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Re: Polizeigewalt macht mich nachdenklich
Verfasst: Mi 21. Dez 2022, 08:07
von sbsr
Juliane hat geschrieben: Di 20. Dez 2022, 14:52
Das Ganze ging vor Gericht, wo sich die Beamte gegenseitig, mit nachweislich falschen Ausagen, reinwaschen wollten.
Es gibt die Wahrheit und eine gerichtlich festgestellte Wahrheit. Leider müssen beide nicht immer übereinstimmen.
Ich kenne die Arbeit der Polizei aus meiner Zeit beim Rettungsdienst und war jedes einzelne Mal sehr froh darüber, dass und wie die Kollegen durchgegriffen haben. Für Außenstehende muss das manchmal grob bis brutal gewirkt haben, aber wenn man den Hintergrund der Situation kannte, sah die Sache ganz anders aus.
Dazu kommt, dass Situationen, vor allem wenn es brenzlig wird, subjektiv sehr unterschiedlich wahrgenommen werden. Ein Polizist, der dafür da ist für die Sicherheit der Sanitäter zu sorgen, erkennt in einer kleinen Handbewegung eines stark alkoholisierten Patienten vielleicht eine Bedrohung, weil die Erfahrung gezeigt hat, dass es schnell zu einer solchen werden kann. Wäre der Fall damals vor Gericht gekommen, ich hätte aussagen müssen, dass ich die Handbewegung gar nicht wahrgenommen habe, für mich gab es also keine. Der Mann hätte wahrscheinlich ausgesagt, er habe nur die Hand bewegt. Ist die Aussage des Polizisten, der Mann wollte nach etwas greifen, damit eine Falschaussage?
Was mich an der ganzen Sache viel mehr ankotzt ist das Verhalten des Sensations geilen Strafverteidigers. An Stelle des Richters hätte ich das Video im Verfahren gar nicht mehr zugelassen, nachdem es dem Anwalt nach eigener Aussage schon weit vorher bekannt war, aber bewusst nicht vorgetragen wurde. Was sich Anwälte in diesem Land erlauben ist nämlich der echte Justizskandal.
Re: Polizeigewalt macht mich nachdenklich
Verfasst: Mi 21. Dez 2022, 12:24
von Mirjam
sbsr hat geschrieben: Mi 21. Dez 2022, 08:07
An Stelle des Richters hätte ich das Video im Verfahren gar nicht mehr zugelassen, nachdem es dem Anwalt nach eigener Aussage schon weit vorher bekannt war, aber bewusst nicht vorgetragen wurde.
Und damit hättest du in Kauf genommen, dass der Beschuldigte seine Arbeit verlieren hätte können, obwohl er eben nichts verwerfliches getan hatte, und vielleicht sogar im Knast gelandet wäre. Und die Polizeibeamt_innen wären straffrei davongekommen, obwohl sie vor Gericht gelogen haben. Mit Verlaub, das finde ich schon ein sehr seltsames Rechtsverständnis.
Mirjam
Re: Polizeigewalt macht mich nachdenklich
Verfasst: Mi 21. Dez 2022, 12:46
von Lavendellöwin
sbsr hat geschrieben: Mi 21. Dez 2022, 08:07
Ich kenne die Arbeit der Polizei aus meiner Zeit beim Rettungsdienst und war jedes einzelne Mal sehr froh darüber, dass und wie die Kollegen durchgegriffen haben. Für Außenstehende muss das manchmal grob bis brutal gewirkt haben, aber wenn man den Hintergrund der Situation kannte, sah die Sache ganz anders aus.
Hmm..
aus solchen Gründen finde ich Body- oder Dashcams ja so sinnvoll.
Damit kann ziemlich sicher festgestellt werden wo das Fehlverhalten lag und alle
können sich nochmal genau überlegen wie sie wohl vorgehen wollen.
Wohl gemerkt im Einsatz, nicht in unkonkreten Situationen.
Find ich einen Videobeweis gut? Ja, weil nicht alle die gleiche Sicht haben.
Und wenn jemand sich mehrfach falsch verhält muss es auch Konsequenzen geben.
Klar schreien alle wir sind die Guten-is aber nicht so.
(Im Grund bin ich mir jetzt schon sicher, das manche Spezis sagen werden, die Cam
ist im Einsatz kaputt gegangen-dann ist klar wo der Hase im Pfeffer liegt, zumindest
wenn das dann 2 Personen behaupten.)
Alles Liebe Marie

Re: Polizeigewalt macht mich nachdenklich
Verfasst: Mi 21. Dez 2022, 13:08
von sbsr
Mirjam hat geschrieben: Mi 21. Dez 2022, 12:24
Und damit hättest du in Kauf genommen, dass der Beschuldigte seine Arbeit verlieren hätte können, obwohl er eben nichts verwerfliches getan hatte, und vielleicht sogar im Knast gelandet wäre.
Das hat der Anwalt in Kauf genommen, seiner Publicity wegen.
Mirjam hat geschrieben: Mi 21. Dez 2022, 12:24Und die Polizeibeamt_innen wären straffrei davongekommen, obwohl sie vor Gericht gelogen haben. Mit Verlaub, das finde ich schon ein sehr seltsames Rechtsverständnis.
Nur aus der Beschreibung des Artikels stelle ich für mich immer noch in Frage, ob sie wirklich in bewusster Absicht und gezielt gelogen haben.
Wir alle waren nicht dabei und kennen nur einen winzig kleinen Teil der ganzen Geschichte. Ich bin mir allerdings sehr sicher, von willkürlichen Übergriffen durch die Polizei sind wir hier in Deutschland noch weit weg, nur weil also jemand da steht und auf einen Mülleimer zeigt, geht kein Polizist auf ihn los.
EmmiMarie hat geschrieben: Mi 21. Dez 2022, 12:46
aus solchen Gründen finde ich Body- oder Dashcams ja so sinnvoll.
Damit kann ziemlich sicher festgestellt werden wo das Fehlverhalten lag und alle
können sich nochmal genau überlegen wie sie wohl vorgehen wollen.
Bin ich auch dafür. Kameras nehmen aber nicht das größte Problem, nämlich dass man ins grenzwertigen Situationen reagieren muss, bevor es zu spät ist. Auf der Aufnahme kann man sich dann danach alles in Ruhe anschauen, ob man wirklich kurz davor war erschossen zu werden. Allerdings nur, wenn man in der Situation so gehandelt hat als ob. Mit Zettel am Zeh nützt die schönste Aufnahme nichts mehr.
Es ist sehr schwierig, die eigene Einstellung vollumfänglich über die Testspur zu vermitteln, deshalb werde ich auch nichts mehr weiter hier schreiben. Nur so viel, ich heiße Falschaussagen nicht gut, ebenso wenig wie überzogene Gewalt oder Gewalt im Allgemeinen. Der vorliegende Fall wird mir aber ein wenig zu sehr medienwirksam linkslastig aufgeblasen.
Re: Polizeigewalt macht mich nachdenklich
Verfasst: Do 22. Dez 2022, 10:14
von Cybill
Lea Michele hat geschrieben: Di 20. Dez 2022, 15:34
Cybill hat geschrieben: Di 20. Dez 2022, 10:08
Weißt du, wenn ein solcher Einsatz kommt, ob die Tatverdächtigen tatsächlich nicht bewaffnet sind?
Weißt du, ob die Tatverdächtigen nicht auf Drogen sind?
Zwei Kollegen wussten es auch nicht und wurden im Frühjahr erschossen.
-Cy
Hallo Cybill,
diese ist mir schon klar!
Aber 10 Mann für 4 Mann ist doch ein wenig übertrieben oder?
Liebe Grüße Lea Michele
Nein. Je mehr Polizisten da sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit dass es zu Gewalt kommt.
Darüber hinaus ist es nicht absehbar, ob es nicht zu Solidarisierungseffekten kommt und die Einsatzkräfte auf einmal anstatt den Vieren zwanzig Personen gegenüber stehen.
Liebe Grüße zurück
Cybill
Re: Polizeigewalt macht mich nachdenklich
Verfasst: Do 22. Dez 2022, 11:37
von Lea Michele
Hallo Cybill,
danke für die Antwort!
Liebe Grüße Lea Michele

Re: Polizeigewalt macht mich nachdenklich
Verfasst: So 25. Dez 2022, 04:17
von Lina
Auch wenn man mit Gewissheit sagen kann, Straftaten seitens Hamburger Polizeibeamten wesentlich seltener geworden ist als es Mal der Fall war, gibt es noch solche Fälle. Immer häufiger kommt es auch vor, dass Polizeibeamte - sogar welche, die noch in der Ausbildung aus eigener Initiative zur Aufklärung beitragen, welches ich super finde.Ich finde, dass unsere Hamburger Polizei einen Recht guten Job machen.
Aber in diesem Fall haben wir wirklich ein Problem. Sache ist ja, dass es durch die Handhabung der Corona-Ditustion durch die Bundesregierung und der Landesregierung - geführt vom regierenden Bürgermeister Tschfntscher - eine Stimmung gegen jeden aufgesetzt wurde, der nicht bedingungslos ihre Politik unterstuetzte. Dies hat viele Menschen mitgerissen. Darunter vermutlich auch Polizeibeamte, die sich möglicherweise darin bestätigt sahen, das jegliches gesetzeswidriges verhalten gegen Protestierende sei gerechtfertigt, solange man sich nicht erwischen lässt.
Es ist ja ein Faktum, dass ganz viele Menschen blind nicht nur die Corona-Massnahmen der Merkel-Regierung unterstützt haben, sogar zu härteren Massnahmen aufgefordert, auch Menschen, die eine sachliche Diskussion darüber führen wollten, beschimpft usw.
In einer Stadt hat man sogar, völlig Verfassungswidrig, einfach pauschal ein Verbot jegliche Versammlung von Menschen, die gegen die Corona-Massnahmen protestieren wollten!
Der aktuelle Fall halte ich also nur für die Spitze des Eisbergs und nur ein Symptom der brandgefährlichen Situation, in die man unsere Demokratie gebracht hat.
Re: Polizeigewalt macht mich nachdenklich
Verfasst: So 25. Dez 2022, 09:26
von Jasmine
Cybill hat geschrieben: Do 22. Dez 2022, 10:14
.........Nein. Je mehr Polizisten da sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit dass es zu Gewalt kommt.
Darüber hinaus ist es nicht absehbar, ob es nicht zu Solidarisierungseffekten kommt und die Einsatzkräfte auf einmal anstatt den Vieren zwanzig Personen gegenüber stehen. ...........
Auf der einen Seite wurde bei der Polizei sehr stark gespart in den letzten 10 bis 15 Jahren glaube ich.
Auf der anderen Seite ist das Bild von Polizei und Bürger*innen zu einfach dargestellt. Vielmehr glaube ich das bei den meisten Zusammentreffen zwischen Bürger*innen und der Polizei ganz normal und unspektakulär ablaufen. Also braucht es nicht immer eine Übermacht an Polizei. Ich kenne Polizisten*innen die in Ruhe ihren Dienst versehen und die behandeln ihr gegenüber auch auf Augenhöhe.
Liebe Grüße Jasmine
Re: Polizeigewalt macht mich nachdenklich
Verfasst: So 25. Dez 2022, 21:10
von conny
Jasmine hat geschrieben: So 25. Dez 2022, 09:26
Vielmehr glaube ich das
bei den meisten Zusammentreffen zwischen Bürger*innen und der Polizei ganz normal und unspektakulär ablaufen.
Dem ist natürlich so, die Polizei, Dein Freund und Helfer.
Jasmine hat geschrieben: So 25. Dez 2022, 09:26
Also braucht es nicht immer eine Übermacht an Polizei.
Natürlich nicht immer, aber wer kann bei einer Anforderung eines Einsatzes im vorhinein die mögliche Gefahr für Leib und Leben der Polizei und die fallgebotene Personalstärke einschätzen? Die Beantwortung dieser Frage sollten wir der Polizei mit ihrer jeweiligen Erfahrung in ihrem Einsatzgebiet überlassen.