Hallo Steffi,
zunächst: Deine Betroffenheit über den Vorfall kann ich gut nachempfinden! ich selbst hatte - obwohl als "gewöhnlicher" CIS-Mann unterwegs - vor einigen Jahren ein ähnlich unschönes Erlebnis, als mir in einer belebten innerstädtischen Einkaufszone ein "Rudel" offenbar fehlentwickelter Jugendlicher begegnete, die sich einen Spaß daraus machten, ältere Männer mit dummen Sprüchen anzuquatschen, nur weil ihnen wohl ihre Erscheinung, ihre Kleidung oder was-weiß-ich nicht gefiel. Zwar konnte ich mich halbwegs schlagfertig verbal zur Wehr setzen - die waren zwar rotzfrech, aber weder aggressiv noch bedrohlich -, trotzdem wirkt so etwas immer bedrückend, verletzend und demütigend. Warum wird man von fremden Menschen ohne jeden sachlichen Grund auf diese Weise angepöbelt?
Transmenschen sind dieser Gefahr wohl leider noch viel häufiger und auch intensiver ausgesetzt. Denn traurigerweise sind Respekt für andere Lebensentwürfe und eine nicht "normgerechte" Erscheinung immer noch für einige Bevölkerungsschichten bzw- -gruppen Anlass genug, ihnen ohne Anstand und übergriffig zu begegnen - womöglich, um damit nur ihre eigene bescheidene Existenz zu kaschieren und sich "groß und stark" gegenüber Minderheiten fühlen zu können. Oder sich von ihnen bewusst abzugrenzen, um sich einzureden, dass sie "zur schweigenden Mehrheit" gehören...
Das ist deprimierend und frustrierend - gleichwohl sage ich mir: Will ich es solchen Rüpeln und Strolchen wirklich erlauben, mir durch ihr dummes und infantiles Gehabe meine Lebensfreude vermiesen zu lassen? Ihnen soviel "Macht" über die eigene Befindlichkeit einzuräumen, würde ihre Bedeutung doch ganz unverhältnismäßig überhöhen und sie unnötig viel bedeutender machen, als sie doch objektiv sind!
Es hat niemand das Recht, Deine Persönlichkeit und Deine geschlechtliche Identität in Frage zu stellen - und zwar ganz egal, wie Du in der Öffentlichkeit auftrittst! In einer offenen und libertären Gesellschaft, in der es - zum Glück - keine "Sittenpolizei" gibt, können leider solche Belästigungen niemals ganz verhindert werden. Dennoch sollte es Kleingeistern und Engstirnigen niemals erlaubt werden, durch ihr armseliges Verhalten die Lebensqualität anderer Menschen negativ zu beeinflussen. Auch, wenn es schwer fällt, sollte man sich daher von derartigen Einflüssen frei machen und sich bemühen, sich dadurch nicht mental herunterziehen zu lassen. Vielmehr erscheint es mir anstrebenswert, sich selbst zu "konditionieren, derartige Erlebnisse wie einen unvorbereitreten heftigen Regenguss zu behandeln: Unangenehm, aber nach einiger Zeit ist alles wieder trocken...
"...after all it's not easy, Banging your heart against some mad bugger's wall."
(Pink Floyd, "The Wall").
LG N.
