-«Wenn wir über unsere Endlichkeit sprechen können...
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Anne-Mette
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«Wenn wir über unsere Endlichkeit sprechen können...

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

...nimmt uns das die Angst-»

Ein Interveiw bei/von: https://www.republik.ch/2021/02/03/wenn ... obal-de-DE

Gruß
Anne-Mette
Annette
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Re: «Wenn wir über unsere Endlichkeit sprechen können...

Post 2 im Thema

Beitrag von Annette »

Guten Abend Anne-Mette,

das beschriebene Thema all der persönlichen Tragödien infolge der Corona-Pandemie lasse ich mal außen vor, dieses Thema ist ja auch ganz real, doch am meisten beeindruckt mich, was ich hier zwischen den Zeilen lesen konnte. Ich muss sagen, das ist ein wirklich schöner Bericht und vor allem ganz sachlich geschrieben. Ganz ohne den religiösen Eifer, der bei diesem Thema oftmals zum Vorschein kommt. Das Wort "Gott" wird zwar hier und da mal erwähnt, doch eher ganz beiläufig und vor allem ohne zu fordern, ohne einem dieses Hirngespinst (meine eigene Meinung) aufzwingen zu wollen. Damit hat Frau Müggler meinen Respekt verdient, und das obwohl sie als Nonne zu denjenigen gehört, denen ich eher nicht meinen Respekt erweisen möchte. Ich sage das, denn ich bin überzeugte Atheistin und damit gegen jegliche Form von Glaube und spiritueller Indoktrination. So sollten Geistliche doch eigentlich sein, ganz selbstlos und altruistisch. Gutes tun eben, und nicht nur predigen und ihren hörigen Schäfchen ein völlig entrücktes Weltbild vorzugaukeln. Nächstenliebe, ohne religiösen Firlefanz...

In diesem Sinne,
danke für diesen Bericht

Annette
ExuserIn-2022-05-22
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Re: «Wenn wir über unsere Endlichkeit sprechen können...

Post 3 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2022-05-22 »

Sterben... es sterben so viele an Corona... Ja. Aber es sterben jeden Tag viele . Das war vor Corona so und das wird nach Corona so sein. Ich finde diese Diskussion darum dermassen zynisch. Niemand interessiert das sterben an anderen Krankheiten . Weder wenn es um Deutschland geht noch um fremde Länder. Es sei es geht um Corona. Der Mensch ist von Krankheiten umgeben und jeder wird an einer davon sterben.
Im April soll es eine Gedenkfeier für die Coronatoten geben. Da frage ich mich was werden wohl die Angehörigen der Toten denken die an Herz Kreislauf , Tumor, Unfälle ect gestorben sind.
Warum dieser Hype? Weil es auch in Deutschland einschlägt? Klar Afrika ( Hunger , Malaria usw) ist weit weg. Schön verdrängt.... jetzt sterben Deutsche ... das ist ganz nah. Auf einmal rückt Sterben in den Fokus.
Der Mensch wird alt , krank und stirbt. Ein Naturgesetzt das noch niemand überwunden hat.
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Re: «Wenn wir über unsere Endlichkeit sprechen können...

Post 4 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Alyssa hat geschrieben: Sa 6. Feb 2021, 19:51 Niemand interessiert das sterben an anderen Krankheiten . Weder wenn es um Deutschland geht noch um fremde Länder.
Woher nimmst du diese Sicht?
Das ist mir viel zu allgemein ausgedrückt.
Ich habe mich zwangsläufig die letzten Jahre ausführlich mit dem Thema auseinandergesetzt und hatte nicht den Eindruck, dass es andere Menschen nicht interessiert.
Es gibt Schwierigkeiten, sich damit auseinanderzusetzen, ja, aber ich denke nicht, dass es ein "nur Corona Thema" ist.

Gruß
Anne-Mette
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Re: «Wenn wir über unsere Endlichkeit sprechen können...

Post 5 im Thema

Beitrag von Franka »

Alyssa hat geschrieben: Sa 6. Feb 2021, 19:51 ...Der Mensch wird alt , krank und stirbt. Ein Naturgesetzt das noch niemand überwunden hat.
Ich finde das soll auch so bleiben.
Trotzdem ist dein Beitrag etwas oberflächlich. Gegen einige Tode kann ich persönlich angehen, nicht rauchen, trinken, Gewicht halten, wenig Zucker zu mir nehmen usw. Bei Corona hilft mir das alles wenig, da muss ich mich auf mein Immunsystem verlassen und das kenne ich nicht besonders gut.
Wir bekommen mit unserer Geburt das Leben geschenkt, doch viele von uns haben noch nicht einmal das Geschenkpapier abgemacht.
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Re: «Wenn wir über unsere Endlichkeit sprechen können...

Post 6 im Thema

Beitrag von conny »

Gegen einige Tode kannst Du nur vermeintlich angehen, denn diesem kannst Du nicht letztlich nicht entrinnen.

Ich finde den Artikel gut. Viel zu oft wird der Tod, der zu unserem Leben zwangsläufig dazu gehört, in einer hedonistischen Lebensweise ausgeblendet und tabuisiert. Der Tod insbesondere naher Angehöriger muß verabeitet werden, was oft sehr schwierig ist, vielen Hilft dabei der Glaube.
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Re: «Wenn wir über unsere Endlichkeit sprechen können...

Post 7 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2022-05-22 »

Anne-Mette hat geschrieben: Sa 6. Feb 2021, 20:01
Alyssa hat geschrieben: Sa 6. Feb 2021, 19:51 Niemand interessiert das sterben an anderen Krankheiten . Weder wenn es um Deutschland geht noch um fremde Länder.
Woher nimmst du diese Sicht?
Das ist mir viel zu allgemein ausgedrückt.
Ich habe mich zwangsläufig die letzten Jahre ausführlich mit dem Thema auseinandergesetzt und hatte nicht den Eindruck, dass es andere Menschen nicht interessiert.
Es gibt Schwierigkeiten, sich damit auseinanderzusetzen, ja, aber ich denke nicht, dass es ein "nur Corona Thema" ist.

Gruß
Anne-Mette
Nun. dieser Eindruck entsteht wenn man den Fernseher anmacht. Noch nie wurden in dieser Form Todeszahlen veröffentlicht. Man kann den Eindruck bekommen man stirbt nur noch an Corona. Alles andere existiert nicht mehr. Und richtig wie du schreibst es ist nicht nur ein Corona Thema. Genau das will ich sagen.
Ich habe vor ca 10 Jahren einen sehr guten Kumpel ins Krankenhaus gefahren und war drei Monate später auf seiner Beerdigung. Der war 42 Jahre alt.
Das merkt man sich ..... und da gab es noch kein Corona.. Zu diesen frühen Toden auf Grund von Krankheiten ( nicht Corona) habe ich noch nie eine Statistik gesehen im TV. Anscheinend nicht spektakulär genug. Für mich ist das alles zynisch. Uns , die Öffentlichkeit interessiert es nur weil es "dicht einschlägt". Wäre Corona nur auf Asien begrenzt würde niemand drüber berichten.
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Re: «Wenn wir über unsere Endlichkeit sprechen können...

Post 8 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2022-05-22 »

Franka hat geschrieben: Sa 6. Feb 2021, 20:26
Alyssa hat geschrieben: Sa 6. Feb 2021, 19:51 ...Der Mensch wird alt , krank und stirbt. Ein Naturgesetzt das noch niemand überwunden hat.
Ich finde das soll auch so bleiben.
Trotzdem ist dein Beitrag etwas oberflächlich. Gegen einige Tode kann ich persönlich angehen, nicht rauchen, trinken, Gewicht halten, wenig Zucker zu mir nehmen usw. Bei Corona hilft mir das alles wenig, da muss ich mich auf mein Immunsystem verlassen und das kenne ich nicht besonders gut.
Ja richtig. Und trotzdem hilft das lediglich begrenzt. Irgendwann ( hoffentlich spät ) ist es trotzdem soweit. Das Naturgesetz.....
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Re: «Wenn wir über unsere Endlichkeit sprechen können...

Post 9 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2022-05-22 »

conny hat geschrieben: Sa 6. Feb 2021, 20:43 Gegen einige Tode kannst Du nur vermeintlich angehen, denn diesem kannst Du nicht letztlich nicht entrinnen.

Ich finde den Artikel gut. Viel zu oft wird der Tod, der zu unserem Leben zwangsläufig dazu gehört, in einer hedonistischen Lebensweise ausgeblendet und tabuisiert. Der Tod insbesondere naher Angehöriger muß verabeitet werden, was oft sehr schwierig ist, vielen Hilft dabei der Glaube.
Diese gescholtene " hedonistische Lebensweise" ist eine lebensbejahende Lebensweise weil ihre Anhänger sich ihrer Endlichkeit bewusst sind. Wie oft hört man das mache ich später zb in der Rente . Aber was ist wenn es dieses Später nicht gibt.? Hätte man mal früher richtig gut gelebt. Wie oft hört man man wird heute uralt . Aber wie? Ich komme ständig auf einer Geriatriestation vorbei...... so wird man dann sein wenn man alt geworden ist. Deswegen heute leben , wer weiß was morgen ist.
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Re: «Wenn wir über unsere Endlichkeit sprechen können...

Post 10 im Thema

Beitrag von Blossom »

Der Tod ist allgegenwärtig. Er war es immer und es wird immer sein. Es liegt in unserem Wesen den Gedanken an die eigene Sterblichkeit zu verdrängen. Beruflich habe ich als Intensivschwester auch palliativ gearbeitet und kann mich den Aussagen Frau Mügglers nicht entziehen. Menschen in ihren letzten Stunden begleiten zu dürfen ist eine "ºwunderschöne Aufgabe"¹. Darin stimme ich ihr zu, ergänze aber: Sie ist zugleich schwer und belastend. In der ambulanten Versorgung war ich in diesen Fällen Schwester, Seelsorgerin und betreuende Ansprechpartnerin der Angehörigen zugleich.

In all den Jahren sind mir über 300 Menschen in den Armen eingeschlafen und haben mir dankbar die Hand gedrückt — oft brachten sie kein Wort mehr heraus, aber es reichten Blicke. Und ich gestehe ohne Schande, dass ich jedes Mal geweint habe. Ich erinnere mich gut an vielen Heimfahrten mitten in der Nacht, in denen ich vor Tränen kaum die Straße gesehen habe. Und immer habe ich mir gesagt, dass ich meinen Beruf an den Nagel hängen werde, wenn ich feststellen sollte, dass ich dazu nicht mehr fähig bin — denn dann habe ich die erforderliche Empathie verloren, die es braucht, um diese Arbeit zu machen.

Sie hat recht, wenn sie sagt, dass wir das Sterben lernen müssen "¦ und wie sie, habe auch mich schon gefragt, was von mir einst zurückbleiben soll. Und so Ernst das Thema auch ist, ich sage mir dann immerzu: Schreib noch den Hammer-Roman, der über das Jahrhundert meines Todes hinaus Legionen von Schulkindern im Deutschunterricht an den Rand des Wahnsinns bringen wird ... aber ja: meine Gedichte, Kurzgeschichten, Novellen und Romane werden mich überdauern und bleiben. Ich habe meine Fußstapfen hinterlassen, zumindest solange, wie es die Deutsche Nationalbibliothek geben wird.

Sich mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen bedeutet für mich auch, mich dem Wunder dieser Welt hinzugeben "¦ Selbst ein Blümchen, weiß ich sehr genau, dass ich einst verwelken werde. Mir ist das bewusst und deshalb erfreue ich mich an jedem Frühjahr, wenn die ersten Blumen aus dem Boden brechen und ihre Köpfchen heben "¦ Ganz sicher lebe ich durch die Auseinandersetzung mit meiner eigenen Vergänglichkeit bewusster "¦ Ich bin dankbar gesundheitlich fit zu sein, auch wenn ich mich im bereits im beginnenden Herbst meines Lebens befinde.

Wie Frau Müggler erinnere ich mich an einen alten Mann. Heinrich war 88 als ich in erstmal kennenlernte. Er war lebenslustig, immer gut gelaunt, lachte viel. Ja, er war bereits leicht verwirrt, weshalb er mich jeden Freitag, wenn ich zum Baden kam, fragte: Hab ich dir schon gesagt, wie alt ich bin. Und ich habe geantwortet: Ja, Heini, hast du. 88. Worauf er lachte und meinte: Stimmt. Aber leben ist so schön. Ich mache noch ein paar Jahre, und wenn ER mich dann abruft, dann wird es gut gewesen sein.

Und wenn es um Zynismus im Zusammenhang mit dem Thema Sterben geht, dann lest mal nach, was Frau Elisabeth Kübler-Ross so meint und schreibt. Eine Frau, die einmal gesagt hat: -»Sterben - das ist, wie würde man bald in die Ferien fahren. Ich freue mich schon unheimlich.-« (Stern Online, 25.08.2004)

Mir zumindest nimmt es die "ºAngst"¹ vor dem Tod, wenn ich mir meiner Endlichkeit bewusst bin und darüber sprechen kann, auch wenn es keine Fahrt in die Ferien werden wird.

Und zum guten Schluss ein Gedicht aus meinem Lyrik-Band "Aus der Zeit gefallen":

Des Alters weiße Flocken,
wehn in des Greises Locken,
er sehnet sich nach Ruh'.

Aus weiten Himmelsfernen,
dort oben von den Sternen,
winkt ihm ein neuer Frühling zu.
Jeder hat in seinem Leben Menschen um sich, die schwul, lesbisch, transgender oder bisexuell sind.
Sie wollen es vielleicht nicht zugeben, aber ich garantiere, sie kennen jemanden.
Billie Jean King (*1943)
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Re: «Wenn wir über unsere Endlichkeit sprechen können...

Post 11 im Thema

Beitrag von Annette »

Zum Thema Endlichkeit und Vergänglichkeit kann ich noch eine eigene Erfahrung beisteuern,...

eines Tages traf ich einen guten Freund, der erzählte mir, er wäre gerade in der Klinik wo er eine Tote identifizieren musste. Ich wollte schon einen makabren Scherz machen, da brachen auch schon die Dämme... die Tote war seine Tochter, 22 Jahre jung. Das ist nun 8 Jahre her und es ergreift mich immer noch. Mehrmals schon habe ich menschliche Tragödien miterlebt und auch Tote gesehen, doch nichts ist schlimmer als wenn Eltern ihre eigenen Kinder zu Grabe tragen müssen. Und es tut so unsäglich weh, dieser natürliche Prozess der Endlichkeit und Vergänglichkeit, der vor unseren Lieben nicht Halt macht und eines Tages auch uns selbst einverleibt. Zur Totenfeier hatte ich damals folgende Zeilen beigesteuert...

Herbstlaub

Nichts geht verloren
nichts entsteht neu.

Es ist wie im Spätherbst
wenn die Blumen verwelken,
das Getier sich im Bau verkriecht und
das Laub von den Bäumen fällt,
scheint alles so zerbrechlich,
so hoffnungslos und so tot.

Doch in dieser Natur,
so grausam und schön zugleich,
ist selbst der Tod vergänglich.

Alles Leben steht still,
um zu späterer Zeit
in voller Pracht erneut
aufzublühen.


Annette
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Re: «Wenn wir über unsere Endlichkeit sprechen können...

Post 12 im Thema

Beitrag von Blossom »

Annett hat geschrieben: So 7. Feb 2021, 00:47 Zur Totenfeier hatte ich damals folgende Zeilen beigesteuert...
Liebe Annett,
wir hatte das Thema ja im vorhin Chat ... und ich habe erzählt, dass ich Ähnliches erleben musste. Die Tochter eines sehr guten Freundes, so alt wie meine eigene damals, 5 Jahre, ist an einer unheilbaren Krankheit verstorben. Das Leid habe ich unmittelbar miterlebt und entsprechend mitgelitten. Auch mich hat es damals dazu gebracht ein Gedicht zu schreiben, dass ich auf Wunsch der Familie später in der Kirche vorgetragen durfte. Und da ich es im Chat schon gezeigt habe, will ich es an dieser Stelle gern noch einmal für alle posten.

Bitte sage mir...

Von meinem Bett aus, Pappa,
sah ich vom Himmelszelt
ein leuchtend' Sternlein fallen
hernieder auf die Welt.

Was hat das zu bedeuten?
O Pappa, bitte sage mir,
was tun die goldnen Sterne
auf unsrer Erde hier?

Die Sternlein, Schatz, sind Engel,
sie sendet Gott herab,
sie trocknen hier den Menschen
die bittren Tränen ab.

Und wo in stiller Kammer
ein Herz zu brechen droht,
da lindern Gottes Engel
die Leiden und die Not.

So will ich Gott nun bitten,
daß er zu mir herab
ein liebes Englein sendet,
das mir mein Leid nimmt ab,

Das mich von allen Schmerzen
befreit für immerdar,
des Himmels schönste Gaben
mir liebend bietet dar. —

Und Gott erhört die Bitte:
In tiefer, ew'ger Ruh',
Ein Engel drückt dem Kinde
Die müden Augen zu. -


Blümchen (na)

PS: wie man sieht, ist Blümchen nicht immer nur das fröhliche Mädchen ... es kann auch ernsthaft sein.
Jeder hat in seinem Leben Menschen um sich, die schwul, lesbisch, transgender oder bisexuell sind.
Sie wollen es vielleicht nicht zugeben, aber ich garantiere, sie kennen jemanden.
Billie Jean King (*1943)
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Re: «Wenn wir über unsere Endlichkeit sprechen können...

Post 13 im Thema

Beitrag von Frieda »

Guten Morgen❣️

Ich kann gar nicht anders, als dem Drang in mir nachzugeben und mich hier auch zu Wort melden, wenn die Begriffe "sachlich, religiöser Eifer, Geistliche, selbstlos, altruistisch, Nächstenliebe ohne religiösen Firlefanz, Emphatie und Tränen" bei diesem Thema zu lesen sind!



Immer wieder arbeitet es in mir, wenn ich miterlebe wie hoch die Fahne der Empathie gehangen wird, und man dann glaubt, dass wäre das Wichtigste.
Ich dachte früher auch so. Heute weiß ich, die Emphatie ist nur der Türöffner, denn die wahre Hilfe bringt einzig und allein das Mitgefühl, egal bei welchen Themen. Emphatie lässt uns nur sehen❣️Mitgefühl lässt uns helfen, Mitgefühl bringt uns zum Altruismus❣️ Und Altruismus empfinden nicht nur Geistliche, sondern dazu ist jeder Mensch in der Lage, denn Altruismus ist menschlich und hat nix mit Religion zu tun❣️ Und der wichtigste Unterschied im Paliativdienst ist der Unterschied zwischen Mitgefühl und Mitleid❣️
Dass, wovon Blümchen uns erzählt hat (verzeihe mir bitte meine Worte, liebes Blümchen 🙏) ist in meiner Wahrnehmung Mitleid und kein Mitgefühl. Mitgefühl schenkt uns die Kraft uns selbst zu schützen. Mitgefühl ist nicht herzlos, im Gegenteil. Es ist niemanden geholfen, wenn wir mitleiden❣️

Für mich war das ein Entwicklungsprozess.
Ich war 24 und trotz, dass meine Eltern schon in meiner Jugend mit mir viel übers Sterben und den Tod geredet haben, traf mich der plötzliche Tod meines Bruders mit aller Wucht. Ein halbes Jahr später brach mir der Freitod meines Vaters, mein Herz. Und ein Jahr später, als meine Mutter schwerst gezeichnet von ihrer jahrzehntelangen Krankheit starb konnte ich in ihrer letzten Stunde nicht bei ihr sein. In allen 3 Fällen war mein Egoismus, mein Mitleid und mein (durch die Gesellschaft) antrainiertes falsches Denken, schuld an meinem Leid. Nicht mal ansatzweise war ich damals in der Lage den Unterschied zwischen Mitleid und Mitgefühl zu verstehen, zu begreifen und auch zu leben.
In meiner Wahrnehmung und rückblickend auf mein Erlebtes von damals, war ich auch gar nicht dazu in der Lage, weil mir unteranderem ein vollkommen falsches Bild gelehrt wurde. Meine Eltern lehrten mich zwar schon im Teenageralter mich mit dem Thema Tod auseinanderzusetzen, was ich heute genauso mit meinen Kindern tue. Sie haben aber einen entscheidenden Schritt vergessen, bzw konnten sie ihn mir durch ihre Unwissenheit nicht lehren. Der Tod meines Vaters, bzw mein Umgang mit dem Freitod meines Vaters brachte diese Unreife von mir zum Ausdruck. Liebe ist nicht Leid, wenn uns unsere Liebsten verlassen, es sind unsere Anhaftungen die uns leiden lassen. Und genau in dieser Phase stecken meine Kinder heute auch noch, was auch etwas mit ihrem Alter zu tun hat. Irgendwann wird jedem von uns bewusst, dass wir alleine für uns die Verantwortung für unser Leid tragen, so wie wir uns irgendwann bewusst werden, dass wir selbst dafür zu sorgen haben, dass wir nicht hungrig abends zu Bett gehen.

Dankbarkeit ist mein Heilmittel für dieses selbst erzeugte Leid❣️
Unser gemeinsamer Weg wird irgendwann zu Ende sein, dass stand schon bei der Geburt meiner Kinder fest. Und die Angst in uns vor diesem Tag bringt unsere Angst vor unserer Selbstverantwortung zum Vorschein, weil die helfenden Hand wegfällt. Und mein eigenes Bewusstsein über meine eigene Sterblichkeit, schenkt mir die Klarheit was ich für meine Kinder möchte. Ich möchte, dass sie mit und nach meinem Tod fähig sind mit Schicksalsschlägen zurecht zu kommen. In meiner Wahrnehmung habe ich als Mutter versagt, wenn ihre Anhaftungen an mich, sie in Leid führen. Und mit dem Tod meines Expartners habe ich die Chance bekommen meine Kinder darin zu lehren, wie man mit dem Tod des eigenen Vaters nicht selbstverletzend umgehen kann. Dass ich irgendwann friedlich sterben kann (egal ob in Begleitung oder allein), mache ich davon abhängig, wie gut ich meine Kinder emotional auf die Welt ohne mich vorbereitet habe. Am Ende meines Lebens bleibt mir dann nur noch mein Vertrauen in mein vergangenes Tun und in das zukünftige Tun meiner Kids.
Und ich denke diese Klarheit fehlt sehr vielen Betroffenen um mit dem eigenen Tod, oder dem Tod der Liebsten umgehen zu können.

Für mich ist mein Dienst im Paliativdienst eine Erfüllung und großes großes Glück und kein Leid❣️
Ich bin eher aktuell sehr traurig darüber nicht so arbeiten zu können, wie ichs möchte, durch die Pandemie.
Ich bin immer dankbar und extrem glücklich Sterbenden und ihren Angehörigen eine Hilfe sein zu können. Für mich gibt es keine erfüllendere Arbeit, als diese❣️

Namaste 🙏
•Liebe & Mitgefühl sind die höchsten Formen von Intelligenz.
•Du musst selbst zu der Veränderung werden, die du in der Welt sehen willst. Mahatma Gandhi
•Irgendwo ist Jemand glücklich mit weniger als du hast!

*Wer mag, ich bin gerne da mit 💖,👂und📝*
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Re: «Wenn wir über unsere Endlichkeit sprechen können...

Post 14 im Thema

Beitrag von Blossom »

Frieda hat geschrieben: So 7. Feb 2021, 07:22 Dass, wovon Blümchen uns erzählt hat (verzeihe mir bitte meine Worte, liebes Blümchen 🙏) ist in meiner Wahrnehmung Mitleid und kein Mitgefühl.
Liebe Frieda,
Empathie bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft, Empfindungen, Emotionen, Gedanken, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen, zu verstehen und nachzuempfinden. Ein damit korrespondierender allgemeinsprachlicher Begriff ist Mitgefühl.
Zur Empathie wird gemeinhin auch die Fähigkeit zu angemessenen Reaktionen auf Gefühle anderer Menschen gezählt, zum Beispiel Mitleid, Trauer, Schmerz und Hilfsbereitschaft aus Mitgefühl.[
Dann lass mich den Begriff Empathie wie ich ihn verstehe, um Obiges ergänzen. Es war nicht so zu verstehen, dass ich während der Versorgung mitgelitten oder gar in irgendeiner Form getrauert hätte - da war ich immer absolut professionell, denn sonst wäre ich unfähig gewesen meinen Beruf richtig auszuüben.

Liebe Grüße vom
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Re: «Wenn wir über unsere Endlichkeit sprechen können...

Post 15 im Thema

Beitrag von Christiane »

Danke für diesen Beitrag Anne-Mette,

das hat mich an unseren Aufenthalt im Kloster Cazis erinnert.
Das wurde damals in Zusammenarbeit mit der Krebshilfe angeboten.
Die Nonnen (Dominikanerinnen) dort, haben mich beeindruckt mit ihren festen Glauben, ihrer Herzlichkeit und sie haben uns ein Gefühl der Geborgenheit gegeben,
dass ich sonst nur bei sehr wenigen Menschen empfinde.
Bei meiner Frau zeichnet sich so langsam die Endphase ab und ich hab keine Ahnung, was auf uns noch zukommt, bzw. ob ich das durchstehen werde.
Wegen diesem dämlichen Virus kann ich mir auch keine professionelle Hilfe an Bord holen.
Alle Angebote sind bis auf Weiteres ausgesetzt und per Skype ist das wohl ein ganz schlechter Ersatz.
Sie wollte eigentlich noch einmal mit mir zusammen eine große Reise machen.
Dank diesem Partyvolk-Virus wird sich dieser Wunsch wohl leider nicht mehr erfüllen lassen.

Das Sterben wurde doch schon lange in die Krankenhäuser und Pflegeheime "outgesourct". Dort nimmt man auch die Kinder dann nicht mehr mit, bzw. nur so lange es dem Angehörigen gut geht.
Wenn es ihm schlechter geht, bleiben die Kinder Zuhause und irgendwann werden sie dunkel gekleidet und dürfen hinter einer Holzkiste herlaufen, in der die Oma oder der Opa, oder, oder drin sein soll.
Bzw. steht die Kiste in der Kirche und verschwindet nach dem Gottesdienst.
Wie sollen wir da eine Verbindung herstellen? Die Person ist einfach nicht mehr da. Man spürt es zu Anfangs, aber das verschwindet dann relativ schnell.
Ich konnte mich von keinem meiner Großeltern richtig verabschieden.
Vielleicht ist das heute anders, aber wie soll man da dann lernen mit dem Tod umzugehen.
Ich habe bislang nur Menschen in "Ausnahmesituationen" sterben sehen, mehrere durch Unfall auf der Straße/Autobahn, bzw. bei dem Amoklauf bei uns in der Firma 2013.
Da bist Du so mit Kämpfen für das Leben der betroffenen Person beschäftigt, dass Du erst realisierst, dass der Sensenmann da ist,
wenn die Person auch nach Atemspende und Herzmassage definitiv nicht mehr atmet.
Und es bleibt das ganz fade Gefühl versagt zu haben.

Sterben ist mittlerweile ein Tabuthema - so empfinde ich das.
Und ja - ich habe Angst davor - meine Frau bestimmt noch mehr.
Deswegen werde ich alles versuchen, ihr ein wenig von dieser Angst zu nehmen!
Mehr kann ich ja leider nicht tun.

LG
Christiane
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