Daniela04 hat geschrieben: Fr 28. Aug 2026, 18:44
Ich bin mittlerweile 71 und habe in meinem Leben weiss Gott wieviele "Fehlentscheidungen" getroffen. Was nützt mich das Lamentieren um Fehler? (...) Überlege nun was kommen soll/muss und wie Du es anpackst, hab auch Geduld (wegen dem Zustand Deiner Frau) und lass die Vergangenheit ruhen. Ich weiss, es ist einfach gesagt, ich bin aber durch, auch wenn es sehr hart war (Trennung/Scheidung/Tod des Vaters).
Und noch eins: Vergiss was "normal" ist. Wir alle sind normal, weichen aber von einigen gesellschafltichen Normen ab: Ich arbeite daran, dass die Akzeptanz unsereins erhöht wird.
Danke für deine Worte. Ich muss ja sagen, ich bin froh, dass es einige sehr lebenserfahrene Menschen gibt. Ich finde davon kann man immer sehr gut profitieren. Mit Anfang 40 stehe ich zwar (hoffentlich) auch bereits in der Mitte, aber ich habe potentiell noch Zeit auf die ich hoffen darf, so schwer wie mir das Zur Zeit auch fällt.
Und bezüglich "normal".. So negativ wie es wahrscheinlich rüber kam, dass ich mich als nicht "normal" empfinde ist es gar nicht gemeint. Ich habe zwar oft versucht in das erwartete Rollenbild zu passen, aber ich war nie so wie die Meisten in meiner Umgebung, immer irgendwie freakig und es gab auch Zeiten wo ich das total gefeiert habe, kein biersaufender Schützenvereinsmensch zu sein, der zu Ballermannschlagern gröhlt und den Garten seines Reihenhauses pflegt.
Ich will wieder lernen mich für meine Individualität zu feiern.
Ich finde es gut, dass du für die Akzeptanz von Menschen unseres Schlages aktiv bist. Ich kann mir perspektivisch durchaus auch vorstellen sowas zu tun, wenn ich mal soweit sein sollte.
Knäckebrötchen hat geschrieben: Fr 28. Aug 2026, 21:18
(...) da hängt echt eine Menge im Raum. Ja, es ist nicht ungewöhnlich, Neurodivergenz und trans* in einem Satz zu hören. Ein "muss" ist es aber nicht. Ich denke, Du tust wirklich gut daran, dich da therapeutisch begleiten zu lassen. Und in diesem Zusammenhang deine Suche nach weiteren Antworten zu thematisieren sollte gut möglich sein. Zumindest wirst Du erstmal keinen geschützteren Rahmen finden - und hoffentlich auch einen kompetenten, hilfreichen Raum.
Ja, das tut es. Dass Neurodivergenz mit trans* einhergehen kann, weiß ich auch erst seit Kurzem, das möchte ich aber auch gar nicht überbewerten. Für mich ist es auch nur eine Erklärung für einige Probleme und keine Ausrede.. Aber zum Glück kriege ich jetzt Hilfe für Probleme, die ich mir nie erklären konnte. Ich hoffe, ich finde im nächsten Termin den Mut mich zu öffen.
Knäckebrötchen hat geschrieben: Fr 28. Aug 2026, 21:18
(...) mir war nicht klar, wie weit Du schon "cross" unterwegs bist. Aber das klingt ja schon nach relativ viel. Wobei eine Körperpflege gar nicht mal so unmännlich ist, aber Parfum und Leggins...anyways, tragen kannst Du sowieso was Du möchtest, das soll bitte keine Kritik sein. Ist halt nur schon recht deutlich keine typisch-männliche Präsentation.
Naja, es klingt vielleicht nach mehr, als es ist. Ich trage jetzt keine fancy Leggings zu Hause, sondern einfach welche in Schwarz. Ich bin über Laufleggings dazu gekommen, finde die mega bequem und ich gehe auch gerne laufen, weil man da auch unbehelligt als Mann Leggings tragen darf. Ich hole immer welche, die als unisex ausgewiesen sind, sehen nicht anders aus, als die für Damen. Und weil ich die so toll finde, hab ich irgendwann gegenüber meiner Frau geklagt, dass ich es unfair finde, dass es Frauen vorbehalten ist, sie zu tragen und ich wenigstens zu Hause auch gerne sowas anziehen würde. Sie meinte ganz trocken: "Mach doch." Einen Tag später hatte ich welche im Schrank und an den Beinen. Und im Winter sind es dann Thermostrumpfhosen: Argument ich friere schnell, seit ich so abgenommen habe und die für Männer sind unverhältnismäßig teurer. Aussage Sie: "Mach doch." Gesagt getan.
Das Enthaaren mag sie eigentlich nicht so sehr, sie akzeptiert es aber und sie meinte mal, ich hätte meine Brauen besser im Griff als sie. Sie sagt dann schon mal, ich wäre irgendwie komisch, aber das wäre ich ja schon immer gewesen und es sei ihr dann ja doch lieber, dass ich mich übertrieben pflege, als mit jemandem zusammen zu sein, der es mit der Körperpflege nicht so genau nimmt.
Bei Deo und Parfum ist es eher dezent wir haben so Creme Deos, die wir immer bestellen, da nehme ich immer Damendüfte, da hatte ich auch noch keine Diskussionen, ich sage immer, dass mir der Duft halt gut gefällt. Richtiges Damenparfum trage ich nur, wenn ich nicht zu Hause bin, habe welches, dass nicht so intensiv riecht, eher frisch und das auch nicht so lange hält, dadurch fällt es nicht so sehr auf, reicht aber für mein Gefühl. Ich schminke mich auch dezent, ist auch heimlich, fällt aber nicht sehr auf, da es nur BB-Tagescreme in passendem Ton und Concealer für die Augenringe ist und Gel-Maskara und nen farbiger Lippenbalsam, der aber auch sehr nah an meiner natürlichen Lippenfarbe ist. Das ist alles mehr für mein Gefühl, als wirklich feminin, mich hat noch nie jemand drauf angesprochen... Ich taste mich halt vorsichtig vor, das draußen geschminkt sein ist noch recht neu. Kleidungsmäßig bin ich möglichst unisex unterwegs, enge Jeans, eher körperbetonte T-Shirts und Tanktops, aber aus der Männerabteilung..
Was richtige Männerkleidung angeht: Ich hasse Hemden, Anzüge und Poloshirts, schon immer, ziehe ich nur unter Protest an und ich fühle mich darin widerlich und da können mir die Leute tausend mal sagen wie toll mir das steht. Ich sage immer scherzhaft, aber trotzdem ernstgemeint, dass ich lieber ein Abendkleid anziehen würde, als so einen hässlichen Anzug und lamentiere darüber, wie sich sowas hässliches durchsetzen konnte und dass die Welt an Anzugträgern zugrunde geht... Ui, ich schreibe mich in Rage... Also bye the way: Ich mag übrigens keine Anzüge
Die Damenkleidung und "richtige" Schminke ist versteckt und wird nur zu den raren Gelegenheiten verwendet, die sich mir bieten. Aber wenn ich die dann habe, nutze ich sie aus dem Affekt und fühle ich mich immer sehr wohl und bedaure, dass ich nicht immer so sein darf und niemand mich sieht, wie ich mich gut und frei fühle.
So viel dazu, wie "cross" ich aktuell bin. Wenn es nicht so viele Hindernisse gäbe, wäre ich weitaus "crosser" richtig knackig und knusprig
Liebe Grüße
Alessia