Outing bei Familie?
Outing bei Familie?

Intergeschlechtliche Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
Scharap
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Wie soll ich mich vor meiner Familie als Crossdresser outen?

Post 1 im Thema

Beitrag von Scharap »

Hallo liebe Community.

Seit einiger Zeit verspüre ich den Drang, mich bei den Eltern und Geschwistern (und später vielleicht auch noch bei meiner Taufpatin, da ich einen besonders guten Draht zu ihr hab) als Crossdresser zu outen. Nur weiss ich nicht wie ich das anstellen soll.

Mir ist es einfach wichtig, dass ich es nicht mehr nur heimlich machen muss, sondern auch mal so in der Wohnung in Damenkleidung sein kann. Ich möchte auch dass sie es wissen, damit sie mich vlt. auch dabei unterstützen können.

Ich wäre sehr dankbar, wenn ihr mir da helfen könntet.

Liebe Grüsse


Scharap
Der Weg den man beschreitet mag nicht immer einfach sein, doch dadurch wachsen wir und gewinnen an Stärke und Selbstvertrauen.
Sabrina.P
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Re: Outing bei Familie?

Post 2 im Thema

Beitrag von Sabrina.P »

Würde bevor ich zu den Eltern gehe zu den Geschwistern gehen. Ausnahme, du hast zu einem oder einer einen besonderen Bezug. Persöhnlich, also kein Brief, finde ich immer besser. Immer erst im aktuellen Geschlecht hingehen um die Verwandschaft nicht zu überfordern.
Einfach offen du sein, erzählen wie wichtig dir es ist es gerade dieser Person offen zu erzählen.
Liebe Grüsse
Sabrina
Helga
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Re: Outing bei Familie?

Post 3 im Thema

Beitrag von Helga »

Hallo Scharap,
da dies dein erster Beitrag (zweiter) ist, zunächst einmal herzlich willkommen im Forum!
Um die Abschlussfrage vorweg zu nehmen: Ich habe mich nie bei meinen Eltern geoutet, habe auch nicht mehr die Möglichkeit dazu, mein Vater ist lange verstorben, meine Mutter liegt mit schwerer Demenz im Pflegeheim und kennt mich schon seit Jahren nicht mehr.
Aber das hilft dir nicht weiter. Du bist relativ jung an Jahren, wohnst möglicherweise noch bei deinen Eltern. In dem Fall wäre das einfachste mal was rumliegen zu lassen und eindeutige Kleidung in den Schrank zu hängen.
Deine Generation nimmt vieles gelassener und empfindet einiges als normal was zu meiner Zeit (bin dir gute 30 Jahre voraus) ein absolutes nogo war. Deswegen würde ich an deiner Stelle das Outing nicht zu einer feierlichen Staatsaffaere machen sondern es als das darstellen was es eigentlich auch ist, eine weit verbreitete Variation. Ungefährlicher als Motorradfahren und viele Trendsportarten.
Der Rahmen könnte eine gemeinsame Mahlzeit sein, keine großen Umschweife, einfach nur eine beiläufige Bemerkung in der Art: "Ihr habt hoffentlich kein Problem damit wenn ich heute Abend mal im Kleid ausgehe".
Liebe Grüße
Helga
Was bin ich?- Zunächst einmal bin ich ein Mensch!
Meistens bin ich ein Mann.
Wenn mir danach ist bin ich eine Frau.
Ich muss mich nicht festlegen.
Alina_
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Re: Outing bei Familie?

Post 4 im Thema

Beitrag von Alina_ »

Hi Scharap,

wenn du ein gutes Verhältnis zu deinen Eltern hast, dann würde ich das immer persönlich machen. Am besten fang bei deiner Mutter an, die können sowas besser nachvollziehen. Es ist für dich jedoch besser, die Person als erstes einzuweihen, mit der du am besten klar kommst. Sei es bester Freund/Freudin o.Ä. Ich hatte mir auch einen Brief geschrieben, den ich meiner Mutter dann vorgelesen habe, um in diesem Moment des Outings nicht den Faden zu verlieren. Immer gut, wenn du vorher weißt, was du sagen willst. Stell dich schon auf diverse Fragen von ihnen ein, denen du es erzählst und wie du damit weitermachen willst.

Ich wünsche dir viel Erfolg dabei und starke Nerven :)


Viele Grüße
Alina
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Re: Outing bei Familie?

Post 5 im Thema

Beitrag von Franka »

Ich kann dir da keine guten Ratschläge geben, ich war egoistisch und habe für mich entschlossen von einem auf den anderen Tag als Frau zu leben.
Damit mussten dann halt Familie , Freunde und Arbeitskollegen klar kommen.
Hat eigentlich auch gut funktioniert.
Wir bekommen mit unserer Geburt das Leben geschenkt, doch viele von uns haben noch nicht einmal das Geschenkpapier abgemacht.
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Re: Outing bei Familie?

Post 6 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-03-10 »

Scharap hat geschrieben: So 10. Nov 2019, 20:15 Hallo ihr Lieben.
An dieser Stelle sei mal gesagt, weder kann noch will ich es länger heimlich machen. Mir ist es wichtig, dass meine Eltern davon erfahren, weil es ja sowieso früher oder später rauskommen würde und mir wäre früher lieber als später. Zudem wünsche ich mir natürlich Verständnis und Unterstützung von Meiner Familie.

Wie habt ihr es euren Eltern gesagt?
Ich wäre sehr dankbar, wenn ihr mir da einige Tipps geben könntet.
Ja, eigentlich hast du recht damit wenn du es lieber früher statt später machen willst.. ich für meinen Teil hab viel zu lange gewartet, und dann hat meine Ex-Frau einen recht unfreundlichen Brief an meine Eltern geschickt. Dann war ich geoutet :-)

Aber du wolltest einen Tip.
Ich würde, wenn ich nochmal in so einer Situation wäre, eine klar formulierte Ansage machen so in etwa:
"Liebe Eltern, ich würde gerne mal mit euch über ein Thema reden das mir schon lage am Herzen liegt.. wann hättet ihr Zeit dazu.."
Und dann würde ich mir eine Stunde Zeit dafür nehmen, ohne Störung durch andere Termine, Verwandte, Freunde etc.. Da sollte man unter sich sein.

Der Ausgang des Gesprächs ist aber immer unklar, es gibt keine Garantie für Verständnis und Unterstützung. Man kann auch auf Desintresse, Schuldgefühle, Ablehnung treffen. Am besten macht man sich mal mit allen möglichen Varianten vertraut.

LG,
Ute
Marie8106
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Re: Outing bei Familie?

Post 7 im Thema

Beitrag von Marie8106 »

Hallo Scharap,
ich kenne deine Eltern nicht und auch nicht was für ein Verhältnis du zu ihnen hast, aber meine Eltern haben immer zu mir gesagt wenn es Probleme gibt, egal was sie stehen immer zu mir.
Das kann ich für mich nur bestätigen als ich mich vor 4 Tagen bei meiner Mutter als Transsexuelle geoutet habe.
Das einzige was sie zu meckern hatte war warum ich solange damit gewartet habe.

Liebe Grüße
Marie
Liebe Grüße Marie
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Re: Outing bei Familie?

Post 8 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Hi,

die Entscheidung über das ob und wie kann Dir niemand abnehmen, da das sehr auf das Verhältnis zu Eltern und Geschwistern ankommt. Ich weiß von mir, dass ich früher sehr, sehr nervös war, wenn ich darüber geredet habe. In dem Fall wäre es vielleicht eine Idee, einen Brief zu schreiben und ihn persönlich zu übergeben. Dann ist das Wesentliche ausgedrückt und Du kannst trotzdem persönlich angesprochen werden. Mir als Elternteil wäre das wichtig, wenn das Sprechen schwer fällt.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
Scharap
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Re: Outing bei Familie?

Post 9 im Thema

Beitrag von Scharap »

Helga hat geschrieben: So 10. Nov 2019, 22:02 Der Rahmen könnte eine gemeinsame Mahlzeit sein, keine großen Umschweife, einfach nur eine beiläufige Bemerkung in der Art: "Ihr habt hoffentlich kein Problem damit wenn ich heute Abend mal im Kleid ausgehe".
Liebe Grüße
Helga
Hallo Helga.

Danke für den Tipp. Werde es, denke ich mal, in etwa so versuchen.

Gruss
Scharap
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Re: Outing bei Familie?

Post 10 im Thema

Beitrag von Scharap »

Vicky_Rose hat geschrieben: Mo 11. Nov 2019, 06:26 In dem Fall wäre es vielleicht eine Idee, einen Brief zu schreiben und ihn persönlich zu übergeben. Dann ist das Wesentliche ausgedrückt und Du kannst trotzdem persönlich angesprochen werden. Mir als Elternteil wäre das wichtig, wenn das Sprechen schwer fällt.
So in etwa hatte ich mir das auch gedacht. Ich denke, ich werde erst einmal bei einem gemeinsamen Essen fragen wie sie zu dem Thema Transidentität/Crossdressing und dergleichen stehen/was sie darüber denken. Und anschliessend werde ich ihnen vermutlich den Brief geben.

Danke dir.

Gruss
Scharap
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Re: Outing bei Familie?

Post 11 im Thema

Beitrag von Anabelle »

Hallo Scharap,
also ich habe mich erst gestern völlig spontan meiner 5J älteren Schwester bei einem Telefongespräch geoutet.
Es liegt mir schon länger auf der Seele mich meiner Familie zu outen, obwohl unser Verhältnis eher schwierig und der Kontakt eher lose ist.
Zu dieser Schwester hab ich den besten Draht und kann auch mir ihr über schwierigere Themen reden. Sie reagierte überraschenderweise völlig offen und positiv.
Kein Wunder, denn sie hat sich, wie ich auch, bereits sehr viel mit sich selbst auseinandergesetzt und viel reflektiert. Auch mit professioneller Hilfe.
Ein kollektives Outen kommt für mich keinesfalls in Frage, weil die Leutchen meiner Familie so völlig unterschiedlich sind, in Bezug auf Offenheit, Toleranz und Selbstreflexion.
Die nächste meiner Familie wird meine Mutter sein. Da kann ich sicher sein, daß sie mich nicht verurteilt oder ablehnt, weil die meisten Mütter sehr nachsichtig mit ihren Kindern sind.
Ich muß bei ihr eher darauf achten, daß sie das nicht in Selbstvorwürfe umwandelt und evt. Fehler bei sich deswegen sucht.
Mein Vater wäre ein großes Problem, wenn er nicht schon gestorben wäre und meinen beiden jüngeren Geschwistern wird es gehörig zu Beißen geben, das weiß ich jetzt schon.
Deswegen kommen sie als letzte dran, wenn sie es nicht indirekt von meiner Mutter erfahren.

Es gibt da ein sehr einfühlsames Buch von Udo Rauchfleisch - Anne wird Tom/Klaus wird Lara - Transidentität verstehen.
https://www.amazon.de/Anne-wird-Tom-Tra ... 171&sr=8-2
Das ist speziell für Angehörige von Transidenten geschrieben und zeigt viele Zusammenhänge auf, mit denen man beim Outing rechnen kann.
Das werde ich meiner Mutter schenken, bevor ich mich ihr oute. Da kann sie das in Ruhe verarbeiten, bevor wir uns dann persönlich sprechen.
Ich vermute mal, das wird sehr emotional, besonders von meiner Seite.

GLG, Anabelle :woman:
Aus dem Herzsutra: Gate, gate, paragate, parasamgate, bodhi, svaha !
(Gegangen, gegangen, hinübergegangen, vollends hinübergegangen, sein wahres Wesen verwirklicht !
Michi
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Re: Outing bei Familie?

Post 12 im Thema

Beitrag von Michi »

Scharap hat geschrieben: Mo 11. Nov 2019, 18:14
Vicky_Rose hat geschrieben: Mo 11. Nov 2019, 06:26 In dem Fall wäre es vielleicht eine Idee, einen Brief zu schreiben und ihn persönlich zu übergeben. Dann ist das Wesentliche ausgedrückt und Du kannst trotzdem persönlich angesprochen werden. Mir als Elternteil wäre das wichtig, wenn das Sprechen schwer fällt.
So in etwa hatte ich mir das auch gedacht. Ich denke, ich werde erst einmal bei einem gemeinsamen Essen fragen wie sie zu dem Thema Transidentität/Crossdressing und dergleichen stehen/was sie darüber denken. Und anschliessend werde ich ihnen vermutlich den Brief geben.
Hallo Scharap,

ich versthe deine Intention, halte es aber dennoch für keine gute Idee, erst allgemein über das Thema zu sprechen. Ich denke, du willst erst mal ranhören und glaubst, dir auf diesem Weg mehr Sicherheit aufzubauen. Aber sehr wahrscheinlich wirst in den dabei kommenden Äußerungen irgendwo Ablehnung heraushören, und dann einen Rückzieher machen. Das ist nur zu menschlich.

Besser gerade heraus sagen. Bei meiner Familie kam das Thema Trans* ohne mein Zutun 2010 auf den Tisch, zu einer Zeit, als ich mich ernsthaft mit dem Gedanken trug, ihnen von Michi zu erzählen. Das hat mich so aus der Bahn geworfen, dass ich mich erst Jahre später dazu durchringen konnte, als ich wegen eines ungeplanten Krankenhausaufenthaltes nicht anders konnte Meine Eltern hätten es sonst selbst entdeckt, wenn sie mir Sachen fürs KH aus meiner Wohnung holen. (Ich war damals Single.) Es war ganz anders, als ich die ganzen Jahre befürchtet hatte, nicht die befürchtete Ablehnung. Besonders mein Vater war sehr positiv.


Liebe Grüße
Michi
Wenn dir jemand auf den Fuß tritt, schreist du "Aua" und erwartest eine Entschuldigung.
Mir treten andere dauernd auf die Füße und erwarten, dass ich mich dafür entschuldige, dass es mir weh tut.
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Re: Outing bei Familie?

Post 13 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2019-12-18 »

Hallo,

ich persönlich würde es direkt ansprechen ... zu Hause, in gewohnter Umgebung. Aber das ist tatsächlich individuell zu sehen.

Was ich gerne noch mitgeben möchte ist, dass das Outing kein "Meilenstein" ist, sondern einen Prozess in Gang setzt.
Es gibt also nicht nur den Zeitpunkt X, sondern einen ganzen Zeitraum danach mit immer neuen Gesprächen oder Diskussionen ...

Alles Gute
Vanessa
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Re: Outing bei Familie?

Post 14 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2019-12-18 »

Hallo,

ich persönlich würde es direkt ansprechen ... zu Hause, in gewohnter Umgebung. Aber das ist tatsächlich individuell zu sehen.

Was ich gerne noch mitgeben möchte ist, dass das Outing kein "Meilenstein" ist, sondern einen Prozess in Gang setzt.
Es gibt also nicht nur den Zeitpunkt X, sondern einen ganzen Zeitraum danach mit immer neuen Gesprächen oder Diskussionen ...

Alles Gute
Vanessa
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Re: Outing bei Familie?

Post 15 im Thema

Beitrag von Anja »

Mahlzeit (moin)
Scharap hat geschrieben: Mo 11. Nov 2019, 18:14 Ich denke, ich werde erst einmal bei einem gemeinsamen Essen fragen wie sie zu dem Thema Transidentität/Crossdressing und dergleichen stehen/was sie darüber denken
Also, nur vom Gefühl her, würde ich es nicht beim Essen machen, sondern nach dem Essen, wenn alle satt und zufrieden sind.
Ich bin allerdings auch vorgeschädigt.
Als ich ein Kind war sind wir als Familie erst zum Abendessen alle zusammengekommen. Und dann wurden häufig unangenehme Dinge besprochen. Wie wars in der Schule? Warum hast du da schon wieder eine 4 bekommen? Sind die Hausaufgaben fertig usw. Das hat mir, salopp gesagt, das Abendessen regelmäßig versaut, ich hab das Essen dann nicht mehr genießen können.
Das ist z.B. auch so eine Angewohnheit, die ich selbst auf keinen Fall für meine Generation übernehmen wollte.
Wenn ich etwas unangenehmes mit meinen Kindern oder meiner Frau zu besprechen hab, dann machen ich das auf keinen Fall beim essen...

Grüße
die Anja
Fällt der Apfel weit vom Stamm, kommt wenigstens mal Sonne dran!
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