Vollverschleierung verbieten?
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ShayeLaShade
Re: Vollverschleierung verbieten?
Man stelle sich die Frage, ob Vollverschleierung im westlichen Alltag praktikabel ist.
Ich denke, sie ist es nicht. Erwähnte Banken, Kindergarten, überall wo eine Identifikation oder Altersprüfung notwendig ist, müsste sie aufgehoben werden.
Andererseits: Welche Folgen hätte ein Verbot?
Würde die Verschleierung damit abgeschafft? Mitnichten. Betroffene Frauen würden - es handelt sich schließlich um strengst patriarchalische Strukturen - schlicht und einfach nicht mehr in die Öffentlichkeit gelassen. Punkt. Damit ist ihnen nicht geholfen, im Gegenteil, die Situation für diese Frauen verschlechtert sich dramatisch.
Mein persönliches Fazit ist, dass an dieser Stelle mehr über eine kulturelle Öffnung (beiderseits!) gesprochen und auch umgesetzt werden muss und weniger im Rundumschlag verboten. Über Verbote entsteht kein sinnvoller Dialog, sondern verfestigte Fronten.
(Abgesehen davon: Die Begründung mit "civilité" halte ich für Moralgesetzgebung, die ich grundsätzlich als unzulässig in einem verfassungsgemäß freien Land halte...)
Ich denke, sie ist es nicht. Erwähnte Banken, Kindergarten, überall wo eine Identifikation oder Altersprüfung notwendig ist, müsste sie aufgehoben werden.
Andererseits: Welche Folgen hätte ein Verbot?
Würde die Verschleierung damit abgeschafft? Mitnichten. Betroffene Frauen würden - es handelt sich schließlich um strengst patriarchalische Strukturen - schlicht und einfach nicht mehr in die Öffentlichkeit gelassen. Punkt. Damit ist ihnen nicht geholfen, im Gegenteil, die Situation für diese Frauen verschlechtert sich dramatisch.
Mein persönliches Fazit ist, dass an dieser Stelle mehr über eine kulturelle Öffnung (beiderseits!) gesprochen und auch umgesetzt werden muss und weniger im Rundumschlag verboten. Über Verbote entsteht kein sinnvoller Dialog, sondern verfestigte Fronten.
(Abgesehen davon: Die Begründung mit "civilité" halte ich für Moralgesetzgebung, die ich grundsätzlich als unzulässig in einem verfassungsgemäß freien Land halte...)
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dito
Re: Vollverschleierung verbieten?
Sollten nicht gerade "wir" für Akzeptanz und Toleranz kämpfen???
Klar gibt es handfeste Gründe gegen eine Verschleierung aber wenn es der Glaube bzw. die Religion so vorsieht und die betreffenden Personen das freiwillig machen würde ich dafür plädieren.
Gruss Dito
Klar gibt es handfeste Gründe gegen eine Verschleierung aber wenn es der Glaube bzw. die Religion so vorsieht und die betreffenden Personen das freiwillig machen würde ich dafür plädieren.
Gruss Dito
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ShayeLaShade
Re: Vollverschleierung verbieten?
Ich will ja auch niemandem seinen Albtraum verbieten, wenn und falls er sich den so ausgesucht hat... nicht einmal wenn ich nicht verstehe, warum sich jemand so total verschleiern will. Frei nach dem Motto: Ich verabscheue deine Meinung, aber ich kämpfe dafür, dass du sie frei aussprechen darfst.
Gibt aber eben praktische Probleme. Immer dann, wenn du nachweisen musst die Person zu sein die du vorgibst zu sein. Und die Situation muss halt einfach abgedeckt sein. Ist auch im Interesse einer Verschleierten. Sonst müsste, übertragen auf Deutschland, eine derart Verschleierte zum Beispiel ganz trivial bei der Bahn immer Vollpreis zahlen...
Gibt aber eben praktische Probleme. Immer dann, wenn du nachweisen musst die Person zu sein die du vorgibst zu sein. Und die Situation muss halt einfach abgedeckt sein. Ist auch im Interesse einer Verschleierten. Sonst müsste, übertragen auf Deutschland, eine derart Verschleierte zum Beispiel ganz trivial bei der Bahn immer Vollpreis zahlen...
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exuser-23-02-2013
Re: Vollverschleierung verbieten?
Auch wenn ich da jetzt etwas aus der Mottenkiste hole ...
Gleich vorab: Ich bin kein Kind der DDR, aber vielleicht kenne ich auch deshalb den Satz, dass Freiheit auch immer die Freiheit der Andersdenkenden ist. Oder um Freidrich II. von Preußen zu zitieren, der ja schon erkannt hatte, dass in Preußen ein jeder nach seiner Facon selig werden können müsse. Und last but not least den Kantschen Kategorischen Imperativ.
Worauf will ich hinaus:
Grundsätzlich hat jede(r) das Recht sich so zu kleiden, wie sie/er das für richtig hält - und gerade wir sollten da ganz massiv dafür eintreten. Ob uns das gefällt, uns das Angst macht, wir uns unwohl fühlen etc. darf keine Rolle spielen. Die Grenze liegt aber da, wo Zwang ins Spiel kommt: Zwang, sich zu verschleiern, aber natürlich auch Zwang, andere zum verschleiern bringen zu wollen. Und genau dagegen müssen wir uns massiv wehren. Wer sich freiwillig dafür entscheidet, soll das tun dürfen, auch das zeichnet eine freiheitliche Gesellschaft aus. Wer aber meint, andere hierzu (oder zu anderen Dingen - und genau das ist die Gefahr, denn wir wollen jemanden zwingen, sich nicht zu verschleiern) zwingen zu können/dürfen/müssen, der hat in unserer Gesellschaft nichts verloren, das dürfen wir keinesfalls hinnehmen.
Sicher können wir nicht überprüfen, wer etwas aus eigenem Antrieb und/oder eigener Überzeugung macht, wir sollten uns aber auch nicht anmaßen, per Generalverdacht davon auszugehen, dass hier immer Zwang im Spiel ist. Ganz nebenbei ist Gewohnheit ein nicht zu verachtender Aspekt.
Wirklich schwierig werden die Bereiche der zwischenmenschlichen Interaktion und Kommunikation. Aber diese Probleme lassen sich mit einem Schleierverbot nicht lösen, wer nicht mit mir interagieren will, wird dies nicht tun, auch ohne Schleier nicht. Und es gibt so ganz nebenbei genügend Mitmenschen, die aus welchen Gründen auch immer nicht oder nur gewaltsam iteinander interagieren, werft doch nur mal einen Blick in die Fußballstadien usw.
Die Integrationsproblematik ist komlexer als sie nur auf etwas Stoff zu beschränken, gleichwohl liegt hier ein großes Problemfeld weitgehend unbearbeitet. Als Einstieg zur Aufarbeitung aber gleich mit einem Verbot aufzuwarten ... nun, das erscheint mir nicht die richtige Lösung zu sein. Vergesst dabei bitte auch nicht, dass wir selber hier die Messlatte legen - und uns womöglich vorwerfen lassen, mit zweierlei Maß zu messen.
Wie ich rein persönlich zu der Thematik stehe und was ich empfinde - das spielt keine Rolle. Wenn es danach geht, hätte beispielsweise Helmut Kohl wegen Gesetzesbeugung (ich nenne die Namen der Spender nicht) zwingend in Beugehaft gemusst, dürfte Gerhard Schröder wegen Interessenkollision nicht für Gazprom arbeiten, gehören Politiker nicht in Aufsichtsräte etc. pp. Hier geht es aber um Grundprinzipien freiheitlicher Staaten - und die umfassen nunmal auch Freiheiten, die mir persönlich widerstreben, aber zu akzeptieren sind, solange sie Freihteiten anderer nicht einschränken. Und nicht vergessen: Auch wir nehmen Freiheiten in Anspruch, die bei einem Teil der Bevölkerung auf absolutes Unverständnis stoßen ...
Gleich vorab: Ich bin kein Kind der DDR, aber vielleicht kenne ich auch deshalb den Satz, dass Freiheit auch immer die Freiheit der Andersdenkenden ist. Oder um Freidrich II. von Preußen zu zitieren, der ja schon erkannt hatte, dass in Preußen ein jeder nach seiner Facon selig werden können müsse. Und last but not least den Kantschen Kategorischen Imperativ.
Worauf will ich hinaus:
Grundsätzlich hat jede(r) das Recht sich so zu kleiden, wie sie/er das für richtig hält - und gerade wir sollten da ganz massiv dafür eintreten. Ob uns das gefällt, uns das Angst macht, wir uns unwohl fühlen etc. darf keine Rolle spielen. Die Grenze liegt aber da, wo Zwang ins Spiel kommt: Zwang, sich zu verschleiern, aber natürlich auch Zwang, andere zum verschleiern bringen zu wollen. Und genau dagegen müssen wir uns massiv wehren. Wer sich freiwillig dafür entscheidet, soll das tun dürfen, auch das zeichnet eine freiheitliche Gesellschaft aus. Wer aber meint, andere hierzu (oder zu anderen Dingen - und genau das ist die Gefahr, denn wir wollen jemanden zwingen, sich nicht zu verschleiern) zwingen zu können/dürfen/müssen, der hat in unserer Gesellschaft nichts verloren, das dürfen wir keinesfalls hinnehmen.
Sicher können wir nicht überprüfen, wer etwas aus eigenem Antrieb und/oder eigener Überzeugung macht, wir sollten uns aber auch nicht anmaßen, per Generalverdacht davon auszugehen, dass hier immer Zwang im Spiel ist. Ganz nebenbei ist Gewohnheit ein nicht zu verachtender Aspekt.
Wirklich schwierig werden die Bereiche der zwischenmenschlichen Interaktion und Kommunikation. Aber diese Probleme lassen sich mit einem Schleierverbot nicht lösen, wer nicht mit mir interagieren will, wird dies nicht tun, auch ohne Schleier nicht. Und es gibt so ganz nebenbei genügend Mitmenschen, die aus welchen Gründen auch immer nicht oder nur gewaltsam iteinander interagieren, werft doch nur mal einen Blick in die Fußballstadien usw.
Die Integrationsproblematik ist komlexer als sie nur auf etwas Stoff zu beschränken, gleichwohl liegt hier ein großes Problemfeld weitgehend unbearbeitet. Als Einstieg zur Aufarbeitung aber gleich mit einem Verbot aufzuwarten ... nun, das erscheint mir nicht die richtige Lösung zu sein. Vergesst dabei bitte auch nicht, dass wir selber hier die Messlatte legen - und uns womöglich vorwerfen lassen, mit zweierlei Maß zu messen.
Wie ich rein persönlich zu der Thematik stehe und was ich empfinde - das spielt keine Rolle. Wenn es danach geht, hätte beispielsweise Helmut Kohl wegen Gesetzesbeugung (ich nenne die Namen der Spender nicht) zwingend in Beugehaft gemusst, dürfte Gerhard Schröder wegen Interessenkollision nicht für Gazprom arbeiten, gehören Politiker nicht in Aufsichtsräte etc. pp. Hier geht es aber um Grundprinzipien freiheitlicher Staaten - und die umfassen nunmal auch Freiheiten, die mir persönlich widerstreben, aber zu akzeptieren sind, solange sie Freihteiten anderer nicht einschränken. Und nicht vergessen: Auch wir nehmen Freiheiten in Anspruch, die bei einem Teil der Bevölkerung auf absolutes Unverständnis stoßen ...
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Anne-Mette
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Re: Vollverschleierung verbieten?
(Schweden) Eine muslimische Frau mit Gesichtsschleier, die aufgefordert wurde, aus einem Bus auszusteigen, verklagte das Busunternehmen wegen Diskriminierung und gewann.
Ein Busfahrer im schwedischen Malmo forderte die Frau auf, den Gesichtsschleier abzulegen und ihr Gesicht zu zeigen. Als die 20jährige junge Frau dies ablehnte, sollte sie aus aus dem Bus auszusteigen. Die muslimische Frau, die einen Gesichtsschleier trägt, der nur die Augen offen lässt, verklagte den Verkehrsbetrieb Arriva wegen Diskriminierung. Das Unternehmen verlor die Klage und musste 25 000 Schwedische Kronen (2.670 €) bezahlen.
Laut dem Nachrichtendienst TT gab Jan Wildau im Namen des Unternehmens folgende Erklärung ab: "Der Fahrer hat nicht den Richtlinien des Unternehmens gehandelt. Es gibt keinen Zweifel, dass es sich hierbei um ein Fehlverhalten handelt. Wir sind froh, durch die Zahlung des Betrages unseren Fehler wieder gut machen zu können." Der betreffende Busfahrer indes wurde gekündigt.
Ein Busfahrer im schwedischen Malmo forderte die Frau auf, den Gesichtsschleier abzulegen und ihr Gesicht zu zeigen. Als die 20jährige junge Frau dies ablehnte, sollte sie aus aus dem Bus auszusteigen. Die muslimische Frau, die einen Gesichtsschleier trägt, der nur die Augen offen lässt, verklagte den Verkehrsbetrieb Arriva wegen Diskriminierung. Das Unternehmen verlor die Klage und musste 25 000 Schwedische Kronen (2.670 €) bezahlen.
Laut dem Nachrichtendienst TT gab Jan Wildau im Namen des Unternehmens folgende Erklärung ab: "Der Fahrer hat nicht den Richtlinien des Unternehmens gehandelt. Es gibt keinen Zweifel, dass es sich hierbei um ein Fehlverhalten handelt. Wir sind froh, durch die Zahlung des Betrages unseren Fehler wieder gut machen zu können." Der betreffende Busfahrer indes wurde gekündigt.