Ich heirate bald
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Intergeschlechtliche Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
Vincent
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Ich heirate bald

Post 1 im Thema

Beitrag von Vincent »

Ja, ich heirate die Frau meines Lebens, die ich schon lange meine "Frau" nenne, fast 30Jahre nachdem wir und kennen gelernt haben, nach eineinhalb Jahrzehnten Partnerschaft, zwei Kindern und vielen Höhen und keinen Tiefen.

Nach meiner ersten gescheiterten Ehe, hatte ich mir fest vorgenommen, bezüglich meiner Kleidungsvorstellungen gleich die Karten auf den Tisch zu legen und das Thema anzusprechen.
Ich habe es bis heute nicht geschafft, es kommt dafür wohl nie der richtige Augenblick. Seit der Hochzeitstermin steht, denke ich immer wieder darüber nach, was wann und ob ich etwas sagen sollte, oder ob es zu spät, oder ohnehin obsolet ist und ich nicht nur unnötig Verwirrung stiften würde.

Zuhause und auch in der Öffentlichkeit trage ich oft Kleider, für meine Frau ist es kein Thema auch im Kleid mit mir irgendwo hin zu gehen. Dass ich mich mit Sarong, langen Haaren, und lackierten Nägeln mit ihren Freunden oder ihrer Familie treffe ist für sie kein Thema, eher zerstreut sie meine Zweifel.

Was wollte ich also noch sagen, oder offenbaren, wenn sie schon mehrfach meine Schublade mit den Feinstrumpfhosen und Bodys sortiert hat und die Stiefel und Pumps mit 10cm Absatz nicht nur offen im Schuhschrank stehen?

Es gibt in den Tiefen unseres Hauses noch einige Röcke, in ihrer Art (oder auch nur in meinem Empfinden?) deutlich femininer, und die Kleider, die sie kennt, sind alle samt Strickkleider, Shirt- oder Sweatkleider. Zwei andere Kleider würde ich auch gerne mal tragen, traue es mir aber
a.) nicht öffentlich und
b.) nicht gegenüber meiner Frau, weil sie doch ein ganz andere Bild abgeben, in meinen Augen.

Das reich bestickte und perlenverzierte, bodenlange Abendkleid war von vorneherein dazu bestimmt, nie die Welt zu sehen — dazu müsste schon etwas Besonderes passieren.

Mutig war ich das letzte Mal, als ich ihr meine Idee für die Hochzeitskleidung vorstellte:
Einen bodenlangen, schwarz/silbernen Rock.
Sie meinte, er wäre nicht geeignet, weil er, bzw. das gesamte Outfit nicht zu ihrem, schon davor gekauften Kleid passen würde, ich hätte es mal früher sagen, und zeigen sollen, dann hätte sie das Kleid danach gewählt.


So stehe ich jetzt also vor dem Problem, auch noch die restlichen 10-30% zu offenbaren, ein reines Gewissen zu haben und damit vielleicht mehr Schaden anzurichten, als zu nützen.

Aber vermutlich ist die Frage eh hinfällig weil ich es auch jetzt nicht schaffen würde komplett reinen Tisch zu machen. :oops:
LG

Vincent
Frannie
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Re: Ich heirate bald

Post 2 im Thema

Beitrag von Frannie »

HI Vincent!

Also, wenn sie so offen und tolerant ist und Deine Zweifel zerstreut, solltest Du ihr das unbedingt sagen,, finde ich.
Vielleicht so nach dem Motto - "Diese Sachen kennst Du ja - Ich hätte da noch ein, zwei andere, die ich mich noch nicht getraut habe Dir zu zeigen...möchtst Du die mal sehen?"
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Re: Ich heirate bald

Post 3 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Hi Vincent,

das kannst ja nur Du selber beantworten. Auch meine persönliche Erfahrung dürfte Dir wenig helfen. Einerseits geht Ihr ja schon ganz schön weit, andererseits hast Du noch Bedenken. Deshalb meine Frage:

Was spricht aus Deiner Sicht für, was gegen eine vollständige Öffnung in der Frage ?
Viele Grüße
Vicky

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Re: Ich heirate bald

Post 4 im Thema

Beitrag von Frieda »

Vincent!? Ich frage mich, was hat denn deine Frau (auf einmal) gemacht, bzw was ist denn geschehen, weil du dich nicht traust, dich Ihr 100%-ig zu zeigen?
Ich kenne deine Frau nicht, dich nicht und auch die Qualität Eurer Verbindung nicht. Aber wir alle können lesen, dass Sie dich bisher akzeptiert und unterstützt! Was etwas echt wertvolles ist.
Deswegen frage ich mich, was denn womöglich passiert sein kann, dass deine Frau eine andere Art Kleider nicht auch akzeptieren könnte!?

Entschuldige bitte, falls ich zu schwerfällig bin, und deinen Anfangsbericht womöglich falsch verstanden habe.

Namaste🙏
•Liebe & Mitgefühl sind die höchsten Formen von Intelligenz.
•Du musst selbst zu der Veränderung werden, die du in der Welt sehen willst. Mahatma Gandhi
•Irgendwo ist Jemand glücklich mit weniger als du hast!

*Wer mag, ich bin gerne da mit 💖,👂und📝*
Vincent
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Re: Ich heirate bald

Post 5 im Thema

Beitrag von Vincent »

Hallo Vicky_Rose,
Vicky_Rose hat geschrieben: Mo 10. Sep 2018, 13:51 Was spricht aus Deiner Sicht für, was gegen eine vollständige Öffnung in der Frage ?
dagegen spricht für mich, dass sich das, was sich ganz nebenbei und selbstverständlich eingebürgert hat, ohne jemals hinterfragt worden zu sein, thematisiert und irgendwie in Frage stellt.
Vielleicht auch bzgl. wie weit soll es noch gehen, was will er wirklich usw.
Bis jetzt habe ich immer, mit viel Zweifel und gaaaanz vorsichtig, gelegentlich ein neues Kleidungsstück eingeführt.
Dass ich vielleicht ganz als Frau auftreten wollte, diese Idee ist meiner Frau nie gekommen - will ich auch nicht. Aber ist der Denkprozess ertsmal gestartet...

Kleidung war bislang nur im Zusammenhang, was sieht gut aus, was passt zusammen, ein Thema. Aus welcher Abteilung was stammt, war nie ein Thema. Ich habe das Gefühl, dass es meiner Frau nicht annähernd so bewusst ist, wie sehr ich gegen Kleiderregeln verstoße, wie mir.

Ich will keine neuen Gedanken oder Zweifel säen.
Gewinnen könnte ich lediglich, dass ich einfach ein paar etwas andere Kleidungsstücke ans Tageslicht holen könnte, und vielleicht privat oder/und öffentlich tragen könnte - oder auch nicht.
LG

Vincent
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Re: Ich heirate bald

Post 6 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

"Vicky" reicht ...

Ich möchte Dich nicht beeinflussen, sondern nur Deine Position hinterfragen. Die Schlüsse ziehst Du.
was sich ganz nebenbei und selbstverständlich eingebürgert hat, ohne jemals hinterfragt worden zu sein, thematisiert und irgendwie in Frage stellt.
Meinst Du wirklich, dass dadurch etwas in Frage gestellt wird ? Traust Du Deiner Zukünftigen nicht zu, dass sie durchaus weiter denkt ?

Vielleicht will sie etwas nicht wahr haben, aber ist das eine belastbare Grundlage, die auf Dauer angelegt ist ?
Dass ich vielleicht ganz als Frau auftreten wollte, diese Idee ist meiner Frau nie gekommen - will ich auch nicht. Aber ist der Denkprozess ertsmal gestartet...
Was wäre dann ? Würde deine Frau bei diesem Gedankengang schreiend davon laufen ? Oder hältst Du es für unmöglich, Deiner Frau zu vermitteln, wie Du wirklich tickst ?
Ich habe das Gefühl, dass es meiner Frau nicht annähernd so bewusst ist, wie sehr ich gegen Kleiderregeln verstoße, wie mir.
Bist Du Dir da sicher ? Oder liegt das vielleicht nur daran, dass sie das Thema nicht anschneidet ? Du tust es ja offensichtlich nicht, warum sollte sie es dann tun ? Es ist Dein Thema.
Ich will keine neuen Gedanken oder Zweifel säen.
Welche Gedanken säst Du denn mit der Heimlichtuerei, wenn sie dahinter kommt ?
Gewinnen könnte ich lediglich, dass ich einfach ein paar etwas andere Kleidungsstücke ans Tageslicht holen könnte, und vielleicht privat oder/und öffentlich tragen könnte - oder auch nicht.
Nicht mehr ? Und was ist mit dem Gefühl, dass Du unbeschwert leben kannst, was für Dich wichtig ist ? Und was ist mit dem Gefühl, dass Du so akzeptiert wärest, wie Du bist ? Was ist mit dem Vertrauen, das Deine Frau in Dich setzt, wenn sie Dich heiratet ?

Wir kommen alle irgendwann in eine Situation, in der wir entscheiden müssen, ob wir uns wirklich öffnen wollen oder nicht. Entscheiden wir nicht selber, wird für uns an anderer Stelle entschieden. Das ist mMn noch unangenehmer. Denn dann geben wir das Heft des Handelns aus der Hand und wir müssen mit dem leben, was uns dann noch übrig bleibt. Heimlichkeiten sind für mich nichts anderes als das Vertagen von Entscheidungen. Bis zu einer gewissen Grenze mag das sinnvoll sein, aber irgend wann wird die Entscheidung eingefordert.

Oder glaubst Du, dass Heimlichkeiten Euch in Eurer Ehe weiter bringen ? Das ist nicht auszuschließen. Es gibt Menschen, die davon überzeugt sind. Aber es kann Dich immer wieder in eine passive Situation bringen, in der Du lügen musst.

Wenn Du aktiv (also ohne Heimlichkeiten) weiter leben möchtest, hast Du aus meiner Sicht zwei Möglichkeiten: Du öffnest Dich Deiner Partnerin gegenüber oder Du entsorgst Deine Heimlichkeiten und lebst künftig ohne sie. Willst Du das ? Kannst Du das ?
Viele Grüße
Vicky

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Vincent
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Re: Ich heirate bald

Post 7 im Thema

Beitrag von Vincent »

Hallo Vicky,
Du hast in allen Punkten Recht und trotzdem...
Ich wüsste ja nicht mal wie ich anfangen sollte es formulieren sollte.

Manches würde ich zwar gerne öffentlich tragen, werde es mich aber nie oder zumindest in nächster Zeit nicht trauen - vermutlich nicht mal mit Zuspruch meiner Frau.

Die Alternative ist, auch den Rest langsam, Stück für Stück, Art für Art, einzuführen.
Hätte ich nicht immer noch Zweifel an mir und dem was geht und wäre mir sicher, was ich wirklich durchsetzen will, wäre vieles klarer.

Es bleibt das ungute Gefühl und schaffe es nicht wirklich alle Karten auf den Tisch zu legen.

:roll: :((a
LG

Vincent
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Re: Ich heirate bald

Post 8 im Thema

Beitrag von Renée »

Vincent hat geschrieben: Mo 10. Sep 2018, 13:31

Zuhause und auch in der Öffentlichkeit trage ich oft Kleider, für meine Frau ist es kein Thema auch im Kleid mit mir irgendwo hin zu gehen. Dass ich mich mit Sarong, langen Haaren, und lackierten Nägeln mit ihren Freunden oder ihrer Familie treffe ist für sie kein Thema, eher zerstreut sie meine Zweifel.

Was wollte ich also noch sagen, oder offenbaren, wenn sie schon mehrfach meine Schublade mit den Feinstrumpfhosen und Bodys sortiert hat und die Stiefel und Pumps mit 10cm Absatz nicht nur offen im Schuhschrank stehen?
Was wären denn die verbleibenden 10 % ? Das du nicht nur CD bis sondern in tiefstem Innern Trans? Es wird sie zum nach denken bringen aber ich denke sie wird es akzeptieren. Tu es vor der Hochzeit - Trau dich in (arg) doppelten Sinn.
Liebe Grüße
Renée

Wenn jemand zu Dir sagt "Das geht nicht". Denk daran, es sind seine Grenzen, nicht Deine.
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Re: Ich heirate bald

Post 9 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Vincent hat geschrieben: Mo 10. Sep 2018, 16:51Ich wüsste ja nicht mal wie ich anfangen sollte es formulieren sollte.
Manches würde ich zwar gerne öffentlich tragen, werde es mich aber nie oder zumindest in nächster Zeit nicht trauen - vermutlich nicht mal mit Zuspruch meiner Frau.
Die Alternative ist, auch den Rest langsam, Stück für Stück, Art für Art, einzuführen.
Hätte ich nicht immer noch Zweifel an mir und dem was geht und wäre mir sicher, was ich wirklich durchsetzen will, wäre vieles klarer.
Sag mal, wozu ist eine Ehe gut, wenn ihr über solche Zweifel und Wünsche nicht gemeinsam reden könnt? Was wäre die Alternative? Geheimnisse? Wie würde sich das anfühlen?

Du musst keine fertigen Lösungen präsentieren. Nicht mal dir wirklich sicher sein, was besser oder richtig wäre. Es reicht schon, den ganzen Klumpatsch auf den Tisch zu legen, zu seufzen und dann gemeinsam drüber zu reden. Mit allen Zweifeln, Unsicherheiten und Befürchtungen.

Also ich, ganz persönlich, hätte vermutlich auch Muffensausen. Bzw. hatte ich bei diversen ähnlichen Gelegenheiten. Aber hey, ein tolles Kleid zeigen, das Gefühl es zu tragen erklären, sich ausmalen, wo das sein könnte, das würde meine Augen zum leuchten bringen. Und normalerweise kommt das bei einem geliebten Menschen auch an. Viel Erfolg. Ich bin sicher, dass es sich lohnt.
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Re: Ich heirate bald

Post 10 im Thema

Beitrag von Aria »

Vincent hat geschrieben: Mo 10. Sep 2018, 13:31 Nach meiner ersten gescheiterten Ehe, hatte ich mir fest vorgenommen, bezüglich meiner Kleidungsvorstellungen gleich die Karten auf den Tisch zu legen und das Thema anzusprechen.
Ich habe es bis heute nicht geschafft, es kommt dafür wohl nie der richtige Augenblick. Seit der Hochzeitstermin steht, denke ich immer wieder darüber nach, was wann und ob ich etwas sagen sollte, oder ob es zu spät, oder ohnehin obsolet ist und ich nicht nur unnötig Verwirrung stiften würde.

Zuhause und auch in der Öffentlichkeit trage ich oft Kleider, für meine Frau ist es kein Thema auch im Kleid mit mir irgendwo hin zu gehen. Dass ich mich mit Sarong, langen Haaren, und lackierten Nägeln mit ihren Freunden oder ihrer Familie treffe ist für sie kein Thema, eher zerstreut sie meine Zweifel.
Wären diese Zeilen nicht, würde ich sagen: Oh, oh, ob das mal gut geht?! Anders rum gesagt, du würdest nicht zweifeln, wenn du hier davon nicht berichten würdest.
Irgendwas treibt dich also um! Wie gesagt, wären die obigen Sätze nicht, hätte ich es verstanden. Diese Sätze lassen mich mit x Fragezeichen zurück.
Du trägst eigentlich so gut wie alles aber hast ihr noch nie reinen Wein eingeschenkt. Sie weiss also nicht was du fühlst, sondern hält das alles für ganz normal?
Sorry, aber ich verstehe das beim besten Willen nicht. Das musst du mir erklären!
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Re: Ich heirate bald

Post 11 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Vincent hat geschrieben: Mo 10. Sep 2018, 16:51 Du hast in allen Punkten Recht und trotzdem...
Wieso habe ich Recht ? Ich habe nur Fragen gestellt...

Mir geht es nicht darum, Dich zu etwas zu bringen, sondern nur, dass Du ein paar Denkanstöße hast. Die hast Du zwar auch ohne mich, doch ich finde die Gewichtung Deiner Gründe etwas unausgewogen. Wie heißt es:
Wer etwas will, findet Wege, wer etwas nicht will, findet Gründe.
Die Entscheidung liegt bei Dir und ist mMn nicht zu kritisieren.

Du hast das Thema aufgeworfen. Ich interpretiere das als einen inneren Antrieb, dieses Thema gegen Deine inneren Widerstände anders zu behandeln. Wie die Reaktion hier ausfallen würde, dürfte Dir vorher klar gewesen sein, oder ?

Also, warum hast Du diesen Fred eröffnet ?
Viele Grüße
Vicky

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Re: Ich heirate bald

Post 12 im Thema

Beitrag von sbsr »

Hallo Vincent,

ich bin zwar alles andere als Experte in Beziehungsfragen, doch was ich in den Jahren gelernt habe, Anlässe finden oder konstruieren, um die Kleiderfrage anzusprechen.
Vincent hat geschrieben: Mo 10. Sep 2018, 16:51 Ich wüsste ja nicht mal wie ich anfangen sollte es formulieren sollte.
Organisier Dir einen Klamotten Katalog, pack ihn zur restlichen Werbung so als wäre er zufällig dabei gewesen. Blätter beim Morgenkaffee beiläufig drin rum auf eine Seite mit Kleidern und seufze, ach so was würde ich auch einmal im Leben gerne anziehen, das Gefühl muss doch toll sein, usw.
Dann hast Du zumindest einen Einstieg. Ob die Reaktion deshalb besser ausfällt bleibt zu hoffen.

Mit anderweitigen Ratschlägen halte ich mich mal lieber zurück, wie manchen bekannt sein dürfte habe ich selber das ja eher nicht so gut geregelt bekommen. Nur so viel sei gesagt, ich verstehe Deine Zweifel und kann sie nachvollziehen. Meine Frau ist momentan auf einem "naja, mir egal" Level, was die monatlichen Stammtischbesuche anbelangt. Diese Stufe ist hart erkämpft und ich möchte nichts kaputt machen durch zu schnelle Vorstöße. Allerdings, da Deine Frau schon so weit mitgegangen ist, stehen die Chancen doch nicht schlecht, dass sie das i Tüpfelchen auch noch verkraftet. Wissen musst Du es letztlich selbst, ob sich das Risiko lohnt.
LG, Svenja

Erinnerungen sind das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.
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Re: Ich heirate bald

Post 13 im Thema

Beitrag von Wally »

Lieber Vincent,

Erst mal einen herzlichen Glückwunsch an Euch beide! Schön, wieder mal zu hören, dass es noch langjährig funktionierende Partnerschaften gibt - schon ganz unabhängig von unserem Thema hier findet man das ja immer seltener. Und gerade für uns "weibliche Männer" ist es ganz besonders wichtig. Ich könnte mit meinem Leben als TS in der öffentlich männlichen Rolle nicht annähernd so zufrieden sein, wenn ich nicht das große Glück hätte, langjährig mit einer sehr lieben Frau verheiratet zu sein, bei der ich selber Frau sein darf und die mich auch als solche liebt und respektiert. Auf dieser Grundlage ist dann die öffentliche Geschlechtsrolle einfach entschieden weniger wichtig.

Ich glaube das von Dir geschilderte Problem zu kennen - freilich nicht genau genug, um Dir da auch einen Rat geben zu können. Ich schildere einfach mal, wie das bei mir aussieht; vielleicht kannst Du für Euch beide den einen oder anderen Schluss daraus ziehen.

Grundsätzlich war ich gegenüber meiner Frau von Anfang an offen. Ich habe ihr schon gleich beim Kennenlernen erklärt, dass ich TS bin, aber trotzdem in der männlichen Rolle bleiben werde. Ich habe mich ihr auch schon gleich in den ersten Wochen einmal komplett en femme gezeigt, was ich ja sonst nur sehr selten tue. Aber so gewisse Geheimnisse gab's dann eben doch: Kleidungsstücke und Accessoires, die einfach zu indezent (zu sexy, zu offenherzig, zu nuttig, zu exhibitionistisch) sind, um sie in der Öffentlichkeit zu tragen. Sachen, mit denen ich einfach mal für mich experimentiert habe - wie ein Teenager, der im stillen Kämmerlein auch mal einen schreiend roten Lippenstift oder eine komplett durchsichtige Bluse ausprobiert, ohne damit gleich öffentlich rumzulaufen. Es hatte für mich einerseits schon einen gewissen, prickelnden Reiz, mal sowas zu tragen - andererseits war's mir auch peinlich. Ich hab's nicht direkt versteckt, habe sie halt ganz hinten in den Kleiderschrank gesteckt. Bestimmt hat meine Frau die Sachen auch irgendwann gesehen, sie kümmert sich ja seit zehn Jahren mit um meine Garderobe. Angesprochen hat sie es nie.

Als es nun diesen Sommer so heiß war, hatte ich morgens mal wieder so ein Teil in der Hand - ein knallrotes, hautenges, schulterfreies Superstretch-Top mit Rüschen an den Trägern, in dem frau rumläuft wie splitternackig als Verkehrsschild angemalt :shock: Ich hab's mit ziemlich schlechtem Gewissen - so eine seltsame Mischung aus "sexy" und "unmöglich" - tatsächlich angezogen und bin so zum Frühstück zu meiner Frau runtergetappt :oops: Die hat mich wie immer mit einem zärtlichen Guten-Morgen-Kuss begrüßt, mich dann an ausgestreckten Armen angeguckt und gefragt: "Hast du das neu?" "Nö - schon ewig lange, nur nie getragen, weil halt nicht sozial-kompatibel" war meine Antwort. Sie akzeptierte es lächelnd, und hatte anschließend weniger als ich selber ein Problem damit, so mit mir auf unserer von der Straße her einsehbaren Terrrasse zu frühstücken...

Herzliche Grüße
Wally
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Wally
Laila-Sarah
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Re: Ich heirate bald

Post 14 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

Hallo Vincent,

Nur kurz und knapp:
Wenn ich vor dem Zeitpunkt der Eheschließung ganz genau und mit Sicherheit wüsste, dass meine Zukunft die einer Frau sein würde, würde ich es ihr beichten. Wenn nicht, ist aus meiner Sicht alles in Ordnung und sicherlich seit ihr beiden jetzt schon viel weiter als so manche anderen Paare (ich inklusive).

VlG
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Re: Ich heirate bald

Post 15 im Thema

Beitrag von Vincent »

Erst mal Danke für all Eure Antworten Gedanken und Fragen!
Ich habe lange nicht geantwortet, da ich zu sehr mit der Hochzeit, den Vorbereitungen und Nachwirkungen, beschäftigt war.
Aria hat geschrieben: Mo 10. Sep 2018, 21:11 Irgendwas treibt dich also um! Wie gesagt, wären die obigen Sätze nicht, hätte ich es verstanden. Diese Sätze lassen mich mit x Fragezeichen zurück.
Du trägst eigentlich so gut wie alles aber hast ihr noch nie reinen Wein eingeschenkt. Sie weiss also nicht was du fühlst, sondern hält das alles für ganz normal?
Sorry, aber ich verstehe das beim besten Willen nicht. Das musst du mir erklären!
Ganz ehrlich kann ich das für mich selbst nicht beantworten, entsprechend weniger formulieren.
Im Wesentlichen wünschte ich in meinen Alltag auch femininere Kleider und Röcke zu integrieren, wie ich sie derzeit trage und nicht immer im Hinterkopf die Frage zu haben "kann Mann das tragen?" wie empfindet es meine Frau, ist es für sie ok, gefällt es ihr, und wie kommt es in meiner Umgebung an.
sbsr hat geschrieben: Di 11. Sep 2018, 08:51 Organisier Dir einen Klamotten Katalog, pack ihn zur restlichen Werbung so als wäre er zufällig dabei gewesen. Blätter beim Morgenkaffee beiläufig drin rum auf eine Seite mit Kleidern und seufze, ach so was würde ich auch einmal im Leben gerne anziehen, das Gefühl muss doch toll sein, usw.
Dann hast Du zumindest einen Einstieg. Ob die Reaktion deshalb besser ausfällt bleibt zu hoffen.

Meine Frau ist momentan auf einem "naja, mir egal" Level, was die monatlichen Stammtischbesuche anbelangt. Diese Stufe ist hart erkämpft und ich möchte nichts kaputt machen durch zu schnelle Vorstöße. Allerdings, da Deine Frau schon so weit mitgegangen ist, stehen die Chancen doch nicht schlecht, dass sie das i Tüpfelchen auch noch verkraftet. Wissen musst Du es letztlich selbst, ob sich das Risiko lohnt.
Danke für den Tipp, nur sind unsere Situationen relativ unterschiedlich - ich habe sie durchaus schon mal gebeten ein Kleid für mich bei einem Versandmarkt mit zu bestellen, als sie ihre Bestellung aufgegeben hat, auch hat sie mich mal gebeten, für sie das gleiche Kleid zu nähen, wie ich mir selbst eins genäht habe. Es geht bei mir nur um den Alltag, als Mann - nicht darum gelegentlich als Frau aufzutreten.


Wally hat geschrieben: Di 11. Sep 2018, 09:51 Lieber Vincent,

Erst mal einen herzlichen Glückwunsch an Euch beide! Schön, wieder mal zu hören, dass es noch langjährig funktionierende Partnerschaften gibt - schon ganz unabhängig von unserem Thema hier findet man das ja immer seltener. Und gerade für uns "weibliche Männer" ist es ganz besonders wichtig. Ich könnte mit meinem Leben als TS in der öffentlich männlichen Rolle nicht annähernd so zufrieden sein, wenn ich nicht das große Glück hätte, langjährig mit einer sehr lieben Frau verheiratet zu sein, bei der ich selber Frau sein darf und die mich auch als solche liebt und respektiert. Auf dieser Grundlage ist dann die öffentliche Geschlechtsrolle einfach entschieden weniger wichtig.

Ich glaube das von Dir geschilderte Problem zu kennen - freilich nicht genau genug, um Dir da auch einen Rat geben zu können. Ich schildere einfach mal, wie das bei mir aussieht; vielleicht kannst Du für Euch beide den einen oder anderen Schluss daraus ziehen.

Grundsätzlich war ich gegenüber meiner Frau von Anfang an offen. Ich habe ihr schon gleich beim Kennenlernen erklärt, dass ich TS bin, aber trotzdem in der männlichen Rolle bleiben werde. Ich habe mich ihr auch schon gleich in den ersten Wochen einmal komplett en femme gezeigt, was ich ja sonst nur sehr selten tue. Aber so gewisse Geheimnisse gab's dann eben doch: Kleidungsstücke und Accessoires, die einfach zu indezent (zu sexy, zu offenherzig, zu nuttig, zu exhibitionistisch) sind, um sie in der Öffentlichkeit zu tragen. Sachen, mit denen ich einfach mal für mich experimentiert habe - wie ein Teenager, der im stillen Kämmerlein auch mal einen schreiend roten Lippenstift oder eine komplett durchsichtige Bluse ausprobiert, ohne damit gleich öffentlich rumzulaufen. Es hatte für mich einerseits schon einen gewissen, prickelnden Reiz, mal sowas zu tragen - andererseits war's mir auch peinlich. Ich hab's nicht direkt versteckt, habe sie halt ganz hinten in den Kleiderschrank gesteckt. Bestimmt hat meine Frau die Sachen auch irgendwann gesehen, sie kümmert sich ja seit zehn Jahren mit um meine Garderobe. Angesprochen hat sie es nie.
Liebe Wally,
danke für Deine Glückwünsche!
In dem was Du schreibst finde ich mich an einigen Stellen wieder, ich sehe mich nicht als TS, nicht als dies oder das, und habe aufgegeben mich zuordnen, und will einfach nur mein Ding durchziehen. Die Experimente im stillen Kämmerlein kenne ich, das meiste habe ich für die Öffentlichkeit verworfen, aber das eine oder andere, wäre mMn doch straßentauglich - mir fehlt schlicht der Mut, der Mut mir, meiner Frau und der Öffentlichkeit gegenüber.


Und je mehr Antworten ich von Euch allen in diesem Thread gelesen und überdacht habe, desto mehr wird mir klar, dass mein Problem, meine Fragen vor allem in mir stecken - alles wovon ich überzeugt war und mir sicher war und mich damit wohlgefühlt habe, habe ich umgesetzt und es wurde, nicht nur von meiner Frau, auch kritiklos akzeptiert.


Mittlerweile bin ich verheiratet, habe natürlich nicht nochmal vorher mit meiner Frau darüber gesprochen, habe ihr aber durchaus meinen Hochzeitsrock gezeigt und ihr auch meine Idee für mein Hochzeitskleid erläutert.
Nachdem sie zu diesem Zeitpunkt ihr Brautkleid schon besaß und mein Rock nicht annähernd dazu passte, das Kleid nur in meiner Phantasie existierte und ich mir auch nicht sicher war, mich darin im Kreise der Hochzeitsgäste, wohl zu fühlen, war meine Kleidung fast konventionell und im Wesentlichen eine Idee meiner Frau:

Lederleggings, Ein langes Spitzenhemd und darunter ein Trägerbody - alles, wie es zu einem traditionellen Bräutigam gehört, in schwarz. Meine langen Haare vom Frisör zu einem französichen Zopf geflochten (ich kanns zwar selbst, aber nicht so ordentlich).

Liebe Grüße,
Vincent
LG

Vincent
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