Hallo Carina,Carina81 hat geschrieben: Di 28. Mai 2019, 19:20 Ich finde man muss schon eine gewisse Regelung finden inwieweit er Emma auslebt, auch ich bin da und mir fällt es auch nicht immer leicht. Warum sollen wir Bio-Frauen immer verständnisvoll sein, damit der Druck des Partner nicht noch größer wird. Auch bei uns baut sich durch dieses Thema was auch uns mit auferlegt wurde Druck auf. Auch wir haben unsere Grenzen die genauso von der anderen Seite beachtet werden müssen. Immer geht es nur darum das es ja ach so schwer für die Trans* Menschen ist. Das man sich in sie reinversetzen soll. Und dann werden Lügen hingestellt, als wenn es nur ne Lappalie ist. Ich finde ihr macht es euch da manchmal echt leicht. Tut mir leid für diese Worte aber bei sowas werde ich echt wütend. Ihr bürdet uns da eine ordentliche Last auf. Seid doch einmal so gut und macht euch Gedanken wie sich die andere Seite fühlt.
Ich finde zu so einer Beziehung gehört Offenheit und Ehrlichkeit an erster Stelle. Aussagen wie "ich weiß/wusste ja nicht wie du reagierst" ist absolut fehl am Platz. Jeder weiß das Thema ist da und nicht wegzudiskutieren, warum kann man dann nicht offen und ehrlich damit umgehen?
als erstes: Ich finde es nicht gut, dass Du einen Brief deines Partners hier veröffentlichst. Ob das Dein Partner gut findet ? Ich bezweifle es. Für mich wäre das ein massiver Vertrauensbruch, der einer Lüge in nichts nachsteht.
Zu Deinen Worten: Ob man eine Regelung benötigt, liegt nur an Euch. Unterliegst Du einer Regelung, was Deine Kleidung betrifft ? Aber Regelungen können gut sein, wenn es darum geht, sich nach und nach mit der Thematik zu beschäftigen. Aber Du kannst sicher sein, dass jede Regelung im Laufe der Zeit immer wieder angepasst werden muss. Sie gilt nur auf Zeit.
Die Worte Deines Partners sind für mich absolut plausibel. Über Trans zu reden ist am Anfang extrem schwierig. Und diese Phase kann eine ganze Zeit dauern. Das Tragen von Frauenkleidung, das ganze Dasein von Emma dürfte für Deinen Partner extrem mit Scham verbunden sein. Das (zeitweise) Leben en femme ist für ihn einfach wichtig. Darüber zu reden, ist extrem schwer. Seine ganze Umwelt gibt ihm das Gefühl etwas Schlechtes zu tun. Du hilfst ihm offensichtlich dabei nicht, dass er dieses Gefühl verliert. Wie soll er dann daüber reden können ?
Sein Dasein als Trans-Mensch (welche Form auch immer) ist zu akzeptieren. Genauso ist zu akzeptieren, dass Dir das nicht gefällt. In einer Beziehung gibt es immer Unterschiede und man muss auch nicht versuchen alle Unterschiede zu egalisieren. Du schreibst:
Wer verlangt das ? Wenn Dein Partner unter Druck steht, ist es seine Aufgabe, damit fertig zu werden. Das was Du in dem Satz beschreibst, ist so eine typische Fehleinschätzung im Beziehungsleben. Du musst nicht verständnisvoll sein. Aber wenn Du ihn verstehen willst, musst Du ihm zuhören und ihm nicht Deine Meinung über Trans* durch Deine Haltung aufdrängen. Du kannst Dich aber auch davon zurückziehen und ihm die Sache alleine überlassen. Eine Beziehung lebt nicht nur von Nähe, sondern auch davon, dass man Distanz und Unterschiede akzeptiert. Was Du aber nicht kannst, ist ihn so formen, dass er für Dich kompatibel ist. Du wirst ihn schon nehmen müssen, wie er ist. Du hast aber das Recht, Dich so mit der Thematik zu beschäftigen, wie Du willst. Aber wenn Du Dich auf den ehrlichen Austausch einlässt, dann dürftest Du ihm dadurch helfen, in dem Du goldene Brücken baust, statt Vorwürfe auszusprechen. Es treibt ihn in die Enge, wenn er auf Fragen antworten soll, wenn im Hintergrund mögliche Vorwürfe lauern.Warum sollen wir Bio-Frauen immer verständnisvoll sein, damit der Druck des Partner nicht noch größer wird.
Kennst Du das s.g. "Erotische Zwiegespräch" ? Im Buch von Lucas Möller "Die Wahrheit beginnt zu zweit" findest Du einiges dazu. Hier geht es darum, dem anderen aus freien Stücken die eigene Gefühlslage zu zeigen ohne dass darüber ein Austausch stattfindet. Einfach nur ohne Kommentar zuhören. Das ist eine wirklich gute Übung.
Letztlich geht es nicht (nur) um das Transsein Deines Partners. Es geht ganz viel auch um Eure Beziehungsdynamik. Könnt Ihr Euch auf Augenhöhe begegnen ? Was ist Liebe für Euch ? Wie könnt Ihr Euch in der Beziehung weiter entwickeln ?
Willst Du Dich auf die Liebe einlassen ? Dann tue es. Ganz. Und höre auf mit den Vorwürfen. Die Vorwürfe zeigen nur, wie unsicher Du Dir selber bist. Dein Partner muss lernen, sich im Namen der Liebe zu öffnen. Du kannst lernen, dass Liebe viel mehr ist als die Lappalien, die Euch im Augenblick zusetzen. Eure Krise ist Eure Chance.
Das beste, was ich zum Thema Liebe kenne ist das Gedicht von Khalil Gibran "Über die Liebe". Ihr findet es im Netz. Mein Tip: Lest es zusammen und lasst es auf Euch wirken. Es erschließt sich nicht beim ersten Mal, sondern jedes Mal kommt etwas mehr hinzu.
Ich drücke Euch die Daumen.