Asperger-Syndrom
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Michi
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Asperger-Syndrom

Post 1 im Thema

Beitrag von Michi »

Angetrieben durch die immer wieder zu Tage tretenden Probleme in einem bestimmten Thread, die ich zum Teil bzw. in anderer Ausprägung auch bei mir selbst kenne, möchte ich mal dieses Thema aufmachen.


Vor dem Hintergrund, dass niemand von uns möchte, dass ihr/ihm ein Außenstehender erklärt, wie CD / trans* / inter / queere Menschen ticken, möchte ich ausdrücklich darum bitten, dass sich die Nicht-Betroffenen mal konsequent verkneifen, uns von Asperger Betroffenen von außen erklären zu wollen, wie wir sind und wie wir uns fühlen!

Wie ihr ja aus eigenem Erleben wisst, ist ein Leben als nicht heteronormativer Mensch schon schwer genug. Zusätzlich aber auch noch neurodivers zu sein, macht unser Leben nochmals komplizierter.

Darum kommt es richtig doof, wenn ihr als Nicht-Betroffene mit Ratschlägen ankommt, die sich üblicherweise auf dem selben Niveau bewegen, wie wenn man einer Transfrau sagt, sie soll sich einfach mal wie ein richtiger Mann benehmen, dann würde das schon werden.

Was ebenfalls unangebracht ist, aber auch sehr oft gemacht wird ist, Betroffenen ihr Anders-Sein abzusprechen, und zu unterstellen, dass sie ja nur asozial, empathielos, egoistisch, eigenbrödlerisch, unwillig und was noch alles sind.

Ich würde mir wünschen, dass ihr statt dessen Fragen stellt, genau so wie ihr sie im Bezug auf euer CD / trans* / inter / queer erwartet.



Weil man insbesondere in der Schriftform nicht so gut vermitteln kann, was Asperger (als Teil des Autismus-Spektrums) für Betroffene bedeutet, werde ich nachfolgend (nach und nach) mal ein paar Videos anbieten, die ich als geeignet empfinde. Bei Fragen zitiert bitte den jeweiligen Beitrag, und gebt bitte dazu die Zeit der Stelle im Video an, auf die ihr euch bezieht, damit sowohl Betroffene, die eine Antwort geben möchten, als auch andere Interessierte nachschauen und nachvollziehen können.

Zwei Begriffe, die öfter mal auftauchen werden, möchte ich gleich vorweg erklären:

- Neurotypisch (abgekürzt NT) meint den "normalen" Menschen, entspricht dem Cis-Menschen, von dem wir hier häufig reden.

- Neurodivers (abgekürzt ND) meint Menschen mit neurobiologischen Abweichungen, hier insbesondere das Autismus-Spektrum und AD(H)S.


Vielen Dank für euer Interesse.
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
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Re: Asperger-Syndrom

Post 2 im Thema

Beitrag von Michi »

Ich habe mich schwer getan, welches Video ich als Einstieg bringen soll, denn es wird sicherlich bei jedem Video irgendwer unzufrieden sein. Darum bitte etwas Geduld, es werden in den nächsten Tagen noch weitere folgen.

Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
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Blossom
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Re: Asperger-Syndrom

Post 3 im Thema

Beitrag von Blossom »

Finde ich eine gute Idee ... und ja, mach das mal. Vielleicht lerne ja auch ich noch etwas hin ... wenngleich: Ich war viele Jahre mit einer Frau zusammen, deren Sohn Autist ist. Und aktuell habe ich zwei Autisten unter meinen betreuten Schäfchen, von denen einer Asperger ist.
Jeder hat in seinem Leben Menschen um sich, die schwul, lesbisch, transgender oder bisexuell sind.
Sie wollen es vielleicht nicht zugeben, aber ich garantiere, sie kennen jemanden.
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Re: Asperger-Syndrom

Post 4 im Thema

Beitrag von Lea Michele »

Ist ein interessantes Thema.
Ich kam über meine Tochter mit dieser Thematik in Berührung, da sie bei der Lebenshilfe und in Österreich mit Meschen die Autismus und Asperger haben gearbeitet hat.
Freue mich über weitere Ausführungen!

GLG Lea Michele (he) (ki) (he)
Auf dem Weg endlich so zu sein wie ich mich fühle❣️
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Re: Asperger-Syndrom

Post 5 im Thema

Beitrag von Lorelai74 »

Super Idee Michi,

danke dass du informieren willst.
Ich bin auch ND - hab ne adhs Diagnose,
Mein 1 Sohn Asperger und der andere nen nix zwischen Adhs & Asperger.

Besonders wichtig dass du Hier informierst, ist es meiner Meinung nach aus dem Grund dass Neurodiverse Menschen 5-7mal häufiger auch Genderdysphorisch/transidenitär sind. Das bedeutet aber auch umgekehrt, dass in einer Gruppe von transidentitären Menschen viel mehr ND- Menschen vorhanden sind, als in einer gleich großen Gruppe CIS Menschen.

Übrigens geht es mit adhs genauso wie bei Asperger:
erzählt man anderen davon, dann kommt schnell nen schlauer Spruch. Bei ADHS sind die Klassischen : Och ein bisschen ADHS hat doch dann jeder, nicht? Oder (mag ich auch sehr) : Streng dich einfach mehr an!



Danke 🙏🏻

VLG
Lori
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Re: Asperger-Syndrom

Post 6 im Thema

Beitrag von Michi »

Ich möchte mich erst mal kurz bei euch bedanken. (dr)

Das Interesse war dann doch größer, als meine liebe Frieda und ich erhofft hatten.

Auf ein paar Punkte werde ich in meinen folgenden Reaktionen noch näher eingehen ...
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
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Re: Asperger-Syndrom

Post 7 im Thema

Beitrag von Michi »

Blossom hat geschrieben: Mi 5. Jan 2022, 22:16 ... Sohn Autist ... aktuell ... zwei Autisten ...
Liebes Blümchen, liebe alle hier,

danke für die Vorlage, auch wenn sie wohl nicht beabsichtigt war.

Es kam mir gleich noch eine Art Sprichwort/Lebensweisheit in den Sinn, was öfter mal auftaucht, wenn es um das Wesen, Eigenschaften etc. von Autisten geht:

Kennst du einen Autist, kennst du einen Autist.
(Den Satz kann man übrigens genau so auf das weite Feld Trans* anwenden. :wink: )

Denn leider bekommen Betroffene oft zu hören: "Du bist gar kein richtiger Autist/Asperger, denn ... .", und dann folgen für gewöhnlich Vergleiche mit irgendwelchen Extremfällen, die mal im TV oder Film gezeigt wurden, oder aber irgendwelches Halbwissen aus dubiosem Klick-Bait-Content.


Liebe Grüße
Michi
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Re: Asperger-Syndrom

Post 8 im Thema

Beitrag von Blossom »

MichiWell hat geschrieben: Do 6. Jan 2022, 17:44 danke für die Vorlage, auch wenn sie wohl nicht beabsichtigt war.
Oh, so war es in der Tat nicht beabsichtigt ... Natürlich sind sie alle verschieden, mit unterschiedlichen Ausprägungen. Es war eher der Hinweis: Autismus und der Umgang mit Betroffenen ist mir nicht fremd.
Jeder hat in seinem Leben Menschen um sich, die schwul, lesbisch, transgender oder bisexuell sind.
Sie wollen es vielleicht nicht zugeben, aber ich garantiere, sie kennen jemanden.
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Re: Asperger-Syndrom

Post 9 im Thema

Beitrag von Michi »

Lorelai74 hat geschrieben: Mi 5. Jan 2022, 23:07 Ich bin auch ND - hab ne adhs Diagnose,
Mein 1 Sohn Asperger und der andere nen nix zwischen Adhs & Asperger.
Liebe Lori, liebe alle hier,

an das Thema bin ich durch meinen Sohn herangekommen. Er hatte auch so seine Probleme, und schließlich wurde bei ihm ADS diagnostiziert. Und weil ich bei ihm deutliche Parallelen zu meinen Problemen sah, die sich durch mein gesamtes Leben zogen, so weit ich mich zurück erinnern kann, war meine Neugier geweckt, und ich bin am Thema geblieben. Dafür bin ich einfach schon immer zu hungrig nach Information und Wissen gewesen.

(Einschub: Ich habe erst meinen Vater Löcher in den Bauch gefragt, und später alles gelesen, was ich in die Finger bekam. Ich habe mir schon Ende der 2. Klasse das Recht erstritten, in der Kinderbibliothek Bücher ausleihen zu dürfen, die für höhere Klassenstufen vorgesehen waren, und bin vorzeitig in die Erwachsenenbibliothek gewechselt.)

Über die Zwischenstufe ADS bin ich schließlich zum Asperger-Syndrom gekommen. Es gibt da in den Symptomen deutliche Überschneidungen, aber mit ADS waren nicht alle meine Probleme erklärbar.
Lorelai74 hat geschrieben: Mi 5. Jan 2022, 23:07 Besonders wichtig dass du Hier informierst, ist es meiner Meinung nach aus dem Grund dass Neurodiverse Menschen 5-7mal häufiger auch Genderdysphorisch/transidenitär sind.
So konkret hätte ich es jetzt nicht sagen können, aber ich hatte schon mal vermutet, dass es so sein könnte.

Über die Jahre sind mir mehrere von uns bei Teffen im Cross&Queer in Chemnitz sowie in der Rosalinde in Leipzig als wahrscheinlich Betroffene von AD(H)S und Asperger aufgefallen. Zum Teil habe ich sie auch direkt darauf angesprochen, und meine Beobachtungen als zutreffend bestätigt bekommen.

Nun könnte jemand kommen und sagen: "Ihr Autisten habt doch eure Probleme mit Mimik und Körpersprache, und wenn du das sehen kannst, dann bist du gar keiner." - Das mag irgendwie plausibel klingen, geht aber am Problem vorbei. Denn Autismus ist ebenso wie Trans* ein breites Spektrum, und anderen Betroffenen mag es durchaus unmöglich sein. Jedoch, und da spreche ich hier nur für mich, fallen mir die Personen deswegen auf, weil sie sich deutlich anders verhalten als die "Normalen". Da springt bei mir irgendwie eine Mustererkennung an, die ich auch auf anderen Gebieten erlebe, wo ich Dinge wahrnehme, die alle anderen übersehen. Durch die schlecht funktionierende Filterung der auf mich einstürmenden Sinnesreize (so wie auch bei AD(H)S Betroffenen) fallen sie mir in der Masse zunächst als Unregelmäßigkeit auf, und werden dann genauer beobachtet. Zudem habe ich viele viele Jahre mir selbst auferlegtes Training hinter mir, um als Aspi (Kurzwort für von Asperger Betroffene) wenigstens einigermaßen in der "normalen" Welt zurecht zu kommen.
Lorelai74 hat geschrieben: Mi 5. Jan 2022, 23:07 Übrigens geht es mit adhs genauso wie bei Asperger:
erzählt man anderen davon, dann kommt schnell nen schlauer Spruch. Bei ADHS sind die Klassischen : Och ein bisschen ADHS hat doch dann jeder, nicht? Oder (mag ich auch sehr) : Streng dich einfach mehr an!
Ganz genau so ist das. Und es passiert auch anderen Menschen mit psychischen Problemen, etwa bei Depressionen. Da ist der Klassiker: "Du musst einfach positiv denken!" ... ein derber verbaler Faustschlag ins Gesicht der Betroffenen. :cry:


Liebe Grüße
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Re: Asperger-Syndrom

Post 10 im Thema

Beitrag von Michi »

Anne-Mette hat geschrieben: Do 6. Jan 2022, 17:54 Michi, du hast von "weiteren Videos" geschrieben.
Mir ist ein Beitrag bei FrauTV aufgefallen, den es auch auf YouTube gibt. Sicherlich ist auch das kein "Erklär-Video",
Hallo Anne-Mette,

danke der Nachfrage. Ja, ich werde auf jeden Fall weitere Videos bringen. Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass es gar nicht so einfach ist, und nicht alles, bei dem ich pausenlos nickend zuschaue für NTs verständlich sein muss. Ich bin noch bei der Sichtung. Mit so schnellen Reaktionen hatte ich auch nicht gerechnet, möchte aber gern zeitnah darauf eingehen.

Und zu deinem Video von FrauTV .. so schlecht finde ich es nicht. "Erklär-Videos" müssen für mich nicht einem bestimmten Schema folgen, müssen nicht von ausgewiesenen Experten kommen, und als starre Aufzählung von Fakten ausgeführt sein. Ich denke, es ist für Außenstehende hilfreich, auch am Beispiel von Betroffenen und ihrem Erleben im Alltag die unterschiedlichen Probleme und Ausprägungen zu sehen.


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Re: Asperger-Syndrom

Post 11 im Thema

Beitrag von Lana »

MichiWell hat geschrieben: Do 6. Jan 2022, 18:28
Lorelai74 hat geschrieben: Mi 5. Jan 2022, 23:07 Besonders wichtig dass du Hier informierst, ist es meiner Meinung nach aus dem Grund dass Neurodiverse Menschen 5-7mal häufiger auch Genderdysphorisch/transidenitär sind.
So konkret hätte ich es jetzt nicht sagen können, aber ich hatte schon mal vermutet, dass es so sein könnte.
Hallo,

dazu gibt's einen Beitrag in einem älteren Thema:

Asperger Autismus

LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
Blaise Pascal
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Re: Asperger-Syndrom

Post 12 im Thema

Beitrag von Lorelai74 »

Hi Michi,

Es gibt zwischen Überschneidungen zwischen
Autismus, ADHS (in US lässt man das H immer
Mit drin, weil es auch ein Spektrum ist und mal
Vorkommt oder auch nicht), allgemeiner Angststörung, und Sensorischer Reizverarbeitungsstörung.
Es kann auch Autismus und ADHS vorkommen.

Auch Traumta haben viele Symptome überschneidend mit Autismus, ADHS und Angststörung.

Man könnte den Spruch: kennst du einen Autisten, dann kennst du genau einen Autisten auch erweitern zu: kennst du einen Neurodiversen Menschen, dann kennst du einen neurodiversen Menschen.

Ich denke wichtig ist zu vermitteln ist, das Neurodivers grundsätzlich erstmal heißt, dass das Gehirn abweichend funktioniert wie normal. Und dass dieses Abweichen viele Auswirkungen haben kann:
  • Die Wahrnehmung und Einordnung von Sinneseindrücken,
  • Das Empfinden von Stress
  • Die Steuerung von Emotionen,
  • Die Steuerung von Fokus und Aufmerksamkeit,
  • Hypersensivität
  • Hyperaktivität
  • Die Sogenannten Exekutivfunktionen:
    • Das Strukturieren, Planen und Prioritäten setzen und selbst Aktivierung
    • Fokussierung auf Aufgaben, Aufrechtzuerhalten von Aufmerksamkeit und Aufgabenwechsel
    • Die Aufrechterhaltung von Leistung und Verarbeitungsgeschwindigkeit
    • Frustrationsbewältigung und Emotionsregulation
    • Der Gebrauch von Kurzzeitgedächtnis und Lernen
    • Die Aktivitätsüberprüfung und Selbstregulation
ND Menschen können Dinge nicht die normale Menschen können. Da hilft auch keine Aussage: Streng Dich mehr an oder man muss halt wollen, oder man kann alles erreichen.
Es ist wie eine Rot -Grün Blindheit bloß auf viel mehr Bereiche des Lebens. Jemand der RG Blind ist, kann auch mit viel Anstrengung die Beiden Farben nicht erkennen.

So ist es auch bei ND Menschen.

Die Variation kann dabei in jedem Punkt oben 0-100 Prozent betragen. Deswegen heisst es oft auch Autismusspektrum oder ADHS Spektrum. Spektrum ist das was man vom Regenbogen kennt. Mal kann er voll sein, mal
Nicht, mal doppelt und alle Farben stark mal scheint eine Farbe zu fehlen. So ist es auch hier.

Für mich gibt es auch ein Transidentiäres Spektrum- von Mann mit Rock über CD bis zu TS.

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Re: Asperger-Syndrom

Post 13 im Thema

Beitrag von Lina »

@Ganz genau so ist das. Und es passiert auch anderen Menschen mit psychischen Problemen, etwa bei Depressionen. Da ist der Klassiker: "Du musst einfach positiv denken!" ... ein derber verbaler Faustschlag ins Gesicht der Betroffenen. :cry:

Könnte eigentlich gut den ersten Platz der nutzlosesten Ratschläge einnehmen. Zumindest in der verstärkten Form: "Warum versuchst du nicht einfach positiv zu denken?" Dann haben wir nämlich auch den Vorwurf durch das Wort "warum" samt eine Negation mit drin, während "versuchst" schon suggeriert, dass es nicht gelingen wird. - "Ich versuchte, die Tür zu öffnen." Konnte ich die öffnen?

Alternativ-Vorschlag an euch, die mal "Du musst einfach positiv denken!", gesagt habt: Wie wäre es, wenn ihr positiven Input geben würdet statt zu erwarten, dass die Person, die nicht weiter kommt, plötzlich von selbst den postitiven Input finden sollte. Wie sollte sie das? Nicht wirklich logisch, oder? Logisch ist nämlich, dass jeder so positiv denkt, wie es in der Situation im möglich und zielführend erscheint. Erst durch neuen Input wird Neues möglich. Durch Vorwurf und Negativsuggestion wird es verhindert.
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Re: Asperger-Syndrom

Post 14 im Thema

Beitrag von Blossom »

Lina hat geschrieben: Fr 7. Jan 2022, 02:24 Und es passiert auch anderen Menschen mit psychischen Problemen, etwa bei Depressionen.
die hier aber nicht Thema sind!
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Re: Asperger-Syndrom

Post 15 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Guten Morgen in die Runde,

danke Michi für den Fred. Mit Asperger habe ich vermutlich zwar wenig zu tun, aber einige der typischen Punkte würde ich bei mir auch sehen. Was mich interessiert ist die Verbindung zwischen Asperger und Transgender. Ich habe für mich einmal festgestellt, dass ich meine Zeiten als Frau in besonderer Weise genieße und mich entspannt fühle. Das geht wohl einigen hier so. Als Ursache habe ich damals ausgemacht, dass ich en femme praktisch keinem äußeren Druck unterliege. Kein Mensch und keine "Regel" engt mich ein. Ich kann problemlos alle Rollen von der Hausfrau bis zur Prostituierten (nur zuhause) und vom Vamp bis zur Bürofrau leben. Und ich rede jetzt nicht von sexuellen Hintergründen, sondern einfach von meinem Dasein als Frau.

Hier lese und höre ich, dass Asperger oder Autisten im Allgemeinen großen Stress im Umgang mit anderen Menschen haben. Den habe ich als Mann in Grenzen auch. Ich glaube nicht, dass es mir an Empathie fehlt, aber Dinge wie Smalltalk langweilen mich sehr. Die damit verbunden Regeln kenne ich im Prinzip zwar und kann damit auch umgehen, aber ich komme lieber gleich auf den Punkt. Als Frau ist das einfacher. Ich bin weniger zielgerichtet sondern lebe im Augenblick. Bin ich beispielsweise beim Shopping, freue ich mich über eine freundliche Bemerkung der Verkäuferin. Der einzige Zweck ist mein Dasein als Frau. Als Mann habe ich andere Anforderungen zu bewältigen. Da muss ich an viel mehr denken, Termine, Einkäufe, Beruf ... Das stresst mich mit zunehmendem Alter mehr. Einzig, wenn ich mich auf eine Sache konzentrieren kann, Hobby, am Haus arbeiten oder kochen bin ich ganz und voller Freude bei der Sache.

Ist das bei Autisten ähnlich ? Oder gibt es grundlegende Unterschiede im Erleben der Weiblichkeit ?

Noch ein anderer Aspekt. Die Diskussion um Autismus ist immer verbunden mit einer "Störung". Ich finde das schrecklich und erinnert mich an die Diskussion, ob Transgendersein pathologisch ist. Kaum hat man es von der Liste der Krankeiten gestrichen, sind auf einmal viele Menschen gesund. Krank machen die Lebensumstände und wenn wir Transgender Hilfe brauchen, dann ist das in diesem Bereich. Frei mach dem tollen Satz bei "Beinderten": Wir sind nicht krank, wir werden krank gemacht. Transgender ist keine Krankheit, sondern eine Eigenschaft, eine Qualität und eine Fähigkeit.

ich habe mit HSP (high sensitive person oder hochsensible Person) ähnliche Erfahrungen wie beim Autismus gemacht. Ich kann Dinge und Zusammenhänge erkennen, die andere nicht sehen. Auch das ist eine Eigenschaft, die mit der Verarbeitung von Informationen zu tun hat. Die notwendigen Filter, die die zu verarbeitenden Signale auf ein notwendiges Maß reduzieren, lassen einfach mehr Infos durch. Die Nichtanerkennung dieser Eigenschaft durch Andere ist eine Belastung und die Reizüberflutung lässt mich oftmals schneller ermüden. Für Andere ist das eine geringere Belastbarkeit. Sie haben aber auch keine Belastung wie ich zu tragen.

Autismus verstehe ich in diesem Sinn ähnlich. Durch eine andere Signalverarbeitung im Gehirn, haben Autisten Fähigkeiten, die andere nicht haben. Das bedingt zwangsläufig geringere Fähigkeiten auf anderen Gebieten. Was soll daran pathologisch sein ? Für mich haben Autisten keine "Störung", sondern sind besonders wertvolle Menschen. Sie werden massiv unterschätzt.

Ich bin davon überzeugt, wenn man die Gesellschaft im Allgemeinen in diesem Sinne weiter entwickelt und die Fähigkeiten von Transgender, HSP, Autisten und anders ansieht, nämlich ihre Fähigkeiten und ihre Einschränkungen, ist der Umgang untereinander friedvoller und befriedigender. Wir sind nicht "komisch", nur weil viele uns so sehen. Wir sind Klasse und brauchen nur etwas Rücksicht an anderer Stelle.

Ist das falsch gedacht ?
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
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