Hallo Jana,
ein wirklich spannendes Thema. Die Gesellschaft und WIR. Ich glaube da gibt es viele unterschiedliche Facetten und auch Reaktionen der Gesellschaft. Was ich jetzt hier gleich schreibe ist wirklich der laienhafte Versuch das Thema zu erfassen. Bitte seht mir nach, dass ich vermutlich nur unzureichend formuliere und auch nicht an alles denke. Es ist einfach mein Versuch mir unsere Welt zu erklären. Sollte ich jemanden vergessen bitte seht es mir nach. Es ist der Wissensstand, den ich mir zusammen gepflückt habe und sicher gibt es noch viele Blüte, die ich übersehen habe. Auch ich lerne mit meinen Anfang 40 noch täglich dazu
Anja hat uns einmal in einer anderen Diskussion in grundsätzlich zwei Gruppen unterteilt: (wenn ich mich recht erinnere)
1. Der Mann will als Mann erkennbar bleiben, aber eben Frauensachen tragen möchte:
Das reicht von dem Mann, der
a) einfach auch mal einen schicken Lederrock tragen möchte - so wie es schon früher einmal Mode der Männer war. Oder eben auch höhere Schuhe, aber mit festem Absatz. Es geht dabei um das Ausweiten des männlichen Kleiderschrankes unter Beibehaltung der männlichen Erscheinung. Hier habe ich schon Typen gesehen, die das machen und das sah aus meiner Sicht erstaunlich normal aus. Ich glaube Tom Cruise hatte mal in einem Samurai-Film so einen Rock an. Ich glaube so stelle ich mir die Gruppe vor.
b) weibliche Attribute zu seinem Mann-sein hinzufügen möchte, die eindeutig als weiblich erkennbar bleiben. Nagellack, Lippenstift, Pumps, Kleidchen, Brüste aus Silikon. Und trotzdem trägt er noch den Vollbart.
c) der bewußt und betont übertrieben weiblich wirkt und daher als Mann immer noch erkennbar bleibt - auch wenn die Anstrengung z.T. immens ist: hier zähle ich DragQueens oder TV á la Olivia Jones.
2. Die von uns, die eben komplett in die weibliche Rolle schlüpfen wollen (unabhängig obn als CD oder TS)
Und dabei gibt es fließend zwei Gruppen. Männer, die diese Verwandlung aufgrund ihrer Voraussetzugen
a) sehr gut hinbekommen und in der Öffentlichkeit als FRau wahr genommen werden. Da ist das "Passing" perfekt, die Klamotte, der Schminkstil, die Erscheinung, die Stimme, etc.
b) schlecht zuwege bringen und egal wie sehr sie sich anstrengen immer noch als Mann erkennbar bleiben: sei es weil der Bartschatten durchdrückt oder weil sie groß sind oder breitschultrig muskulös oder oder oder.
Ich denke die Gesellschaft hat bezüglich der Gruppe auch unterschiedliche Reaktionsmuster - wenn man überhaupt von "DER Gesellschaft" reden kann. Aber um zu erklären will ich erstmal vereinfachen.
Am Bekanntesten ist vermutlich Gruppe 1C. Der Typus taucht in den Medien auf, sitzt in Talkshows und Quizsendungen regelmäßig auf dem Sofa und gehört als Zutat zu unserer Unterhaltungsindustrie. Insofern sind die auch meiner Meinung nach "akzeptiert" - zumindest nicht mehr oder weniger als andere besonderen Menschen in unserer Gesellschaft. Und sie prägen meiner Meinung nach auch die Wahrnehmung von UNS als Gesamtgruppe, weil sie eben so präsent sind.
Trotzdem werden die Leute auf der Straße, wenn sie denn einer solchen PErson begegnen schauen, starren, tuscheln und vermutlich auch die ein oder andere Bemerkung machen. Aber das provozieren die "Damen" durch ihre Erscheinung ja auch und genießen es vielleicht sogar. Insofern halte ich den Umgang der Gesellschaft mit dieser Gruppe für normal: sie wollen auffallen und da muss man auch mit etwas auffälligerne Reaktionen rechnen.
Ebenfalls recht unkompliziert finde ich die Gruppe 2a. Die nimmt eben niemand als Mann war. Die Glücklichen können problemlos aus der einen in die andere Rolle schlüpfen - egal ob temporär als CD oder permanent als TS. Glückwunsch. Perfekt. So hätte ich das auch gern auch. Seufz, lächel.
So und nun zu den "Problemzonen" (Scherz) unserer Gesellschaft:
1a) wenn es gut gemacht ist (und das geht sicher mit gutem Geschmack) und ihr euch in der richtigen Stadt/Umgebung befindet ist halte ich diese Variante für möglich. Ihr DEHNT einfach das männliche Spektrum und bleibt dabei männlich. Sieht gut aus und macht Spaß. Und trotzdem wird es Menschen geben, die das nicht nachvollziehen können. D.h. auch hier wird es vermutlich nicht ohne Kommentare gehen. Andererseits glaube ich dass es hier trotz allem eine hohe Toleranz, z.B. auch gerade seitens Frauen gibt. Die finden das häufig cool.
1b) Ich glaube, dass diese Gruppe die gesellschaftliche Toleranzschwelle ganz hart kratzt. Eine Melange aus klar weiblichen und männlichen Attributen als Alltagsoutfit (nicht als Show-Outfit wie bei den DragQueens) stößt vermutlich bei viel mehr auf Ablehnung, weil es (noch?) nicht in die wohl geordnete Welt eingeordnet werden kann. Aber der Milchkaffee hat es ja auch auf die Getränkekarte geschafft. Oder ist das eher ein Leberwurstbrot mit Erbeermarmelade ? Vermutlich kommt das auf den persönlichen Standpunkt an. Aber ähnlich wie bei 1c "provoziert" dieses Outfit sicher mehr Reaktionen und wer sich da keine dicke Haut zulegt sollte sich nichts vormachen und es vielleicht lieber nur zuhause machen.
Und nun zuletzt zur Gruppe 2b. Tja, zu der zähle ich mich mit meinen 1,84 auch irgendwie. Wir wären gerne nicht erkennbar, aber irgendwie entsprechen wir eben nicht dem weiblichen Allgemeinbild. Tja, insofern ist diese Gruppe vielleicht am bemitleidenswertesten. Mehr oder minder immer als schlechte Kopie erkennbar. Und jetzt kommt meiner Meinung nach das Thema Selbstbewußtsein und Gefühl. Meiner Meinung nach hängt bei dieser Gruppe sehr sehr viel vom Gefühl für den richtigen Auftritt ab: z.B. wäre ich mit meinen 184 und 12cm HighHeels ganz schnell als Mann erkennbar, denn ich kenne wirklich keine Frau in der Größe, die solche Schuhe anziehen würde. Wen ich also nicht erkannt werden möchte muss ich mich als Frau so verhalten, wie es zu mir als Frau passt. Und wenn das stimmt kann ich auch einigermaßen selbst bewußt raus gehen und werde nich erkannt. Habe ich selbst dieses Jahr lernen dürfen. Und wenn es dann doch ma jemand erkennt (die berühmte Jugendgruppe) geht man aufrecht weiter. Und trotzdem hat es diese Gruppe meiner Meinung nach am schwierigsten. Sie wollen ja nicht erkannt werde und wenn es dann passiert ist es immer blöd und fühlt sich nicht schön an.
Für die Gesellschaft ist es ja auch eine Überraschung, wenn sich hinter dem weiblichen Ersteindruck dann doch ein Mann entpuppt, z.B. an der Kasse wenn man plötzlich sprechen muss. Ich kenne CD/TS, die damit souverän spielen und die auch poisitve Reaktionen ernten. Aber soweit muss frau erstmal sein.
So, das war jetzt ein unvollkommener Versuch die Reaktion userer Gesellschaft differenziert zu betrachten. Unvollkommen, subjektiv und sicher ohne Anspruch auf Richtigkeit. Es ist der Blick von Katrin auf die Welt. Ich freue mich auf Eure Reaktionen.
Eure
Katrin