Mein Weg zu mir selbst
Mein Weg zu mir selbst - # 4

Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
Sabrina-Eileen
Beiträge: 22
Registriert: Sa 23. Mai 2026, 19:19
Geschlecht: MzF
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Emden
Hat sich bedankt: 45 Mal
Danksagung erhalten: 176 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Mein Weg zu mir selbst

Post 46 im Thema

Beitrag von Sabrina-Eileen »

Liebe Violetta! (moin)
Violetta-TransFlower hat geschrieben: Mo 20. Jul 2026, 07:54 Meinen herzlichen Glückswunsch 🍀 zu diesem, für Dich äußerst wichtigen Schritt.
Ich freue mich mit Dir darüber. (smili)
Vielen lieben Dank. Da habt ihr wirklich einen großen Anteil dran. Dank eurer Anregungen bin ich noch einmal in mich gegangen und habe über meine erste Idee, erst in Norwegen anzufangen, nachgedacht. Und es war sowas von richtig, nicht bis nächstes Jahr zu warten. (smili)

Und ich bekomme langsam etwas Angst vor mir selber. :lol: Heute wollte ich eigentlich erst einkaufen, mich dann schminken, umziehen und noch einmal spazieren gehen. Aber da hatte ich heute keine Lust dazu. Einkaufen mache ich morgen alles zusammen und so habe ich mich heute gleich in aller Ruhe zurecht gemacht. Das gleiche Prozedere wie gestern: Perücke und die Silikonbrüste in den Korb, Brille dazu und dann ab ins Auto. Die Stelle für die Haare und die Brüste war nicht weit, also hin und mich im Auto fertig gemacht. Noch die richtige Brille auf die Nase und dann ging es zum Geocachen, ein großes Hobby von mir. Ich hatte mir eine kleine Runde in Breitenfeld, einem Ortsteil von Großheide, rausgesucht. Aber in Großheide liegen ja auch noch 2 Caches. Also auf zum Edeka in Großheide. Der Cache ist auf der Rückseite, also sicher nicht so schlimm. Ich parkte in einem Wohnstraße etwa 50 m entfernt. Wie selbstverständlich bin ich aus dem Auto und zum Cache. Aber ausgerechnet in dem Moment kommt ein Saugwagen der die Abwasserbehälter neben dem Cache leer machen will. Umdrehen? Kneifen? Nein, Augen zu und durch. Ich ging zu dem Stromkasten, holte den Petling und begann, meinen Namen in das Logbuch zu schreiben. Da höre ich von hinten ein freundliches "Moin". Ich habe immer wieder geübt, das "Moin" sanfter und weiblicher klingen zu lassen. Also Premiere. Ich drehte mich um, lächelte und sagte "Moin". Das klang, glaube ich, eher wie eine Ziege, die in einen Blecheimer pinkelt als nach einer weiblichen Stimme. Aber egal, was solls. Ich schrieb noch schnell das Datum, packte das Logbuch in den Petling, versteckte diesen wieder und ging langsam und ohne Hast zum Auto. Dort konnte ich dann erst einmal durchatmen. Aber genau darum bin ich heute dahin gefahren. Ich möchte üben, mit anderen Menschen zu agieren. Die beiden Abwassermenschen sehe ich wahrscheinlich nie wieder.

Dann ging es noch zu einem anderen Cache in Großheide, aber da war ich zu blind. Also auf nach Breitenfeld. Ich parkte am Wald, naja, was die Ostfriesen halt so Wald nennen, schnappte mir den Rucksack und ging durch den Wald. Es ist schön, einfach die Ruhe zu genießen. Um die Runde zu laufen, musste ich ein Stück die Straße entlang gehen. Aber einen kleinen Abstecher machte ich zu einem Cache in einem Bushaltestellenhäuschen. Hier fuhren dann Radfahrer an mir vorbei ohne Notiz von mir zu nehmen. Die Suche brach ich aber schnell ab, da in dem Häuschen Schwalben nisten und die wollte ich nicht stören. Also die etwa 500 m an der Straße entlang. Die Autofahrer schauten, aber nicht irgendwie auffällig, so zumindest mein Eindruck. Dann ging es wieder in den Wald und dort machte ich erst noch einmal Pause, genoss die Sonne und machte das angehangene Foto. Dort saß ich sicher 20 Minuten und dann ging es langsam wieder zurück zum Auto. Auf dem Waldweg kam mir dann noch ein Traktor entgegen. Der ältere Mann grüße freundlich und lachte. Ich weiß nicht warum, grüßte freundlich zurück und lächelte. Am Auto angekommen war ich glücklich und zufrieden mit mir. Und ein wenig ängstlich vor meinem eigenen Mut.
Violetta-TransFlower hat geschrieben: Mo 20. Jul 2026, 07:54 Das ist auch gut so, denn Angst ist kein guter Ratgeber.
Wenn Du ängstlich gewesen wärst, hätte es Dir mit Sicherheit auch keinen Spaß gemacht, denke ich.
Ja das stimmt, dann wäre ich nur verkrampft unterwegs gewesen. Und auch heute war keine Angst da. Selbst am Stromkasten beim ersten Cache. Ich denke, so kann ich wirklich lernen, auf Menschen zu reagieren. Zum Glück sieht man durch die Schminke nicht, wenn mein Kopf rot wird. :lol:
Violetta-TransFlower hat geschrieben: Mo 20. Jul 2026, 07:54
Ich wollte Dir schon länger etwas dazu schreiben, wie ich es gemacht habe.
Als ich im Herbst 2024 die ersten Kleider (XL) bestellt habe, sah ich meine "Wampe", die sich seeehr deutlich mit einer Wölbung abzeichnete.
Das war für mich die Initialzündung, zuerst den Zucker aus meinem Leben zu kicken. Ab Anfang Dezember 24 dann, zog ich es durch.
Seitdem esse und trinke ich keine extrem zuckerhaltigen Sachen mehr (Süßigkeiten, Kuchen, Cola, Limonade... solche Dinge), nur im Ausnahmefall, wie etwa einem Kaffetrinken an Geburtstagsfeiern mal ein oder zwei Stück Kuchen.
Dann besteht meine Ernährung zu großen Teilen aus Gemüse und Vollkornbrot. 2 Mahlzeiten am Tag genügen mir, manchmal auch nur eine.

Du solltest eine große Selbstdisziplin und einen eisernen Willen dafür entwickeln, wenn Du das durchziehen willst, denn der Hunger wird sich immer melden und die Versuchung ist groß, wenn Du Nahrungsmittel oder Süßes im Haus hast, welche Du nicht mehr konsumieren möchtest.
Ich kenne das. Ich habe selbst alles,was Süßkram ist, damals erstmal aus dem Haus geschafft, damit ich nicht in Versuchung komme, das Zeug doch wieder in mich hineinzustopfen.
Heute habe ich meine Zuckersucht lange überwunden, bin bei Kleidergröße M und meinem Idealgewicht angekommen, aber es war über Monate hinweg, kein leichter Weg.

Ich wünsche Dir auch hierbei viel Erfolg !
Auch hier noch einmal vielen lieben Dank für deine Tipps. Ich esse seit Jahren nur noch 2 Mahlzeiten. Das bekommt mir am besten. Die Antidepressiva sind ja leider dafür bekannt, dass sie auf dem Stoffwechsel und das Sättigungsgefühl gehen. Dazu kommt, dass ich eine Stressesserin bin und dann meist Süßes. Da habe ich jetzt angefangen, den Zucker langsam zu reduzieren. Schokolade habe ich alle weggegeben und nur noch ein bisschen Eis im Haus. Mir hilft es, wenn ich alles abwiege und in einer App, die an Weight-Watschers angelehnt ist, eintrage. So habe ich die Kontrolle. Ich denke, die ersten 4 bis 6 Wochen werden schwer. Cola und Co trinke ich jetzt seit Anfang des Jahres nicht mehr. Das war auch schwer, aber mittlerweile brauche ich das nicht mehr. Da schaffe ich es auch, den Hunger auf Kuchen zu besiegen. Und ich weiß ja, ich mache das nur für mich, für mein neues Leben. (smili)
Violetta-TransFlower hat geschrieben: Mo 20. Jul 2026, 07:54 Es wäre schön, wenn Du uns auch darüber auf dem Laufenden hälst.
Gerade für mich, die noch kurz vor Ihrer HRT steht, sind die Erfahrungen von Anderen diesbzüglich sehr wichtig.
Das mache ich, versprochen. Ich bin doch auch froh, wenn ich helfen kann. Ich trage nun seit 5 Tagen 2 mal am Tag das Gel (jeweils 2 Hübe) estradiol auf und nehme alle 3 Tage eine Vierteltablette Androcur. Jetzt heißt es warten, bis sich erste Veränderungen bemerkbar machen. Für mich ist es eine wahnsinnig spannende Zeit und ich bin froh und dankbar, dass ich so gute Ärzte, Therapeuten und natürlich auch euch habe. (ki)

So, das mal wieder etwas von meinem Leben auf der Überholspur. Ich wünsche euch einen schönen Abend.
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
Liebe Grüße

Sabrina
Violetta-TransFlower
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1571
Registriert: Fr 4. Okt 2024, 14:17
Geschlecht: Frau
Pronomen: Sie !
Wohnort (Name): Ost-Thüringen
Hat sich bedankt: 3285 Mal
Danksagung erhalten: 3703 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Mein Weg zu mir selbst

Post 47 im Thema

Beitrag von Violetta-TransFlower »

Liebe Sabrina, (dr)
Sabrina-Eileen hat geschrieben: Mo 20. Jul 2026, 18:27 und dann ging es zum Geocachen
Ein interessantes Hobby und vor Allem hast Du dann gleich Bewegung, welche immer gut tut.
Sabrina-Eileen hat geschrieben: Mo 20. Jul 2026, 18:27 Umdrehen? Kneifen? Nein, Augen zu und durch. Ich ging zu dem Stromkasten, holte den Petling und begann, meinen Namen in das Logbuch zu schreiben. Da höre ich von hinten ein freundliches "Moin". Ich habe immer wieder geübt, das "Moin" sanfter und weiblicher klingen zu lassen. Also Premiere. Ich drehte mich um, lächelte und sagte "Moin". Das klang, glaube ich, eher wie eine Ziege, die in einen Blecheimer pinkelt als nach einer weiblichen Stimme.
Hihi, die Ziege und das Blech, manches Mal klappt es mit dem Anheben der Stimme nicht ganz so, wie wir uns das vorstelen.
Das geht mir auch oft so.
Aber ich habe mal selbst probiert, Euer Gruß "Moin" eignet sich wunderbar für eine höhere und sanftere Stimmlage, weil keine "harten " Buchstabe darin vorkommen. Ich selbst sage meist "Hallöchen".

Ich finde es auch gut, daß Du nicht zurückweichst vor etwas schwierigeren Situationen.
Solche Dinge lassen Dein Selbstbewußtsein immer weiter wachsen.
Sabrina-Eileen hat geschrieben: Mo 20. Jul 2026, 18:27 Die Suche brach ich aber schnell ab, da in dem Häuschen Schwalben nisten und die wollte ich nicht stören.
Das finde ich total lieb von Dir, ich bin auch eine große Freundin unserer Vogelwelt.
Vor meinem Küchenfenster hängt immer ein großer Meisenknödel, der gerade jetzt, wo schon die zweite Brut flügge geworden ist, stark anflogen wird vom Nachwuchs.
Der Knödel ist schon wieder alle.

Externes Bild, es gelten die Datenschutz- und Nutzungsbestimmungen der ausgewählten Seite.Quelle: https://i.ibb.co/R4dtwSL2/20260715.jpg

Sabrina-Eileen hat geschrieben: Mo 20. Jul 2026, 18:27 Ich denke, die ersten 4 bis 6 Wochen werden schwer.
Ja, das ist so.
Aber nach diesem Zeitraum, es kann auch ein, zwei Wochen länger dauern, hast Du Dein Bedürfnis nach Zucker relativ überwunden.
Sabrina-Eileen hat geschrieben: Mo 20. Jul 2026, 18:27 So, das mal wieder etwas von meinem Leben auf der Überholspur.
Ja, Du hast eine ähnliche Dynamik wie ich am Anfang, vielleicht sogar noch schneller. (yes)
Sabrina-Eileen hat geschrieben: Sa 27. Jun 2026, 17:45 Ich höre gerne Metal und Norwegen ist das Land meines ❤️
Eins interessiert mich in diesem Zusammenhang brennend, vielleicht sowas hier:
(EMPEROR sind aus Norwegen und eine meiner Lieblings Black Metal Bands.)



mag ihre Piepmätze und Metal
Deine Violetta 💜 🌺
🌺 Das Glück 🍀 wohnt wieder in meinem Herzen 💜🙏
Sabrina-Eileen
Beiträge: 22
Registriert: Sa 23. Mai 2026, 19:19
Geschlecht: MzF
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Emden
Hat sich bedankt: 45 Mal
Danksagung erhalten: 176 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Mein Weg zu mir selbst

Post 48 im Thema

Beitrag von Sabrina-Eileen »

Hallo ihr Lieben,

jetzt ist es doch einige Zeit her, dass ich hier berichtet habe und zwischenzeitlich ist doch einiges passiert. Aber irgendwie hatte ich den Kopf nicht frei fürs Schreiben. Heute aber passt es, also fange ich mal an.

Am 22. Juli, einem Mittwoch, stand mein nächster Ausflug an. Ich hatte mir eine rund 7 km lange Geocacherunde bei Neuschoo rausgesucht. Das Wetter war recht windig und bewölkt, aber es sollte trocken bleiben. Also zu Hause bis auf die Perücke soweit zurecht gemacht und das gleiche Prozedere wieder wie bei den beiden anderen male. Dann ging es zum Parkplatz an der Neuapostolischen Kirche und ich lief los. Zunächst längs der Hauptstraße und dann auf die Nebenstraßen. Diese führten an einzelnen Häusern vorbei und ich hangelte mich von Cache zu Cache. Nur der Wind meinte, er müsse meine Haare immer ins Gesicht wehen. An Haarspray hatte ich bis dahin nicht gedacht. :lol:

Dann kam ich an einem Haus vorbei, wo der Mann im Garten fleißig am werkeln war. Und da man ja immer darauf achtet, wer im eigenen Revier so läuft, schaute er zu mir. "Moin" von ihm und mein "Moin" klang heute nicht wie die Ziege von Vorgestern. Mehr Beachtung schenkte er mir dann auch nicht. (yes) Ansonsten fuhren nur ein paar Autos vorbei ohne auf mich zu achten. Nach rund 10.000 Schritten und 17 Geocaches war ich wieder am Auto und fuhr glücklich nach Hause.

An nächsten Tag hatte ich wieder Therapie bei meiner Psychologin. Wir besprachen meine Idee mit dem Brief an meine Nachbarn und ich bekam die Aufgabe, mir einen Kaffee unterwegs zu holen.

Die nächste kleine Geocachetour machte ich dann am Samstag den 25. Juli. Wieder ohne Perücke auf dem Kopf aus dem Haus und dann ging es nach Schweindorf. Hier war eine kleine Runde geplant, die im Ort begann und nach einer Runde durch Wiesen und Felder auch wieder ein Stück durch den Ort führte. Ich parkte bei der Feuerwehr und los ging es. An dem Tag war es recht warm und ich nicht so gut drauf, daher ging es eher gemächlich. In einem Vorgarten arbeiteten 2 Männer und unterhielten sich aber gerade mit einer Frau, die vom Einkaufen kam. Man beachtete mich nicht weiters. Mein Herzschlag ging also wieder in den Normalbereich. Der Radfahrer, der mich überholte, grüße im Vorbeifahren und auch mein "Moin" klingt immer besser, finde ich. (smili) Nach dem 3. Cache setzte ich mich auf eine Bank in die Sonne. Plötzlich kam der Radfahrer wieder angefahren, bleib stehe und fragte, ob ich eine christliche Broschüre möchte. Ich lehnte dankend ab und wünschte ihm ein schönes Wochenende. Ich kann nicht einschätzen, ob er einfach neugierig war, was das für eine große Frau war, die er überholt hatte. Aber egal. Auf der Rund begegneten mir noch mehrere Radfahrer die nicht wirklich Notiz von mir nahmen. Dann aber kam mir eine Frau mit Kinderwagen entgegen und der größere Sohn für mit dem Kettcar vorher. Mein Herz schlug etwas schneller aber das "Hallo" vom Jungen, seiner Mutter und mir passte. Kein intensiver Blick oder dumme Kommentare. Das tat gut. Am Auto angekommen machte ich erst mal die Türen auf zum Durchlüften. Gegenüber von der Feuerwehr war nun ein Mann mit dem Schneiden von Hecken beschäftigt. Ein kurzer Blick, ein Nicken über die Straße und mehr nicht. Ich saß noch rund 10 Minuten im Auto und fuhr dann zufrieden nach Hause.

An dem Nachmittag verfasste ich den Brief an meine Nachbarn. Am Sonntag las ich noch einmal quer und mir gefiel der Text. Also ausgedruckt und in Umschläge gesteckt. Am Montag (27. Juli) war Männertag angesagt und nach dem Einkaufen schmiss ich die 6 Briefe in die Kästen. Bis dato ergaben sich noch keine Begegnungen mit meinen Nachbarn. Außer das Grüßen aus dem Auto heraus. Immerhin kamen sie nicht mit Fackeln und Mistgabeln auf mich zu. :lol:

Am nächsten Tag (28. Juli) wollte ich eine Runde durch den Brockzeteler Wald drehen. Ich machte mich zurecht, hatte zwischenzeitlich auch Haarspray und ging das erste mal seit langem wieder vollständig aus dem Haus. Ein verdammt gutes Gefühl, kann ich euch sagen. Dann fuhr ich Richtung Aurich und parkte beim Combi Popens. Ich beobachtete die Menschen auf dem Parkplatz, dann nahm ich meine Glücksbringer, meine EC-Karte und allen Mut und ging zum Bäcker um mir einen Kaffee zu holen. Erst war auch keiner vor mir. Ich bestellte meinen Kaffee, sagte, dass ich mit Karte zahlen möchte und weder Milch noch Zucker möchte. Nach dem Zahlen stellte ich mich an die Seite um auf den Kaffee zu warten. Und ich denke, die Menschen haben nicht alle verabredet, so eine Art WirstellenSabrinaaufdieProbeFlashmob. :lol: Aber egal, ich musste ja zum Auto. Also Deckel auf den Kaffee und dann im Slalom durch die Menschen, ohne Hektik und Fluchtgedanken. Was für eine Erfahrung. Am Auto hieß es Durchatmen und dann erst einmal auf die Schulterklopfen. So schwer war es ja eigentlich nicht. Die anschließende Geocaherunde war entspannt und außer 3 flüchtigen Begegnungen auch sehr ruhig. Aber irgendwie macht Spazierengehen im stimmigen Erscheinungsbild süchtig. Ach ja, und ich habe für mich entschieden, dass blaue Fingernägel nicht zu mir passen.

Auf Grund verschiedener Termine und der Hitze konnte ich dann erst 2. August wieder aufbrechen. Auch wieder ohne Verstecken aus dem Haus, welch tolles Gefühl. Dann fuhr ich erst nach Westerholt und wollte mir den üblichen Kaffee holen. Beim Lorenz war es um kurz vor 10 sehr voll mit Gästen, die dort frühstückten. Ich stellte mich an, schaute, was es für eine Auswahl an Kaffees gibt und sah mich im Café um. Das war eine Aufgabe aus meiner Therapie. Natürlich schauten die Menschen, aber nur oberflächlich, wie es schien. Dann war ich an der Reihe und ich wurde von einem jungen Mädel so Anfang 20 bedient. "Hallo, was darf es sein?" "Hallo, ich hätte gerne einen großen Kaffee zum mitnehmen." "Sehr gerne. Darf es sonst noch etwas sein?" "Nein danke." "Das macht dann 4,10 EUR, wie möchte Sie zahlen?" "Mit Karte bitte." "Alles klar, kann losgehen." Dann ging ich zur Seite und sie gab mir meinen Kaffee. "Milch, Zucker und Deckel sind da hinten." "Ah ja, vielen Dank." "Sehr gerne und ich wünsche Ihnen noch einen schönen Sonntag." "Danke, den wünsche ich Ihnen auch. Tschüss." "Tschüss." Sie hat bestimmt gemerkt, dass ich trans bin, aber ich wurde mit unendlich viel Empathie und Freundlichkeit bedient. Das tat meiner Seele in dem Moment richtig gut. Dann ging ich zum Auto und bleib noch einen Moment sitzen um das Erlebte zu reflektieren. Dann fuhr ich weiter zum Ogenbarger Wald. Dort angekommen, zog ich die Wanderschuhe an und setzte mich auf die Ladekante des Kofferraumes um den Kaffee zu trinken. Dann kam ein weiteres Auto auf den Parkplatz. Schauen und es stiegen 2 Frauen aus und ein kleiner Junge. "Hallo." "Hallo. Oh, ich denke, du hast das gleiche Ziel wie wir." "Ah, ihr macht auch Geocahen?" "Ja, wir wollen diese Runde laufen." "Ich auch, brauche aber noch etwas. Aber wir sehen uns dann sicher unterwegs." "Ja, bestimmt, dann dir viel Spaß." "Danke, den wünsche ich euch auch." So viel Kommunikation hatte ich schon lange nicht mehr. Als dann die eine Frau die andere mit "Schatz" ansprach, wusste ich, dass ich mich bei den beiden nicht verstellen muss. Ich hatte am Anfang einen Abstecher gemacht zu einem anderen Cache und hatte die 3 erst kurz vor dem letzten Cache eingeholt, als sie schon von diesem zurückkamen. Es gab noch ein wenig Smalltalk und nach knapp 7 km war ich dann erschöpft aber glücklich wieder am Auto. (smili)

Ich merke, wie es mir psychisch einfach gut geht, wenn ich in meinem äußeren Erscheinungsbild meinem Inneren entspreche. So langsam erobere ich mir meine Welt. Ich bin euch so unendlich dankbar, dass ihr mir Mut gemacht habt. Meine Hausärztin meinte am Dienstag, ich solle doch gerne als Sabrina kommen. Ich sagte ihr, dass ich das sowieso geplant hatte und sie schrieb dann Sabrina-Eileen auch in die Akte. (he)

Eigentlich wollte ich gestern wieder raus, aber morgen kommen die ersten Interessenten zur Besichtigung des Hauses. Da muss ich noch einmal alles vorbereiten. Als ich heute dann die Kosmetik, die Perücken und alles wegräumte, kam es mir ein Stück weit wie Verrat vor. Aber ich weiß, dass es sein muss. Samstag habe ich Zeit und mir schon wieder eine kleine Runde ausgesucht, inklusive Kaffee. :lol: Und am Sonntag kommt meine beste Freundin zum Frühstück. Dann will ich ihr Sabrina vorstellen, allerdings erst nur auf Bildern. Sicher ich sicher.

Die Hormone nehme ich jetzt seit gut 3 Wochen und ich denke, dass ich langsam an Kraft verliere und auch eher mal friere. Das kannte ich so noch nicht. Auch da bin ich gespannt, wie es weitergeht.

So, das war mal die Zusammenfassung der letzten Tage. Wie immer, vielen Dank fürs Lesen. (moin)
Liebe Grüße

Sabrina
Sabrina-Eileen
Beiträge: 22
Registriert: Sa 23. Mai 2026, 19:19
Geschlecht: MzF
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Emden
Hat sich bedankt: 45 Mal
Danksagung erhalten: 176 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Mein Weg zu mir selbst

Post 49 im Thema

Beitrag von Sabrina-Eileen »

Hallo ihr Lieben. (moin)

Jetzt ist es doch tatsächlich über einen her, dass ich hier meinen Fortschritt aufgeschrieben habe. Asche auf mein Haupt, aber es haben sich in den letzten Wochen doch sehr viele Dinge ereignet. Aber mal immer schön der Reihe nach. Es kann übrigens länger werden, also wer mag, lieber noch mal schnell einen (cof) geholt. (smili)

Am 7. August standen also die ersten Besichtigungen an. Also fegte ich im Männermodus so gegen 11 Uhr einmal durch den Hof. Meine Nachbarin von nebenan fuhr los und winkte mir zu und lachte. Oh, da sind wieder ein paar Steine heruntergefallen, habe ich meine Nachbarn ja nicht wirklich gesehen, nach dem ich die Briefe eingeworfen hatte. Kurze Zeit später fuhr meine Nachbarin von Gegenüber mit der großen Tochter los und auch hier ein Lachen und Winken. Ach wie schön, sie sind mir nicht böse. (smili) Später fand ich dann im Briefkasten von meiner Nachbarin von nebenan eine Karte, die an Sabrina gerichtet war und sie mir mitteilte, dass sie mich für meinen Mut bewundern und ich immer gerne zum Quatschen rüberkommen kann. Da habe ich mich wirklich riesig gefreut.

Am Nachmittag und am frühen Abend kamen dann die ersten Interessenten für das Haus. Mein Makler war vorher schon da und dann ging es los. Beide machten einen guten Eindruck. Aber es wollten ja noch welche kommen. So endete der Freitag doch sehr zufrieden.

Am Samstag den 8. August ging es dann wieder in den Egelser Wald für eine weitere Geocache-Runde. Also zu Hause fertig machen, inklusive Perücke, raus aus dem Haus, rein ins Auto. In Upgant ging es schnell in den Combi. Die haben zwar Selbstscan-Kassen, aber es war nicht viel los und so stellte ich mich an der normalen Kasse an. Dann lief es alles normal, "Moin", Kundenkarte, Bezahlen und "Tschüss". Mein erster Einkauf im Supermarkt war damit geschafft und das sogar ohne Angst. Beim Bäcker holte ich Aufbackbrötchen für das Frühstück am Sonntag und meinen obligatorischen Kaffee. Auch hier lief es völlig normal. So fuhr ich beschwingt nach Egels und machte mich auf den Weg durch den Wald. Die wenigen Begegnungen hier verliefen völlig unspektakulär. Ich hatte das Gefühl, ich komme immer mehr in meinem Leben an. (he)

Am Sonntag kam dann meine beste Freundin zum Frühstück oder eher zum Brunch. Wir fingen an, unterhielten und über Gott und die Welt und Lachten auch viel. Dann räumte ich den Tisch ab und ich sagte ihr, dass ich etwas mit ihr besprechen möchte. Ich erzählte von meinen Zweifeln, dass meine Depressionen nur von der Arbeit herrührten und dass ich Ostern einen Geistesblitz hatte. Dann erzählte ich ihr von mir, also Sabrina, und sie hörte aufmerksam zu. Dann meinte sie, dass sie sich so etwas gedacht habe, da ich mich manchmal weiblich verhalten würde. Sie wollte mir aber nicht sagen, was sie meinte, da ich es sonst vielleicht absichtlich machen würde und mein Verhalten dann nicht mehr natürlich sei. Das leuchtete mir ein. Und sie meinte nur, dann habe sie jetzt eben eine beste Freundin und keinen besten Freund mehr. (he) Wir unterhielten und sehr lange und ich gab ihr dann meine Lebensgeschichte mit, die ich hier aufgeschrieben hatte und nun 16 Seiten umfasst. ))):s

Am Montag stand erst um 08:30 Uhr die Lymphdrainage an, dann die nächste Besichtigung an. Da diese erst gegen Mittag stattfand, blieb ich in meiner Verkleidung. Außerdem musste mein Auto zur Inspektion nach Aurich. Am Dienstag war um 10 Uhr die nächste Besichtigung und am Nachmittag konnte ich mein Auto wieder abholen. Mittwoch kamen die nächsten Interessenten, auch wieder erst gegen Mittag. Also war weiterhin der Verkleidungsmodus angesagt. Das hat wirklich genervt. Am Donnerstag um 08:00 Uhr war wieder Lymphdrainage angesagt, um 13:00 Uhr Psychotherapie und um 17:30 Uhr die zunächst letzte Besichtigung. Also auch wieder keine Zeit für mich. Ich merkte, wie mich diese Männerwoche psychisch langsam nach unten zog. Am Freitag war es nur am Regnen, so dass ich zwar nicht draußen war, aber ich mich wieder zu Hause in meinen Wohlfühlklamotten bewegen konnte. Und ich fing an, meine Lebensgeschichte aufzuschreiben. Hier liegt ja der Schwerpunkt auf mir, Sabrina, aber in den 52 Jahren ist ja so viel mehr passiert. Mir hilft das Schreiben aber auch zur Selbstreflektion sehr.

Am Samstag besuchte ich einen guten Freund in Norddeich an seiner Arbeit. Das mache ich öfter und ich wollte ihm von mir erzählen. Also war ja wieder Verkleidung angesagt. Es war aber den Vormittag sehr viel Unruhe und ich fand keine Möglichkeit, in Ruhe mit ihm zu sprechen. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben. (yes)

Den Sonntag ging es dann für mich nach Dornum zum, was auch sonst, Geocachen. Vorher fuhr ich aber hier in Norden beim Bäcker Lorenz im Combi vorbei. Hier ist sonntags immer viel los, da wir hier ja viele Touristen haben. Ich wollte mich dem bewusst stellen. Es waren etwa 8 Leute vor mir und es zog sich recht lang hin. Ich schaute mich um, betrachtete die Menschen und merkte, dass mache zwar schauten, aber niemand stierte. Dann war ich an der Reihe und ich bestellte meinen Kaffee. Die Stimme war irgendwie eingefroren, obwohl wir mehr als 20 Grad hatten. Aber da muss ich durch. Den Kaffee bezahlt, Deckel geholt, an der langen Schlange entspannt vorbei und zum Auto. Das klappt also auch. (smili) In Dornum ging es dann quer durch den Ort und da Ferienzeit war, traf ich viele Touristen am Wasserschloss. Aber jeder war mit sich selbst beschäftigt. So gewinne ich langsam an Sicherheit.

Am Montag war, wie jeden Montag, um 08:30 Uhr Lymphdrainage angesagt. Wie immer, verkleidet. Dann ging es in die Stadt, weil ich um 11:00 Uhr noch einen Kontrolltermin hatte. Den Nachmittag lief dann nicht mehr viel.

Am Dienstag war das Wetter trocken und ich machte mich zurecht. Dann ging es nach Neßmersiel. Vom Parkplatz bin ich dann etwa 1,5 km Richtung Hafen und Geocache gelaufen. Dabei wehte der Wind schön durch die Haare. Mittlerweile genieße ich das meist. (smili) Dann ging es gemütlich zurück zum Auto und ich fuhr anschließend nach Hage zum Lidl. Dort kennt man mich nicht und ich erledigte meinen Wocheneinkauf. Auch hier nur einmal schauen, dann aber geht jeder weiter. An der Kasse war ich eine Kundin wie viele andere auch. Das war wieder so ein tolles Gefühl und mein Leben wird stückchenweise selbstverständlich.

Am Mittwoch ging es nach Moordorf zum Lasern der Barthaare. Vorher traf ich mich mit meiner Freundin beim Buchholz zum (cof) (cof) . Zum Lasern war ich verkleidet unterwegs. Aber mein Zettel für den nächsten lautete dann auf Sabrina. (he) Anschließend fuhr ich zu einer abseits gelegenen Windmühle und schminkte mich dort. Im Auto ist das echt eine Herausforderung. Aber Frau wächst ja mit ihren Aufgaben. :lol: Danach ging es nach Aurich. Ich parkte bei der Sparkassen-Arena und lief dann durch die Gymnasiasten in die Fußgängerzone zum Zweithaarwerk. Hier wollte ich mich für eine neue Perücke beraten lassen. Der Termin war klasse, kein Verstellen, kein Rechtfertigen, einfach als normale Kundin beraten worden. Leider war nichts passendes dabei, aber die Chefin wollte mir einige Modelle zur Auswahl bestellen. Vergnügt ging es zum Auto und nach Hause. Mein Bewegungsradius wird langsam immer größer. (smili)

Am 20. August war dann um 08:00 Uhr wieder Lymphdrainage im Verkleidungsmodus. Zu Hause legte ich diese Verkleidung dann ab und ich war um 13 Uhr zur Psychotherapie wieder ich selbst. So ging der Nachmittag wenig spektakulär rum. Abend rief mich dann mein Makler, der mittlerweile auch ein guter Freund geworden ist. Wir besprachen die für das Haus abgegebenen Gebote. Er stellte es mir frei, dass ich die Anzeige noch einmal wieder reinsetze oder dass ich das Angebot des Höchstbietenden annehmen kann. Da das Haus für meine Pläne, nach Norwegen zu ziehen, eher hinderlich ist, sagte ich zu, dass ich das Angebot annehme, zumal ich da auch keine Möbel verkaufen muss. So fügte ich ein weiteres Puzzleteil an die richtige Position.

Am Freitag hatte ich dann einen Termin zur Fußpflege. Also wieder rein in die Verkleidung. Aber auch hier wollte ich mich nicht mehr verstecken müssen, und so erzählte ich Wiebke von Sabrina. Ihre Reaktion fiel, wie erwartet aus und ich kann die nächsten Termin so kommen, wie ich bin. (smili) Also wieder ein regelmäßiger Termin weniger, wo ich mich verstecken muss.

Am Samstag war ich dann mit meiner lieben Freundin zum Geocachen verabredet. So lernte sie mich dann auch in natura kennen. Natürlich ging es erst zum Bäcker und dann südlich von Aurich. Es war ein lustiger Tag mit vielen tollen Gesprächen und wir haben viel gelacht. So lebe ich meinen Alltag, ohne Verstecken und Rechtfertigung. Dafür danke ich ihr. (ki)

Am Sonntag, 23. August, ging es wieder nach Norddeich zu meinem guten Freund. Hier lief es wesentlich ruhiger und ich erzählte ihm von mir, Sabrina, und wie lange es schon geht. Auch hier absolutes Verständnis, wie ich es erwartet hatte. Das hat auch einen familiären Hintergrund, den ich aber hier nicht weiter erläutern möchte. Jedenfalls tat mir das auch wieder richtig gut, und meine Psyche atmet immer mehr auf. (smili)

Am Montag ging es in Verkleidung zunächst um 08:30 Uhr zur Lymphdrainage und anschließend nach Aurich zur DEKRA. Dort musste ich mein Leasing-Auto abgeben. Da ich noch Zeit hatte, ging ich Richtung Egels, wo mich meine Freundin dann nach Ihrem Feierabend aufgabelte. Sie fuhr mich nach Rechtsupweg, wo ich mein Übergangsauto abholen konnte.

Am 25. August stand dann wieder mein Wocheneinkauf auf dem Programm. Also ging es hier nach Norden zum Lidl, der rund 600 m entfernt ist. Auch hier war das Einkaufen völlig normal, auch an der Kasse. Ich nutzte extra nicht die Selbstscankasse. Da ich den Einkauf für gut befunden hatte, muss ich nicht mehr nach Hage fahren, sondern kann meinen Alltag wie bisher gestalten.

Nach dem Einkaufen fuhr ich für ein wenig Geocaching nach Eversmeer. Ich wollte mich ja auch an das kleine Auto gewöhnen. Ich hatte eigentlich mit mehr Touristen gerechnet, war am Ewigen Meer aber alleine. Zwischendrin kam der Entwurf des Kaufvertrages und ich stimmte noch schnell einen Termin zur Vertragsunterzeichnung ab, so dass sich auch hier langsam alles fügt.

Den Nachmittag habe ich dann mit dem Packen der ersten Umzugskartons verbracht und das ist auch ein tolles Gefühl, bringt es mich doch näher nach NORGE. (he)

Am Mittwoch stand zunächst Rasenmähen auf dem Plan. Das erste mal mit langen Haaren. Aber wenn, dann auch richtig. :lol: Und die nächsten Umzugskisten sind auch gefüllt.

Am 27. August hatte ich um 08:00 Uhr wieder Lymphdrainage. Also wieder in Verkleidung hin. Aber ich bat anschließend die Schwester um ein Gespräch unter 4 Augen. Nach dem ich durch war, setzte ich mich noch kurz ins Wartezimmer und nach ein paar Minuten holte sie mich. Wir gingen in einen Behandlungsraum und ich erzählte ihr in kurzen Worten von mir. Sie hörte aufmerksam zu. Dann zeigte ich ihr Bilder und sie meinte, ich sollte bitte so kommen, wie es mir gut geht. Das war klasse. Und auf die Frage, wie sie mich dann anreden solle, sagte ich nur "Sabrina". Damit war das geklärt und wir gingen zum "Du" über. Sie wollte es nur dem Arzt und ihren Kolleginnen erzählen und das ist ja selbstverständlich. So war der nächste Verkleidungstermin weggefallen. Für mich eine große Erleichterung. (smili) Für die Therapiestunde, die online stattfindet, habe ich mich dann wieder in mich selbst zurückverwandelt. Das ist eine richtige Befreiung. Nach dem Termin habe ich dann wieder weiter sortiert und Kisten gepackt.

Freitag und Samstag war das Wetter bescheiden und ich habe mich nur mit dem Sortieren und Packen befasst. Das kann ich auch für mich annehmen, dass ich mich nicht schminke und die Perücke aufsetze. Da hat mir meine Psychologin sehr geholfen, das für mich anzuerkennen.

Da am 30. August das Wetter wieder trocken sein sollte, ging es gegen 09:00 Uhr nach Esens. Natürlich zum Dosensuchen, auch Geocachen genannt. Hier war es dann deutlich voller, als in Dornum. Aber außer kurz schauen ist nichts passiert. Nur ein alter Hund wollte unbedingt gestreichelt werden und sein Herrchen war ein netter älterer Mann. Eine normale Begegnung. (smili) Den Sonntag lief dann nachmittags nichts mehr, aber ich schminkte mich nicht ab und ließ auch die Perücke auf. Das passt einfach.

Am 31. August ging es dann nach Aurich. Die bestellten Perücken waren da und ich hatte für 12 Uhr einen Termin vereinbart. Wieder bei der Sparkassen-Arena geparkt und wie selbstverständlich in die Fußgängerzone gegangen. Das ist für mich mittlerweile ein normales Leben. Die Beratung war klasse und mir gefiel ein Modell sehr gut. Ich sehe etwas anders aus, aber das ist ja normal. Nach einer Stunde, wobei wir mehr geplaudert haben als dass es sich um die Perücken drehte, ging ich zum Auto und machte auf dem Weg nach Hause in Upgant beim Lidl noch meinen Wocheneinkauf. Das ist für mich mittlerweile normal.

Am 1. September war dann die nächste Premiere. Ich fuhr um kurz nach 7 zu meiner Hausärztin. Vor Ort holte ich mir beim Lorenz noch einen Kaffee und fuhr dann zur Praxis. Dort schaute sie Mitarbeiterin erst noch einmal, dann wusste sie, wer ich bin und lächelte. Also alles völlig unspektakulär. Auch für meine Hausärztin, die mir sogar noch Komplimente machte und mir das Versprechen abrang, dass ich jetzt aber immer so komme, da sie sich sonst nicht an Sabrina gewöhnen kann. Da ich sowieso nicht vor habe, dort noch einmal verkleidet aufzutauchen, was das Versprechen sehr gerne gegeben.

Nach dem Termin ging es nach Hause und dann packte ich weiter meine Sachen, die mit nach Norwegen sollen. Dazu dann auch Dinge für meine Eltern und meine Schwester.

Am Mittwoch war wieder ein Nurinnerlichabertrotzdemstimmigsabrinatag. Ich packte die Sachen in Auto, die für meine Eltern und meine Schwester bestimmt waren. Dann packte ich meine Klamotten ein. Dazu dann die Sachen für die Verkleidung. In der kommenden Nacht wollte ich zu meinen Eltern fahren und da wollte ich nicht gleich in meiner richtigen Identität aufkreuzen.

Ich ging recht früh ins Bett, war aber etwas unruhig und stand um 01:30 Uhr auf. Um kurz nach 2 fuhr ich dann Richtung Sauerland. Unterwegs konnte ich mir noch einen (cof) holen und war viel zu früh in Lüdenscheid. Dort konnte ich dann erst ein wenig rumlaufen und noch einen Geocache loggen. Dann fuhr ich weiter nach Hüinghausen und konnte dort Fotos für den Earthcache machen und mir die Eisenbahnfahrzeuge anschauen, die dort in freien vor sich hinrosteten. Mittlerweile war es kurz vor halb 8 und ich schrieb meine Mutter an, ob sie schon aufgestanden ist. Als das "Ja klar" kam, fuhr ich schnell zum Bäcker und dann zu meinen Eltern.

Es dauerte dann noch etwas, bis wir frühstücken konnten. Meine Schwester hatte auch Zeit dafür und ich sie alle zusammen. Dann wurde erst der Tisch abgeräumt, die Eierfrau kam, ich bekam noch eine blöde E-Mail von meinem Arbeitgeber, die ich noch beantworten musste und ich wurde immer unruhiger. :roll: Doch dann hatten endlich alle alles erledigt und wir konnten reden. Zunächst ging es meinen Eltern noch um den Hausschlüssel und meine Patientenverfügung. Oh man, diese Themen tangierten mich in diesem Moment peripher. :lol: Und dann konnte ich erzählen, von meiner Erkenntnis Ostern, von meinem Brief an sie von 2014, von meinem Leiden und meiner Befreiung, von den Hormonen und den geplanten Änderungen von Namen und Geschlechtseintrag. Sie hörten aufmerksam zu und ich wurde immer ruhiger mit jedem Wort. Dann wartete ich auf die Reaktionen. Ich konnte mein Hotelzimmer zum Glück bis 18:00 Uhr kostenfrei stornieren. :wink: Aber das brauchte es nicht. Sie sagten, dass ich so leben soll, wie ich denke, dass es für mich richtig ist. Die wichtigsten Menschen in meinem Leben begleiten mich auf meinem Weg. (he) (he) (he) Dafür vielen Dank. Wir redeten natürlich viel. Und ich merkte, dass sie natürlich Zeit brauchen, insbesondere mein Vater. Er meinte nämlich, dass es da Nachbar gebe, die komisch reagieren werden. Für mich war es aber eher seine Angst, mit der Situation überfordert zu sein. Das kann ich in seinem Alter von 77 Jahren auch sehr gut verstehen. Ich habe meinen Eltern und meiner Schwester dann noch die 16 Seiten meiner Lebensgeschichte gegeben.

Gegen 12:30 Uhr fuhr ich zu einem Wanderparkplatz, da ich um 13:00 Uhr wieder meinen Onlinetermin mit meiner Psychologin hatte. Wir besprachen die Situation und auch mein Gefühl bezüglich meines Vaters. Dann sagte sie, dass ich ja immer Sabrina bin, egal wie es äußerlich wirkt. Und sie kann verstehen, dass ich meinen Eltern Zeit geben möchte.

Nach dem Termin fuhr ich ins Hotel, checkte ein und anschließend ging es noch in den Baumarkt und kurz in den Lidl. Dann ging es wieder zu meinen Eltern und wir redeten noch viel. Am Freitag hat meine Schwester dann meinem Patenkind erzählt, dass sie nun eine Tante und keinen Onkel mehr hat. Auch sie hat mit ihren 15 Jahren richtig klasse reagiert. (he) Es kam nur die Fragen, ob sie Sabrina sagen soll oder doch Tante Sabrina. Da ich den Onkel schon nicht leiden konnte, gilt das für die Tante erst recht. Bis Sonntag probierten meine Eltern, immer wieder auch Sabrina zu sagen, wobei dies natürlich schwer fällt, wenn ich verkleidet gegenübersaß. Aber so ging es am Sonntagmittag dann zufrieden nach Hause.

Am 7. September hatte ich dann um 08:30 Uhr meinen Lymphdrainage-Termin. Als ich in die Praxis kam, war ich doch etwas aufgeregt, aber die Begrüßung war herzlich und Johanna sagte, ich können gleich in meine Kabine gehen. (smili) Auch hier alles normal. Dann schloss sie das Gerät an und machte mir erst einmal ein Kompliment. Und sie gab mir noch einen Tipp für den Lidstrich. Frauen halt. :lol: Nach der Massage fuhr ich zum Combi, besorgte dort eine Kleinigkeit und ging dann nebenan in den DM, da ich noch Mascara und Nagellack brauchte. In beiden Geschäften lief es normal. (smili)

Gestern morgen stand wieder der Wocheneinkauf auf dem Programm und auch das lief hier in Norden im Lidl total unauffällig. Wobei ich gestern die Selbstscankasse nutzte, da mir die Schlange einfach zu lang war. :lol: Parallel packe ich jeden Tag weiter, sortiere, verschenke und entsorge.

Heute Morgen habe ich beim Standesamt für den 16. September einen Termin vereinbart zur Abgabe der Erklärung zur Änderung des Geschlechtseintrages und der Vornamen. Dann geht es zu meinem Geburtsstandesamt und wenn alles normal läuft, habe ich Ende des Monats meine neue Geburtsurkunde. Dann kommt noch einmal der ganze Behördenmarathon und auch das unvermeidliche Outing beim Arbeitgeber. Aber da ich momentan weiterhin arbeitsunfähig erkrankt bin, ist das auch kein Drama.

Mein Leben verläuft also völlig unaufgeregt und ich bin euch so dankbar, dass ihr mir Mut gemacht habt, nicht bis Norwegen zu warten. Mir geht es psychisch viel besser, ich habe wieder mehr Freude und auch das Abnehmen klappt. Dafür nochmals vielen lieben Dank. (ki)

Noch etwas zu den Hormonen:

Das Gel trage ich jetzt seit 8 Wochen 2x täglich auf. Die Empfindlichkeit in den Brustwarzen ist deutlich erhöht und auch die Druckempfindlichkeit. Ob Brustwachstum eingesetzt hat, kann ich nicht sagen, da die Brüste vorher ja auch durch das Übergewicht vergrößert waren. Ich meine, meine Haut wird etwas weicher, aber an der Körperbehaarung ändert sich noch nichts. Was mir auffällt ist, dass ich nachts mindestens einmal auf Toilette muss und ich oftmals schweißgebadet aufwache und dann friere. Gefühlsschwankungen oder pubertäre Phasen sind noch nicht aufgetreten. Am 19. Oktober habe ich meinen nächsten Termin im Urologicum Osnabrück und ich bin auf die Blutwerte gespannt.

So, ihr Lieben, vielen Dank, wenn ihr es bis hierher geschafft habt. Ihr gewinnt für diese Leistung leider nichts. (ki) Aber ich hoffe, ich habe euch nicht gelangweilt. Ansonsten bitte immer druff. :D

Ganz liebe Grüße )))(:
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
Liebe Grüße

Sabrina
Lana
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1797
Registriert: Fr 8. Jan 2021, 01:29
Pronomen: sie
Hat sich bedankt: 975 Mal
Danksagung erhalten: 1532 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Mein Weg zu mir selbst

Post 50 im Thema

Beitrag von Lana »

Liebe Sabrina,

Sabrina-Eileen hat geschrieben: Mi 9. Sep 2026, 18:36 Ich hatte das Gefühl, ich komme immer mehr in meinem Leben an.
Sabrina-Eileen hat geschrieben: Mi 9. Sep 2026, 18:36 Und sie meinte nur, dann habe sie jetzt eben eine beste Freundin und keinen besten Freund mehr.
Sabrina-Eileen hat geschrieben: Mi 9. Sep 2026, 18:36 So gewinne ich langsam an Sicherheit.
Sabrina-Eileen hat geschrieben: Mi 9. Sep 2026, 18:36 Das war wieder so ein tolles Gefühl und mein Leben wird stückchenweise selbstverständlich.
Sabrina-Eileen hat geschrieben: Mi 9. Sep 2026, 18:36 Mein Bewegungsradius wird langsam immer größer.
Sabrina-Eileen hat geschrieben: Mi 9. Sep 2026, 18:36 Ihre Reaktion fiel, wie erwartet aus und ich kann die nächsten Termin so kommen, wie ich bin. Also wieder ein regelmäßiger Termin weniger, wo ich mich verstecken muss.
Sabrina-Eileen hat geschrieben: Mi 9. Sep 2026, 18:36 Für die Therapiestunde, die online stattfindet, habe ich mich dann wieder in mich selbst zurückverwandelt.
Sabrina-Eileen hat geschrieben: Mi 9. Sep 2026, 18:36...
wenn ich dich so lese, dann wundere ich mich fast ein bisschen, dass all das nicht schon längst passiert ist.

"Verkleidet" finde ich übrigens eine sehr gute Umschreibung :lol:
Sabrina-Eileen hat geschrieben: Mi 9. Sep 2026, 18:36 Das kann ich auch für mich annehmen, dass ich mich nicht schminke und die Perücke aufsetze. Da hat mir meine Psychologin sehr geholfen, das für mich anzuerkennen.
Das finde ich ganz wichtig - alles kann, nichts muss!
Bloß nicht krampfhaft Dinge machen, nur weil man das angeblich so machen muss. Du bist Sabrina, egal ob mit und ohne Perücke oder Schminke.

Manchmal besteht die Gefahr, dass wir vergessen, wer wir wirklich sind und dann Ersatzhandlungen vornehmen, um uns unserer selbst zu versichern, um uns selbst bewusst zu machen, wer wir eigentlich sind. Das kenne ich, und es gibt Phasen, da brauche ich es auch. Ein schönes, stimmiges Außenbild, das mich so zeigt wie ich bin. Und dann gibt es Tage, da ist es völlig egal, wie ich aussehe, weil ich mit mir im Gleichgewicht bin und das spüren kann, sogar ohne besonders darauf zu achten.

Zum Kistenpacken und zu deinem bevorstehenden Umzug schreibe ich jetzt mal nichts - ich habe gerade ähnliches hinter mich gebracht, nur in die entgegen gesetzte Richtung, und kann sehr gut mitfühlen. Ich wünsche dir auf alle Fälle, dass es reibungslos verläuft und du weiterhin guter Dinge bleibst.

LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
Blaise Pascal
Antworten

Zurück zu „(Eigene) Berichte und Geschichten“