Outing am Arbeitsplatz steht an - Ängste und Fragen
Outing am Arbeitsplatz steht an - Ängste und Fragen - # 2

allgemeiner Austausch
Svetlana L
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Re: Outing am Arbeitsplatz steht an „ Ängste und Fragen

Post 16 im Thema

Beitrag von Svetlana L »

Hallo Helen,

sicherlich ist es schwierig, dir mit konkreten Tipps zur Seite zu stehen. Dazu müsste man die spezifische Situation kennen, es gibt zu viele Faktoren, die da mit reinspielen. Mein Outing auf Arbeit ist ja nun schon bald acht Jahre her und ich habe mein Vorgehen hier im Forum auch geteilt: "Coming out auf Arbeit" Vielleicht mag es dir eine Hilfestellung sein. Für mich war das Outing auf jeden Fall eine große Befreiung, ich hatte allerdings auch mit keinerlei Widerstand zu tun. Das wünsche ich allen, die sich auf der Arbeit outen wollen, weiß aber auch, dass das selbst heute, im Jahr 2024, noch keine Selbstverständlichkeit ist. Dir auf jeden Fall alles Gute und gutes Gelingen.
Hawadehre
Svetlana

As gitt halt nix Bessers wäi wos Guads!
Däi owapfölzer Bärlinerin
Diana.65
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Re: Outing am Arbeitsplatz steht an „ Ängste und Fragen

Post 17 im Thema

Beitrag von Diana.65 »

Wendy hat geschrieben: Do 8. Aug 2024, 23:08 ...
Bis jetzt warte ich aber vergeblich auf die gute Gelegenheit, das Thema bei meinem Chef irgendwie beiläufig anzusprechen und ...
Ich denke, mit warten auf gute Gelegenheiten, verliert man nur wertvolle Zeit. DIE gute Gelegenheit wird nicht von selbst kommen.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wenn ich die Initiative ergriffen habe, die besten Gespräche und Situationen heraus gekommen sind. Auch das Einschleichen von gegengeschlechtlicher Kleidung und Accessoires kann gut gehen, kann aber auch durchaus die Gerüchteküche mehr anfeuern, als einem am Ende lieb ist. Und ob das gut ist?

Viele Grüße,
Diana.
Ich bin und bleibe ich.
Und ... genieße mein neues Leben.
Helen67
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Re: Outing am Arbeitsplatz steht an „ ich habs getan

Post 18 im Thema

Beitrag von Helen67 »

Hallo zusammen,

heute hat endlich das Gespräch stattgefunden.
Dazu muss ich etwas weiter ausholen...

Zu Anfang ging's darum, wie es arbeitsmäßig weitergehen soll.
Zur Info: In meinem Bereich (TV Werkstatt) wird die Arbeit immer weniger, Stichwort alles Schrott, kauf lieber neu usw.
Die heutige Unterhaltungselektronik zu reparieren, macht keinen Spaß mehr, das nervt nur noch, entsprechend ist meine Motivation.
Das, was Geld bringen würde (Photovoltaik/Energietechnik) will mein Chef nicht, "... ist nicht so seins, kann nichts damit anfangen...", außerdem würde dann alles an mir hängen "... was tun bei Krankheit usw...Elektriker bekomme ich keine, Fachkräftemangel..."

Dann der Vorschlag - nach reichlich Lob - "vielleicht wäre woanders dein Können und Fachwissen besser aufgehoben....", oder eben intern was anderes machen.
O.k. mit dem Gedanken habe ich auch schon gespielt, aber einfach so nach über 26 Jahren?
Ist auch nicht ganz einfach, wahrscheinlich hätte ich da nur Nachteile.
Gut, soviel dazu....

Chef: "...Dann wolltest du mir doch noch was sagen..." (Ich hatte so was ja vorher per Mail angedeutet, so konnte ich selbst auch schlecht einen Rückzieher machen)
Ich: "...ja, etwas sehr persönliches, wobei ich nicht weiß, wie du darauf reagierst..." (Das "um den Brei reden" dauerte etwa 5 - 10 Sekunden)
Chef: wie immer eine rote Birne
Ich: "...Ich bin trans..."
Chef: Birne jetzt tiefrot - "...Wie, verstehe ich nicht, musst mir erklären..." - klar wusste es es...
Ich erkläre und er meint: "Wo ist das Problem... kommst jetzt als Frau zur Arbeit...usw...?
"... Naja, High Heels und Minirock wären wohl etwas unpraktisch, das eher nicht, aber ansonsten kannst dich auf Veränderungen einstellen, siehst ja schon an meinen langen Haaren..."
Er macht da keinen Unterschied, hat wohl kein Problem damit.
Das Gespräch hat noch länger gedauert, würde aber den Rahmen hier sprengen.
Den Stein, der mir da vom Herzen gefallen ist, den könnt ihr Euch nicht vorstellen. (fwe3)

Die Frage ist nur, wie geht es jetzt weiter?
Eine Rundmail an alle hält er nicht unbedingt für eine gute Idee, will es jetzt auch nicht allen gleich auf die Nase binden.
Jetzt bin ich wohl gefragt.
Mein Plan wäre, so weiter wie bisher, nur eben immer etwas weiblicher (soweit das eben geht, derzeit aus bestimmten Gründen noch keine HRT)
Die Fragen kommen dann von selbst und ich muss nicht mit irgendwelchen Notlügen daherkommen, wenn die Fingernägel mal wieder lackiert sind.

Kommende Woche wollen wir uns nochmal zusammensetzen, auch in der erstgenannten Sache, da bin ich auch noch unsicher.
Mit fast 57 noch was anderes anfangen?
Wohl eher nicht, dann lieber intern...

Irgendwie habe ich jetzt mehr Fragen als vorher.... (cry)

Liebe Grüße
Helen
Lavendellöwin
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Re: Outing am Arbeitsplatz steht an „ Ängste und Fragen

Post 19 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Helen67 hat geschrieben: Fr 9. Aug 2024, 17:17 Irgendwie habe ich jetzt mehr Fragen als vorher....
Hey Helen,

du hast ja nun einen Schritt getan, finde mal übers Wochenende zu dir, mach dir vielleicht gar nicht so viele Gedanken.

Es wird jetzt auch in deinem Chef arbeiten, du wirst es sehen.

Hast du denn auch die offizielle Änderung deines Personenstandes und Namens angedacht?
Vielleicht solltest du den grossen Kreis wirklich erst dann in Kenntnis setzen, also die Kollegen mit denen
du wenig bis kaum zu tun hast.


hmmm, wie ernst ist es dir denn mit der HRT? Ich frage das deshalb, bis du offiziell starten kannst gehen eh meist ein paar
Monate ins Land und dann werden auch bezogen auf dein Alter die ersten wirklich sichtbaren Veränderungen auch ein
Weilchen dauern. Was ich damit sagen will ist, wenn es dir wirklich wichtig ist, geh los kümmer dich jetzt drum.
Ich kenne deine Gründe nicht, aber ich kann dir auch versprechen, das dich wegen der HRT niemand nicht mehr erkennen wird (moin)

Nimms in die Hand, jetzt ist die Zeit, wo ist der Sinn im Warten?

Alles Liebe Marie (flo)
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
Helen67
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Re: Outing am Arbeitsplatz steht an „ Ängste und Fragen

Post 20 im Thema

Beitrag von Helen67 »

Dank an Euch alle, ohne Euren Zuspruch hätte ich den Schritt wohl nie gewagt.
EmmiMarie hat geschrieben: Fr 9. Aug 2024, 18:08 hmmm, wie ernst ist es dir denn mit der HRT?
HRT würde ich mir wünschen, es ist nur so, dass meine Frau noch nicht ganz das Verständnis zeigt, wie ich es gerne hätte.
Aus Rücksicht zu ihr, bin ich da eben vorsichtig, zumal sie gesundheitlich sehr angeschlagen ist.

Es ist aber dennoch eine Riesen Last von mir abgefallen, ein unbeschreibliches Gefühl.

Eine kleine Geschichte muss ich deshalb doch noch loswerden (sagt mir bitte, wenn's lästig wird)

Habe heute Nachmittag noch einen Kollegen angerufen, ich wusste, er war hier im Ort mit meinem Firmenwagen unterwegs.
"... Hallo Adi, kannst mir noch schnell ein Messgerät vorbeibringen, liegt im Auto, bräuchte ich wegen meiner Gartenpumpe..."
Wie es so ist, obwohl man den ganzen Tag zusammenarbeitet, ein kleiner Plausch muss doch sein.
Klar, Thema war mein Gespräch mit dem Chef bezüglich der Arbeit PV usw.
Ich sagte ihm eher beiläufig, dass ich mit unserem Chef noch über eine sehr persönliche Sache gesprochen habe.
Jetzt kommt's:
"... ja, dass du jetzt eine Frau bist..."
Ich war erst mal baff!
"... wusste ich schon vor 5 Jahren, aber seit der Rückkehr aus dem Urlaub war's mir dann sowieso klar.."
Häää, war das so offensichtlich?
Kann es sein, dass ich mich in irgend einer Art und Weise verändert habe, ohne es zu wissen?
Wir kennen uns seit 40 Jahren, natürlich hatte auch er keinerlei Probleme damit, das weitere Gespräch war äußerst entspannt und angenehm.

Ich schwebe momentan auf Wolke sieben, das Gefühl ist unbeschreiblich (he) (he) (he) (gitli) (gitli) mir ist nach Breakdance zumute...

Meinen Namen und Personenstand möchte ich auf jeden Fall ändern, das wird dann nochmal ein Meilenstein für mich sein.

Liebe Grüße
Helen
Diana.65
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Re: Outing am Arbeitsplatz steht an „ Ängste und Fragen

Post 21 im Thema

Beitrag von Diana.65 »

Ich schwebe momentan auf Wolke sieben, das Gefühl ist unbeschreiblich (he) (he) (he) (gitli) (gitli) mir ist nach Breakdance zumute...
Herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Gespräch mit deinem Chef.
Ich wünsche dir, dass es genau so weiter geht und du auch deine restlichen Mitarbeitenden genau so offen informieren kannst und möglichst wenig Abneigung kommt. Nimm den Schwung und das gute Gefühl mit in deine nächsten Gespräche.
Ich bin und bleibe ich.
Und ... genieße mein neues Leben.
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