Transsexualität bei Psychotherapeuten ansprechen.
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ab08
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Re: Transsexualität bei Psychotherapeuten ansprechen.

Post 1 im Thema

Beitrag von ab08 »

Hallo Sonnenschein,

ob eine Transsexualität vorliegt, merkt/spürt die Person meistens früher oder später selbst. Wenn der Unterschied zwischen innen und außen zu stark wird. ("Leidensdruck")
Der erste Schritt ist dann häufig, dass man/frau sich dazu bekennt (z.B. gegenüber guten Freunden, dem Ehepartner usw.).
Der Psychotherapeut wird informiert, wenn er dann überzeugt ist, bescheinigt er später seinen Eindruck.
Überprüfen oder eine eindeutige, nachprüfbare Diagnose erstellen, das kann er eigentlich nicht. :wink:
Anmerkung:
Vertrauten Personen gegenüber bezeichnete ich mich schon viele Jahre vor meinem CO als transsexuell.
Ich wollte es aber lange Zeit vor der Öffentlichkeit, besonders im Beruf (Schuldienst), aus nachvollziehbaren Gründen(!) geheim halten.

Liebe Grüße
Andrea

P.S. Wer sich dazu entschließt, kann auch gleich also ohne "Diagnose" NÄ/PÄ beim Amtsgericht beantragen. Die Gutachter werden dann vom Gericht zugewiesen.
Depression ist etwas anderes. Da kann eine Behandlung notwendig sein.
Aber das hat im Grunde überhaupt nix mit Transidentität zu tun. - Daher ist es bei TS durchaus wichtig, psychische Erkrankungen auszuschließen.
Zuletzt geändert von ab08 am Di 3. Feb 2015, 20:20, insgesamt 2-mal geändert.
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Bianca D.
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Re: Transsexualität bei Psychotherapeuten ansprechen.

Post 2 im Thema

Beitrag von Bianca D. »

ab08 hat geschrieben:Überprüfen oder eine eindeutige, nachprüfbare Diagnose erstellen, das kann er eigentlich nicht. :wink:
Moin,

so sieht es aus! Die Diskrepanz zwischen deinem gefühlten Geschlecht und dem biologischen Geschlecht mußt du schon selber spüren. Und dieses Gefühl mußt eben in Worte kleiden und mit dem Psych besprechen.

Gruß Bianca
Ick wees nüscht,kann nüscht,hab aba jede Menge Potenzial
Exuserin-2015-09-09

Re: Transsexualität bei Psychotherapeuten ansprechen.

Post 3 im Thema

Beitrag von Exuserin-2015-09-09 »

Also mein Psychologe und mein Therapeut haben es fachmännisch sofort in der ersten Sitzung gesehen. Glaub mir, die sehen die weibliche Seite, obwohl ich androgyn als Mann dort war. Weil ich so herumlaufe und dann auch sicher bin. Verkleiden als sichbare Frau kam nicht in Frage. Letztlich ist es, was wir erzählen, wie wir denken und was wir empfunden haben beim CO, all dies ergibt ein Bild. Das "sich erklären" hat mich sehr in ein Loch gestürzt, ich fing auch an etwas depressiv zu werden. Letztlich hat es aber sein gutes, über die Gesamtsituation nachzudenken.
ChristinaF
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Re: Transsexualität bei Psychotherapeuten ansprechen.

Post 4 im Thema

Beitrag von ChristinaF »

Bei mir wars so, dass die anfänglichen Depressionen nach und nach zurückgingen, als ich meine TS endlich akzeptierte. Leider war ich damals so dumm, zu meinen, irgendwann hört das Ganze von selbst auf.
Heute gehts mir so gut, dass Depis für mich ein Fremdwort sind.
LG
Chrissie
_martin_

Re: Transsexualität bei Psychotherapeuten ansprechen.

Post 5 im Thema

Beitrag von _martin_ »

Ich persönlich empfinde es als schwer, mich meinen Eltern wegen meiner Zwiespälte anzuvertrauen. Unter anderem, weil ich schon zu früheren Zeiten, wenn es um die eigene Identität gegangen war, zu hören bekommen haben, dass es nur eine Phase sei - oder dass es bei mir kein Problem des Geschlechtes ist, sondern ein Gesellschaftliches ist ("Nur weil du nicht auf Twilight stehst und zum Valentinstag keine Blumen haben willst, bist du noch lange kein Mann").

Klar redet man (oder nur ich?) sich sowas ein, weil es der bequemere Weg ist, übersieht aber (oder will übersehen), dass es nicht um Twilight oder Blumen geht, sondern um die eigene Wahrnehmung. Ich habe mich noch nie wirklich als Frau angesehen. Manchmal schaue ich mir Männer auf Werbeschilder oder so an und frage mich: "Warum sehe ich eigentlich nicht so aus?". Ich fühle mich nicht wohl dabei, wenn mich andere als Frau bezeichnen. In meinem Freundeskreis bezeichne ich mich selbst gern als Mann und werde auch öfter Martin ("Mart") genannt. Wenngleich ich das immer in einen Scherz verpackt habe. Ich glaube, keiner weiß, dass ich das gar nicht so witzig finde.

Ich habe bisher noch mit niemandem über meine Zweifel geredet und sitze es aus, in der Hoffnung, das mal wieder bessere Tage kommen. Ich gebe auch offen zu, dass ich es aus Feigheit nicht mache.

Aber nach ein paar Monaten sitzt man dann bei sich allein auf dem Sofa, starrt die Wand an und fragt sich, warum das eigene Leben eigentlich so elend ist, und warum man so lange schon unglücklich ist, obwohl außen doch alles gut läuft (Job, Freunde, Familie etc.).
Exuserin-2015-09-09

Re: Transsexualität bei Psychotherapeuten ansprechen.

Post 6 im Thema

Beitrag von Exuserin-2015-09-09 »

In Deutschland ist es ein Antrag beim [Nachtrag: Amtsgericht des zuständigen] Landgericht des Hauptwohnsitzes. Es werden zwei Gutachter bestellt und ca. ein halbes Jahr später hast du deinen Wunsch Vornamen und die Personenstandsänderung. Drei Jahre solltest du deine Erkenntnis schon haben und auch im Auftreten schon weit fortgeschritten sein. Das erleichtert es. Denn Namensänderung steht nicht am Anfang der langen Liste. Aber dafür ist dein Therapeut da, er begleitet dich auf deinem Weg.
Zuletzt geändert von Exuserin-2015-09-09 am Sa 21. Feb 2015, 22:03, insgesamt 1-mal geändert.
Marielle
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Re: Transsexualität bei Psychotherapeuten ansprechen.

Post 7 im Thema

Beitrag von Marielle »

Guten Morgen zusammen,
....ein Antrag beim Landgericht des Hauptwohnsitzes
[klookschiet]

Stimmt nicht ganz; es ist das Amtsgericht zuständig, das am gleichen Ort sitzt, wie das für den Wohnsitz der Antragsteller_in zuständige Landgericht. Soll heissen: Änderungen am Personenstand werden nicht von allen Amtsgerichten verhandelt, sondern nur von denen, die am Sitz eines Landgerichtes sind. Die Landgerichte selbst haben damit nichts zu tun.

[/kloogschiet]

Personenstandsgesetz

-§ 50 Sachliche und örtliche Zuständigkeit der Gerichte

(1) Für die in den -§-§ 48 und 49 vorgesehenen Entscheidungen sind ausschließlich die Amtsgerichte zuständig, die ihren Sitz am Ort eines Landgerichts haben. Ihr Bezirk umfasst den Bezirk des Landgerichts.
(2) Die örtliche Zuständigkeit wird durch den Sitz des Standesamts bestimmt, das die Sache dem Gericht zur Entscheidung vorgelegt hat oder das die Amtshandlung vornehmen oder dessen Personenstandsregister berichtigt werden soll.



Für die Schweiz hilft das natürlich auch nicht weiter, sorry.


liebe Grüße

Marielle
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For the rising of the women, means the rising of the race
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ab08
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Re: Transsexualität bei Psychotherapeuten ansprechen.

Post 8 im Thema

Beitrag von ab08 »

Achtung Rechtslage von 2008, daher führte ich zunächst ein Verfahren zur Namensänderung(NÄ):
Nachdem mein Gutachter für die NÄ beim Amtsgericht (Psychiater, also Arzt) dem mich behandelnden Endokrinologen die TS (telefonisch) bestätigte, begann der Endokrinologe mit der HET.
Hormone hätte auch der Psychiater verordnen können *) - Er macht das aber sehr selten, denn für diese Präparate ist der Endokrinologe der kompetente Facharzt.
Vor Beginn der HET wurde ein großes Blutbild erstellt, das nach wenigen Monaten Behandlung wiederholt wurde, um einen Vergleich zu haben.
Heute genügen jährliche Blutbilder zur Kontrolle völlig.

Liebe Grüße
Andrea

*) Genauso wie übrigens jeder andere Arzt auch.
Zuletzt geändert von ab08 am Mo 6. Apr 2015, 20:44, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Transsexualität bei Psychotherapeuten ansprechen.

Post 9 im Thema

Beitrag von Franka »

Aber ohne NÄ braucht man auch keinen Psychiater oder? Nur einen Arzt der einem die Diagnose Transgender/Transsexuell bescheinigt für den Endo.
Das könnte im Prinzip jeder Arzt machen, aber ob der das verantworten will ist die Frage, wird einen wohl zum Psychiater überweisen.
Ist das so korrekt oder liege ich da falsch?

LG Dahlia
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ab08
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Re: Transsexualität bei Psychotherapeuten ansprechen.

Post 10 im Thema

Beitrag von ab08 »

Liebe Dahlia,

da hast Du völlig Recht, also absolut korrekt!
Hormone kann Dir im Prinzip übrigens auch jeder Arzt verordnen, der es für nötig hält.
Entsprechendes gilt für die Erstellung der Diagnose TS.
-> ABER: Ob dem Endokrinologen das Gutachten des Hausarztes für die HET reicht, liegt in seinem Ermessen.

Für Gerichtsverfahren werden die Gutachter allerdings vom Gericht bestellt.
Betroffene dürfen häufig dem Gericht Gutachter vorschlagen, die das Gericht oft übernimmt.
Bei mir war es so: Ich schlug den Erstgutachter(Psychiater) vor, den das Gericht übernahm.
Das Gericht bestimmte den Zweitgutachter(Psychologin). (Ich nannte aber nur einen Namen und wollte das Gericht über die zweite Person entscheiden lassen.)

Liebe Grüße
Andrea

P.S. Bei meiner Personenstandsänderung 2011 waren keine Gutachten mehr nötig. - Das Verfahren war auch deutlich preiswerter.
Naja heute ist das Theater ja abgekürzt und es reicht ein einziges Verfahren beim zuständigen Amtsgericht :wink:

ACHTUNG: Obiges gilt für Deutschland - ich lebe ja in Bayern... --> In Österreich oder der Schweiz sieht es vielleicht anders aus. Jedenfalls hab ich diesbezüglich keinerlei Ahnung!
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ReaGirl

Re: Transsexualität bei Psychotherapeuten ansprechen.

Post 11 im Thema

Beitrag von ReaGirl »

Daniela67 hat geschrieben:Also mein Psychologe und mein Therapeut haben es fachmännisch sofort in der ersten Sitzung gesehen. Glaub mir, die sehen die weibliche Seite, obwohl ich androgyn als Mann dort war. Weil ich so herumlaufe und dann auch sicher bin. Verkleiden als sichbare Frau kam nicht in Frage. Letztlich ist es, was wir erzählen, wie wir denken und was wir empfunden haben beim CO, all dies ergibt ein Bild. Das "sich erklären" hat mich sehr in ein Loch gestürzt, ich fing auch an etwas depressiv zu werden. Letztlich hat es aber sein gutes, über die Gesamtsituation nachzudenken.
Findest du man sollte sein CO, zumindest vor nahestehenden personen wie Eltern vor dem besucheines Therapeuten machen wenn er mit einem darüber reden möchte? Oder fragt er vorher ob man schon sein CO hatte und hilft einem, auf psychologischwer seite, damit? Oder ist es generell ersteinmal irrelevant? Denn immerhin wäre ein outing schlecht wenn bei den psychologischen gesprächen etwas anderes al TS rauskäme?
ab08
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Re: Transsexualität bei Psychotherapeuten ansprechen.

Post 12 im Thema

Beitrag von ab08 »

SandraGirl hat geschrieben:Denn immerhin wäre ein outing schlecht wenn bei den psychologischen gesprächen etwas anderes al TS rauskäme?
Hallo Sandra,
entschuldige bitte, dass ich mich einmische, denn ich bin nicht angesprochen... :oops:
Zur Erinnerung:
Psychiater/Psychologen sind nur dazu da, psychische Erkrankungen auszuschließen, bzw. bei Bedarf, Betroffene zu unterstützen.
Falls die Person psychisch gesund ist, ist und bleibt TS "Selbstdiagnose". (Kompetente Psychologen/Psychiater bestätigen das.)

Liebe Grüße
Andrea

Zeitliche Abfolge bei mir:
frühere Partnerin in den 70er Jahren - diverse Ärzte informierte ich bei Bedarf in den folgenden Jahrzehnten
Am Ende lief alles nahezu zeitgleich ab: Anf. Nov. 2007 Schwester - Ende Nov. Terminvereinbarung bein Psychiater - Januar 2008 Mutter und erster Besuch beim Psychiater (später Gutachter*) - in den folgenden Wochen Kinder und Verwandtschaft bis April - daneben circa alle vier Besuche beim Psychiater - Juni 2008 Arbeitgeber/Antrag bei Gericht - Ende Dezember 2008 NÄ

*) Weil wir gut miteinander zurecht kamen, gab ich seinen Namen bei Gericht an. - Wäre es anders gewesen, hätte ich den Psychiater/Psychologen gleich zu Beginn gewechselt...
FÜR: Respekt, Menschenrechte und eine gelebte, demokratische Zivilgesellschaft, die Minderheiten schützt
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Exuserin-2015-09-09

Re: Transsexualität bei Psychotherapeuten ansprechen.

Post 13 im Thema

Beitrag von Exuserin-2015-09-09 »

Reden hilft. Zuerst mit den nahen Menschen. Diese helfen dir weiter. Verstehen dich. Dann später mit den Therapeuten.
Letztlich, wie hier gesagt, es ist eine Selbstdiagnose. Wie Zahnschmerzen. Sich zu erklären, das braucht es nur für die Gutachter, nicht für meine Partnerin oder Freunde. Die kennen mich und da es authentisch ist, wird es weitestgehend akzeptiert.
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