caju hat geschrieben: Di 4. Jun 2019, 20:22
Toni,
Ich habe mich jetzt mal einwenig in deine Postings reingelesen und finde, dass du da echt wie in einer Schleife mit dir selbst gefangen bist.
Ich habe den Eindruck, dass du den Weg damals nicht gegangen bist, weil du dich nicht im falschen Körper gefangen gefühlt hast, sondern weil du nicht ehrlich mit dir selbst warst, überidealisiert und darin die Lösung bzw. Kompensation für deine eigentlichen Probleme gesehen hast.
Ich frage mich mittlerweile immer, mache ich das jetzt für mich selbst oder mache ich das um einem vermeintlichem Ideal zu entsprechen um irgendwas dazustellen.
In über 10 Jahren Transistion kann ich sagen, dass die Ehrlichkeit mit sich selbst sooo wichtig ist, auch wenn so manche ehrliche Erkenntnis echt weh tun kann und nicht einfach ist sich dann damit auseinander zu setzen.
Ein Therapeut kann einem auf dem Weg nur begleiten, er kann nicht in einen reingucken und sagen was Sache ist, das kannst nur Du selbst.
Ich bin mittlerweile echt froh, dass ich damals nicht den Hauruckweg in kürzester Zeit bis zur OP etc. gegangen, sondern den Weg langsam über Jahre gegangen bin.
Hätte ich meine Therapeuten und Gutachter und damit auch mich selbst belogen und hätte nur das gesagt, was sie hätten hören wollten, wäre ich mit dem ganzen Prozess deutlich schneller durchgewesen, jedoch wüsste ich nicht, ob ich dann auch so im reinen und glücklich mit mir wäre, wie ich es jetzt bin.
Der Punkt ist, ich hatte keine Probleme. Mir ging es nicht schlecht vor der Transition. Ich wollte die Transition eben machen, weil ich mir die Möglichkeit seit 13 Jahren im Kopf rumschwirrte und ich nicht wüsste was ich mich sexuell verorten sollte. Außerdem wollte ich mir nicht sagen, "ach hätte ich es doch mal gemacht", sondern "cool, dass du es gemacht hast, war zwar nicht deins aber gut das du es ausprobiert hast."
Ich wusste halt davon seit ich 17 war. Dabei wollte ich es lange Zeit nicht machen. Ich wollte nicht Transsexuell sein.Allein wenn ich mir diese 0815 trans. Frauen so angeschaut habe (wobei ich die bewundere ihren Weg zu machen ohne dabei einem Schönheitsideal nach zu eifern), hab ich gedacht nein so möchtest du nicht werden. Dann kam aber 2015 immer mehr Leute auf Youtube die sich richtig gut verändert haben. Da kam dann langsam die Idee auf, warum eigentlich nicht. Denen gehts ja jetzt anscheinend mega gut und wenn die das machen, dann kann ich das auch machen.
Dann mit Ende 2015 bekam ich dann Torschlusspanik, denn ich hatte ja noch nie ne Beziehung gehabt. Also wollte ich herausfinden was mit mir los ist. Ich besuchte schwulen Bars und Seminare über Asexualität aber erst der Besuch einer Trans SHG brachte mir selbsterkenntnis. Denn aufeinmal musste ich meine Bedürfnisse nicht mehr verstecken und mit einigen trans. Frauen und ihren Geschichten konnte ich mich sehr gut identifzieren.
Vielleicht stimmte es ja doch, vielleicht war ich Frau und damit öffnete sich mein Geist und ich hatte so eine krasse Erfahrung gemacht. Die Welt wurde plötzlich heller und kontrastreicher. Ich ging durch die Straße als Frau, ich redete mit anderen als Frau, ich hörte Musik als Frau. Ich durfte aufeinmal Dinge tun und DInge ablehnen die ich mir vorher nicht zugestand, weil ich ja als Mann ein gewisses Bild wahren musste. Ich durfte auf Männer stehen und musste nicht mehr auf Frauen stehen.
In dieser Zeit durchlebte ich auch meine rebellische Phase. Ich kleidete mich rockiger und war bitchiger, ich traute mich mehr.
Dann der erste Dämpfer. Meine Schwester sagte mir, aber du siehst doch weiterhin wie ein Mann aus. Du bist den Leuten als Mann begegnet und du bist als Mann durch die Straße gegangen. Da merkte ich dann, dass das alles nur in meinen Kopf war. Nicht ich hatte mein äußeres Geändert, sondern ich hatte meine innere Einstellung zu mir und meiner Welt geändert. Denn was war das für eine tolle Welt in der ich Frau sein durfte.
Meine trans Kontakte sagte mir relativ schnell, besorg dir ne Therapie damit du schnell weiter kommst. Dann kam gleich danach, "Also ich konnte nicht so lange auf die HRT warten." Ich lies mich also belabern und ging den Weg. Ich belies mich was ich wie machen musste um alles zu erreichen. Es ging mir in erster Linie um das Aussehen. Von Make-Up war ich relativ schnell enttäuscht und hoffte halt das die HRT das schon von allein regelt. Dazu kam, dass ich nicht wie ein Crossdresser rumlaufen wollte und lieber die Kleidung nach meiner körperlichen Entwicklung anpassen wollte.
Nächster Dämpfer, jedes mal nach einem Outing fühlte ich mich nicht besser sondern schlechter. Ich spürte dann immer so einen Druck, "was erwarten die jetzt, das ich im Rock rumlaufe?"
Langsam wurde meine Brust sichtbar und ich wurde darauf angesprochen. Das war mir so peinlich, dass ich mir einen Binder besorgte. Die Tage an denen ich Binder trug, fühlten sich großartig an. Toll war dann auch das Gefühl abends, dann für mich meine Brüste zu haben.
Ich fühlte mich also mit den trans. Männer immer mehr verbunden. Das rumgetusse der anderen trans. Frauen war für mich nichts. Ich hatte keinen Bock auf pinken glitzer Barbie-Lifestyle. Ich wollte so rockig aussehen wie die Butches und Dykes und so locker mit den Geschlechterausdruck umgehen wie trans. Männer. Klar war ich neidisch auf die schönen Fotos und Youtuberinnen aber ich wollte mich auch nicht verbiegen.
Nächster Dämpfer. Mit Androcur ging auf einmal alles ganz schnell. Ich hatte aufeinmal Passing und ging sogar in meinen Jungsklamotten als Frau durch. Aber die Stimme auch nach Lockopädie und Selbsttrianing würde mich halt immer wieder verraten. In dieser Zeit begann ich mich zurück zuziehen, denn ich hatte Angst vor Sexismus, Übergriffigkeit und Transphobie. Ich sah wie mich Männer nun ansahen, zu erst fand ich das ja noch lustig und spielte auch damit aber irgendwann bekam ich Angst. DIe Transition hatte mich auch körperlich schwach gemacht und ich wüsste nicht wie ich mit so einer Situation umgehen würde.
Meine Schwester sagte mir nun, "wie soll ich dich ansprechen, dein männlicher Name passt jetzt irgendwie nicht mehr."
Ich wollte es nochmal wissen und outete mich offiziell überall. 1 Woche später revidierte ich alles. Es fühlte sich nicht stimmig an. Es fühlte sich an wie ein Verrat an mir selbst. Mein altes Ich, alles was ich aufgebaut hatte, sollte einfach so meinen Trans-Ich weichen. Ich wäre jetzt nicht mehr "Ich" sondern würde in den Augen der meisten einfach immer als trans. Person gelten. Ja, vermutlich sogar darauf reduziert werden.
Ich ging nun in Clubs und Bars. Ich wollte jemanden kennenlernen. Beim tanzen in Clubs merkte ich, wie mich Lesben genauso interessant fanden wie Männer. Nach einigen Treffen mit ein paar Männern, stellte ich fest, dass sie zwar das feminine an mir anzog aber sie immer noch eindeutig das männliche sehen. Ja mir wurde sogar gesagt, ich wirke auch männlich. Da merkte ich, ich war gar keine attraktive Frau, sondern schon als Mann attraktiv genug. Ich musste also gar nicht Frau sein, um begehrenswert zu sein. Damit wurden meine Zweifel an der Transition befeuert.
Zweifel hatte ich schon von Anfang an.
Ich lernte also jemanden kennen und begann meine erste Beziehung. Es war klar der Penis muss bleiben (für ihn) und die HRT war auch nicht so toll (da gesundheitsschädlich). Ich unterbrach die HRT. Aber das Thema konnte ich bis heute nicht loslassen.