Marielle hat geschrieben: Sa 4. Jan 2020, 17:30
Liebe
--R-- Jaddy,
Lieb* oder Liebe"¢r. Danke.
Marielle hat geschrieben: Sa 4. Jan 2020, 17:30Ponyhof für alle .....Dazu gehört auch ein Wohlfühl-Körper.
Wie bitte? Soll ich demnächst für die Piercings, nicht indizierten Fettabsaugungen und Sonnenstudiobesuche meiner Mitmenschen auch KK-Beiträge zahlen?
Und die für Deine? Vielleicht? Warum eigentlich nicht? Die aktuelle Auszahlungspolitik der Kassen ist reichlich verquer und alles andere als sozial oder transparent. Die Frage der Grenzen wurde meiner Beobachtung nach nie unter echten Bedarfsgesichtspunkten diskutiert, sondern immer nur von der monetären Seite. D.h. wenn das Geld knapp wurde, wurde irgendwas gestrichen, was den wenigsten Widerstand zeigte. Siehe "alternative Medizin" aka Voodoo vs Brillen und Zahnersatz.
Marielle hat geschrieben: Sa 4. Jan 2020, 17:30
Ich möchte die Frage mal umdrehen und von denen eine wirklich schlüssige Rechfertigung fordern für die Forderung an andere, sich für ihre Wünsche rechtfertigen zu sollen. Kostenargument nicht erlaubt, wie ab dem nächsten Abschnitt dargelegt.
Kostenargument nicht erlaubt? Diese Ausgaben werden erstens auch von meiner Knete bezahlt, die ich auch anderweitig ausgeben könnte. Und zweitens stehen diese Ausgaben in einem begrenzten Budget in Konkurrenz zu anderen Ausgaben. Es reicht nicht vorzurechnen, was anderes kostet. Du musst sagen, wo das Geld hergenommen bzw. wem es weggenommen wird. Du hast nämlich schlicht unterschlagen, welche weiteren Kosten (neben den 4000 GAOPs) aus deinem 'Vorschlag' resultieren würden.
Ich bin erstens nicht der Ansicht, dass das Budget so begrenzt ist, wie Du hier insinuierst. Spätestens, wenn wir mal beleuchten, wo das Geld am Ende eigentlich landet, bzw wer die Preise macht. Es wird bspw noch zu wenig darüber diskutiert, dass Krankenhaus- und Praxiskonzerne Profite machen, die von der Allgemeinheit bezahlt werden. Dass Pharmafirmen im Prinzip freies Spiel bei der Preisgestaltung haben, aber offenbar zum Beispiel keine Nachliefergarantien. Der Knackpunkt, weshalb dies egentlich nicht sein dürfte ist, dass die allermeisten Zahlungsempfänger"¢innen keine wirkliche Wahl haben, also keine rationalen Markteilnehmer"¢innen sind, die in der klassischen BWL so angenommen werden. Vielleicht sollten Dienstleistungsfirmen da stärker kontrolliert, reguliert werden und_oder eine andere Rechtsform haben.
Zum zweiten sollte die Gerechtigkeitsfrage meiner Ansicht nach anders diskutiert werden, als Du es möglicherweise möchtest. Es ist schon wichtig, nicht auf die öffentlich geschürte Illusion der
(artificial) scarcity reinzufallen. Ich habe gezeigt, dass auf der einen Seite Kosten als wahnsinnig hoch dargestellt werden - GaOP u.ä., während auf der anderen Seite viel höhere tatsächliche Kosten ignoriert werden, die aus total freiwilligem, objektiv nicht wirklich verantwortungsvollem handeln gegenüber sich selbst und_oder anderen Menschen resultieren. Beispiele sind eben Rauchen, Alkohol, Ernährungsweisen, riskante Freizeitbeschäftigungen, Verkehr, usw. Wir leisten uns das, aus Wohlfühlgründen und das ist auch in gewisser Weise okay. Aber!
Selbst bei einem begrenzten Budget wäre es aktuell nicht nachvollziehbar, weshalb die Kosten vieler selbst- und fremdschädigender Verhalten von der Solidargemeinsschaft übernommen werden sollen, während bei Maßnahmen zur persönlichen Entwicklung erst eine Heldenreise durch Pathologisierung und Gutachterei vorgeschrieben wird. Die Zahlen, zum Beispiel kumulierte Kosten = Fallzahl x Fallkosten geben es jedenfalls nicht her. Und eine reine Mehrheitsentscheidung - zig Millionen Rauchende vs ein paar tausend trans Personen - ist weder sozial, noch wirklich demokratisch. Hint: Moderne Demokratie ist mehr als "Mehrheit gewinnt".
Ich habe auch keine konkreten Finanzierungsmodelle. Die Idee mit dem Rauchverzichtsgelübde ist aber vielleicht gar nicht so weit weg, wenn ich an gängige Bonusmodelle denke.
Mir geht es darum, körperlichen Veränderungen für seelisches Wohlergehen aus der Sonderecke zu holen und in der Diskussion mit anderen Zahlungsgründen auf eine Stufe zu stellen. Und dann können wir uns drüber unterhalten, ob zum Beispiel risikoreiche Genussmittel/verhalten einen extra Beitrag zum Gesundheitssystem leisten. Oder einmalige Kosten wie GaOPs über einen Darlehnsfond auf Jahrzehnte to come abgebildet werden. Da gibt es bestimmt noch ganz viele Möglichkeiten.