Anja hat geschrieben: Do 6. Feb 2020, 12:36
Sorry, ich raff' diese Herleitung irgendwie nich. In dem Artikel geht es doch um Wahrnehmungsfehler, basierend auf unseren Augen?
Hi Anja,
nein es geht darum, wie unsere Vorstellungen unsere Wahrnehmungen steuern. Nach dem Artikel sehen wir nicht und bauen uns dadurch eine Vorstellung, Du würdest Dich als Mann sehen und anerkennen, sondern Du hast unabhägig von Deinem Sehen die Vorstellung, dass Du eine Frau bist. Erst wenn Du siehst, dass Du dem im Äußeren nicht zustimmen kannst, kommst Du in Konflikt. Besonders gut kann man das bei Vorurteilen sehen. Wenn Du denkst, dass Afrikaner Dir schaden, wirst Du die Dinge in den Vordergrund stellen, die das stützt. Du schaust gar nicht mehr woanders hin, wenn Du eine Bestätigung findest. Wenn Du aber einen kennen lernst, der dem Bild nicht entspricht, wirst Du Deine Einstellung das den einen betrifft neu justieren und damit auch bei allen anderen die neuen Kriterien mehr beachten. So baut man ein Vorurteil ab. Phobien werden so mit Erfolg behandelt.
Und letztlich machen wir das auch, wenn wir sagen, dass man uns viel mehr auf der Straße sehen soll. Dann erkennen die Leute, dass wir nicht dem inneren Bild entsprechen und die Haltung ändert sich. Das läuft automatisch ab.
Wir können unsere Haltungen steuern und damit unsere Wahrnehmung. Im Talmud steht:
Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.
Letztlich ist das auch nichts anderes.
Die Frage ist also die, wie wir mit unserer Weiblichkeit, vielleicht auch Männlichkeit umgehen. Sehen wir in Männer Monster, ubersehen wir die Qualitäten, vielleicht auch, dass wir selber diese Qualitäten in uns tragen. Ich habe das neulich mit Aussöhnung mit dem Männlichen genannt. Viele behaupten, das Geschlechtsgefühl sei angeboren. Dafür gibt es keine Belege. So nehmen wir jeden Hinweis in diese Richtung als gegeben und blenden die Möglichkeit aus, dass es anders sein könnte. Das bedeutet ja nicht zwangsläufig, dass wir es selber bestimmen könnten. Es könnte so tief in uns verankert sein, dass wir die Möglichkeit haben. Ich sperre mich bei dem Gedanken, meine weibliche Seite aufzugeben. Es macht mir Angst. Ich vermute, es war für mein Überleben in meiner Kindheit essentiell. Das gibt man nicht auf.
Muss ich ja auch nicht.
Und deshalb passe ich von Zeit zu Zeit mein Äußeres an meine inneren Vorstellungen an. Egal, wo es herkommt. Ich muss nur ernen, damit unverkrampfter zu leben.
Anderes Beispiel: Ganz viele hier denken, es wäre eine Riesensache, en femme shoppen zu gehen. Die, die es gemacht haben, sagen i.d.R. sie hätten gute Erfahrungen gemacht. Auchso ein Fall, in dem die eigenen Vorstellungen die Wahrnehmung blockiert. Man sieht zuerst die Berichte, die das Ganze bestärken. Gewalt in der Öffentlichkeit, schräg angeschaut werten, auslachen. Beim Tun merkt man, dass da gar nicht so viel dran ist und nun fängt man an positive Erfahrungen zu sammeln, weil diese in die Wahrnehmungssteuerung geflossen ist.
Übrigens auch philosophisch seit Jahrtausenden ein Thema: Wie erkenne ich, was wirklich ist ? Wenigstens hatte Descartes eine Erkenntnis: Ich denke, also bin ich. Aber damit hört es auch schon auf ...