"Mediziner müssen umdenken", schreibt der Fokus und bringt einen weiteren Artikel über Intersexualität.
Olaf Hiort, ein Lübecker Universitätsprofessor für Kinder- und Jugendmedizin koordiniert ein internationales Netzwerk von Zentren zur Erforschung der Intersexualität.
Dabei gilt Hiort als umstritten; Betroffenengruppen werfen ihm jahrelange Genitalverstümmelungen vor.
In einem Interview lieferte er mal eine Begründung für "notwendige medizinische Eingriffe" bei Intersexuellen:
"Die wenigsten Eltern können tatsächlich aushalten, dass man ihrem Kind kein Geschlecht zuweist. Denn das ist in unserer Gesellschaft letztendlich der übliche Weg, dass man Junge oder Mädchen ist".
Inzwischen werden viele zur Einsicht gekommen sein, dass "der übliche Weg" nicht immer der beste ist
Im "Fokus"- Artikel räumt er immerhin ein, dass die Medizin Fehler gemacht hat, aber sein "Traum" von einem Netzwerk ist in erster Linie für Mediziner gedacht.
Der Ethikrat, dessen Empfehlungen zwar von der Bundesregierung zur Kenntnis genommen wurden, aber bisher kaum Auswirkungen auf den Umgang mit intersexuellen Menschen zeigte, forderte, dass Intersexuelle von interdisziplinären Teams aus Psychologen, Juristen und Ärzten beraten werden sollen, weil man Identität eben nicht nur am Geschlecht festmachen könne.
Ich denke: in einem interdisziplinären Team sollten auch intersexuelle Menschen selbst vertreten sein.
Sicherlich muss Beratung aufgespittet werden in verschiedene Bereiche. So geht es (für mich) in erster Linie darum, neue Fälle von Verstümmelung und Falschbehandlung zu vermeiden. Deshalb: Beratung von "werdenden Eltern", Frauenärztinnen, Hebammen, Teams in Geburtshäusern...
Für eine zweite genau so wichtige Angelegenheit, für die Aufarbeitung der Unrechtshandlungen der Vergangenheit, halte ich ein besonderes Kompetenz-Team für notwendig - auch unter Beteiligung von "Betroffenen", die in diesen Fällen tatsächlich Betroffene wären (durch die Unrechtshandlungen / nicht durch die Intersexualität).
Ach ja, eigentlich wollte ich nur auf den Fokus-Artikel hinweisen. Da ich beim Lesen nicht das Gefühl hatte, "wo die vom Fokus mit dem Artikel hinwollen" (waren das nicht mal die mit "Fakten, Fakten, Fakten" ?), konnte ich mir nicht verkneifen, ein paar Worte darzu hier zu hinterlassen.
Gruß
Anne-Mette
http://www.focus.de/magazin/archiv/wiss ... 38654.html
Hintergrund und ausführliche weitere Informationen:
Ein "Streitgespräch" mit Olaf Hiort und Lucie Veith gibt es bei der ZEIT: http://www.zeit.de/2012/03/M-Intersex-Streitgespraech