Kinder und Ängste der Familie bei Transgender Vater
Kinder und Ängste der Familie bei Transgender Vater

Intergeschlechtliche Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
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SometimesSophie
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Kinder und Ängste der Familie bei Transgender Vater

Post 1 im Thema

Beitrag von SometimesSophie »

Hallo zusammen,

nachdem meine Ehe gerade zu Ende geht und ich den Freiraum nutze, ich selbst zu sein, schlägt von überall massive Angst und Abneigung mir entgegen. Vielleicht habt ihr ein paar Gedanken dazu:

- Eigne Mutter: Wenn schon nicht un dich nicht selbst zu ruinieren, denk an die Kinder. Versuche ein Vater zu sein, zumindest, wenn du sie hast oder mit ihnen unterwegs bist.
- Schwiegermutter: Die Kinder werden gemobbt werden und sich ggf. deshalb umbringen. Lass das Crossdressing, wenn du mit ihnen draußen bist ganz sein. Opfer dich, du hast auch bisher Rücksicht auf Ehefrau und Mutter genommen, warte mind. 13 Jahre noch!
- (Ex/noch) Ehefrau: Ab und an gibts den Vorwurf wie eine Prostituierte wg. kurzem Rock auszusehen, sie will Beratungstermine bei Regenbogenfamilien und macht sich sorgen. Sie hinterfrsgt, ob eine 50%-50% Kinderbetreuung im Sinne der Kinder sein wird, wenn ich en femme bin
- Sohn mit ca. 6: Noch okish, mag Makeup nicht, weil er mich sonst nicht so erkennt, Kleidung mal ok mal nicht, mal passe ich dann an. Er würde mich lieber männlicher, Bart piekst aber zum Glück ;p
- Tochter: zu jung, ihr ist aber schon mal Mama rausgerutscht, aus versehen, sonst Papa
- Freunde relaxt
- Eltern von Freunden der Kinder, zumindest mir gegenüber öffentlich relaxt, wobei nur 50% den vollen Umfang kennen von mir
- Therapeutin: Fokus auf mich ... was hier gerade nicht hilft

Tja, da stehe ich nun.

Die Kita hat keine Erklärung von uns erhalten und ich bin dort mit Tagesmakeup, Jeans udn Tshirt enfemme normalerweise zum Bringen und Abholen.

Schule ... kommt nächstes Jahr, uns wurde gerade auf die Lehrkräfte proaktiv zuzugehen.
Momo58
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Re: Kinder und Ängste der Familie bei Transgender Vater

Post 2 im Thema

Beitrag von Momo58 »

Hallo Sophie,

Ich fange jetzt mal mit den Worten deiner Therapeutin an. Richte den Fokus auf dich selbst. Mach was dir Spaß bereitet.
Bei der Äußerungen deiner Mutter stellen sich mir die Nackenhaare hoch. Wie sollst du ein Vater sein, wenn du lieber Sophie bist?

Den Vorschlag deiner Noch-Frau mit der Beratungsstelle finde ich gut. So kann sie dich besser verstehen und dir hilft es bei der Selbstfindung.
Ich empfinde es nicht als Vorwurf, wenn deine Noch-Frau sagt, dass du mit zu kurzem Rock wie eine Prostituierte aussiehst. Crossdresser übertreiben ihren Kleidungsstil manchmal. Ich würde es eher als Styling Beratung ansehen und versuchen mich weiblich, aber Alltags tauglich zu kleiden.

Nicht alle Menschen werden verstehen dass du dich als Crossdresser verstehst. Manche werden sich von dir abwenden. Damit musst du rechnen.

Was das Thema Schule angeht, würde ich auch proaktiv auf die Lehrer zugehen. Das ist schließlich zum Schutz deiner Kinder OK.

Liebe Grüße
Manuela
Wir alle sind nur ein unbedeutendes Staubkorn im Universum
Patricia
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Re: Kinder und Ängste der Familie bei Transgender Vater

Post 3 im Thema

Beitrag von Patricia »

Hallo Sophie,

das Argument was ich denn meinem Sohn antue habe ich vor fünf Jahren auch an den Kopf bekommen. Allerdings ist mein Sohn schon etwas älter als deiner. Er war damals 16 (mittlerweile 21). Ich habe damals mit ihm Sohn gesprochen und ihn gefragt was er davon hält, wenn ich in die Transition gehe. Er war (und ist immer noch) völlig einverstanden. Er erträgt ja sogar zwei von uns, da er zumindest theoretisch noch zu Hause wohnt (Soldat und daher nur am Wochenende zu Hause) und vor etwas mehr als zwei Jahren ist Mirjam bei uns eingezogen. Die beiden verstehen sich auch recht gut.

Mein Antwort damals war eine simple Frage: Wovon profitiert mein Sohn mehr? Von einem Vater der eine Frau ist und glücklich ist, oder von einem Vater der versucht ein Mann zu bleiben und deswegen psychisch am Ende ist?

Damals sagte mein Sohn immer wieder zu mir: Lach doch mal, heute muss er das nicht, denn mir geht es im Wesentlichen gut und ich bin glücklich so wie ich bin.

P.S. auch als Frau kann man ein Vater sein. Mit meiner Art Vater zu sein hatte Mirjam anfangs gewisse Schwierigkeiten, da ich dann auch im Umgang mit meinem Sohn kumpelhafter und männlicher werde, aber ich denke ich bekomme das ganz gut hin.

LG
Patricia
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Re: Kinder und Ängste der Familie bei Transgender Vater

Post 4 im Thema

Beitrag von Lana »

SometimesSophie hat geschrieben: Di 20. Aug 2024, 13:24 Sie hinterfrsgt, ob eine 50%-50% Kinderbetreuung im Sinne der Kinder sein wird, wenn ich en femme bin
Ich nehme das mal raus - weil häufig das Umgangsrecht mit den gemeinsamen Kindern großes Konfliktpotenzial birgt. Ich kann überhaupt nicht einschätzen, wie sich Crossdressing dabei auswirken kann, wenn am Ende ein Richter darüber entscheidet (falls ihr euch nicht einig werdet). Grundsätzlich hast du in solchen Fällen als Vater schlechtere Karten, auch ohne Crossdressing.

Such dir fachkundige Beratung, wenn du nachteilige Regelungen vermeiden möchtest. Der Kommentar deiner Frau ist jedenfalls nicht ermutigend.

Die anderen Ratschläge, sich zunächst um dich und deine Bedürfnisse zu kümmern, sind zwar grundsätzlich richtig. Allerdings sind kleine Kinder im Spiel, deren Bedürfnisse nach einem sicheren Elternhaus nicht erfüllt werden. Ich denke, du solltest versuchen, dies zu berücksichtigen und das Wohlergehen der Kinder an vorderste Stelle setzen. Das bedeutet, selbst zurück zu treten und Crossdressing dann zu machen, wenn die Kinder nicht bei dir sind, zumindest solange sich die Situation nicht stabilisiert hat.

LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
Blaise Pascal
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Re: Kinder und Ängste der Familie bei Transgender Vater

Post 5 im Thema

Beitrag von Mara »

Hallo,

Puh, das hört sich nicht so einfach an.

Für Kinder muss es alles andere als Mobbing und "ruinieren der Kinder" bedeuten. Das zeugt von Unwissenheit der Angehörigen.

Kinder in diesem Alter kommen mit dem "Anders sein" oder der Veränderung des Vaters in der Regel ganz gut zurecht. Dafür gibt es genügend Beispiele. In der Selbsthilfegeuppe mache ich die Erfahrung oft, ebenso wird es in der Fachliteratur so beschrieben.

Hilfreich ist immer eine gemeinsame Linie der Eltern, um zu signalisieren "es ist ok so wie du bist'.
Wenn die Angehörigen da dagegen schiessen denken die Kinder natürlich schnell anders darüber

Es könnte von Vorteil sein, es bei den Kindern mit Veränderungen langsam anzugehen und nicht dein "volles Programm" zu fahren.

Meine Kinder, damals 12 und 17 haben es "verkraftet". Ich: tran*nonbinär und häufig feminin im Alltag und im Job ist es auch bekannt. Das war aber ein langer Weg über Jahre!
Die Kinder heutzutage erleben Vielfalt eher als etwas normales im Gegensatz zu früher, die Gesellschaft in Deutschland ist aufgeklärter als man selbst befürchtet.

Hier Beratung (Regenbogenfamilie) zu holen ist also genau richtig und: Fachliteratur zur Thematik lesen!

Alles Gute für dich und deine Kinder.

Mara
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Re: Kinder und Ängste der Familie bei Transgender Vater

Post 6 im Thema

Beitrag von Helga »

SometimesSophie hat geschrieben: Di 20. Aug 2024, 13:24 Vielleicht habt ihr ein paar Gedanken dazu:
Liebe Sophie,
gerne!
Eltern sein bringt gewaltige Einschränkungen mit sich. Diese Aussage ist keineswegs auf TransX beschränkt, auch cis- Menschen sind hiervon betroffen. Die Einschränkungen sind finanzieller und zeitlicher Natur, sie betreffen die Flexibilität und Mobilität, aber auch Dinge, die als "Herzensangelegenheit" bezeichnet werden können. Hobbys, Wünsche, Pläne, Selbstverwirklichung... vieles muss mal eben um 10, 15, 20 Jahre zurückgestellt werden. Natürlich müssen Eltern dabei aufpassen, dass die eigenen Bedürfnisse nicht komplett ins Hintertreffen geraten, das oft propagierte "selbstbestimmte Leben" ist aber mit Kindern nur sehr eingeschränkt möglich.
Deine Kinder sind in der Sozialisierungsphase. Das heisst sie werden geprägt durch die Eindrücke und den Input, die sie von ihrer Umgebung aufnehmen. Das bedeutet aber auch, dass sie nur soviel Crossdressing ertragen, wie ihre Umgebung erträgt. Du hast die Chance und Aufgabe als Elternteil an dieser Sozialisierung wesentlichen Anteil zu nehmen. Das wird aber nur funktionieren solange die anderen nicht gegen dich arbeiten. Es muss unbedingt verhindert werden, dass im Besein oder sogar über die Kinder Konflikte zwischen Bezugspersonen ausgetragen werden. Damit wären psychische Probleme in der nächsten Generation vorprogrammiert.
Es stellt sich immer die Frage: Wieviel Crossdressing muss, wieviel Crossdressing darf sein. Wenn seitens deiner (noch) Ehefrau der Vergleich zu einer Prostituierten kam ist (ohne diesen Berufsstand abwerten zu wollen) die Grenze des Zumutbaren offensichtlich überschritten. Auch wenn dies Altmodisch klingt: Ein wenig Selbstbeschränkung zum Wohle der Kinder ist durchaus angebracht. Diese sollten auch nicht das Gefühl haben völlig ohne Vater aufzuwachsen.
Noch eine abschließende Bemerkung: Rückblickend auf 23 Jahre Vater-sein möchte ich trotz all der damit verbundenen Einschränkungen auf keine Minute verzichten, die ich für meine Kinder da war und noch immer da bin. Menschen in ihrer Entwicklung zu beobachten und zu begleiten ist eine so wichtige und wertvolle Erfahrung, die durch nichts, was ich vielleicht verpasst habe hätte aufgewogen werden können.
Liebe Grüße
Helga
Was bin ich?- Zunächst einmal bin ich ein Mensch!
Meistens bin ich ein Mann.
Wenn mir danach ist bin ich eine Frau.
Ich muss mich nicht festlegen.
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Re: Kinder und Ängste der Familie bei Transgender Vater

Post 7 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Helga hat geschrieben: Mi 21. Aug 2024, 16:42 die Grenze des Zumutbaren offensichtlich überschritten.
Bei diesem Satz kam mir spontan der Gedanke, dass etliche Meinungen der Angehörigen (darf man das noch so schreien ?) von Sophie das Zumutbare deutlich überschritten haben. Natürlich ist die Sorge um die KInder legitim, aber was sie hier auffahren, ist diskriminierend und ist ziemlich rückwärts gewandt. Auch wenn man sie verstehen kann. Angst frist Seele auf. In diesem Fall Einfühlungsvermögen. Die Haltung, die Einige einnehmen sind aus meiner Sicht auch schädlich für die Kinder, denn man lehrt sie letztlich Intoleranz gegenüber Minderheiten. Letztlich geht es für sie nicht nur um die Kinder, sondern auch um sie selbst. Ich fürchte, da wirst Du noch mehr zu hören bekommen, wenn Du Dein Recht verlangst.

Mein Vorschlag: Hole Dir Unterstützung bei Freunden, aber auch bei Beratungszentren wie z.B. ProFamilia.

Ich glaube nicht, dass die Justiz hier solchen Argumenten folgen und das Besuchsrecht einschränken wird. Aber das soll ein Rechtsanwalt klären.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
SometimesSophie
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Re: Kinder und Ängste der Familie bei Transgender Vater

Post 8 im Thema

Beitrag von SometimesSophie »

Hallo zusammen,

und erst mal Danke für die vielen Beiträge! Da wundert es kaum unterschiedliche Impulse zu finden!

Ich denke gemeinsam mit meiner k.A. Frau zur Beratung zu gehen kann erst mal Ängste nehmen, am Ende hilft vermutlich der Dialog mit Erziehern und Lehrern.

Meine Schwiegermutter soll wohl von ihrer Tochter mal einen Termin für eine persönliche Beratung bekommen, von jemanden der sich mit Transexualität auskennt, damit ggf. ein paar Ängste weniger werden.

Mit meiner Mutter bin ich im Dialog, es ist schwer und auch familiäre Erfahrungen zum Fremdschämen sitzen da tief. Bisher wil sie nicht mit zu meiner Therapie, und auch selbst nirgends Rat suchen - dass muss ich akzeptieren.

Selbst weniger zu tun als bisher fällt mir schwer, ich bin bei 24/7. Minirock ist jetzt nicht der Standard und ich laufe auch nicht krass aufgetakelt rum, mag aber eben Röcke und die sidn eben uach mal nur bis 1/2 Oberschnekel - vermutlich bin ich zwar dafür zu alt... aber so muss ich ja nicht zur Kita oder Schule, logisch. Der Vorwurf prostitiiert zu wirken, war beim CSD, bis auf den Rock war ich aber eigentlich normal udn mit Tagesmakeup, ok Ohrringe waren mal aufälliger.

Noch hoffe ich ja alles epr Eheendvertrag zu regeln, so dass die Launen eines Richters und dessen Weltbild meine Welt nicht abbrennt. Es ist aktuell hart genug.

Meine Kids kennen mich en femme, von daher ist es erst mal nix ungewohntes, sondern schon eher normal und mit meinem Sohn rede ich auch mal darüber.
Anne-Mette
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Re: Kinder und Ängste der Familie bei Transgender Vater

Post 9 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,

wenn ich in Gruppen und/oder Schulen eingeladen war und "zum Thema" sprechen sollte und/oder Einzelpersonen Beratung suchten, habe ich gerne das Buch von Udo Rauchfleisch empfohlen - auch für die
Angehörigen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen wollten.
Es liefert fundierte Informationen für Menschen, die sich informieren wollen und zu etwas Eigenarbeit bereit sind.

Transgender verstehen
Ein Ratgeber für Angehörige, Freund:innen und Kolleg:innen

https://shop.verlagsgruppe-patmos.de/tr ... 11484.html

Auf eine positive Reaktion deines Weges durch das Jugendamt und beteiligte Rechtskundige und Rechtsvertreter würde ich nicht unbedingt bauen.
Das Jugendamt wird hauptsächlich das Wohl von Kindern und Jugendlichen im Blick haben - und eher nicht die Belange eines "Transgender Vaters".
Dabei entscheiden sie, was ihrer Meinung nach "das Beste" für die Kinder ist.

In Trennungs- und Scheidungsverfahren arbeiten die beiden Parteien und ihre vertretenden Rechtsbeistände oft "mit allen Mitteln".
Insofern würde ich mich auf "heftigen Gegenwind" und auch "Fiesigkeiten" einstellen.

Du könntest Kontakt zur dgti aufnehmen, um dort zu erfragen, ob es unter den beratenden Personen welche gibt, die schon Erfahrungen mit Trennungs- und Scheidungsverfahren haben: https://dgti.org/
Von dort Intormationen zu bekommen, könnte helfen.

Herzliche Grüße
Anne-Mette
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Re: Kinder und Ängste der Familie bei Transgender Vater

Post 10 im Thema

Beitrag von SometimesSophie »

Das Buch gucke ich mir mal an, danke für den Link. Aktuell setze ich alles daran per Eheendvertrag nur mit Notar ein Fundament für eine einvernehmliche Trennung aufzusetzen.

Vor Gericht möchte ich nicht wirklich, bis auf die formale Pflicht. Das würde sicherlich eh unschön werden und zulasten unserer Kinder gehen.
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