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Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?
Verfasst: Do 7. Okt 2021, 19:56
von Michi
Wally hat geschrieben: Do 7. Okt 2021, 19:47
MichiWell hat geschrieben: Do 7. Okt 2021, 19:26
Und dazu käme wohl noch, dass täglich Wetten laufen würden, ob ich heute als Mann oder Frau ins Büro komme.
DAS fände ich nun wiederum ausgesprochen amüsant
Und ich würde es sogar eher bedauern, dass solche Wetten dann relativ schnell langweilig würden.
Ich bin doch kein Pferd!
Ich finde bereits die Vorstellung unangenehm, wenn ich ständig im Mittelpunkt stehen würde .. dazu noch wegen Äußerlichkeiten und mit abfälligen Bemerkungen bedacht.
Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?
Verfasst: Fr 8. Okt 2021, 00:17
von Wally
MichiWell hat geschrieben: Do 7. Okt 2021, 19:56
Ich bin doch kein Pferd!
Ich finde bereits die Vorstellung unangenehm, wenn ich ständig im Mittelpunkt stehen würde .. dazu noch wegen Äußerlichkeiten und mit abfälligen Bemerkungen bedacht.
Und wenn Du das beste Pferd im Stall wärst?
Jetzt mal ganz im Ernst: wegen sowas im Mittelpunkt zu stehen wäre doch nur dann unangenehm, wenn das konzentrierte Interesse mit einem spürbar negativen Urteil verbunden wäre.
Das muß aber doch nicht so sein! Man kann's doch auch einfach nur ganz ohne Wertung "spannend" finden, wie da ein Mensch plötzlich in die andere Rolle schlüpft. Manche werden Deinen Mut bewundern (das ist unter den seltenen Kommentaren, die ich zu diesem Thema überhaupt kriege, der mit Abstand häufigste) - und der eine oder andere wird Dich im Stillen vielleicht sogar um Deinen Mut
beneiden. Okay: es wird wohl immer auch welche geben, die es blöd finden. Aber das ist doch in den allermeisten Aspekten des Lebens so, man kann's halt nicht allen recht machen.
Mein Kopfkino
vor dem öffentlichen Rollenwechsel gaukelte mir auch alle möglichen, sozialen Probleme bis hin zu offenen Anfeindungen vor. NICHTS davon erlebe ich jetzt in der Realität! Die Leute begegnen mir freundlich wie eh und je (manchmal nach meinem Eindruck sogar eine Spur freundlicher, vor allem auch hilfsbereiter als vorher in der männlichen Rolle), keiner (na ja - fast keiner) gafft mich unangemessen an; und wenn ich (selten) überhaupt Kommentare kriege, dann durchweg positive. Dass mein weibliches Outfit dann doch eine gewisse, sehr verhaltene Aufmerksamkeit erregt, kann mir nur recht sein: ich WILL ja damit wahrgenommen werden, eben deshalb kleide ich mich doch so!
Irgendwelche "abfälligen Bemerkungen" habe ich in dem Dreivierteljahr, das ich jetzt konsequent in der Öffentlichkeit als Frau lebe, nie mitgekriegt. Ich kann zwar auch nicht ausschließen, dass hinter meinem Rücken noch so manches Wort fällt; aber warum sollte ich das den Leuten in meinem Umfeld von vornherein
unterstellen ? Mit so einer negativen Denke schade ich mir doch bloß selber.
Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?
Verfasst: Fr 8. Okt 2021, 01:34
von kochy25
Zu Zeiten wo ich noch gearbeitet habe - habe ich aus meiner SM Neigung auch keinen Hehl gemacht - und bin nie schlecht damit gefahren. Theoretisch würde ich das auch mit dem Crossdressen so machen - Job und Passendes Outfit mal vorausgesetzt.
In meinem alten Job aber eher unwahrscheinlich - zumal ich durch die Verwandlung auch in eine Andere Persönlichkeit mit anderen Bedürfnissen und Fähigkeiten schlüpfe.
Es macht zudem keinen Sinn, sich eine Löwenmähnen-Perücke aufzusetzen um auf der Arbeit dann Haarnetz zu tragen... Passende lange Fingernägel wären in der Werkstatt zwar möglich aber eher hinderlich. Daher wäre das eher wegen schlechter Kompatibilität von mir nicht umgesetzt worden - als wegen dem Gerede.
In Deiner Situation (Beamte) kann Dir doch eigentlich nix passieren - außer dass Du vielleicht zu Anfang nicht reingelassen wirst - weil man dich so nicht erkennt.
Meine Erfahrung sagt - dass es auf Deine Ausstrahlung und Deiner Einstellung dazu ankommt. Bist Du von dem, was Du da machst fest von überzeugt - überträgt sich das durch die entsprechende Körpersprache auch auf Dein Umfeld und es traut sich keiner was zu sagen.
Also - machen oder lassen. Du hast die Wahl.
Gruß Marco
Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?
Verfasst: Fr 8. Okt 2021, 01:36
von Michi
Wally hat geschrieben: Fr 8. Okt 2021, 00:17
Und wenn Du das beste Pferd im Stall wärst?
Jetzt mal ganz im Ernst: wegen sowas im Mittelpunkt zu stehen wäre doch nur dann unangenehm, wenn das konzentrierte Interesse mit einem spürbar negativen Urteil verbunden wäre.
Das muß aber doch nicht so sein!
Hallo Wally,
bitte lass doch die verbalen Spitzfindigkeiten. Es ist ernst genug, denn wie ich schon schrieb, habe ich gleich mit zwei die transfeindliche und homophobe Kollegen im selben Zimmer zu tun, und sehr wahrscheinlich noch weiteren Kollegen, mit denen ich ebenfalls im direkten Kontakt stehe. Im Übrigen arbeite ich in einer kleinen privaten Firma. Mir fehlen habe also im Gegensatz zu Vicky zwei wesentliche Sicherheiten in einem möglichen Outing-Prozess: die Personalvertretung/Gleichstellungsbeauftragte, und die Unkündbarkeit.
Und außerdem ist das hier Vickys Thread.
Wenn du mit mir, ohne mich persönlich zu kennen und somit meine Fähigkeiten im Umgang mit meinen Mitmenschen beurteilen zu können, weiter darüber diskutieren möchtest, ob und warum die von mir oben genannten toxischen Kollegen angeblich kein Problem für mich sein sollen, dann mache bitte einen neuen Thread dazu auf.
Danke.
Liebe Grüße
Michi
Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?
Verfasst: Fr 8. Okt 2021, 09:42
von Geli
Hallo Vicky,
Vicky_Rose hat geschrieben: Di 5. Okt 2021, 15:15
... Jetzt bleiben mir noch zwei Wege, um ein höheres Maß an Home Office zu erzielen. Die Ultima Ratio wäre das Outing, um mir den nötigen Freiraum zu erkämpfen. Das bringt mich in eine massive Zwickmühle. Meine Frage ist also, soll ich diesen Weg beschreiten, wenn alles andere versagt ? Wie seht Ihr das aus Eurer Perspektive ? Habt Ihr Erfahrungen, die mir weiter helfen können ? ...
Du hast geschrieben, dass es neben der allgemein gültigen Dienstanweisung noch individuelle Regelungen gibt, um weitere Homeoffice Tage zu bekommen. Welche Gründe für eine solche individuelle Regelung gelten, schreibst du leider nicht, aber ich kann mir nur schwer vorstellen, dass ein Outing ein Grund für eine solche individuelle Regelung auf mehr HO-Tage ist. Für weitere HO-tage wirst du noch andere Gründe brauchen. Mehr HO-tage musst/kannst du meiner Meinung nach auch durchkämpfen ohne Outing.
Ich bin zwar nicht im Öffentlichen Dienst, aber in einer sehr großen Firma angestellt und da wäre ein Outing als Trans* kein Grund für meinen Chef mir mehr Homeofficetage zu genehmigen. Ich sehe zwischen Homeoffice und Outing keinen Zusammenhang.
Natürlich könntest du nach einem Outing weiterhin 24/7 als Frau leben, halt eben 3 Tage im Büro und 2 Tage plus Wochenende zuhause. Aber wie schon mehrfach geschrieben, abnehmen kann dir diese Entscheidung niemand.
Ich wünsche dir ein glückliches Händchen bei deiner Entscheidung und dass es für dich persönlich letztendlich die richtige war.
Liebe Grüße
Geli
Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?
Verfasst: Fr 8. Okt 2021, 14:13
von ExUserIn-2026-04-08
Geli hat geschrieben: Fr 8. Okt 2021, 09:42
Welche Gründe für eine solche individuelle Regelung gelten, schreibst du leider nicht
Hi Geli,
da gibt es keine Vorgaben. Mein Chef klagt auch darüber, denn er muss darüber entscheiden. Er steht genau in dem Spannungsfeld zwischen seinen Chefs und seinen Mitarbeitern. Einerseits muss er befürchten, seine Individualregelungen zu rechtfertigen (was nicht sicher ist), andererseits kann die Motivation der Mitarbeiter leiden. Die Dienstvereinbarung ist dermaßen schwammig, das man keine echten Regeln oder "Leit(d)planken ableiten kann.
Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?
Verfasst: Fr 8. Okt 2021, 15:28
von heike65
Ich hätte eine kleine Frage, ist HO nur wegen Covid erlaubt ? oder ist das für die Zukunft generell so vorgesehen ?
Ich kann die Schilderungen deiner Kindheit durchaus nachvollziehen, das ist wie eine Blaupause meiner Kindheit, und es ist sicherlich keine optimale Umgebung wenn man Probleme mit der Geschlechtsidentität hat, führt nur zur Verdrängung und Unterdrückung des Problems. Ich kann dir nur raten: gehe in dich , fühle was für dich wichtig ist, und lebe es. Die vermeintlichen Probleme die man am Anfang sieht werden sich zu 95% in Luft auflösen, aber du wirst natürlich mal missgendert werden, das wirst du ertragen müssen. Und wenn du das ganz selbstverständlich lebst wird dir eine Menge Zuspruch widerfahren, bis zu Umarmungen auf der Strasse, oder Einladungen zu einem Cafe etc.
Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?
Verfasst: So 10. Okt 2021, 09:44
von ExUserIn-2026-04-08
heike65 hat geschrieben: Fr 8. Okt 2021, 15:28
Ich hätte eine kleine Frage, ist HO nur wegen Covid erlaubt ? oder ist das für die Zukunft generell so vorgesehen ?
Hallo Heike,
wir sind seit März letzten Jahres wegen Corona voll im HO. Es gab nur eine kurze Unterbrechung im Sommer '20. Deshalb habe ich mich auch so daran gewöhnt. Unsere neue Dienstvereinbarung erlaubt HO ohne Angabe von Gründen. Sie sind allerdings genehmigungspflichtig und so kann der Referatsleiter das einschränken, wenn er es für notwendig hält. Eine Angabe von Gründen wird für den Genehmigungsprozess allerdings als hilfreich erachtet. Irritierend ist dabei, dass die Hausleitung dieses Projekt voran getrieben hat. Sogar der Personalrat hat gestaunt, wie weit man gehen wollte. Kern ist eine Teamvereinbarung, die für alle im Referat gilt und gemeinsam ausgehandelt wurde. Darüber hinaus sind die Individualregelungen möglich. Hier hat meine ursprüngliche Idee angesetzt, mehr HO, damit ich mehr Zeit en femme leben kann. Im Büro wäre ich dann wie gehabt en homme, so dass sich dort keine Änderungen für die Dienststelle ergeben würde. Ich stecke in einer gefühlten Zwickmühle. Aber vielleicht ist es genau das, was ich brauche, um weitere Schritte zu gehen ...
Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?
Verfasst: So 10. Okt 2021, 09:44
von ExUserIn-2026-04-08
heike65 hat geschrieben: Fr 8. Okt 2021, 15:28
Ich hätte eine kleine Frage, ist HO nur wegen Covid erlaubt ? oder ist das für die Zukunft generell so vorgesehen ?
Hallo Heike,
wir sind seit März letzten Jahres wegen Corona voll im HO. Es gab nur eine kurze Unterbrechung im Sommer '20. Deshalb habe ich mich auch so daran gewöhnt. Unsere neue Dienstvereinbarung erlaubt HO ohne Angabe von Gründen. Sie sind allerdings genehmigungspflichtig und so kann der Referatsleiter das einschränken, wenn er es für notwendig hält. Eine Angabe von Gründen wird für den Genehmigungsprozess allerdings als hilfreich erachtet. Irritierend ist dabei, dass die Hausleitung dieses Projekt voran getrieben hat. Sogar der Personalrat hat gestaunt, wie weit man gehen wollte. Kern ist eine Teamvereinbarung, die für alle im Referat gilt und gemeinsam ausgehandelt wurde. Darüber hinaus sind die Individualregelungen möglich. Hier hat meine ursprüngliche Idee angesetzt, mehr HO, damit ich mehr Zeit en femme leben kann. Im Büro wäre ich dann wie gehabt en homme, so dass sich dort keine Änderungen für die Dienststelle ergeben würde. Ich stecke in einer gefühlten Zwickmühle. Aber vielleicht ist es genau das, was ich brauche, um weitere Schritte zu gehen ...
Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?
Verfasst: Di 12. Okt 2021, 23:36
von Diana.65
Hallo Vicky.
Ohne jetzt alle Beiträge, zu deinem Ausgangspost, bis ins Detail gelesen zu haben, möchte ich dir hier mal von meinen Erfahrungen berichten und hoffe, dass es dir weiter hilft.
Wie sich ja hier vielleicht schon herum gesprochen hat, arbeite ich bei einem der großen Anbieter im Verkehrsgewerbe. Vor einem Outing am Arbeitsplatz hatte ich anfangs sehr großen Respekt. Allerdings hatte sich bei mir mit der Zeit ein sehr großer Druck Aufgebaut, so dass ich, wenn ich alleine unterwegs war, immer öfter in den Female-Modus wechselte. Dann kamen allerdings immer öfter die Bedenken, was passieren könnte wenn ich unterwegs, unfreiwillig durch Blitzerfotos oder ähnliches, geouted werden würde??????
Daher kam dann die Erkenntnis, mich erst einmal, zumindest gegenüber meinem Teamleiter zu outen. --- Fazit: kein Problem!!!
Danach habe ich, situationsabhängig, mit einigen Kollegen über das Thema und meinen Standpunkt dazu, gesprochen. Um so mehr darüber Bescheid wussten, habe ich auch mein Äußeres meinem Inneren angepasst. Im Frühjahr diesen Jahres kan dann das allgemeine Outing im Team bei einem Teammeeting. Bis jetzt sind mir negative Erfahrungen, zum Glück, erspart geblieben. Es gibt zwar MItarbeitende die die mit etwas Abstand beobachten, sich aber mir gegenüber zumindest neutral verhalten. Auch mit der Ansprache gibt es relativ wenig Probleme. Wobei ich auch da noch tolerant bin.
Selbst in der Kommunikation mit anderen Geschäftsbereichen, ob virtuell oder real, reagieren die meisten mit Zustimmung und die Anrede mit "Frau" oder "Diana" ist kaum ein Problem.
Ich hoffe, dass ich dir mit meinen Erfahrungen weiter helfen kann. Falls noch Fragen bestehen, dann gerne weiter hier oder per PN.
Liebe Grüße,
Diana.
Re: Soll ich mich gegenüber meinem AG outen ?
Verfasst: Mi 13. Okt 2021, 02:33
von Claudia-67
Hallo,
Diana.65 hat geschrieben: Di 12. Okt 2021, 23:36
Wie sich ja hier vielleicht schon herum gesprochen hat, arbeite ich bei einem der großen Anbieter im Verkehrsgewerbe. Vor einem Outing am Arbeitsplatz hatte ich anfangs sehr großen Respekt. Allerdings hatte sich bei mir mit der Zeit ein sehr großer Druck Aufgebaut, so dass ich, wenn ich alleine unterwegs war, immer öfter in den Female-Modus wechselte. Dann kamen allerdings immer öfter die Bedenken, was passieren könnte wenn ich unterwegs, unfreiwillig durch Blitzerfotos oder ähnliches, geouted werden würde??????
Daher kam dann die Erkenntnis, mich erst einmal, zumindest gegenüber meinem Teamleiter zu outen. --- Fazit: kein Problem!!!
was Diana sagt, ist es eben. Bevor es ein peinliches unfreiwilliges Outing gibt, macht man das besser selber. Ich habe das in meiner Outing-Planung so festgelegt, dass das bei Zeitschriften ziemlich gleichzeitig lief. Die Redaktionen und die Autorenkollegen waren dann vorab informiert. Das war alles absolut unproblematisch.
Ich kann halt nicht einschätzen, wie Deine Abteilung auf so etwas reagiert. Klar kann man Dich irgendwohin abschieben, aber gerade bei einer Behörde wäre mir das dann auch egal und ich würde das für die letzten Jahre aussitzen, notfalls krank machen.
LG
Claudia