Seite 3 von 4

Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Verfasst: Sa 1. Jul 2017, 20:49
von ExuserIn-2022-05-28
Hi Mina, ich komme zum Teil aus dem Fach ( 27 Mobate Ausbildung psychologische Beraterin) und habe diverse Kontakte zu Gutachtern und Trans Therapeuthen, zuletzt gestern und heute Fortbildung in dem Bereich Trans-Betreuung, daher kann ich schon unterscheiden was nötig und was Gängelung ist. Solche Fãlle, die nach Jahren feststellen, dass sie auf dem falschen Weg waren wird es vereinzelt immer geben.
Wo willst Du die zeitliche Grente ziehen?
Als Gutachter kannst Du keine absolute Garantie geben, dass sich das gefühlte Geschlecht nicht mehr ändern wird, sondern nur, dass es sich nach dem Stand der Wissenschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr ändert.

Wichtig ist, das jeder vor med. Massnahmen über die Bedeutung aufgeklärt ist und diese auch versteht.
Selbst mit 1000 Stunden kannst Du keine Fälle erkennen, die nach 10 oder 20 Jahren den Weg zurück wollen.

Wir müssen weg von der deutschen Beschützermentalität.

Bauen zwei auf der Autobahn einen tödlichen Unfall kommt garantiert Tempo 100 an der Stelle, obwohl jährlich Millionen problemlos an der Stelle schneller fahren.

Nur weil einer vielleicht nach 5,10 oder 20 Jahren wieder zurück will sollen alle jahrelang leiden?

Das ist dasselbe Problem wie oben mit der Toleranz.
Du kannst nicht alles haben: Einzelfälle beschützen und Leiden vermeiden, also was zählt mehr? Wenn vielleicht einer nach Jahren aufgrund einer falschen Entscheidung leidet oder wenn alle Anderen dieser Gruppe aufgrund des Schutzes dieser einen Person jahrelang leiden?

Überlass die Entscheidung über eine notwendige Dauer den Fachleuten, slso den Trans*Psychologen.

LG Chrissie

Nachtrag: um absolut sicher zu sein, dass sich das gefühlte Geschlecht nicht mehr ändert, musst Du die Person bis ans Lebensende betreuen und kannst nach dem Tod diese Diagnose stellen. Sonst nicht.

Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Verfasst: Sa 1. Jul 2017, 21:49
von Mina
Chrissi,

Es geht um Schutz. Und der Gesetzgeber hat die Fürsorgepflicht für den Bürger durch die Gesetzgebung. Wenn nur 0,2% der Fälle irgendwann ein "Zurück" wollen, so muß der Gesetzgeber diese 0,2% mit in Achtung nehmen. Wo bliebe sonst die Gleichheit vor dem Gesetz? Und ehrlich, was sind 30 Sitzungen gegen den Rest des Lebens? Sieh Dir Menschen mit diffuser Depression an. Diese Menschen können nach aktuellem Stand der Medizin weder symthpomatisch noch psychotherapeutisch geheilt werden. Leider ist das Fakt. Und da wir als Transmenschen nicht krank im eigentlichen Sinne sind, ist Aufklärung wichtig. Unbedingt.

In jedem Fall wollte ich aber mit den Gesetzesentwürfen nur klar stellen, das ich auf unserer Seite stehe und das man sich mit dem Thema Toleranz schlicht die Zähne ausbeißt. Und damit sind wir nicht alleine. Vielen gesellschaftlichen Gruppen ergeht es ganz genauso.

Es hilft nichts, es muss Jede und Jeder in unserer Gesellschaft, die Toleranz und Akzeptanz selbst erarbeiten und oder leben.
Ein Gesetzgeber oder ein Oheim des Guten wird es nicht geben können uns vorallem so schützen und befreihen wie wir es für gerecht oder angemessen halten.

Und ob die Ehe für alle nun beschlossen ist, wird denen welche Antipathien gegen selbe hegen nicht weniger Toleranz an Haltung verleihen.

Aber wie Steve Vai schon sagte: We are maybe Humans- But we are still Animals!

Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Verfasst: Sa 1. Jul 2017, 23:33
von ExuserIn-2022-05-28
Ja richtig die Fùrsorgepflicht. Nach Deiner Argumentation heist das, dass wegen 0,2 % Leiden, die erspart werden 99,8% Leiden geschaffen werden sollen. Das hat mit Fürsorge nichts mehr zu tun.

Im übrigen übertreiben wir es auch mit Fürsorge, bzw Gaengelung. Jedes Individuum ist fur sich selbst verantwortlich.

Wolltest Du alles eventuelle Leid im Namen der Fuersorge abschaffen, muesstet Du auch Messer, Gabel, Leiter, alle Häuser die das Erdgeschoss überragen, alle Autos, Alkohol, und noch viel mehr verbieten. Das ist schlicht Quatsch. Es sterben jährlich mehr Leute durch Messer, Alkohol, Haushaltsunfälle, Autocrash, als in mehreren Jahrzehnten Leute ihre Gaop wieder rückgängig machen wollen.

Lass die Kirche im Dorf und die Entscheidung den Fachleuten und keinen Leuten, die keine Ahnung haben. Ich gehe auch nicht zum Politiker, um mir den Blinddarm dausnehmen zu lassen sondern zum Chirurgen.

LG Chrisie

Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Verfasst: So 2. Jul 2017, 07:23
von Magdalena
Hallo,

Chrissie in einer Art muss ich Dir zustimmen. Der Staat kann nicht ein Leben lang eine Beschützerfunktion ausüben. Jede/r hat doch auch das Recht sein Leben selber mit Leben zu füllen. Er trägt damit auch ein Stück Verantwortung mit dem was er tut oder nicht tut.Wenn ich also mit einer Entscheidung, die ich vor zwanzig oder auch dreißig Jahren getroffen habe, nicht mehr leben kann, muss ich eine Lösung finden. Ich kann nicht andere für meinen nun Fehlentscheidung verantwortlich machen. Therapeuthen können helfen zu erkennen ob der eingeschagene Weg der richtige ist. Um eben zu vermeiden nicht aus Lust und Laune heraus sich operieren zu lassen sind Therapeuthen, die sich mit dem Thema auskennen, gut und wichtig. Doch die letzte Entscheidung für sein Leben trägt Jede/r selbst. Es ist ja auch ein Stück Freiheit und nicht bei jeder Situation vom Vater Staat an die Hand genommen zu werden.

Viele Grüße Magdalena

Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Verfasst: So 2. Jul 2017, 08:59
von Mina
Liebe Chrissi,

Bitte fühle Dich nicht unverstanden von mir. Ich verstehe sehr gut was und wie Du es meinst. Natürlich kommt in meiner "Idee" eines augenblicklich, durchsetzungsmöglichen Entwurf der Eindruck auf, es müsse auf Teufel komm raus gesichert werden. Zumindest in Bezug auf die allerdings "angelegten" 30 Sitzungen.

Daran möchte ich mich garnicht zu sehr aufhängen, denn über den Rest des Entwurfs hagelt es ja keine Kritik. Und mich würde interessieren wie Eure Entwürfe aufsähen.

Anne -Mette hat erwähnt dies Forum besitzt keine politische Aufgabe. Aber, und es ist wichtig sich darüber austauschen, ein interessantes Thema für alle Betroffenen.

Wenn Du sagst, wir müssen weg von der Sicherheit in diesem Staat, zumindest von der gesetzlich verordneten, wird das auch auf alle anderen Bereiche Konsequenzen nach sich ziehen. Das ist nicht verhandelbar in einer Demokratie.

Und um es nochmal zu betonen, ganz deutlich. In meinem als Beispiel stehenden Entwurf wird der Mensch ab dem 18 Lebensjahr hinsichtlich seiner geschlechtlichen Orientierung und Lebensweise voll umfänglich von Gesetzesseite geschützt und unterstützt. Und nur im Falle einer irreversiblen, körperlichen Veränderung werden die Augen weiter aufgemacht. Tut mir Leid, das ist legitim und ein wichtiges Signal. Und daran siehst Du das nicht nur auf die schwere Seite geschützt wird, eben auch auf die Leichte. Also Schutz nur da wo mir in Kram passt? Eine "Wünschdirwas-Politik"? Das ist nicht im Sinne von Recht und Gesellschaft.

Denn in dem Entwurf steht auch, das mit der Volljährigkeit, das gesamte Lebensumfeld den Wunsch des Menschen nicht unterdrücken oder der gesamten Entwicklung im Wege stehen darf. Namenänderung, Personenstand, öffentliches Auftreten etc. pp, nur eben der finale Schritt ist zur Achtung verordnet. Und gibt es eine Statistik wieviele von 100 Transmenschen den letzten Schritt wollen? Ich habe leider keine Statistik gefunden welche ich als Quelle nehmen kann. Eine Vermutung oder Erfahrung reicht an dieser Stelle nicht aus.

Ich kann Dir nur sagen das ich den letzten Schritt für mich nicht wollen würde, aus Bedenken in vielerlei Hinsicht. Ein späterer Wandel des Inneren, der Lebensumstände und durch die OP eventuell auftretende, lebenslange Phantomschmerzen.

Ich bin dafür, Freiheit und Selbstbestimmung für alle. Aber nicht mit Kamm und Schere bitte.

Aber es ist Interessant mit Dir zu diskutieren, bei einer Tasse Kaffee allerdings, wäre es sicher ein angenehmes Erlebnis.

Liebe Grüße
Mina

P.s.: um der Neutralität Willen würde ich Paragraph 1.2.1 ändern in:

Der betroffene Mensch hat das Recht die körperlich notwendigen medizinischen Maßnahmen, hinsichtlich seiner Angleichung bei einem psychologisch medizinischen Dienst in Form eines Gutachtens, einzuholen. Über die Art und Vielfalt der Maßnahmen wird von entsprechender Stelle entschieden. Der medizinische Dienst hat nur im außerordentlichen Falle die Angleichung einzuschränken.(Nachweis eines psychologischen Befundes) Wird dem Betroffenen Menschen volle Einschätzungsfähigkeit nachgewiesen, haben der medizinische Dienst wie auch die Krankenkasse,die Fürsorgepflicht, die Angleichung in Anbetracht der persönlichen Entwicklung des Antragstellers, auf kürzestem Wege abzuwickeln.

Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Verfasst: So 2. Jul 2017, 10:20
von Katrin_F
ich glaube die Diskussion ist völlig abgedriftet .... :shock:

Medizinsche Maßnahmen im Transsexuellengesetz? :oops: Gabs schon mal ... zum Glück ist das nicht mehr aktuell.

Und wenn ... gehört das Transsexuellengesetz abgeschafft und die Möglichkeiten zur Vornamens- und Personenstandsänderung in das Personenstandsgesetz aufgenommen. 8) Und dabei ohne Pflicht zur medizinischen/therapeutischen Maßnahmen :P

So... jetzt erst mal mit dem Hund Gassi gehen :wink:

Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Verfasst: So 2. Jul 2017, 10:40
von Anne-Mette
Moin,

ich denke, wir unterliegen einem großen, nicht plausiblen Rechtfertigungsdruck anderen Menschen gegenüber, der teilweise durch die "Community" auch noch gefördert wird; denn anstatt Gemeinsames zu entwicklen und als starke Gemeinschaft aufzutreten, werden immer wieder Modelle entwickelt, warum einige Mitglieder der Community "besser" sind als andere oder "es richtig machen", während andere es angeblich "falsch" machen.

Weiterhin: ein "Gemeinschaftsinteresse" steht bei vielen Menschen nicht gerade obenan. Persönliche Interessen und Befindlichkeiten nehmen einen größeren Raum ein - und sogar verachtenswertes Verhalten wie Mobbing und destruktives Auftreten werden von einigen Mitgliedern der/unserer Community durchaus schon über Jahre gepflegt.

Leider hat Marielle in ihrem Thema nichts mehr geschrieben.
Es tut mir leid, wenn ich durch mein Posting viewtopic.php?p=171190#p171190 dafür gesorgt habe.
Zwar habe ich telefonisch versucht, das zu erklären und wieder gerade zu rücken, aber ich weiß nicht, ob das geholfen hat.

Gruß
Anne-Mette

Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Verfasst: So 2. Jul 2017, 11:44
von Michi
Hallo Andrea,

ich musste erst mal in Ruhe über deine Antwort nachdenken. Es macht mich traurig, was da bei dir angekommen ist.
ab08 hat geschrieben: Sa 1. Jul 2017, 13:58 nix für ungut, :oops: :oops:

aber ... ich will nicht von Amtswegen gezwungen werden, auf meinen Geschlechtseintrag zu verzichten und stattdessen
"eine geschlechtsbeschreibende Bezeichung zum optionalen Bestandteil des Namens machen"
und ich vermute, viele andere "Normalbürger" wollen das auch nicht.
Ich kann dir versichern, dass ich die Idee nicht mal eben aus dem Ärmel geschüttelt, sondern sehr lange darüber nachgedacht habe, gerade auch unter dem Aspekt, dass Menschen durchaus das Recht haben, sich als Mann oder Frau zu bezeichnen. Die radikalen Vorschläge zur ersatzlosen Streichung des Geschlechtseintrages waren mir ebenso zuwider, denn ich versuche ganz bewusst, nicht nur meine ganz spezielle persönliche Situation zu betrachten, sondern ebenso die von "Normalos", anderen Trans-Menschen und auch Intersexuellen.

Ich habe lange und intensiv über das Für und Wider nachgedacht.

Wenn man sich den schriftlichen und mündlichen Umgang miteinander anschaut, erscheint mir die Einbindung in den Namen doch nur logisch und konsequent. Ein weiterer wichtiger Aspekt, der sich ganz beiläufig ergibt, wäre, dass Kinder bei der Geburt keine Zwangszuweisung mehr erfahren würden. Es erscheint wohl jedem Menschen albern, ein Neugeborenes als Herr oder Frau zu bezeichnen. Statt dessen könnte man den Heranwachsenden z.B. wenn sie ihren ersten Personalausweis erhalten, die Gelegenheit dazu geben, diese Ergänzung vorzunehmen, wenn nicht gar, sich einen komplett neuen Namen zu geben. Das wäre gewiss revolutionär, aber ein wesentlicher Schritt in Richtung Selbstbestimmung, denn es gibt genug Kinder, die mit dem von ihren Eltern gegebenen Namen nicht glücklich sind. Wer weiß, wie vielen oder weniges das dann überhaupt wichtig wäre, ob da Mann, Frau oder etwas anderes steht.. Darüber möchte ich gar nicht spekulierten.

Mir ist auch klar, dass wir es bei dieser Frage natürlich mit einem Generationenproblem zu tun haben, welches nicht von heute auf morgen zu lösen sein wird.
ab08 hat geschrieben: Sa 1. Jul 2017, 13:58 -> Ein wichtiges Argument beim Beschluss der "Ehe für Alle" war: -> Niemandem wird was weggenommen! - Heterosexuelle Ehen bleiben also unverändert bestehen!
Obige Regelung verschlechtert meine Situation, meinem Eindruck nach, doch erheblich :!:
Nun, dass sehen nicht wenige Normalbürger noch immer deutlich anders. Die sehr wohl der Meinung, dass ihnen mit der "Ehe für alle" etwas weggenommen wird, wobei sie sich gerne als "Sprecher für die Mehrheit" darstellen. Sie sehen Ehe ausschließlich als die Verbindung zwischen Mann und Frau im Interesse der Erzeugung von Nachwuchs, der (mutmaßlich) von diesen beiden abstammt. Und das ist bei Mann+Mann oder Frau+Frau nun mal nicht gegeben. Siehe dazu die Äußerungen der prominentesten Gegnerin, unserer Bundeskanzlerin Frau Merkel, und gerad da erscheint es besonders absurd, da sie selbst das von ihr gezeichnete Bild der "Ehe" gar nicht lebt, aber dennoch rechtlich in Anspruch nimmt.

Allein die bereits über viele Jahre laufende Debatte hat dafür gesorgt, dass darüber nachgedacht wurde, und dass es inzwischen einem größereren Teil der Bevölkerung zumindest nicht mehr so wichtig ist, ob Nicht-Hetero-Paare die gleichen, oder weniger Rechte als "normale" Paare haben sollten.

Und wenn man noch etwas weiter zurückschaut: Auch das Heiraten selbst ist noch gar nicht so lange eine freiwillige Entscheidung. Noch vor ein paar Jahrzehnten galt es für die Meisten als undenkbar, dass ein Mann und eine Frau ohne Trauschein zusammenleben, geschweige denn Kinder bekommen. Allein bei dem Gedanken sah man Sodom und Gomorra heraufziehen.
ab08 hat geschrieben: Sa 1. Jul 2017, 13:58 Akzeptanz anderer Lebensformen ist mir wichtig! - Ich bemühe mich wirklich, wo ich kann, dass andere zu ihrem Recht kommen.
Umgekehrt möchte ich selbst dabei aber auch nicht unter die Räder kommen... :wink:

Wer so eine Regelung für sich selbst(!) erreichen will, den unterstütze ich und der mag es dann gern genauso tun :!: :!:
-> Aber eine allgemeine Regelung, die für alle Menschen(also auch für mich) gilt, betrachte ich als sehr übergriffig.
Daher bin ich weiter der Meinung, das es am sinnvollsten wäre, dass der Geschlechtseintrag frei bleiben kann.
-> Mir persönlich ist der Eintrag in meinen Ausweispapieren nämlich wichtig und ich möchte das so behalten!
Na dann schau dir mal deine Ausweispapiere ganz genau an! Überraschung: Auf dem Personalausweis ist das Geschlecht gar nicht angegeben. )))(:

Mit meinem Vorschlag würde sich die Situation für dich sogar noch verbesseren, denn ich glaube nicht, dass dir der Geschlechtseintrag so wichtig ist, dass du statt dessen ständig mit deinem Reisepass herum läufst. :wink:
ab08 hat geschrieben: Sa 1. Jul 2017, 13:58 Noch ein privater Hinweis: Übrigens bin ich mir bei meinem Geschlecht(wie viele andere Frauen auch) sicher, und lass mir nix unterstellen...!! Ich 'sehe' mich nicht als Frau, sondern bin weiblich!
Diese Reaktion verwundert mich sehr, denn es war niemals meine Absicht, dir Derartiges zu unterstellen.
Ich habe schon so viele Beiträge von dir gelesen, und würde niemals auf die Idee kommen, dass du dir deiner Entscheidung nicht sicher bist. (ki)


Dir ganz liebe Grüße
Michi

Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Verfasst: So 2. Jul 2017, 11:55
von ab08
Danke, liebe Michi,

herzlichen Dank für Deine liebe Antwort! (flo) (flo)

-> Manche Deiner Formulierungen (als Frau 'sehen' bzw. 'fühlen'/"Entscheidung" -> das war es bei mir wirklich nicht, wahrscheinlich wäre ich sonst inzwischen nicht mehr da, sondern wie der Vater, den ich mit 14 verlor, an Kehlkopfkrebs verstorben...) verletzten mich. - Ich kenn mich zwar nach 50 Jahren Beschäftigung mit dem Thema aus, weiß also im Grunde ziemlich genau, was Sache ist, ... aber ... trotzdem ... ich war versucht, in einen strikten "Schweigemodus" zu verfallen...

Alles Gute und liebe Grüße
Andrea )))(:

P.S. Natürlich weiß ich, dass das Geschlecht nur im Pass und der Geburtsurkunde auftaucht.
Allerdings ... meine Beförderungsurkunde und weitere Anerkennungsurkunden wurden natürlich auch weiblich abgefasst. :wink:

Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Verfasst: So 2. Jul 2017, 12:15
von Mina
Daenerys Targaryen hat geschrieben: So 2. Jul 2017, 10:24 Die Verzweiflung und der Selbsthass bleiben. Auch daran wird kein Gesetz der Welt etwas ändern.
Das ist richtig. Ich möchte ein Beispiel nennen.
Es wird oft hier an Bord davon erzählt wie Einzelne nach Draussen gehen, unter Menschen und berichten das die Reaktionen des Umfeldes nicht schlimm waren oder wer wie wo geguckt hat. Das kommt immer wieder sehr häufig vor. Als wenn ein Drang dazu besteht, zu sagen: Hey, wir reden es uns nur ein.

Ja, aber es liegt immer im Auge des Betrachters.
Dies hatte mich zu einem Test verführt, von dem ich hier berichten will. Und ja natürlich, Maintheme ist und bleibt Toleranz. Treu des Themas. )))(:

Ich hatte mich also in Mina geschmissen, mich zurecht gemacht. Nicht auffällig. Ein normales Kleid, sportliche Sneakers und drunter blickdichtes Beingewebe. Dazu eine Echthaarperücke und ein dezentes Makeup. Ne grabbelige Tasche welche vermuten läßt das sie lange schon Lieblingstasche ist und natürlich mein "Glotzophon".

Sodann mit einer vertrauten Person einkaufen gefahren. Zu einer großen Supermarktkette. Aufgabe war, das ich in den Laden gehe und ganz normal einkaufe, so wie sonst auch. Mein Vertrauter immer in großzügigem Abstand zu mir. Seine Aufgabe mich zu beobachten und nachher zu berichten.
Der Test fiel in den Feierabendeinkauf und es war mittelmäßig an Kundschaft da.

Ich kaufte also ein. Hat mir Spaß gemacht und ich fühlte mich wohl, nicht auffälig. Ich war ganz happy als wir uns am Parkplatz wieder trafen.

Mein Vertrauter allerdings hatte keinen Grund zu lachen. Was er mir an Reaktionen hinter meinem Rücken berichtet hat, war für mich so erschütternd, das ich erstmal lange und tief durchgeatmet habe.

Offensichtlich war wirklich jede Reaktion dabei. Von versteckt Mittelfinger zeigen, bis Leute anstossen "Hey guck mal da".....mit anschließenden abfälligen Gesten oder wenigstens hämisches Grinsen.

Ich hatte von all dem nichts mitbekommen. Garnichts.

Ich für mich würde das Wort Toleranz aus dem Wortschatz streichen. Es gibt in diesem Begriff kein Leben.

Wir sind ein ganz kleiner Teil der Gesellschaft, aber nicht weniger unwichtig als viele andere auch. Ich könnte mir vorstellen, das es für den "Normalbürger" ungewöhnlich scheint, wenn er auf uns trifft. Irgendeine Studie sagte das es in Deutschland eine gewisse Zahl an Trans* Menschen gibt. Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung aber sehr wenige sind.
Mir stellt sich die Frage, wie lenkt man die Aufmerksamkeit einer solchen kleinen Gruppe auf die Öffentlichkeit? Um ihnen zu erklären wer wir sind und warum wir sind. Daher fürchte ich rührt das ganze Dilemma. Da draußen ist keiner wirklich aufgeklärt und es interessiert sie wahrscheinlich auch nicht, da sie damit in ihrem Leben niemals in engeren Kontakt kommen.

Also sitzen wir hier in unserer kleinen Blase und wollen eine Lösung - leider hab ich keine......tut mir sehr Leid. :|

Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Verfasst: So 2. Jul 2017, 13:49
von Michi
ab08 hat geschrieben: So 2. Jul 2017, 11:55 Danke, liebe Michi,

herzlichen Dank für Deine liebe Antwort! (flo) (flo)
Liebe Andrea,

ich danke dir von ganzem Herzen, dass wir im Dialog bleiben. (flo) Ein (nicht zu langes) Schweigen sollte nur dem Nachdenken dienen. (cof) (<-- Tee :wink: )
ab08 hat geschrieben: So 2. Jul 2017, 11:55 -> Manche Deiner Formulierungen (als Frau 'sehen' bzw. 'fühlen'/"Entscheidung"
Ja, das kann man durchaus so sehen, und mir sind auch schon selbst Formulierungen untergekommen, in denen eine negative Konnotation eindeutig beabsichtigt war. Ich verstehe auch, dass es manchmal recht schwierig ist, im geschriebenen Wort des Gegenüber zu erkennen, welche Intention dahinter steht.

Auf der anderen Seite sind wir ganz klar denkende und fühlende Wesen. Wir nehmen unsere Umwelt mit unseren Sinnen wahr, und wir selbst sind Teil dieser Umwelt. Also empfinde ich 'sehen' und 'fühlen' auch nicht grundsätzlich falsch. Ebenso empfinde ich eine eigene, selbstbestimmte Entscheidung grundsätzlich als etwas Positives. In deinem Falle hast du dich entschieden, zu dem zu stehen, was du bist. Das ist doch großartig. (yes)

Ich werde dennoch versuchen, meine Worte künftig mit noch mehr Bedacht zu wählen. Und wenn mir das mal nicht so gelingt, erwarte ich deinen freundlichen Hinweis. (ki)

Mir wird übrigens des Öftern eine eher pessimistische Grundhaltung nachgesagt, aber dennoch bin ich wohl positiver als es den Anschein hat. Für mich ist das Glas immerhin noch zu einem Viertel voll anstatt fast leer, während für manch andere (nicht du oder jemand bestimmtes ist hier gemeint!) schon das noch halb volle Glas bereits halb leer erscheint, wenn du verstehst, was ich damit meine. :wink:
ab08 hat geschrieben: So 2. Jul 2017, 11:55 P.S. Natürlich weiß ich, dass das Geschlecht nur im Pass und der Geburtsurkunde auftaucht.
Allerdings ... meine Beförderungsurkunde und weitere Anerkennungsurkunden wurden natürlich auch weiblich abgefasst. :wink:
Sieh es doch positiv. Man nimmt dich als die Frau wahr, die du bist. )))(:
Ich denke, der Eintrag "Frau" war da eher von untergeordneter Bedeutung.
Ich glaube nicht, dass man bei dir Zweifel haben könnte.

Ich weiß und lese auch von anderen, dass sie auch ohne den entsprechenden Eintrag in den Papieren als die Frau behandelt werden, die sie sind.
Das finde ich wunderbar. Es zeigt, dass wir alle auf dem langen und beschwehrlichen Weg spürbar ein Stück voran gekommen sind. ))):s


Liebe Grüße
Michi

Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Verfasst: So 2. Jul 2017, 14:51
von ab08
MichiWell hat geschrieben: So 2. Jul 2017, 11:44 ... dass Kinder bei der Geburt keine Zwangszuweisung mehr erfahren würden. Es erscheint wohl jedem Menschen albern, ein Neugeborenes als Herr oder Frau zu bezeichnen. Statt dessen könnte man den Heranwachsenden z.B. wenn sie ihren ersten Personalausweis erhalten, die Gelegenheit dazu geben, diese Ergänzung vorzunehmen, wenn nicht gar, sich einen komplett neuen Namen zu geben. ...

Hallo Michi,

in dem Punkt gehe ich mit. Ich finde die Idee nicht schlecht und durchaus praktikabel.(yes)
In abgeschwächter Form gab es ähnliches in Deutschland ja bereits -> https://de.wikipedia.org/wiki/Zwitterparagraf
Trotzdem muss auch das erst durchgesetzt werden und das dauert hierzulande länger. :wink:

Liebe Grüße
Andrea

Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Verfasst: So 2. Jul 2017, 16:34
von Michi
Hallo Anne-Mette,
Anne-Mette hat geschrieben: So 2. Jul 2017, 10:40 ich denke, wir unterliegen einem großen, nicht plausiblen Rechtfertigungsdruck anderen Menschen gegenüber, der teilweise durch die "Community" auch noch gefördert wird; denn anstatt Gemeinsames zu entwicklen und als starke Gemeinschaft aufzutreten, werden immer wieder Modelle entwickelt, warum einige Mitglieder der Community "besser" sind als andere oder "es richtig machen", während andere es angeblich "falsch" machen.
da stimme ich dir zu. Das dieser Rechtfertigungsdruck innerhalb der "Community" noch gefördert wird, mag zum Einen daran liegen, dass hier die Gesellschaft im Kleinen gespiegelt wird, zum Anderen erlebe ich immer wieder, dass einige Mitglieder sich gegenüber der "Gesellschaft da draußen" aufzuwerten versuchen, in dem sie andere Teile der Community gezielt abwerten.

Aber damit muss ich wohl leben lernen, wie auch unermüdlich dagen auftreten, dass ich zwar eine Gemeinschaft sehe, manche aber auf Menschen wie mich nur verächtlich herab blicken. Wie gesagt ... die Gesellschaft im Kleinen. Solche Menschen gibt es leider überall.
Anne-Mette hat geschrieben: So 2. Jul 2017, 10:40 Weiterhin: ein "Gemeinschaftsinteresse" steht bei vielen Menschen nicht gerade obenan. Persönliche Interessen und Befindlichkeiten nehmen einen größeren Raum ein - und sogar verachtenswertes Verhalten wie Mobbing und destruktives Auftreten werden von einigen Mitgliedern der/unserer Community durchaus schon über Jahre gepflegt.
Das ist wohl war. Das "Gemeinschaftsinteresse" erschöpft sich bei nicht wenigen innerhalb der Community bereits im passiven Konsumieren von Bildern und Beiträgen, die "ein gutes Gefühl im Schritt" machen. - Sorry für die zynische Wortwahl, aber genau das ist meine Erfahrung aus mehr als 15 Jahren immer aktiver Beteiligung in vielen Foren, und ich finde, man muss das Kind ab und zu auch beim Namen nennen. (Wenn du das nicht so siehst, dann lösche bitte die entsprechenden Satzteile.) Genau darum weiß ich auch, dass meine Worte hier in diesem Thread nicht bei denen ankommen werden, die ich gerade gemeint habe. Denn die lesen so Diskussionen wie diese erst gar nicht, und deren einzige Wortmeldungen erschöpfen sich in der Frage nach Bildern, Cam-Chat für CS oder meiner Telefonnummer.

Aber ok, auch daran werden wir nicht viel ändern. Wir müssen versuchen, mit denen im Gespräch zu bleiben, die sich von selbst zu Wort melden, und aller Rückschläge zum Trotz werde ich dennoch weiter für die Gemeinschaft eintreten. Zuweilen begegnet man mir diesbezüglich mit Zweifel und Ungläubigkeit, doch das bringt mich nicht davon ab, es weiter zu tun.
Anne-Mette hat geschrieben: So 2. Jul 2017, 10:40 Leider hat Marielle in ihrem Thema nichts mehr geschrieben.
Es tut mir leid, wenn ich durch mein Posting viewtopic.php?p=171190#p171190 dafür gesorgt habe.
Zwar habe ich telefonisch versucht, das zu erklären und wieder gerade zu rücken, aber ich weiß nicht, ob das geholfen hat.
Ich hoffe auch noch darauf, dass sich Marielle wieder meldet, schätze sie anhand iherer bisherigen Beiträge eigentlich nicht so ein, dass sie gleich dauerhaft auf Tauchstation geht. Ich hoffe, dass ich mich da nicht irre. Bleibe einfach weiter am Ball, wird schon werden. Ich hatte auch gerade erst unerwartet Differenzen mit Andrea, bin aber froh und glücklich, dass wir es dennoch geschafft haben, weiter im Dialog zu bleiben. Einfach positiv denken. :wink:

Weniger optimistisch bin ich, dass ich noch eine Reaktion auf meinen Beitrag in dem anderen Thread bekomme, in dem ich versucht habe meine ganz eigene Erfahrung bzgl. Mobbing innerhalb der Community einzubringen.

Liebe Grüße
Michi

Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Verfasst: So 2. Jul 2017, 17:12
von Mina
Ich nochmal,

Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich mich abgemeldet , hier an Bord. Mit der Begründung, es wäre nichts für mich.
War es auch nicht. Denn mir fehlte einfach Loyalität unserer Gemeinsamkeit über. Das verstrickte Hin und Her über das richtige Trans und das falsche Trans. Die ewigen Abtrennungen über politischen Sinn und Unsinn. Und vorallem die Öffnung uns selbst gegenüber der Geschlechtervielfalt, es gibt leider immernoch Beiträge die grußtechnisch nur das weibliche Geschlecht ansprechen. Das nervt mich, den wenn ich im Kerlmodus hier bin, kann ich mich nur als ausgeschlossen einstufen.

Ich wünsche mir sehr, das in Beiträgen eine allgemeine Begrüßung den guten Ton findet.
Das sind alles wichtige Signale um ernst genommen zu werden.

Aber zurück zum Thema. Wie Ihr gemerkt hab, bin ich wieder hier. Weil ich gemerkt habe, das es andere Ziele gibt als immer nur das Beste für sich aus dem Salat zu klauben. Mir fehlte schlicht etwas. Und das was mir fehlt spiegelt sich genau in diesem Thread wieder.

Unsere Einigkeit. Wir haben einen gemeinsamen Nenner. Uns auszutauschen und einen Teil als Gemeinschaft am Ziel zu arbeiten, die Welt für buntes zu öffnen. Ohne politischen Hintergrund. Aber vielleicht interdisziplinär, im gesellschaftlichen Sinne.

Wir können keine Toleranz erzwingen, aber vielleicht mehr Lärm machen, so das man uns hört. Das die Welt sich ein Stück weit auf uns einlässt.

Freitag wurde die Ehe für alle beschlossen. Nun ist Sommerpause und danach eine neue Legislaturperiode. In welcher auch das neue Gesetz vor das Verfassungsgericht geschleift werden soll.
Ich gehe nicht davon aus, das unser Thema TSG in den nächsten zwei Jahren wenigstens Beachtung findet. Das zu Glauben wäre unrealistisch. Der Bundestag wird sich mit dem Gesetzgebungsprozess der Ehe für alle beschäftigen. Viel Zeit um auf sozialer Ebene etwas zutun. Zeit für uns, Einigkeit und ein Miteinander zu erreichen.

Alles wird gut

Re: Liebe Community: Wir müssen reden.

Verfasst: So 2. Jul 2017, 17:29
von Michi
Hallo Mina,

deine neuerlichen Beiträge, nach deiner offiziellen Abmeldung habe ich wohl gesehen, und mich jedes Mal darüber gefreut.
Schön, dass du jetzt "offiziell" wieder dabei bist. (yes) )))(:

Die Sache mit der Anrede scheint momentan ein wichtiger Punkt für dich zu sein. Obwohl ich schon länger versuche, im Zweifel eine allgemeine bzw. geschlechtsneutrale Anrede zu verwenden (Hallo zusammen oder Hallo + "Name"), würde ich dennoch gerne wissen, welche Formen Anrede du im Sinn hast.

Liebe Grüße
Michi