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Re: Ich stell mal eine These auf

Verfasst: Fr 22. Mär 2019, 07:11
von Nubikalé
Guten Morgen Ihr Lieben,

ich hätte gestern Abend gerne noch mit euch diskutiert aber mein Handy (oder ich) kamen mit den Zugangsdaten nicht klar. Ein Login war, trotz intensiver Versuche, unmöglich.

Nicole Doll hat geschrieben: Do 21. Mär 2019, 14:24 Das größte Problem ist bei mir wahrscheinlich, dass ich bedingt durch meine in der Rolle als Mann erlangte Sozialphobie kaum noch Kontakte in Beruf oder Freizeit habe. Und dann gibt es ganz sicher Muster in meiner Körpersprache, die sich tief eingegraben haben und unbewusst signalisieren, dass ich nur meine Ruhe haben will. Und wenn ich mich irgendwie krampfhaft um ein Kennenlernen bemühe, dürfte das eher abschrecken.

Da gibt es jetzt eine potentielle Partnerin, die ich regelmäßig im Bus treffe. Aber mehr als eine freundliche Begrüßung und ein paar Worte über allgemeine Dinge bringen beide Seiten nicht zustande.
Nicole, du hast mir den Input gegeben, über diese Fragen nachzudenken. Ich arbeite in der Wissenschaft, deshalb folge ich gerne Parallelen, stecke Rahmen und Parameter ab, bemühe die Statistik und berechne die Wahrscheinlichkeit. Und diese Signale, die von dir unbewusst ausgesendet werden, eben weil du auf der (verzweifelten) Suche bist, werden einer Kontaktaufnahme den Garaus machen, wenn sie nicht durchbrochen werden. Lass uns doch mal bei der potentiellen Partnerin aus dem Bus anfangen! Bist du ihr männlich, weiblich oder androgyn begegnet? Was fasziniert dich an ihr, außer dass sie deinen Gruß freundlich erwidert. Kannst du sie einordnen, z.B. nach dem von mir theoretisch entworfenen Raster?
Gaby Bergmann hat geschrieben: Do 21. Mär 2019, 14:30 Hallo Nubi,
Nubikalé hat geschrieben: Do 21. Mär 2019, 14:04 ... lese ich von einer neugierigen den Menschen zugewandten und sehr geerdeten Persönlichkeit. Das passt durchaus in mein Raster.
ja, das ist sie in der Tat, und damit passt sie schon in das Raster, da hast Du Recht.
Wie es gelaufen wäre, wenn ich ihr "das" gleich am Anfang gesagt hätte? Schwer zu sagen... Das ist 19 Jahre her.
Gaby, du scheinst eine in sich ruhende Person zu sein, die durch ihre positiven Erfahrungen mit der Partnerschaft wahrscheinlich auch nie ein Problem hätte, weitere Partnerinnen zu finden. Ich bewundere Euch um dieses Selbstverständnis.
Anja1177 hat geschrieben: Do 21. Mär 2019, 14:37 ich versuche mal meine obskuren Gedanken zu deiner These in Worte zu fassen.
Wenn ich auf Partnersuche bin, geh ich ja mit dem Gedanken los (oder ins Netz) jemanden kennen zu lernen. Dabei spielen für die meisten Menschen doch optische Attribute eine vorrangige Rolle und natürlich haben wir, je älter wir werden, gewisse Vorstellungen was wir von einem potentiellen Partner erwarten und wo wir keine Kompromisse mehr eingehen wollen. Das macht es schwierig den einen unter so vielen zu finden.
Also, wenn ich nun jemanden aktiv suche, entscheide ich mich natürlich in erster Linie für den Jenigen der mir optisch gefällt und ob diese Person nun geerdet ist, praktisch veranlagt und offen gegenüber neuen, kann ich ja erst herausfinden, wenn ich sie näher kennenlerne.
Ich denke wirklich diese Zeit geben sich Menschen aus unterschiedlichen Gründen oft nicht mehr und verpassen dadurch Chancen auf tolle Kontakte.
Ein Mädchen, welches cool ist, Hosen trägt und handwerklich begabt ist, ist genauso wenig ein Garant für eine mögliche genderbeziehung wie der Mann der offensichtlich gerne feminin in Erscheinung tritt. Die Chemie muss stimmen und dann passt es schon.
Hoffe ich konnte dir irgendwie rüber bringen was ich meine.
Besser hätt ichs nicht in Worte fassen können Anja, deshalb hab ich deinen Post komplett zitiert. Also müssen wir uns die Zeit nehmen dem anderen zuzuhören um zu erfahren ob es passt. Dann steigt auch die Chance zu einem frühen Outing und zu einer Beziehung ohne Versteckspiele zu kommen. Danke dir
Laila-Sarah hat geschrieben: Do 21. Mär 2019, 18:01 ich gebe Nubi da nicht unrecht: Viele hier fühlen sich zu gewissen Teilen weiblich und strahlen das auch bewusst oder unterbewusst aus. Sie gehen aber bei der Partnersuche aber relativ typisch männlich vor mit verhalten und wünschen gegenüber der Partnerin. Partnerinnen, die darauf ansprechen würden, haben dann aber auch Erwartungen. Und zwar meist solche, die keine weibliche Seite erwarten. Es ist natürlich keine belegbare Wissenschaft aber ich hatte auch dieses Gefühl wie Nubi auch. Und Ausnahmen bestätigen die Regel. Und Partner, die sich vor dem Outing kennengelernt und lange Jahre zusammengelebt haben sind natürlich eine völlig andere Kiste.
Genau deshalb meine Frage an Nicole. Es muss doch mit dem Teufel zugehen, wenn man die Erwartungshaltung, die auf den potentiellen Partner projiziert, nicht auch selbst steuern kann.

Vanessa, auch wenn du nicht meiner Meinung bist, wie vielleicht auch andere hier, sind deine Perspektiven und andere Sichtweisen wichtig.
Wie wichtig dieser Thread ist, bleibt natürlich dahingestellt :?: Spannend ist es allemal.

Re: Ich stell mal eine These auf

Verfasst: Fr 22. Mär 2019, 08:58
von Anke
Hallo,
Nubikalé hat geschrieben: Do 21. Mär 2019, 12:40
Anke hat geschrieben: Do 21. Mär 2019, 12:11 Hallo,

wenn das die Regel ist, dann lebe ich mit der Ausnahme.

Meine Partnerin ist Anwältin, achtet sowohl auf ihre modische Kleidung, als auch auf ihr Aussehen und ist überhaupt nicht praktisch veranlagt.

Von daher kann ich diese These nicht bestätigen.

Warum hat es bei uns geklappt? Sie hat ihre Liebe zu mir über alles andere gestellt. Dazu kommt, dass sie, genau wie ich auch, immer versucht das Beste aus dem zu machen, was das Leben ihr anbietet.

Dazu gehört auch, sich auf eine Beziehung einzulassen, die nach ganz eigenen Regeln funktioniert.

Liebe Grüße

Anke
Das gefällt mir Anke. Ausnahmen bestätigen die Regel. Ich könnte jetzt dagegen argumentieren, dass eine Anwältin sehr wohl praktischer Natur sein sollte :D und auf ihre Kleidung muss sie schon des Berufsstandes willen, achten.
Ja, mir gefällt das auch. :-)

Allerdings kann ich das mit den Anwälten und der praktischen Natur nicht bestätigen.Von Berufs wegen habe ich häufig mit Juristen zu tun, die wenigsten davon haben es mit den praktischen Dingen des Lebens.

Sie ist ein wunderbarer Mensch, aber ich kenne nur wenige Menschen, die so unpraktisch sind wie sie. Aber dafür hat sie ja auch mich. :lol:

Was die Kleidung angeht, da kenne ich auch Juristinnen, für die ihre Kleidung keine große Rolle spielt. Und bei meiner Partnerin kommt das nicht vom Beruf. Da ist es für sie selbstverständlich professionell gekleidet zu sein. Aber gerade in ihrer Freizeit ist sie gut gekleidet und wenn wir gemeinsam ausgehen, dann haben wir oft eine längere Diskussion, was wir denn nun anziehen. Ganz zu schweigen von den Diskussionen, die wir vor einer Reise haben. Sehr spannend. :lol:

Liebe Grüße

Anke

Re: Ich stell mal eine These auf

Verfasst: Fr 22. Mär 2019, 09:58
von Nubikalé
Anke hat geschrieben: Fr 22. Mär 2019, 08:58 Sie ist ein wunderbarer Mensch, aber ich kenne nur wenige Menschen, die so unpraktisch sind wie sie. Aber dafür hat sie ja auch mich. :lol:
Was die Kleidung angeht, da kenne ich auch Juristinnen, für die ihre Kleidung keine große Rolle spielt. Und bei meiner Partnerin kommt das nicht vom Beruf. Da ist es für sie selbstverständlich professionell gekleidet zu sein. Aber gerade in ihrer Freizeit ist sie gut gekleidet und wenn wir gemeinsam ausgehen, dann haben wir oft eine längere Diskussion, was wir denn nun anziehen. Ganz zu schweigen von den Diskussionen, die wir vor einer Reise haben. Sehr spannend.
Dann gehts dir ja ähnlich wie Gaby. Ich würde vorschlagen, wir nehmen noch die Parameter "weltoffen" und "zugewandt/empathisch" mit auf. Wobei natürlich jede(r) in der Kennenlernphase genau so etwas vermitteln möchte.

Was sich für mich allerdings herauskristallisiert ist, dass eure "Spezies" besonders sensibel und feinfühlig ist. Das ist scheinbar auch für mich ein Grund gewesen, meinen jetzigen Partner unter einigen Verehrern ausgewählt zu haben. Ich wusste nichts von seiner weiblichen Seite. Wir haben uns geschrieben und geschrieben und geschrieben, seitenweise. Ich konnte nicht genug davon kriegen. Als wir uns das erste Mal verabredeten, war mir schon völlig egal wie er aussieht und als wir uns vis à vis gegenüber saßen, wusste ich, da wird mehr draus. Seine Offenbarung, etwa vier Wochen nach dem ersten Date, konnte mich somit nicht mehr sonderlich erschüttern.

Re: Ich stell mal eine These auf

Verfasst: Fr 22. Mär 2019, 10:26
von Aubergine
Hallo zusammen,

ich finde die These von Nubikale sehr realistisch, trifft z.B. voll auf mich zu. Mein Kleiderschrank hatte über 20 Jahre weder Rock noch Kleid als Inhalt und ich brauchte so gut wie nie einen Handwerker, hab mit meinem 1. Mann fast alles selbst gemacht. Heute kann ich das leider aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr und da meine Jenny leider 2 linke Hände hat, brauche ich doch nun ab und an Hilfe.
Ich würde allerdings die These gerne noch um einige Aspekte erweitern.
Ich habe das früher schon einmal geschrieben in einem andern Thread.
Frauen, die ihr ganzes Leben in geregelten Bahnen gelebt haben - aufgewachsen in einem behüteten Elternhaus, in eine Ehe geheiratet haben, bei der alles rund läuft nach dem Motto, meine Kinder, mein Haus, mein Auto meine Freunde - werden mit einem Outing nur sehr schwer bis gar nicht umgehen können.
Frauen, die in ihrem Leben schon Niederlagen, schlechte Erfahrungen und größere Schwierigkeiten überwunden haben, kommen damit eindeutig besser zurecht und haben meist keine großen Probleme mit einem Outing, nachdem sie sich mit dem Thema befasst und den ersten Schock verarbeitet haben.
Ich hoffe, ich lenke damit nicht vom Thema ab

LG Aubergine

Re: Ich stell mal eine These auf

Verfasst: Fr 22. Mär 2019, 10:52
von Nicole Fritz
Hallo Nubi,

wenn Du das Thema jetzt wissenschaftlich angehen möchtest - was als Ex-Parawissenschaftler auch meine Vorgehensweise ist - findest Du hier vielleicht einige interessante - oder auch verwirrende? - Aspekte:
viewtopic.php?f=16&t=17786#p233980

Ich habe vor etwa 20 Jahren meine Suche nach einer Partnerin - eigentlich - endgültig? aufgegeben. Danach rutschte ich bis zu meinem Outing vor zwei Jahren ins totale soziale Abseits.

Meine Bus-Bekanntschaft ist vermutlich fast täglich mit den Simmerner Stadtbus unterwegs. Sie lebt alleine und versucht so der Einsamkeit zu entkommen. Offensichtlich ist sie Rentnerin und verwitwet. Sie dürfte um einiges älter sein als ich. Was mich an ihr fasziniert, ist die freundliche Art, mit der sie mir begegnet. Ich bin seit 1 1/2 Jahren nur noch en femme unterwegs. Sie kennt mich also nur mit Rock oder Kleid.

Während ich meistens auf der Strecke Bahnhof - Globus-Markt unterwegs bin, steigt sie immer wo anders ein und aus. Sie sitzt dabei gerne vorne beim Fahrer, während ich lieber hinten sitze, wo ich das Geschehen im Bus überblicken kann. So kommen wir nur direkt zusammen, wenn wir uns zufällig an einer Haltestelle treffen. Dann kommt es beim langweiligen Warten auf den Bus auch eher zu einem Gespräch - über allgemeine Dinge, versteht sich. Mein Erscheinen in Frauenkleidern war da übrigens noch kein Thema, soweit ich mich erinnern kann. Es scheint für sie wohl nicht besonders wichtig und erst recht kein Problem zu sein.

Vielleicht sollte ich sie einfach einmal fragen, ob wir uns in einem Café oder Restaurant treffen könnten. Vielleicht wird ja auch mehr daraus, gemeinsames Einkaufen oder so. Mehr erwarte ich nicht. Wir haben jeweils unser eigenes Leben. Das sind wir gewohnt und werden es wohl beide nicht aufgeben wollen. Doch gegen die Einsamkeit würde es so vielleicht helfen. - Aber ich habe meine Suche - oder Hoffnung? - ja aufgegeben. Und was hat sie? Warum frage ich eigentlich nicht einfach? Weil es sich nicht gehört? Oder weil da sowieso wie immer nichts dabei heraus kommt?

Wenn ich nicht frage, werde ich wohl nie eine Antwort erhalten. Und sie wagt diesen Schritt offensichtlich auch nicht. Will sie nicht oder traut sie sich nicht? Sind es die queeren Signale, die ich aussende?

Liebe Grüße
Nicole

Re: Ich stell mal eine These auf

Verfasst: Fr 22. Mär 2019, 11:11
von Nubikalé
Aubergine hat geschrieben: Fr 22. Mär 2019, 10:26 Ich würde allerdings die These gerne noch um einige Aspekte erweitern.

Frauen, die ihr ganzes Leben in geregelten Bahnen gelebt haben - aufgewachsen in einem behüteten Elternhaus, in eine Ehe geheiratet haben, bei der alles rund läuft nach dem Motto, meine Kinder, mein Haus, mein Auto meine Freunde - werden mit einem Outing nur sehr schwer bis gar nicht umgehen können.
Frauen, die in ihrem Leben schon Niederlagen, schlechte Erfahrungen und größere Schwierigkeiten überwunden haben, kommen damit eindeutig besser zurecht und haben meist keine großen Probleme mit einem Outing, nachdem sie sich mit dem Thema befasst und den ersten Schock verarbeitet haben.
Genau so ist es Aubergine. Pragmatisch, selbstständig & selbstbewusst. Eine Frau, die ihren Mann durchaus allein stehen könnte (oh,welch freudsche Wortwahl :o ). Sie ist auf den Partner nicht angewiesen, kann sich aber darauf einlassen und sieht in der Verwandlung eher einen Zugewinn als eine Last. Danke dir.
Nicole Doll hat geschrieben: Fr 22. Mär 2019, 10:52 Vielleicht sollte ich sie einfach einmal fragen, ob wir uns in einem Café oder Restaurant treffen könnten. Vielleicht wird ja auch mehr daraus, gemeinsames Einkaufen oder so. Mehr erwarte ich nicht. Wir haben jeweils unser eigenes Leben. Das sind wir gewohnt und werden es wohl beide nicht aufgeben wollen. Doch gegen die Einsamkeit würde es so vielleicht helfen. - Aber ich habe meine Suche - oder Hoffnung? - ja aufgegeben. Und was hat sie? Warum frage ich eigentlich nicht einfach? Weil es sich nicht gehört? Oder weil da sowieso wie immer nichts dabei heraus kommt?
Wenn ich nicht frage, werde ich wohl nie eine Antwort erhalten.
Auf jeden Fall. Frag sie, Nicole - ich glaube, du beschreibst hier jemanden der sehr gerne seiner Einsamkeit entfliehen möchte aber nicht muss. Ob es für eine Freundschaft oder gar Partnerschaft reicht, wird sich zeigen. Du hast nichts zu verlieren. Wenn dein Gegenüber gekleidet ist, wie du es gerne hättest, würde ich mit der Frage nach Einkauftipps beginnen.
Und halte uns auf dem Laufenden, ich möchte natürlich wissen, ob sie in mein Schema passt. :D

Re: Ich stell mal eine These auf

Verfasst: Fr 22. Mär 2019, 11:20
von Anja
Moinsen (moin)

ich habe meine Partnerinnen meist nach optischen Gesichtspunkten "ausgewählt". Ich habe jede Partnerin relativ zu Anfang der Beziehung in meine weibliche Seite eingeweiht, so konnten diese immer selbst entscheiden, ob sie die Beziehung mit mir eingehen wollten oder nicht. Meine letzte Beziehung lief über 7 Jahre. Ich wusste, das daraus nicht mehr werden würde, als eben eine Beziehung.
Bei meiner nächsten Partnerin (und heutigen Frau), fand ich dann andere Dinge schon wichtiger.
Nubikalé hat geschrieben: Do 21. Mär 2019, 10:29 Demnach ist die Partnerin wenig interessiert an betont weiblicher Mode, [...] praktisch veranlagt und emotional geerdet.
Das kann ich quasi so unterschreiben. Meine Frau ist Erzieherin und sie selbst sagt, das wäre nicht ihr Beruf, sondern ihre Berufung. Zählt das zu den praktischen Berufen?
Ich wusste ziemlich schnell, das ich sie mal heiraten werde und mit ihr auch Kinder haben möchte. Ich weiß nicht, ob es an ihrer Berufung lag, aber ich wusste, sie ist die Richtige, um eine Familie zu gründen...
Und genauso ist es auch gekommen. Wir sind verheiratet und haben zwei wundervolle Kinder. Und sie hat mich bei meiner Entwicklung bis hin zur Frau voll unterstützt.

Wie wir uns gefunden haben, weiß ich bis heute nicht :lol:
Ich habe sie über eine Single-Börse im Internet kennengelernt. Ich suchte damals über die PLZ nach Singles in Bremen und schrieb sie an, weil mir ihr Profil gefiel. Erst, nachdem wir schon eine Weile hin und her schrieben, fiel mir auf, die wohnt garnicht in Bremen...! Aber das hat uns von einer gemeinsamen Zukunft nicht abgehalten...

Keine Ahnung, wie sie in meinen Suchergebnissen gelandet ist - Schicksal?

Grüße
die Anja

Re: Ich stell mal eine These auf

Verfasst: Fr 22. Mär 2019, 11:32
von Nubikalé
Das passt ganz wunderbar Anja. Wie man sich kennenlernt ist eigentlich fast egal, stimmen muss es. Ich bin mir ziemlich sicher, dass deine Frau ggf. auch allein klar kommt, mit den Kindern sowieso und dass Dein frühes Outing dazu beigetragen hat, Offenheit und Ehrlichkeit als Basis für eine glückliche Beziehung zu sein.

Re: Ich stell mal eine These auf

Verfasst: Fr 22. Mär 2019, 12:59
von Wally
Nubikalé hat geschrieben: Do 21. Mär 2019, 10:29 erzeiht mir meine kruden Gedankengänge aber das liegt mir schon eine Weile auf der Seele. Was meint ihr dazu?
Liebe Nubikale,

Ich denke, Du hast recht damit - ich würde es aber noch viel allgemeiner formulieren (und das gilt dann nicht nur für uns Transgender):

Das Glück bei einem Lebenspartner zu suchen bringt's nicht. Man muß das Lebensglück schon in sich selber tragen; dann kann man es auch mit einem Partner teilen und so verdoppeln. Glück hat nämlich die magische Eigenschaft, durch Teilen nicht halbiert zu werden :-)

Deshalb ist es auch schon von vornherein falsch, mit irgendwelchen, festen Vorstellungen und Ansprüchen an eine Partnerschaft heranzugehen: man muß einfach offen auf den Anderen zugehen und schauen, wo und inwieweit man mit ihm teilen kann. Das ist logischerweise bei jedem Menschen anders. Ob es dann unterm Strich auch gut ist, kann man nur subjektiv und individuell beurteilen; einen objektiven Maßstab dafür gibt es nicht.

Eine Grundvoraussetzung muß allerdings da sein: man selber muß einen potentiellen Partner wirklich vorbehaltlos, von Grund auf und von Herzen mögen. Das ist keine aktive Haltung, das kann man nicht herbeibemühen - das ist ein Bauchgefühl, das entweder da ist oder eben nicht. Ist es nicht da, dann ist der Versuch einer Partnerschaft von vornherein zum Scheitern veurteilt. Mir selber ist das in jungen Jahren mal passiert, in einer Art Torschlusspanik: es war mit Abstand der größte und folgenschwerste Fehler, den ich in meinem ganzen Leben gemacht habe...

Ich kann nicht versprechen, dass man zu einer guten Partnerschaft kommt, wenn man das beherzigt. Ich selber habe dieses Glück seit nun 14 Jahren - aber da war ich immerhin auch schon 56. Und wir beide sehen seitdem unser gemeinsames Glück auch nicht als Verdienst, sondern als eine große Gnade an, die uns auf unsere alten Tage nun doch noch zuteil wird. Aber ohne das Obige kann ich mir nicht vorstellen, dass es überhaupt möglich sein könnte.

Herzliche Grüße
Wally

Re: Ich stell mal eine These auf

Verfasst: Fr 22. Mär 2019, 13:24
von Nubikalé
Aber Wally, steckt nicht auch jede Menge Arbeit in dem Verdienst oder dem Geschenk, eine harmonische Beziehung zu führen?

Mein Ansatz ist ja folgender: wie sieben bewusst oder unbewusst bei der Partnersuche aus. Da kommen objektive Dinge wie Aussehen, Interessen, evtl. Wirtschaftlichkeit und eigene Möglichkeiten zum Tragen. Als Transgender oder auch auch als (ehemals männliche) Vollfrau muss ich aber andere Maßstäbe anlegen als die der Allgemeinheit. Ich kann der Beziehung nicht ihren Lauf lassen wenn es um etwas so wichtiges, Einschneidendes geht. Wenn ich mich also, platt ausgedrückt in Hausfrauenlovescoutforen rumtreibe, ist die Möglichkeit jemanden passend zu finden, ziemlich gering, oder?

Mädels, ich muss gleich weiter - mein 2. AV ruft - ich hab ein Haus zu unterhalten und ein Kind zu ernähren. Vermutlich werde ich wohl wieder Schwierigkeiten mit dem LOGin meines Handys haben. Aber bitte bitte bitte, diskutiert gerne weiter. Ich schaue mir voller Erwartung am Montag alles an.

Schönes Wochenende

Re: Ich stell mal eine These auf

Verfasst: Fr 22. Mär 2019, 20:02
von ExUserIn-2026-04-08
Hallo Nubi,

ich weiß nicht, ob ich Deine These stützen oder verwerfen kann. Meine Frau habe ich kennen gelernt, als ich nach vielen Jahren endlich die Kurve geschafft habe, bei mir selber auf den Grund zu gehen. Ich habe mich endlich wahr genommen und meine Gefühle entwickelt. Ich bin Ingenieur, praktisch breit veranlagt und mache das auch gerne. Darüber hinaus beschäftige ich mich seit ca. 15 Jahren mit Psychologie. Zuerst mit Paarpsychologie, später auch allgemeiner. Ich halte mich für relativ ssensibel, was die Wahrnehmung meiner Umwelt betrifft. Meine Frau ist nicht die Praktische, aber manchmal macht sie auch das ein oder andere, z.B. tapezieren. Mode ist kein echtes Thema für sie. Mit meinem Trans-Dasein kann sie nich viel anfangen, aber weil sie es von Anfang an weiß, hat sie auch kein echtes Problem damit. Es ist auch nur selten ein Thema für uns.

Was die Liebe betrifft, sehe ich es etwas anders als Anke. Wir waren am Anfang verliebt, aber die Liebe ist erst im Gemeinsam gewachsen und wächst immer noch. Gerade die Akzeptanz der Unterschiede ist hierbei von großer Bedeutung (David Schnarch lässt grüßen). Gerade dadurch fühle ich mich in der Beziehung gut aufgehoben. Die Gemeinsamkeiten, von denen wir immer noch genug haben, lässt und auch ein gutes Stück gemeinsam erleben. So haben wir oft ganz häufig ähnliche Gedanken und Ansichten. Das hat sich in 8 Jahren auch nicht verändert.

Grundsätzlich glaube ich, dass für eine tiefe Beziehung beide Partner tief in sich ruhen müssen. Das kann auch in einer Beziehung wachsen und ist nicht Voraussetzung. Die Tiefe wächst dann mit der Zeit, wenn man erfährt, dass man als ganzer Mensch akzeptiert ist. Deshalb glaube ich, dass die Liebe in der Beziehung erst entsteht. Die Verliebtheit ist erst der Vorschuss, so dass beide erst in die Lage kommen, die Liebe wachsen zu lassen. Aber ich habe leicht reden, meine Frau habe ich mit 50 Jahren erst kennen gelernt. Das Thema Karriere und Kinder war da schon abgeschlossen. Da haben wir viel Gelegenheit, uns auf unser Leben zu konzentrieren.

So sieht das in etwa bei uns aus.

Re: Ich stell mal eine These auf

Verfasst: Fr 22. Mär 2019, 20:35
von heike65
Gaby Bergmann hat geschrieben: Do 21. Mär 2019, 14:30 Da fällt das Outing dann deutlich leichter, als wenn man sich selbst doof vorkommt und mehr oder weniger für etwas schämt, das man am liebsten "weg" hätte. Und heute? Wenn mir jemand eine (fiktive) Packung Tabletten geben würde und sagen "nimm die, und Du wirst nie wieder als Frau nach draussen wollen und nichts daei vermissen" - nein, die würde ich garantiert nicht nehmen. Seit meine Liebste ab und an mitmacht, sowieso nicht.
Warum das versteckspiel ? warum nicht normal als Frau und Frau leben ? die Sehnsucht scheint doch vorhanden zu sein , oder ?

Re: Ich stell mal eine These auf

Verfasst: Fr 22. Mär 2019, 20:38
von heike65
Vincent hat geschrieben: Do 21. Mär 2019, 13:46 Hallo Nubi,
Auch wenn fast alle deine eingangs erwähnten Attribute auf meine Frau zu treffen denke ich nicht dass es das wesentliche Kriterium ist .
Ich denke es ist entscheidend , will man mit einen ungewöhnlichen Partner zurecht kommen, dass man eine Beziehung auf Augenhöhe führt und nicht als Partnerin zu seinem Mann aussehen will oder muss Punkt leider kenne ich viele Beziehungen in denen das so ist und sobald der Mann nicht mehr in jedem Punkt dem entspricht Komma was man von einem tollen Mann gesellschaftlich erwartet, gibt es in der Beziehung Probleme Punkt für Extravaganzen wie Cross-Dressing ist damit erst recht kein Platz.
Es gibt auch Beziehungen in denen der Mann zur Frau aufschauen will, oder ?

Re: Ich stell mal eine These auf

Verfasst: Fr 22. Mär 2019, 23:29
von Inga
Hallo, Nubi,

mein Leben hat mich gelehrt, zu begreifen, dass jede Partnerschaft so einmalig ist, dass sie mit Regeln und Thesen nur unzureichend beschrieben ist.

Ich bin zwar jetzt single, doch glaube ich, dass ich die Partnmerschaft mit all ihren Höhen und Tiefen ich nur mit ihr erleben konnte und sie auch nur mit mir. Auch wenn ich heutzutage immer wieder mit Frauen zusammen kommen und einen guten freundschaftlichen Austausch habe, es ist einfach nicht diese tiefe innige Partrnerschaft, die ich erlebt habe und heutzutage, wo sie längst vorbei ist und es auch kein Wiederauferstehen der Partnerschaft mehr geben kann (zumindest auf dieser Daseinsebene), erst so langsam in ihrer ganzen Einmaligkeit begreife - und es mir Jahre späte noch ein wohliges Gefühl gibt, diese erlebt zu haben.

Liebe Grüße
Inga

Re: Ich stell mal eine These auf

Verfasst: Sa 23. Mär 2019, 01:59
von Andrea aus Sachsen
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Hallo Nubikalé,
du bringst hier zwei Dinge ins Spiel, die meines Erachtens nichts miteinander zu tun haben. Zum ersten Teil deiner These kann ich nichts beitragen, da ich keine Partnerin habe oder hatte, die unsere Besonderheit akzeptiert.
Dafür kenne ich die Probleme bei der Partnersuche aus meiner Jugendzeit zur Genüge. Doch erst heute weiß ich Grund dafür: Wer bestimmte männliche Eigenschaften und Verhaltensweisen, auf die Frauen in der Regel stehen, innerlich ablehnt, ist oft nicht in der Lage, sich für potentielle Partnerinnen als Mann interessant zu machen. Es fehlt einfach die nötige Ausstrahlung oder diese wirkt derart abschreckend, dass die meisten Frauen schon nach wenigen Augenblicken einer persönlichen Begegnung konstatieren: Mit dem möchte ich nichts zu tun haben.
Da es unter diesen Umständen nur selten oder gar nicht zu Kontakten kommt, die in eine Partnerschaft münden könnten, haben die Betroffenen praktisch keine Möglichkeit, nach den von dir vorgeschlagenen Kriterien auszuwählen oder sonstige gut gemeinte Ratschläge zur Partnersuche umzusetzen.