Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person
Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person - # 4

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Kleine Ketzerin
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Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 46 im Thema

Beitrag von Kleine Ketzerin »

Ralf-Marlene hat geschrieben: Sa 4. Jan 2020, 14:36 Trotzdem muss ein Arzt mit der Fachrichtung Neurologie und Psychiatrie hinzugezogen werden um über Gespräche die Möglichkeit eines anderen Leidens und damit einer Übersprungshandlung auszuschließen.
Damit landen wir dann aber wieder bei genau dem Gatekeeping-Klimbim, das wir heute haben. Alleine diese Idee eines "anderen Leidens, das zu einer Übersprungshandlung führt und deshalb ausgeschlossen werden muss", ist vor dem Hintergrund einer Psychodiagnostik, die an gravierenden Mängeln krankt, ein Fass ohne Boden. Wenn sowas trotzdem gewollt ist, dann können wir uns all die Mühe sparen und einfach weiter mit dem leben, was wir haben.
Ralf-Marlene hat geschrieben: Sa 4. Jan 2020, 14:36 Wie willst Du sonst die Behandlung begründen?
Das hatte ich doch bereits gesagt: Eine möglichst kurz gehaltene "Eingangsdiagnostik" einer "Geschlechtsdysphorie/Geschlechtsinkongruenz" nach den Kriterien der gängigen Krankheitsmanuale ICD und DSM durch einen fachlich kompetenten Arzt.
Ralf-Marlene hat geschrieben: Sa 4. Jan 2020, 14:36 Für mich wäre ein zum Beispiel Zahnarzt nicht der richtige Ansprechpartner für das Ziel eines geschlechtsangleichenden Prozesses.
Deshalb spreche ich ja immer von einem "fachlich kompetenten Arzt".
Kleine Ketzerin
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Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 47 im Thema

Beitrag von Kleine Ketzerin »

Marielle hat geschrieben: Sa 4. Jan 2020, 17:30 Das mit dem Leidensdruck wäre eine Möglichkeit (wird ja so auch schon angewandt). Allerdings hörst du ja auch, dass u.a. die Ketzerin damit nicht zufrieden wäre..
Versteh mich hier bitte nicht falsch, ich möchte nur die früher üblichen Exzesse beim Thema "Leidensdruck", die ich auch selbst erlebt habe und die heute noch vorkommen, effektiv verhindert wissen.
Jaddy
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Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 48 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Marielle hat geschrieben: Sa 4. Jan 2020, 17:30 Liebe--R-- Jaddy,
Lieb* oder Liebe"¢r. Danke.
Marielle hat geschrieben: Sa 4. Jan 2020, 17:30
Ponyhof für alle .....Dazu gehört auch ein Wohlfühl-Körper.
Wie bitte? Soll ich demnächst für die Piercings, nicht indizierten Fettabsaugungen und Sonnenstudiobesuche meiner Mitmenschen auch KK-Beiträge zahlen?
Und die für Deine? Vielleicht? Warum eigentlich nicht? Die aktuelle Auszahlungspolitik der Kassen ist reichlich verquer und alles andere als sozial oder transparent. Die Frage der Grenzen wurde meiner Beobachtung nach nie unter echten Bedarfsgesichtspunkten diskutiert, sondern immer nur von der monetären Seite. D.h. wenn das Geld knapp wurde, wurde irgendwas gestrichen, was den wenigsten Widerstand zeigte. Siehe "alternative Medizin" aka Voodoo vs Brillen und Zahnersatz.
Marielle hat geschrieben: Sa 4. Jan 2020, 17:30
Ich möchte die Frage mal umdrehen und von denen eine wirklich schlüssige Rechfertigung fordern für die Forderung an andere, sich für ihre Wünsche rechtfertigen zu sollen. Kostenargument nicht erlaubt, wie ab dem nächsten Abschnitt dargelegt.
Kostenargument nicht erlaubt? Diese Ausgaben werden erstens auch von meiner Knete bezahlt, die ich auch anderweitig ausgeben könnte. Und zweitens stehen diese Ausgaben in einem begrenzten Budget in Konkurrenz zu anderen Ausgaben. Es reicht nicht vorzurechnen, was anderes kostet. Du musst sagen, wo das Geld hergenommen bzw. wem es weggenommen wird. Du hast nämlich schlicht unterschlagen, welche weiteren Kosten (neben den 4000 GAOPs) aus deinem 'Vorschlag' resultieren würden.
Ich bin erstens nicht der Ansicht, dass das Budget so begrenzt ist, wie Du hier insinuierst. Spätestens, wenn wir mal beleuchten, wo das Geld am Ende eigentlich landet, bzw wer die Preise macht. Es wird bspw noch zu wenig darüber diskutiert, dass Krankenhaus- und Praxiskonzerne Profite machen, die von der Allgemeinheit bezahlt werden. Dass Pharmafirmen im Prinzip freies Spiel bei der Preisgestaltung haben, aber offenbar zum Beispiel keine Nachliefergarantien. Der Knackpunkt, weshalb dies egentlich nicht sein dürfte ist, dass die allermeisten Zahlungsempfänger"¢innen keine wirkliche Wahl haben, also keine rationalen Markteilnehmer"¢innen sind, die in der klassischen BWL so angenommen werden. Vielleicht sollten Dienstleistungsfirmen da stärker kontrolliert, reguliert werden und_oder eine andere Rechtsform haben.

Zum zweiten sollte die Gerechtigkeitsfrage meiner Ansicht nach anders diskutiert werden, als Du es möglicherweise möchtest. Es ist schon wichtig, nicht auf die öffentlich geschürte Illusion der (artificial) scarcity reinzufallen. Ich habe gezeigt, dass auf der einen Seite Kosten als wahnsinnig hoch dargestellt werden - GaOP u.ä., während auf der anderen Seite viel höhere tatsächliche Kosten ignoriert werden, die aus total freiwilligem, objektiv nicht wirklich verantwortungsvollem handeln gegenüber sich selbst und_oder anderen Menschen resultieren. Beispiele sind eben Rauchen, Alkohol, Ernährungsweisen, riskante Freizeitbeschäftigungen, Verkehr, usw. Wir leisten uns das, aus Wohlfühlgründen und das ist auch in gewisser Weise okay. Aber!

Selbst bei einem begrenzten Budget wäre es aktuell nicht nachvollziehbar, weshalb die Kosten vieler selbst- und fremdschädigender Verhalten von der Solidargemeinsschaft übernommen werden sollen, während bei Maßnahmen zur persönlichen Entwicklung erst eine Heldenreise durch Pathologisierung und Gutachterei vorgeschrieben wird. Die Zahlen, zum Beispiel kumulierte Kosten = Fallzahl x Fallkosten geben es jedenfalls nicht her. Und eine reine Mehrheitsentscheidung - zig Millionen Rauchende vs ein paar tausend trans Personen - ist weder sozial, noch wirklich demokratisch. Hint: Moderne Demokratie ist mehr als "Mehrheit gewinnt".

Ich habe auch keine konkreten Finanzierungsmodelle. Die Idee mit dem Rauchverzichtsgelübde ist aber vielleicht gar nicht so weit weg, wenn ich an gängige Bonusmodelle denke.

Mir geht es darum, körperlichen Veränderungen für seelisches Wohlergehen aus der Sonderecke zu holen und in der Diskussion mit anderen Zahlungsgründen auf eine Stufe zu stellen. Und dann können wir uns drüber unterhalten, ob zum Beispiel risikoreiche Genussmittel/verhalten einen extra Beitrag zum Gesundheitssystem leisten. Oder einmalige Kosten wie GaOPs über einen Darlehnsfond auf Jahrzehnte to come abgebildet werden. Da gibt es bestimmt noch ganz viele Möglichkeiten.
Marlene K.
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Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 49 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Kleine Ketzerin hat geschrieben: Sa 4. Jan 2020, 18:38 Das hatte ich doch bereits gesagt: Eine möglichst kurz gehaltene "Eingangsdiagnostik" einer "Geschlechtsdysphorie/Geschlechtsinkongruenz" nach den Kriterien der gängigen Krankheitsmanuale ICD und DSM durch einen fachlich kompetenten Arzt.
Liebe kleine Ketzerin,
ich bin mir sicher, wir beide wollen das selbe oder auch das gleiche...

Ich habe den für mich sinnvollen Facharzt und die Bewertungskriterien benannt.
Wer ist für Dich der sinnvolle Facharzt?

Du benennst die ICD, hier F64/ Störung der Geschlechtsidentität/ als Grundlage. Im zugehörigen Artikel wird auf die Notwendigkeit eines Ausschlusses der Diagnose F60/ spezifische Persönlichkeitsstörung/.
Damit wären wir wieder beim Psychiater.
Das Manual DSM finde ich online garnicht. Was ist dies?
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
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Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 50 im Thema

Beitrag von Kleine Ketzerin »

Hallo Marlene!

Für mich ist ein sinnvoller Facharzt einer, der durch Ausbildung, Fortbildung und klinische Erfahrung die nötige Kompetenz besitzt, entsprechende Diagnosen zu stellen. Das kann einer aus dem Psycho-Bereich sein, muss aber nicht, denn auch z.B. Allgemeinmediziner können durch Zusatzqualifikationen eine entsprechende Kompetenz erlangen. Deshalb will ich mich da auch gar nicht auf einen bestimmten Fachbereich festlegen.

Beim ICD beziehe ich mich schon auf die Version 11 ("Gender Incongruence - HA60"). Das DSM ist das "Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders" der APA (American Psychiatric Association), aktuell in Version 5(*). Dort gibt es die "Gender Dysphoria" mit einer wunderschönen "Symptom-Checkliste". Das DSM ist für Deutschland zwar nur sekundär relevant, wird hier aber vor allem in der Fachliteratur zu "Trans" wegen den präziseren "diagnostischen Kriterien" auch gerne verwendet.

Und um eins vielleicht nochmal explizit deutlich zu machen: Ich persönlich halte nach intensiver Beschäftigung mit der Thematik von diesem psychodiagnostischen Klimbim mit ICD, DSM & Co. eigentlich gar nichts. Für mich ist das nur eine "Krücke", um die Trans-Behandlung irgendwie "abrechnungsfähig" zu machen.

(*) Das DSM gibt es online nicht, das muss man kaufen.
Marlene K.
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Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 51 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Stimmt, der "psychodiagnostische Klimbim" ist und bleibt eine Krücke. Wer bessere Vorschläge hat, könnte sie ja vorbringen. Mir fällt da leider nichts ein, wobei ich Jaddy mit guten Vorbesprechungen zu einer GaOp und auch einer HRT durchaus folgen kann und wir dort eventuell eine psychosozialen Diagnostik nur bei begründeten Zweifeln empfehlen könnten.
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
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Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 52 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2020-10-20 »

Suchbegriffe :

dsm-5 transgender
dsm-5 transgender pdf

Da ist einiges vermerkt, vieles auf englisch, mal sehen

Petra Sofie
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Re: Meinungen zu Trans*, Wege zur eigenen Person

Post 53 im Thema

Beitrag von Kleine Ketzerin »

Ralf-Marlene hat geschrieben: Sa 4. Jan 2020, 20:13 Mir fällt da leider nichts ein, wobei ich Jaddy mit guten Vorbesprechungen zu einer GaOp und auch einer HRT durchaus folgen kann und wir dort eventuell eine psychosozialen Diagnostik nur bei begründeten Zweifeln empfehlen könnten.
Ich bin ja eigentlich auch eine Verfechterin des "informed consent", also so, wie es Jaddy geschrieben hat: eine ausführliche und vor allem auch schonungslose Aufklärung durch den Facharzt (Endokrinologe etc.), notwendige Untersuchungen, Klärung der Einwilligungsfähigkeit des Patienten, dann Einwilligung durch den Patienten und los geht's, wenn alles passt (für die GaOP sollte man ja z.B. schon eine gewisse Zeit Hormone nehmen, woraus sich ja auch schon wieder mehr "Sicherheit" ergibt)... Abgerechnet werden könnte das dann entweder über die bestehenden Trans-Diagnosen oder oft sogar über normale somatische Diagnosen wie z.B. "Hypogonadismus". Aber so ein Ansatz lässt sich - so zumindest mein Eindruck - hier in Deutschland nur schwer verkaufen, denn hier muss immer alles 150prozentig perfekt abgesichert, durchdacht und mit doppeltem Boden und Sicherheitsgurt fest verzurrt sein und vor allem "seine Ordnung haben". Und irgendwie "neu" darf es schon mal gar nicht sein, ohgottohgott wo kämen wir da bloß hin... Wir stehen uns hier in Deutschland einfach viel zu oft selbst im Wege und stolpern leider viel zu gerne über unsere eigenen Füße.
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