Huhu
Das mit der Männlichkeit ist ein spannendes Thema.
Ihr seid nicht so "gebrandmarkt" wie ihr oft tut.
Mag stimmen, weiß ich nicht. Aber ich denke, es nützt einem Crossdresser wenig, wenn einTeil der Gesellschaft seine Art zu Leben akzeptiert - aber die ihm nahestehenden Personen
nicht. Ein Blick aus der Ferne mag ein gewisses Maß an Toleranz offenbaren - aber die muss auch genau in dem Umfeld vorhanden sein, in dem man(n)/frau sich bewegt.
Und schon gar nicht unmännlich, nur weil ihr eure Haare entfernt und die Nägel pflegt, eine Vorliebe für schöne weiche Stoffe habt und euch gern in duftenden Hautcremes einhüllt.
Das wiederum sehe ich genauso. Meine Vorstellung von Männlichkeit hat nicht viel mit Muskelpaketen und markanten Wangenknochen zu tun.
Er muss mir auch keine Selterkisten schleppen, das kann ich selbst

Allerdings haben die vorhandenen Geschlechterrollen eine lange und statische Tradition in unserer Gesellschaft. Dazu kommt (ganz ehrlich): Von einer breiten Masse an Menschen, die sich ihre Bildung aus der Bild holen erwarte ich nicht, dass sie sich plötzlich mit dem Thema Transgender auseinandersetzen. Ich persönlich trage ja solche Themen gern offensiv in die Welt, fordere auf, über den Tellerrand zu schauen. Aber ich bin eine Bio-Frau, ich hab' leicht reden - ist mir auch klar
Für mich gilt: Ich find's spitze, dass mein Freund beim Einkaufen mein Style-Berater ist - und dass ich ihn dabei unterstützen kann, ohne Stress auch mal für sich einzukaufen

. Er ist mir nicht plötzlich fremd, weil ich weiß, dass er sich gern in eine Frau verwandelt. Ganz im Gegenteil: Seine Person wird dadurch bereichert. Die Betonung liegt auf
reich. Reich an Facetten, reich an Emotionen, reich an Meinung und Interessen... und wenn ich soweit bin in meinen Gedanken, tritt der Begriff "Männlichkeit" in den Hintergrund. Denn - let's face it -
Menschsein ist doch das, was uns ausmacht.
Und zum Menschsein gehört definitiv Individualität. Letztendlich stellt sich doch dann die Frage: Was könnte individueller sein, als ein Mensch, der eine zweite, individuelle Rolle/Lebensart perfektioniert?
Als Patrnerin habe ich entschieden, dass ich meinen Freund immer unterstütze - denn ich liebe ihn

. Als Bio-Frau habe ich entschieden, dass ich mich von Ängsten und Unsicherheiten nicht überwältigen lasse - ich habe gelernt, dass man oft etwas verpasst, wenn man seinen Ängsten nachgibt

.
Als ich sechzehn oder vielleicht siebzehn war, hat mich jemand nachdrücklich gebeten,
immer offen für Unbekanntes zu sein - auch wenn es meinen gewohnten Wiklichkeitsrahmen verläßt. Ich bin froh, dass ich das nie vergessen habe.
LG
Sally