Hallo Kathrin,
dann viel Spaß. Unterstützt Dich Deine Frau oder musst Du befürchten, dass es ihr zu schnell in eine Richtung geht, die ihr nicht passt ? Ich glaube, es ist gut, wenn Du hier ein wenig aufpasst. Zu Deiner Frage:
Anke hat es schon schön beschrieben:
es dauert bestimmt eine ganze Weile bis Du die Frau in dir entwickelt hast. Zumindest war es bei mir so. Ich würde das nur nicht Passing nennen.
Ich sehe das aus unterschiedlichen Richtungen:
- den Begriff "Passing" sehe ich auch etwas kritisch. Sich so zu kleiden und zu geben, dass man nicht als Frau wahr genommen wird, nenne ich "verkleiden". Ich meine das bewusst auch negativ, denn als Frau akzeptiert zu werden bedeutet für mich: meiner Persönlichkeit Ausdruck verleihen. Das kann, muss aber nicht mit Strumpfhosen oder Schminke zu tun haben. Das, was ich als "Passing" bezeichnen möchte, beginnt im eigenen Kopf. Und ich glaube, das strahlt aus. Man erkennt in mir definitiv den körperlichen Mann. Das macht mir nichts aus, denn durch mein eindeutiges Auftreten zeige ich, dass ich das genau so will und kein "Abziehbild" einer Frau, die irgendwelchen Vorgaben zu entsprechen hat. (Ich glaube, ich wäre eine echt gute "Emanze"

).
- sich im "Passing" zu versuchen, halte ich trotzdem für sinnvoll. Du lernst, was Du für Möglichkeiten hast. Dann kannst Du auswählen, was Du wirklich willst. Das wird sich mit der Zeit definitiv ändern. Dabei ist es unerheblich, ob Du das im Selbststudium oder mit Hilfe von anderen lernst.
- Was willst Du mit dem "Passing" erreichen ? Dich hinter einer Frauenmaske verstecken oder Deine Persönlichkeit zeigen ? Wer bist Du (heute) ? Gibt es für Dich einen Unterschied zwischen "Frau sein" und "Frau darstellen". Wo siehst Du Dich ?
Ich habe einen langen Weg hinter mir, der Jahrzehnte gedauert hat und ich bin auch noch nicht am Ende der Entwicklung. Das Spannende ist aus meiner Sicht, den Weg zu gehen, der zu mir passt. Ich versuche so offen wie möglich für neue Aspekte und Ideen zu sein, aber was ich daraus mache, entscheide ich. Ich weiß bis heute nicht, wie viel "Frau" in mir steckt, ja ich weiß nicht einmal, was das ist. Für mich steckt die Kernfrage genau darin, was Männlichkeit bzw. Weiblichkeit
wirklich ist. Was ist es, was mich dazu bringt, zumindest zeitweise eine Frau zu sein ? Warum ist das ein gutes Gefühl ?
Apropos Gefühle: Ich habe vor einigen Jahren gelernt, meinen Gefühlen zu vertrauen. Sie zeigen mir, wo es lang geht. Die Vernunft sagt mir, wie ich dahin komme. Damit lebe ich sehr gut. Die sagen mir auch, wann es gut ist für mich, auch äußerlich wieder die Frau zu zeigen ...
Der Kalenderspruch, den ich gerade vor mir habe lautet:
Lass' Deine Träume nicht einfach davon fliegen, jage ihnen nach.