ja, ich bin noch da
Ich würde gerne meine/unsere Entwicklung der letzten Wochen hier mit euch teilen, auch - oder vor Allem - um vielleicht auch damit der ein -oder anderen Partnerin, die noch ganz am Anfang steht, ein bisschen Mut zu machen.
Wie ihr mitbekommen habt, war ich noch vor einigen Wochen voller Angst und Zweifel, voller Bedenken und Trauer...aber, wir haben gearbeitet, ja, man kann sagen, wirklich hart an allem "geackert", immer wieder...irgendwie blieb so ziemlich alles auf der Strecke, denn ich habe mich sehr intensiv, manchmal fast excessiv mit dem Thema auseinandergesetzt.
Sehr geholfen hat mir im Übrigen die Lektüre des Buches "Psychologie sexueller Leidenschaft" von David Schnarch, welches mir Vicky ans Herz gelegt hat (Danke nochmals dafür!). Meine Arbeit hat schwer gelitten, weil ich an manchen Tagen nichts anderes tun konnte, als mit einer lieben Freundin, die ich hier im Forum finden durfte, immer und immer wieder die gleichen Gedanken, Gefühle und Wenn und Aber durchzukauen - und mit einer Engelsgeduld hat sie mir wieder und wieder und wieder Dinge erklärt, mir die Sicht von der "anderen Seite" erläutert - worüber ich dann am Abend wieder mit meinem Herzblatt sprechen konnte, manchmal die halbe Nacht - mal mit vielen bitteren Tränen, mal mit absolut wärmender Liebe, NIEMALS mit Vorwürfen oder Wut! Gott sei Dank hatte und hat mein Schatz absolut Verständnis für meine Situation als normativ geprägte hetero Bio-Frau und hat mit ebenso viel Geduld auch immer wieder die gleichen Dinge durchgekaut.
Dann habe ich via PN mit einer anderen sehr geschätzten Teilzeit-Frau hier aus dem Forum sozusagen eine komprimierte "Trauma-Therapie" gemacht und wir sind den Ursachen meiner Ängste langsam aber sicher auf die Spur gekommen, die ich dann wiederrum mit meinem Mann besprechen konnte - so dass sich Stück für Stück die ganze Situation "entknoten" und entspannen konnte.
Ich will nicht sagen, dass wir schon mit irgendetwas "fertig" sind, das werden wir vielleicht niemals sein, aber gestern Abend gab es den für uns beide sehr wichtigen und jetzt einfach notwendigen Schritt.
Er hat sich mir zum ersten Mal komplett in Frauenklamotten, mit Silikonbrüsten und allem drum und dran gezeigt!
Wir hatten darauf als nächsten Schritt hingearbeitet, und natürlich hatten wir beide eine ganz schöne Angst davor.
Er, weil er Angst vor meiner Reaktion hatte, und ich, weil ich ebenso Angst vor meiner Reaktion hatte - denn in meinem Kopf, in den Bildern, die sich meine Gedanken und Gefühle so zusammengesetzt hatten, war ich nicht in der Lage, mir vorzustellen, dass ich das nicht "doof" oder "abtörnend" oder sonstwie "lächerlich" finden würde, wenn sich dieses Bild von einem Mann mir "als Frau" präsentiert.
Gestern nun war es soweit.
Wir hatten im Vorfeld darüber gesprochen, dass die Stimmung dafür bei uns beiden einfach passen muss und wie das in Etwa ablaufen soll, so dass wir beide uns damit so wohl wie möglich fühlen können.
Zwei Tage zuvor hatte ich meinem Schatz ein Damen-Shirt vom Einkaufen mitgebracht, als Geste, dass ich klarkomme und das für mich okay ist - eben dieses zog er an, dazu einen Jeansrock und farblich auf das Shirt abgestimmte Strumpfhosen, Unterwäsche und "E"-Körbchen Silikonbrüste, braune Stiefel mit einem Blockabsatz......
.....und so stand er dann da....
zu meiner eigenen, nicht ganz kleinen Überraschung musste ich tatsächlich zugeben, dass er irgendwie gut aussah - die Sachen passten gut und die Kombination war geschmackvoll gewählt - obwohl ich mir einen kleinen Witz über die Farbe des Shirts und der Strumpfhose nicht verkneifen konnte, da dies nie im Leben meine Farbwahl gewesen wäre. Wir haben beide darüber entspannt lachen können - denn wie wir inzwischen für uns rausgefunden haben, ist Lachen und Humor immer ein guter Angst-Löser und für uns einer von vielen Wegen, gut damit umgehen zu können.
Ich konnte und ich wollte auch gar nicht viel dazu sagen - also ging ich auf ihn zu, nahm ihn in meine Arme und küsste ihn.
Es war sehr spürbar, wie eine große Last von seinen Schultern fiel.
Kleiner Knackpunkt = die Brüste!
Beim Umarmen schon fühlte es sich "befremdlich" an, diese "perfekten Plastikdinger" an mich zu drücken und einen kleinen Moment der Schwäche nutzten meine Gedanken, einen kurz Blick auf den quasi direkten Vergleich mit meinen eigenen, natürlichen Brüsten zu bekommen und dann musste ich mich konzentrieren, die Gedanken nicht weiter in diese Richtung laufen zu lassen und sagte zu mir selbst in Gedanken wie ein Mantra "Es ist nur Plastik, es ist nur Plastik, es ist nur Plastik..." - dann ging es wieder.
Allerdings vermied ich so gut es ging weitere direkte Berührungen mit den Silikonbrüsten, da sich das für mich einfach "falsch" und "unnatürlich" anfühlte. Teilweise wusste ich nicht so richtig, wohin mit meinen Händen, da sie in gleichen Situationen sonst gerne auf der Brust meines Mannes liegen - aber anfassen wollte ich die "guten Stücke" dann nicht - zumal ich sowieso finde, dass sich so Silikonteile wirklich nicht schön anfühlen.
Da hab ich also noch eine Baustelle - oder wir - weil wir da sehen müssen, in wie weit sich da eine Art Kompromiss finden lässt für die Zukunft.
Vielleicht gewöhne ich mich auch einfach irgendwann daran, wer weiß?! Der Mensch kann sich ja an vieles gewöhnen.
In dem Moment habe ich natürlich erstmal nichts dazu gesagt, denn ich wollte ihm das Gefühl, so von mir angenommen zu werden, wie er nun da vor mir stand, nicht nehmen oder kaputt machen. Und das war in der Situation auch okay so.
Es war gut, dass wir uns dem gestellt haben, dass er den Mut gefunden hat, sich mir zu zeigen und dass ich nun ein reelles Bild habe, welches ich mit meinen Kopfkino-Bildern abgleichen kann.
...tja, und so "arbeiten" wir uns immer weiter voran, Schritt für Schritt, in dem Tempo und der Reihenfolge der Schritte, die für uns beide lebbar und gut zu verarbeiten sind...
Ich habe verstanden, dass es sein tiefer Wunsch ist, dass ich ihn so sehen und lieben kann, wie er sich selbst empfindet, wie er wirklich ist - egal ob nun temporär in Frauensachen oder sonst ganz normal im Männermodus. Denn ich habe verstanden, dass genau das auch mein tiefer Wunsch ist, von ihm so gesehen und geliebt zu werden, wie ich mich selbst sehe und empfinde = das ist wohl die allerwichtigste Erkenntnis!
Ich bin stolz auf mich und stolz auf uns!
Ich kann doch gar nicht anders, als diesen Menschen lieben, so wie er ist!
Carry
P.S. ....übrigens hat er sich mir gegenüber genauso verhalten, wie sonst auch, an seinem Verhalten, Gebahren, Reden, Tun usw war nichts anders, als sonst! Es fühlte sich immer noch an, wie mein Schatz!