Fasching ist die beste Zeit für Crossdresser gerade für Einsteiger und Beginner ihr Erscheinungsbild in der Öffentichkeit zu testen und die ersten Gehversuche zu unternehmen.
Aller Angang ist schwer, und gerade wenn man sich sehr unsicher ist, wie man wirkt. Vermutlich die wenigsten wollen auffallen, angestarrt oder gar ausgelacht werden.
In der fünften Jahreszeit ist eben doch mehr erlaubt als sonst. Fällt man auf, dann ist es eben eine Faschingsverkleidung, fällt man nicht auf, dann ist man auf einem guten Weg, den Spaß auch mal außerhalb der Faschingszeit zu testen.
Letztes Jahr hatte ich schon mal das Vergnügen, mein Outfit auf einem Faschingsball zu testen. Allerdings war damals noch alles recht neu, und auf die Reaktionen der anderen hatte ich damals noch nicht so geachtet. Außerdem sind wir erst bei Dunkelheit losgezogen, und waren dann nur in einer Diskothek.
Dieses Jahr hatte ich mein Outfit noch etwas verfeinert und hatte mir vorgenommen meine Umgebung noch mehr zu beobachten.
Also erst einmal schminken, was doch auch immer einige Zeit in Anspruch nimmt, bis man einigermaßen mit seinem Spiegelbild zufrieden ist. Dann mit Klebeband, selbstklebendem Silikon-Bh und Push-up-BH ein Dekoltee zaubern, Polsterhose an, Strumpfhose an, Kleidchen an, Stiefel mit Keilabsatz angezogen. Zum Abschluß noch ein paar Herzchen ins Gesicht und auf Dekoltee gemalt, damit es auch etwas als Faschingsverkleidung durchgeht. So Hasenohren hatte ich mir auch noch besorgt, nicht dass man angestarrt wird, nur weil man nicht verkleidet ist.
Mit einem Freund noch telefonisch einen Treffpunkt vereinbart. Somit gab es kein Zurück mehr, also beide Augen zu und durch, "es ist ja Fasching" sagte ich mir, um mir etwas Mut zu machen.
Die öffentlichen Verkehrsmitteln wollte ich nicht nehmen, also schwang ich mich auf meinen Drahtesel und fuhr ca. 5 km zu dem vereinbarten Treffpunkt mitten durch die Großstadt. Gerade zu Beginn war ich sehr aufgeregt, was würde passieren wenn ich an den ersten Leuten vorbeifuhr. Außerhalb gab es keinen Fasching, alle Leute ganz normal gekleidet, kamen gerade von ihrer Arbeit, oder machten irgendwelche Besorgungen.
Zu meiner Überraschung passierte gar nichts. Die Leute gingen ihres Weges und beachteten mich genau so wie sonst auch.
Das kannte ich auch anders, als Mann im Rock. Du gehtst entlang und jeder der dir entgegenkommt, mustert ich erstmal von oben bis unten.
Dieses mal gar nichts. Ab und zu mal ein verstohlener Blick eines Mannes als ich in meinem Kleidchen und schwarzer Feinstrumpfhose an ihm vorbeifuhr.
Das war schon mal ein schöner Beginn, und ein tolles Gefühl mit Kleid, Stiefel und Strumpfhose so unbehelligt durch die Stadt zu fahren.
In der Nähe des Treffpunktes stellte ich mein Fahrrad ab und machte mich zu Fuß auf zum Treffpunkt. Übrigens das erste mal alleine - letztes Jahr war ich immer in Begleitung, was die Situation doch irgendwie einfacher macht - und nicht zu vergessen das erste mal auf hohen Absätzen. Mein Gang mag etwas unbeholfen gewirkt haben, es trafen mich doch ein paar Blicke, oder war ich doch aufgeflogen. Auf dem Fahrrad war man doch wesentlich schneller, und die Passanten hatten nicht die Zeit viel zu erkennen, aber zu Fuß hatten sie alle Zeit der Welt.
Mein Bekannter erkannte mich sofort, hatte er mich doch letztes Jahr schon in fast ähnlicher Aufmachung gesehen.
Ich fragte ihn, was denn seine Einschätzung wäre, ob ich denn sehr auffallen würde.
Er meinte, dass das auffälligste meine Bewegungen wären, von der Statur würde ich nicht wirklich auffallen.
Neben uns stand in einer Gruppe eine Frau, die plötzlich immer wieder zu mir herüber sah und mich musterte als sie meine Stimme hörte. Ganz ungläubig schaute sie mich immer wieder an. Ich grinste sie an, und sprach sie auch an, dass sie schon richtig gehört hätte. Die anderen in der Gruppe und vor allem ihr Mann fanden meine Tarnverkleidung sehr gelungen.
Als dann später ein Närrischer meinen Bekannten ansprach, was er doch für eine tolle Verkleidung anhat, sprach ich ihn an, er solle doch meinen Freund in Ruhe lassen. Das Gesicht von ihm werde ich nicht vergessen, so ein verdutzes Gesicht. So wirklich lustig fand er es auch nicht.
Es gab auch Situationen, in denen ich von einigen durchschaut wurde, vermutlich einfach durch mein Äußeres. Ein junges Mädel ging an mir vorbei, schaute mich im Vorbeigehen kurz an, um verstört fast schon erschrocken noch einen hastigen zweiten Blick auf mich zu werfen.
Wir sind noch etwas durch die Innenstadt gelaufen, durch das Hofbräuhaus, Reaktionen gab es so gut wie keine.
Später sind wir noch in eine Diskothek gegangen, wie vorher auch schon hatte ich das Gefühl, dass ich so gut wie keine Aufmerksamkeit erregt habe. Alleinig als ich auf die Herren Toilette gegangen bin, sind mir noch einge böse Blicke entgegengekommen.
Zu guter Letzt bin ich wieder mit dem Fahrrad nach Hause geradelt.
Ein wunderbares Gefühl, es war schon dunkel, ich fühlte mich dadurch noch sicherer. Und dann den Wind an den bestrumpften Beinen zu spüren, das Kleidchen rutscht doch ziemlich hoch. Schon allein deswegen werde ich dies bald wiederholen müssen
Mein Fazit: Dass ich doch so wenig Aufmerkamkeit erregen würde, hätte ich sicherlich nicht erwartet, da ich mein "Passing" für nicht besonders gut halten würde. Meine breiten Schultern konnte ich offensichtlich gut genug tarnen, und mein Gesicht ist mit Schminke doch nicht so extrem maskulin wie erwartet.
Zum Glück gibt es doch auch eine Menge Frauen mit etwas markanteren Gesichtszügen, insofern falle ich gerade noch in diesen Bereich hinein, so dass ich gerade noch so als maskuline Frau durchgehe und nicht so sehr auffalle, so meine Einschätzung.
Das ganze möchte ich irgendwann außerhalb des Faschings bald mal wiederholen, wenn möglich meine Tarnkünsten noch so weit verfeinern, dass die Tarnung dann möglichst perfekt ist. Und dann heißt es abwarten, ob die Erfahrung vom Fasching sich auch auf die Nichtfaschingszeit übertragen lässt.
Vielleicht findet sich auch noch jemand, der da auch Lust dazu hat, und dann könnte man zu zweit oder dritt so durch die Stadt stöckeln...das wäre schon lustig.
Viele Grüße von Eurer Biene