Hallo Saskia,Sirenala hat geschrieben: Mo 28. Mär 2022, 10:57 Moin,
Erstmal kann ich Mary total zustimmen, was dieses Problem mit dem Frauenbild angeht.
Mal aus meiner ganz persönlichen Perspektive:
Ich zB hab kurze Haare, als ich sie hab kurz schneiden lassen waren extrem viele Männer der Meinung, sie dürften mir erzählen, dass das unweiblich aussieht und lange Haare besser wären.
Von Frau kann heutzutage tragen und machen was sie will sind wir meilenweit entfernt - ich könnte noch unzählige Beispiele bringen.
der Aussage, dass Rollenbilder auch für Frauen noch immer extrem starr sind, stimme ich vollkommen zu! Der Druck auf Frauen wird aber nicht nur von Männerseite gemacht. Ich habe da vor nicht allzulanger Zeit eine sehr interessante Unterhaltung mit einer guten Cis-Freundin gehabt, der ich von so eine Queer-Party erzählte hatte und die ganz neidisch wurde. Und dann erzählte sie mir, dem Crossdresser, (fast schon hinter vorgehaltener Hand), dass sie sich auch mal so coole Platoo-Schuhe mit 19 cm Absatz gekauft hätte und die nur im Schrank rumstehen würden, weil "frau" sowas ja nirgendswo tragen kann. Und in dem Gespräch schwang schon strak mit, dass sie Angst hatte als Frau micht mehr ernst genommen zu werden, wenn sie sich "outet" "solche" Kleidungsstücke zu besitzen. Es wird da auch von Frauenseite viel Druck gemacht, ja nicht in der Ruf zu geraten, nicht "genug emanzipiert" zu sein. Naja, wir wollen jedenfalls jetzt mal demnächst gemeinsam auf eine Party gehen, wo sie sich auch nach Lust und Laune aufbrezzeln "darf". Aber eigentlich ist das doch verrückt, wenn wir Transgener-"Zwischenwesen" den Cis-Frauen erst Mut machen müssen, damit sie sich trauen, ihre eigene Weiblichkeit zu feiern.
An uns Trans*Menschen wird aber auch oft, sowohl von Männern als auch Frauen, die Erwartung herangetragen: "Wenn ihr schon als Frauen rumlaufen müsst, dann seid gefälligst auch eine "richtige Frau", heißt seid gefälligst mehr Frau, als die durchschnittliche Cis-Frau. Insofern haben wir so ein bisschen folgendes Problem. Entweder versuchen wir, die Erwartungshaltung an "Weiblichkeit" zu erfüllen, und werden kritisiert, weil wir ein "rückwärts gewantes / veraltetes" Frauenbild dastellen. Oder wir stehen zu unserem Dasein als Zwischenwesen, das immer einen "männlichen Migrationshintergrund" hat, egal wie gut das Passing ist . Dann werden wir aber gerne als als "Perverse", die sich noch nicht mal ordentlich "Mühe geben", oder die es nicht "ernst meinen" beschimpft. Dem genderfluidem Crossdresser wird auch gerne, teilweise sogar von innerhalb der Comunity, der Begriff "Spaß-Transe" entgegen gebracht. Dieses "nicht genug sein zu können", das vollkommen zu recht am weiblichen Rollenbild kritisierte wird, wird hier aber gerne genau eins zu eins auf Transgender Menschen projeziert.
Ich persönlich seh das aus der Perspektive eines genderfluiden Crossdressers inziwschen so: Ich habe mich 50 Jahre meines Lebens dem ebenfalls sehr starren männlichen Rollenbildern unterworfen. Ich persönlich gedenke jedenfalls nicht, mich jetzt stattdessen starren weiblichen Rollenbildern zu unterwerfen. Ich versuch mich schon der Situation entsprechend zu kleiden. Und wenn ich an einem Samstag Nachmittag mich mit einer Freundin in der Stadt im Cafe treffe, versuch ich auch eher dezent, wie alle anderen Cis-Frauen rumzulaufen. Am Abend auf eine Queer-Party spricht aber auch nichts gegen ein kräftiges aufbrezzeln. Ich habe mich allerdings schon vor einiger Zeit davon befreit unbedingt ein perfektes Passing hinzubekommen. Damit bin ich aber auch schon innerhalb der Trans-Comunity auf Unverständnis gestoßen. Ich versuche nicht zu provozieren, aber es stört mich auch nicht, wenn erkennbar ist, dass ich biologisch männlich bin. Nun, das sind so meine privaten Gedanken zu dem Thema gesellschaftliche Zwänge von Rollenbilern.
Liebe Grüße
Zita