche ein gutes neues Jahr

Marielle
Ich füge hier im Nachgang noch die Gedanken zu, die Marielle vor der Antwort von Dir, kleine Ketzerin, geäußert hat.

Hier antworte ich Dir, liebe Marielle, mit meiner Sicht der Dinge.
Ja, Kassenleistungen müssen eine von der Gesellschaft festzulegende Grundlage haben. Kein denkender Mensch kann eine GaOp einfach nur auf Wunsch des betreffenden Menschen fordern. Erhellend könnte ein Blick auf die von Dir hier angeführten kosmetischen Operationen sein.
Du sagst Schönheitsoperationen würden auch nicht bezahlt. Diese Aussage muss genauer gefasst werden. Treffender ist der Begriff kosmetische Operationen. Unbestritten werden Operationen an "Hasenscharten"/Lippen-Kiefer-Gaumenspalte oder der Aufbau einer neuen Brust nach einer Amputation nach Krebs heute selbstverständlich bezahlt, wenn die Patientin dies wünscht. https://www.aerzteblatt.de/archiv/20951 ... anerkennen
Für mich heißt das, dass in einem neurologisch-psychiatrischen Verfahren bei einem Transitionswunsch der aktuelle Leidensdruck des Menschen festgestellt werden muss. Es kann also nicht darum gehen festzustellen, wer Transident, Transsexuell oder wie immer Ihr die Bezeichnung wählt ist. Das muss jede*r für sich selber feststellen und ist von außen nicht zu überprüfen.
Es erscheint mir aber sinnvoll bei einem solchen massiven und in Teilen auch endgültigen Verfahren andere Belastungen vorher möglichst auszuschließen, sonstige Leiden auf ihre Wechselwirkung mit der Feststellung der eigenen Identität zu hinterfragen. Letztendlich muss aber jeder für sich selber verantwortlich bleiben.

Meine Schlussfolgerung hieraus ist, dass wir kein Sonderrecht für transidente Menschen oder intersexuelle Menschen brauchen. Transidentität unmd Intersexualität sind keine behandlungswürdigen Erkrankungen. Das Leiden, dass aus den bestehenden Fakten erwächst ist wie andere Leidensdrücke im seelischen/psychischen Bereich auch sehr wohl eine Begründung für die Verantwortung und Solidarität der Gesellschaft in Form von Leistungen der Krankenkassen.

Ich bin gespannt auf offene, wertschätzende Auseinandersetzungen.
Marlene

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Jasmine
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Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 3 im Thema

Beitrag von Jasmine »

Hm, dann fange ich mal an. Satire ein: Bei meiner Fertigung wurde von der Natur nicht gewissenhaft gearbeitet. Satire aus. Ich bin eine Frau und erwarte mir von der Gesellschaft die notwendige Toleranz und Akzeptanz wie jeder andere Mensch sie auch genießt. Von der Politik erwarte ich mir die notwendigen Rahmenbedingungen, die mir ein gleichberechtigtes Dasein ermöglicht wie jedem anderen Menschen auch. Der ganze Krampf des TSG Gesetzes ist meiner Meinung nach überflüssig und nicht verfassungskonform. Das Gesundheitssystem sollte das tun, was seiner Kernkompetenz entspricht. Nun noch zur persönlichen Verantwortung: Ich weiß das ich eine Frau bin und gehe verantwortungsvoll meinen Weg. Der Gesetzgeber sollte mir zugestehen eigenverantwortlich meinen Weg zu gehen, statt mir so viele Steine in den Weg zu legen. Erst seit meiner Offenbarung gegenüber meiner Partnerin lebe ich die Freiheit, die mir eigentlich bereits von Geburt an zugestanden hätte. Um ganz frei zu sein fehlen noch ein paar Schritte.
Ralf-Marlene hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 14:31 .....Meine Schlussfolgerung hieraus ist, dass wir kein Sonderrecht für transidente Menschen oder intersexuelle Menschen brauchen. Transidentität unmd Intersexualität sind keine behandlungswürdigen Erkrankungen. Das Leiden, dass aus den bestehenden Fakten erwächst ist wie andere Leidensdrücke im seelischen/psychischen Bereich auch sehr wohl eine Begründung für die Verantwortung und Solidarität der Gesellschaft in Form von Leistungen der Krankenkassen.

Ich bin gespannt auf offene, wertschätzende Auseinandersetzungen.
Die Schlussfolgerung finde ich gut.
Ich hoffe ich habe das Thema richtig verstanden.
Lavendellöwin
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Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 4 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Ralf-Marlene hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 14:31 Meine Schlussfolgerung hieraus ist, dass wir kein Sonderrecht für transidente Menschen oder intersexuelle Menschen brauchen. Transidentität und Intersexualität sind keine behandlungswürdigen Erkrankungen. Das Leiden, dass aus den bestehenden Fakten erwächst ist wie andere Leidensdrücke im seelischen/psychischen Bereich auch sehr wohl eine Begründung für die Verantwortung und Solidarität der Gesellschaft in Form von Leistungen der Krankenkassen.
Hmmm...

Sonderrecht?

Da fliesst gerade etwas zäh durch meine Gehirnwindungen..

könnte man einen Unterschied darin suchen, das Schönheits-OPs und OPs oder Behandlungen die
eine körperliche "Entstellung" für die Person beheben etwas anderes sind?
Und wann setzt eine "Entstellung" ein?

Muss eine Frau darunter psychisch leiden wenn sie einen Bart hat und dann erfolgt eine Bewilligung für die Entfernung,
oder wäre es nicht ok zu sagen im allgemeinen haben Frauen keinen Bart, daher kann er auf Kosten und zum
Wohle aller damit sie nicht was "Ungewöhnliches" anschauen müssen entfernt werden?

Ich bring das nun natürlich als Beispiel weil das ein Thema ist wo sich die Kassen gerne sträuben und
von deren Seite erst einmal eine psychische Belastung bis hin zur Depressionen riskiert wird, die wieder eine
andere Behandlung nach sich zieht..denn selbst mit einer extra Indikation dazu hatte ich 3 Monate Kampf
und Krampf und hab zum Schluss gesagt nee zahl ichs halt selber...das können aber nicht alle!

Jetzt zahl ich wieder die Epi wie ichs möchte und die Kasse eine Psychotherapie wegen extremer Belastungssituation-macht total Sinn!

Das Thema ist extrem komplex und ob eine wertschätzende Diskussion entstehen kann? Vielleicht..ich hoffe mal..

alles Liebe Marie (flo)

PS...ich darf zum Lasern und zur Elektroepi sofern es ein Arzt ausführt-aber meine Kosmetikern mit 40 Jahren
Erfahrung in der Elektroepi wurde aufgrund des Arztvorbehaltes vehement abgelehnt.
PPS...meine Kosmetikern hat Erfahrung mit Transfrauen und ist sehr einfühlsam..als ich bei einem Arzt war,
bekam ich zu hören, solche Personen wie sie behandle ich hier nicht! Ernsthaft? Muss das sein?
Zuletzt geändert von Lavendellöwin am Fr 3. Jan 2020, 15:26, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 5 im Thema

Beitrag von Kathi87 »

Hallo ihr Lieben,

ich weiß ich bin wahrscheinlich die letzte die sich äußern sollte, da mein Weg anders verläuft.

Aber ich empfinde eine gewisse Begutachtungspflicht bzw. Begleitung als sehr sinnvoll und nicht als fremdbestimmend.
Die 2 Gutachten von weiteren Psychologen für die vä/pä gehört definitv abgeschafft, da im Grunde der schon begleitende Psychologe das am besten beurteilen kann.

Der eine muss aber bleiben, ich weiß viele empfinden diesen als unnütz, es muss aber geschaut werden ob es sich wirklich um Trans handelt und nicht um irgendwelche anderen Probleme, denn dann wäre der Weg zum Scheitern verurteilt.

Auch gerade am Anfang ist der Weg echt hart und benötigt viel Überwindung, da kann eine Begleitung nur helfen.

Und warum sollte eine Krankenkasse was zahlen wenn es keine Indikation gibt. Ganz einfaches Beispiel, bin ich Krank, gehe ich zum Arzt, der schaut auch ob ich behandlungsbedürftig Krank bin und gibt mir ein Rezept für Antibiotika. Warum sollte es bei der HRT oder erstrecht bei Ops anders sein? Über das eine wird sich nur nie beschwert, bei dem anderen ist es Fremdbestimmung.

Es ist an der Zeit die zeitlich orientierten Abläufe abzuschaffen , ein Mensch passt nicht in eine Richtlinie, begleitende Ärzte in Absprache mit dem Patienten, sollten entscheiden können wann welche Maßnahmen beginnen bzw durch geführt werden sollten. Genauso das Lasern sollte nach einer Begutachtung beim Dermatologen einfach mit der Indikation Hirsutismus( übermäßiger Haarwachstum, gilt als Leiden bei Frauen und ist eine Indikation für die Massnahme)

Liebe Grüße
Kathi
Zuletzt geändert von Kathi87 am Fr 3. Jan 2020, 16:29, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 6 im Thema

Beitrag von Jasmine »

!EmmiMarie! hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 15:11 ...................als ich bei einem Arzt war,
bekam ich zu hören, solche Personen wie sie behandle ich hier nicht! Ernsthaft? Muss das sein?
Ich hatte einen ähnlichen Fall und habe mich bei der Ärztekammer schriftlich mit Erfolg beschwert.
Liebe Grüße Jasmine
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Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 7 im Thema

Beitrag von Kathi87 »

Liebe Jasmine,

da hast du recht, es war auch so gemeint, leider habe ich den entscheidenden Absatz nicht eingefügt, habe ich aber nachgetragen.

Liebe Grüße
Kathi
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Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 8 im Thema

Beitrag von Jasmine »

Kathi87 hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 16:23 Liebe Jasmine,

da hast du recht, es war auch so gemeint, leider habe ich den entscheidenden Absatz nicht eingefügt, habe ich aber nachgetragen.

Liebe Grüße
Kathi
Das habe ich mir schon gedacht, daher hatte ich den betreffenden Abschnitt wieder entfernt.
Liebe Grüße Jasmine
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Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 9 im Thema

Beitrag von Kleine Ketzerin »

Ok, da das Thema jetzt seinen eigenen Thread hat und sich eine deutliche Diskussionsrichtung abzeichnet, will ich auch mal meinen "Senf" beisteuern. Zunächst ein paar Dinge, die mir Bauchschmerzen bereiten:

1. Diagnostik

Es wird immer wieder gesagt und geschrieben, dass man "Trans" nicht diagnostizieren kann. Ich halte diese Aussage zwar für grundsätzlich richtig, aber gleichzeitig auch für sehr problematisch, denn in ihr vermischen sich ganz unterschiedliche Aspekte wie individuelle Selbstbestimmung und Glaubwürdigkeit der "Patienten" zu einem das Problem mystifizierenden Brei, der pragmatische Lösungen schwieriger erscheinen lässt, als sie eigentlich sind. Fakt ist: Für die aktuellen Diagnosen "Geschlechtsdysphorie" und "Geschlechtsinkongruenz" gibt es - wie für viele andere behandlungsbedürftige Zustände auch - diagnostische Checklisten in den jeweiligen Manualen DSM und ICD. Damit sind "Geschlechtsdysphorie" und "Geschlechtsinkongruenz" genau so diagnostizierbar wie z.B. Depressionen, Angststörungen oder chronische Schmerzerkrankungen ohne somatische Ursache - alles behandlungsbedürftige Zustände, bei denen Ärzte sich auf die Selbstauskünfte der Patienten verlassen müssen.

2. Glaubwürdigkeitsproblem

Dem unter 1. bereits angedeuteten Glaubwürdigkeitsproblem möchte ich gerne noch ein paar Worte extra widmen. Meiner Ansicht nach liegt in diesem Punkt der Hauptgrund, warum z.B. eine Depression problemlos auf Basis einer "Checkliste" von Ärzten diagnostiziert wird, "Trans" hingegen aber nicht. Trans Menschen wird einfach weniger geglaubt als anderen Patienten, weil jahrzehntelang ein Bild von trans Menschen dominierte, das sie als "zwanghaft dem anderen Geschlecht angehören wollende Gestörte, die auf Operationen und Hormone versessen und deshalb vor sich selbst zu schützen sind" beschrieb. Dieses Bild und die aus ihm resultierende Unglaubwürdigkeit ist maßgeblich für die in Deutschland praktizierte "Überbehütung" verantwortlich und muss unbedingt überwunden werden.

3. Leidensdruck

Ich persönlich halte es für hochproblematisch, bei der Behandlung von "Trans" ausschließlich auf einen Leidensdruck abzustellen. Zum einen verhindert dieser Ansatz jede Form von Prävention, zum anderen ist es ethisch höchst bedenklich, dass das Kind erst so tief wie möglich in den Brunnen gefallen sein muss, bevor eine Behandlung stattfinden kann. Darüber hinaus ist Leidensdruck auch nicht wirklich diagnostizierbar, da auch hier wieder nur Selbstauskünfte der Patienten zu Verfügung stehen. Und - last but not least - ist die Frage, ab wann ein Leidensdruck "klinisch relevant", also behandlungsbedürftig ist, ein hochgradig subjektives Feld, das Willkür Tür und Tor öffnen kann.

Aus diesen drei "Bauchschmerzpunkten" will ich jetzt mal versuchen, grob einen "Behandlungskompromiss" zu basteln, der die "Befindlichkeiten" des deutschen Gesundheitssystems hoffentlich ausreichend berücksichtigt:

1. Eine (kurze) "Eingangsdiagnostik" nach den "Checklisten" des ICD und/oder DSM durch einen entsprechend kompetenten Arzt, die sich in Form, Umfang und Invasivität an anderen auf den Selbstauskünften von Patient*Innen basierenden Diagnosen wie z.B. Depressionen, Angststörungen oder Schmerzerkrankungen orientiert. Eine solche Diagnostik wäre in wenigen Sitzungen möglich, würde die weitere Behandlung "legitimieren" und könnte natürlich auch Empfehlungen für ein weiteres Vorgehen enthalten, z.B. bei "schwierigen Fällen" eine "therapeutische Begleitung".

2. Die konkrete "Indikation" für medizinische Eingriffe auf Basis der unter 1. erstellten Diagnose obliegt dann dem jeweils behandelnden Facharzt, d.h. der Endokrinologe "indiziert" dann die Hormonbehandlung, der Hautarzt die Epilation, der plastische Chirurg die OP etc.. Die Behandlung selbst findet dann auf Basis des "informed consent" statt, bedarf also keiner expliziten "Leidensdruckbescheinigung" eines Psychiaters oder Psychotherapeuten.

3. "Therapeutische Begleitung" kann auf Wunsch stattfinden, muss aber nicht. Die "Indikation" läuft wie unter 2. durch den individuell zuständigen Therapeuten.

Das wäre so meine Vorstellung, wie ein brauch- und vielleicht auch durchsetzbarer Kompromiss zwischen Selbstbestimmung auf der einen und den Anforderungen des deutschen Gesundheitssystems auf der anderen Seite aussehen könnte.
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Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 10 im Thema

Beitrag von Kathi87 »

Liebe kleine Ketzerin,

ich kann deine Argumentation komplett nachvollziehen und nach dem ich mir deine Punkte so durchgelesen habe, muss ich sagen, mit meinem Psychologen und meinen Ärzten läuft es genauso.
Der Verlauf meiner Begleitung ist komplett an meine Wünsche und Bedürfnisse orientiert, mein Endo hat zwar auf eine Bestätigung vom Psychologen gewartet, aber es bedarf auch Zeit eine sichere Diagnose zu stellen.
3 Monate Begleitung und die HRT hat begonnen.

Ich habe quasi die Eingangsdiagnostik bekommen und seit dem bauen die Sitzung auf meine Bedürfnisse auf.

Es ist also schon möglich, aber wahrscheinlich brauchen wir jüngere behandelnde Ärzte.

Eines der ersten Sätze meines Psychologen war:" Ich kann nicht in ihren Kopf schauen, wenn sie sagen sie sind eine Frau, dann hege ich keinen Zweifel dran und werde Sie unterstützen wie sie es brauchen, dennoch werde ich versuchen ihnen Alternativen aufzuzeigen, in Form von zB. selbstakzeptanz und sie selber entscheiden ob sie das annehmen oder nicht."

Liebe Grüße
Kathi
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Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 11 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Kathi87 hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 17:52 und nach dem ich mir deine Punkte so durchgelesen habe, muss ich sagen, mit meinem Psychologen und meinen Ärzten läuft es genauso.
Der Verlauf meiner Begleitung ist komplett an meine Wünsche und Bedürfnisse orientiert, mein Endo hat zwar auf eine Bestätigung vom Psychologen gewartet, aber es bedarf auch Zeit eine sichere Diagnose zu stellen.
3 Monate Begleitung und die HRT hat begonnen.

Ich habe quasi die Eingangsdiagnostik bekommen und seit dem bauen die Sitzung auf meine Bedürfnisse auf.

Es ist also schon möglich, aber wahrscheinlich brauchen wir jüngere behandelnde Ärzte.

Eines der ersten Sätze meines Psychologen war:" Ich kann nicht in ihren Kopf schauen, wenn sie sagen sie sind eine Frau, dann hege ich keinen Zweifel dran und werde Sie unterstützen wie sie es brauchen, dennoch werde ich versuchen ihnen Alternativen aufzuzeigen, in Form von zB. selbstakzeptanz und sie selber entscheiden ob sie das annehmen oder nicht."

mhm..

das kann ich fast genauso bestätigen...

mein Startpunkt war etwas anders-ich habe schon vor der Indikation meiner Begleittherapeutin Hormone
über eine Fachärztin für Psychosomatik und auch Psychologin bekommen.
Für meinen jetzigen Endo brauchte ich allerdings 2 Indikationsschreiben.

Wenn ich bei meinem Endo bin, sprechen wir ausführlich über mein Befinden, was sich in der Zwischenzeit
entwickelt hat und was zu verbessern ist. Das kann bis zu einer Stunde dauern..
er hat mich auch schon abends angerufen um mir die neuen Werte mitzuteilen, weil er weiss das ich neugierig
bin (ki)

bei der Phoniatrie hatte ich einen Termin, die weiteren Verordnungen auf Zuruf und in der Logopädie
selbst orientiert sich meine Logopädin auch stark an mir und will nicht irgendwelche Übungen durchboxen
die mir nicht liegen...
Untersuchungen und Beratung in der Urologie hier in der Uniklinik auch super..weswegen ich über die GaOP
in Freiburg nachdenke auch wenn hier nicht so viele OPs gemacht werden.

also bis auf den Nerv mit der Kasse wegen der Epilationskosten und dem einen doofen Hautarzt kann ich auch
keine Beschwerdepunkte bei den Arztpersonen ausmachen mit denen ich immer zu tun habe..
auch mein Hausarzt den ich von Anfang an mit einbezogen habe und in dessen Praxis ich quasi die Erste bin
unterstützt mich wo er kann...er sagte es ist ihm eine Ehre mich auf dem Weg zu begleiten.

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Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 12 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Ralf-Marlene hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 14:00 Ich erlaube mir jetzt eine Antwort zum Aufhänger für ein neues Thema zu machen:
Danke Ralf-Marlene. Als ich heute morgen kurz hier hinein schaute, kam mir genau dieser Gedanke. Ich musste aber weg. Und jetzt bin ich wieder zurück und muss mir erst einmal einen Überblick verschaffen.

Mir geht es vor allem darum, dass Menschen, die man unter dem Sammelbegriff 'nicht-binär' zusammen fassen kann, von diesem System oft nicht ernst genommen und ausgeschlossen werden. Wenn von ihnen jemand Hilfe sucht, kann er entweder den vorgegebenen Weg Zähne knirschend mit gehen, oder wie ich dem Ganzen den Rücken kehren. Einen anderen Weg gibt es nicht, und es will auch im Kern der Community offensichtlich keiner, dass es einen solchen jemals geben wird.

Also werde ich jetzt erst einmal lesen, mich dann sortieren, und danach antworten.

Liebe Grüße
Nicole
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Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 13 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Kleine Ketzerin hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 17:35 Ok, da das Thema jetzt seinen eigenen Thread hat und sich eine deutliche Diskussionsrichtung abzeichnet, will ich auch mal meinen "Senf" beisteuern. Zunächst ein paar Dinge, die mir Bauchschmerzen bereiten:

1. Diagnostik
...
Damit sind "Geschlechtsdysphorie" und "Geschlechtsinkongruenz" genau so diagnostizierbar wie z.B. Depressionen, Angststörungen oder chronische Schmerzerkrankungen ohne somatische Ursache - alles behandlungsbedürftige Zustände, bei denen Ärzte sich auf die Selbstauskünfte der Patienten verlassen müssen.

2. Glaubwürdigkeitsproblem

Dem unter 1. bereits angedeuteten Glaubwürdigkeitsproblem möchte ich gerne noch ein paar Worte extra widmen. Meiner Ansicht nach liegt in diesem Punkt der Hauptgrund, warum z.B. eine Depression problemlos auf Basis einer "Checkliste" von Ärzten diagnostiziert wird, "Trans" hingegen aber nicht. ... Dieses Bild und die aus ihm resultierende Unglaubwürdigkeit ist maßgeblich für die in Deutschland praktizierte "Überbehütung" verantwortlich und muss unbedingt überwunden werden.

3. Leidensdruck

Ich persönlich halte es für hochproblematisch, bei der Behandlung von "Trans" ausschließlich auf einen Leidensdruck abzustellen. Zum einen verhindert dieser Ansatz jede Form von Prävention, zum anderen ist es ethisch höchst bedenklich, dass das Kind erst so tief wie möglich in den Brunnen gefallen sein muss, bevor eine Behandlung stattfinden kann. Darüber hinaus ist Leidensdruck auch nicht wirklich diagnostizierbar, da auch hier wieder nur Selbstauskünfte der Patienten zu Verfügung stehen. Und - last but not least - ist die Frage, ab wann ein Leidensdruck "klinisch relevant", also behandlungsbedürftig ist, ein hochgradig subjektives Feld, das Willkür Tür und Tor öffnen kann.

Aus diesen drei "Bauchschmerzpunkten" will ich jetzt mal versuchen, grob einen "Behandlungskompromiss" zu basteln, der die "Befindlichkeiten" des deutschen Gesundheitssystems hoffentlich ausreichend berücksichtigt:

1. Eine (kurze) "Eingangsdiagnostik" nach den "Checklisten" des ICD und/oder DSM durch einen entsprechend kompetenten Arzt, die sich in Form, Umfang und Invasivität an anderen auf den Selbstauskünften von Patient*Innen basierenden Diagnosen wie z.B. Depressionen, Angststörungen oder Schmerzerkrankungen orientiert. Eine solche Diagnostik wäre in wenigen Sitzungen möglich, würde die weitere Behandlung "legitimieren" und könnte natürlich auch Empfehlungen für ein weiteres Vorgehen enthalten, z.B. bei "schwierigen Fällen" eine "therapeutische Begleitung".

2. Die konkrete "Indikation" für medizinische Eingriffe auf Basis der unter 1. erstellten Diagnose obliegt dann dem jeweils behandelnden Facharzt, d.h. der Endokrinologe "indiziert" dann die Hormonbehandlung, der Hautarzt die Epilation, der plastische Chirurg die OP etc.. Die Behandlung selbst findet dann auf Basis des "informed consent" statt, bedarf also keiner expliziten "Leidensdruckbescheinigung" eines Psychiaters oder Psychotherapeuten.

3. "Therapeutische Begleitung" kann auf Wunsch stattfinden, muss aber nicht. Die "Indikation" läuft wie unter 2. durch den individuell zuständigen Therapeuten.

Das wäre so meine Vorstellung, wie ein brauch- und vielleicht auch durchsetzbarer Kompromiss zwischen Selbstbestimmung auf der einen und den Anforderungen des deutschen Gesundheitssystems auf der anderen Seite aussehen könnte.
Liebe kleine Ketzerin,
wir sind uns wohl in vielen Punkten einig, auch wenn ich Dir im Detail in einzelnen Punkten widerspreche.

Diagnostik:
Generell bei psychischen Problemen, also auch bei Depressionen gibt es zwar einen Punktekatalog. Aber mit genau dieser Erkrankung habe ich sehr befremdliche Erfahrungen machen müssen. Durch meine recht massive Erscheinung in körperlicher Hinsicht wurde mir auch von Fachärzten nach einem Selbstmordversuch eine Depression nicht "geglaubt", da ich ja so stark wirke. 58 Jahre Einüben einer lächelnden Maske haben meine verwundete Seele zusammen mit 1,83m Länge und breiten Schultern vor den Augen anderer gut zu verborgen.
Glücklicherweise passierte mir dies zuletzt in einer Therapeutenkonferenz mit mehreren Fachleuten, die sich schützend vor mich stellten.

Leidensdruck:
Auch der Leidensdruck ist eine Frage der Definition. Es geht, wie bei der Erreichung einer Psychotherapie für zum Beispiel eine Depression nicht darum zu warten bis das Kind in den Brunnen gefallen ist.
Eine Therapie auch ohne Transbezug bezieht sich, wenn ich mich und andere nicht offewnsichtlich gefährde auf der Darstellung eines Leidensdrucks. Auch dort gibt es, obwohl es in Bezug auf Depressionen gut vorstellbar wäre keine mir bekannte Profilaxe. Ich frage mich wie Du oder andere sich eine Profilaxe in Bezug auf Transsexualität (oder auch Homosexualität oder Intersexualität) vorstellen.

Die von Dir beschriebene Vorgehensweise entspricht dem was ich zu sagen versuchte. Einen Punkt möchte ich noch extra betonen. Ich finde, wir brauchen keine Fachärzte, denen von Amts wegen zugestanden wird Transsexualität zu "erkennen". Transsexualität muss als normale Variante der Geschlechtsentwicklung angesehen werden und Teil der allgemeinen Ausbildung und alltäglich sein. So könnte Prävention von Leid auslösenden Folgen einer nicht akzeptierten normalen Variation der Geschlechtsentwicklung minimiert werden.
Marlene

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Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 14 im Thema

Beitrag von Henning »

Nicole Doll hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 18:45
Ralf-Marlene hat geschrieben: Fr 3. Jan 2020, 14:00 Ich erlaube mir jetzt eine Antwort zum Aufhänger für ein neues Thema zu machen:
Danke Ralf-Marlene. Als ich heute morgen kurz hier hinein schaute, kam mir genau dieser Gedanke. Ich musste aber weg. Und jetzt bin ich wieder zurück und muss mir erst einmal einen Überblick verschaffen.

Mir geht es vor allem darum, dass Menschen, die man unter dem Sammelbegriff 'nicht-binär' zusammen fassen kann, von diesem System oft nicht ernst genommen und ausgeschlossen werden. Wenn von ihnen jemand Hilfe sucht, kann er entweder den vorgegebenen Weg Zähne knirschend mit gehen, oder wie ich dem Ganzen den Rücken kehren. Einen anderen Weg gibt es nicht, und es will auch im Kern der Community offensichtlich keiner, dass es einen solchen jemals geben wird.

Also werde ich jetzt erst einmal lesen, mich dann sortieren, und danach antworten.

Liebe Grüße
Nicole
Du sprichst mir aus der Seele.
Ich selbste verordne mich mittlerweile als Genderfluid und habe das Gefühl , für den Großteil der Gesellschaft einfach nicht existent zu sein oder wenn dann der Aufmerksamkeit wegen ( was völliger Mumpitz ist).
Auch auf dem CSD komme ich mir oft wie ein Exot mit meiner Fahne vor und muss mich selbst da noch rechtfertigen und erklären, was ich als äußerst anstrengend empfinde.

Mit am schlimmsten finde ich aber, dass man nichts machen kann.
Ich hatte schon sehr oft seelischen Leidensdruck wegen verschiedensten Dingen und habe das Gefühl oft damit gefangen zu sein und auch oft auf Unverständnis in der Außenwelt zu treffen.

Beispiel WC:

Mir wurde mal der Satz um die Ohren gehauen: Du meckerst nicht ernsthaft darüber, dass es eine Toilette für dich gibt?! Man kann es halt nicht jedem recht machen. Geh doch einfach zu den Frauen , wie du es eigentlich müsstest. Steht ja sowieso Frau im Ausweiß.

Dass es für mich aber einen ziemlichen Rattenschwanz nach sich zieht bedenkt die Person allerdings nicht.
Bei den Damen werde ich des öfteren rausgeworfen aufgrund meines Äußeren.
Bei den Herren geht es aber das Gestarre ist trotzdem da, was an Manntagen angenehmer ist als angemeckert zu werden.
Und das schlimmste von allem ist dass es Leute gibt die einen regelrecht beobachten auf welches WC man geht und einen dann darauf ansprechen obwohl sie einen nichtmal kennen.

Sowas ist einfach nur Unverschämt und dreist. Irgendwann findet man sich damit ab aber es ist anstrengend sind immer wieder Gedanken um das WC machen zu müssen und je nach dem wo man hingeht immer neu entscheiden zu müssen auf welches man denn gehen kann um halbwegs seine Ruhe zu haben.

Anderes Beispiel:

Die andere Sache ist,dass ich was meinen Körper betrifft klarkommen muss.Ob ich will oder nicht weil ich nichts machen kann außer vielleicht einen Kurzhaarschnitt tragen und mit riesen Aufwand mein Gesicht kantiger schminken.
Im Sommer endet das oft damit , dass ich an Manntagen nicht schwimmen gehe und das Seit Jahren.

Ich kenne einige Nicht-Binäre Menschen die sagen: an sich ist mein Körper ok und ich will den so behalten, aber meine Brüste sind für mich etwas, das ich nicht möchte oder die null zu mir gehören ,sie stören einfach nur extrem und ich will sie nicht.
Trotzdem muss man damit leben weil einem nichts anderes übrig bleibt und man wenig bis kaum Möglichkeiten hat seinen Körper so anzupassen ,dass man glücklich leben kann.

Auch habe ich das Gefühl ,oft nicht ernst genommen zu werden.
Das merke ich beim Ausgehen oder draußen oft.
Etwas , das nicht eindeutig Mann oder Frau zugeordnet werden kann ( oder schwanken kann) scheint für viele ein Unding zu sein und man wird dann doch mit Gewallt regelrecht in eine binäre Schublade gepresst oder es heißt: "du bist Frau aber willst eigentlich Mann sein" wenn ich versuche Genderlfuidsein oder auch nicht Binär sein zu erklären.
Oft kommt das innere Gefühl hoch: für die anderen bin ich nicht trans genug und deswegen existiere ich für die nicht.
Daran merkt man ,dass definitiv passende Aufklärung fehlt und man offiziell unter den Teppich gekehrt wird.

All das kann sehr belastend sein und es ist schwer seinen Frieden damit zu finden.
Ich persönlich komme mit mir selbst deutlich besser klar mittlerweile aber habe draußen in der Gesellschaft das Gefühl. gegen Windmühlen anzulaufen.

Von Partnersuche will ich erst gar nicht anfangen...

Liebe Grüße, Maverick
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ExuserIn-2020-10-20
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Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 15 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-10-20 »

Ein Leidensdruck ist nicht vorhanden, er entsteht erst durch die Mißachtung meiner Person durch Gesellschaft.

Wäre eine Akzeptanz meiner Wesensart in der Gesellschaft vorhanden, stünde nur die Frage an, ob die entsprechenden medizinischen Möglichkeiten bei mir zur Anwendung kommen können.

Petra Sofie
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