HeikeCD hat geschrieben: So 15. Mär 2026, 17:16
Michi hat geschrieben: So 15. Mär 2026, 17:02
Ja genau. Warum machst du das? Warum kommst du direkt mit der pauschalen Unterstellung um die Ecke, dass man alle Heilverfahren, die auf Stoffen aus der Natur basieren, generell verneinen würde, nur weil man wissenschaftlich belegte Kritik an Homöopathie äußert?
Der Satz war schwarz hervorgehoben, daher.
Ich beziehe mich auch auf die Kräuterheilkunde weswegen im Mittelalter Frauen als Hexen verbrannt wurden, teils aus Aberglaube, teils von der Kirche initiiert.
Kräuterheilkunde und Homöopathie (und Bachblüten und Schüsslersalze(1)) sind schon vom Ansatz her vollkommen verschiedene Dinge.
Wenn diese Methoden in ordentlichen, doppelt verblindeten Studien getestet werden, ob sie
durch ihre Substanzen heilen, zeigt sich bei einigen Kräutern eine pharmakologische Wirkung, die dann auch biochemisch aufgeklärt werden kann. Sprich: Wenn klar ist, dass hier was wirkt, kann auch isoliert werden, welche/r Stoff/e genau und warum und wie.
Berühmte Beispiele: Weidenrinde und_oder der Saft der Spierstaude. Fiebersenkend, schmerzlindernd, blutverdünnend. Geht leider ziemlcih auf den Magen. Deshalb kriegt der Wirkstoff, Salicylsäure (Salix = Weide) eine Essigsäure-Gruppe drangeflanscht für bessere Wirksamkeit und Verträglichkeit. Derart aufbereitet - oder synthetisiert - heisst es dann ASS bzw Aspirin. Das "spir" im Namen steht für die Spierstaude. Das Gift des Fingerhut, Digitalis, ist ein Herzmedikament. Die Chinarinde, Chinin, wirkt fiebersenkend, antiparasitär, war eines der ersten Malaria-Medikamente. Usw.
Homöopathie hatte zuerst auch einen sehr guten Ansatz. Hahnemanns Arzneiprüfung war der Quacksalberei seiner Zeit um Jahrzehnte voraus. Nur hat er leider zwei völlig frei erfundene Dinge hinzu fabuliert, die die ganze Arzneiprüfung unwirksam machen: 1. das Simile-Prinzip, 2. die Potenzierung. Beides nachweislich falsch. Deshalb kommt bei jeder ordentlichen Doppelblindstudie heraus, dass es vollkommen egal ist, welches "Präparat" in welcher Hochpotenz gegeben wird, die Wirkung ist immer die gleiche und geht nicht über den Placebo-Effekt hinaus(2).
Damit sei auf keinen Fall was gegen den Placebo-Effekt gesagt! Der ist toll. Es gab Studien mt Placebo-Knie-OPs, die subjektiv (Empfindung der Patientys) gleichwertige oder gar bessere Ergebnisse hatten als echte. Vor allem viel schnellere Heilung... Nur: Placebos heilen nicht
durch die Substanz, sondern durch die Überzeugung der Patientys aufgrund des Rituals. Das funktioniert bei ca einem Drittel aller Menschen und ist abhängig von ihrer Kultur und ihren Glaubenssätzen. Bei manchen ist es die Arztperson im weissen Kittel, die mit Überzeugung die Pille oder Spritze gibt, bei anderen das aufmerksame Gespräch und die überreichten Zuckerkügelchen, bei wieder anderen ein schamanisches Ritual.
Der entscheidende Punkt: Die angeblichen Wirkmodelle, ob Simile + Potenzierung + "Information", Äther/Astral-Kräfte wie bei den Anthroposophen (und Demeter), Blüten, Mineralsalze, Meridiane + Nadeln oder was auch immer wirken nicht
an sich, sondern sind ein trance-hypnotisches Ritual, das die Wahrnehmung des Patientys und tw auch seine Körperchemie beeinflussen kann.
Deshalb ist es legitim, zu sagen, dass Homöopathie nicht durch ihre Präparate wirkt, sondern ausschliesslich durch den Placebo-Effekt und nicht darüber hinaus.
(1) Bach und Schüssler waren Hahnemanns Methoden zu aufwändig. Sie fabulierten sich was von Blütenkräften anhand von Pflanzensymbolik zusammen bzw von "Grundminaralien" und schrieben Bücher darüber. Ohne Prüfungen, ohne Faktenbasis. Das ist genauso frei erfunden wie die antike Vier-Säfte-Theorie.
(2) Kleine Korrektur: Hahnemann hat tatsächlich ein paar Naturstoffe mit pharmazeutischer Wirkung entdeckt bzw beschrieben. Arnika zum Beispiel, die aber auch schon bei Hildegard von Bingen erwähnt wurde. Aber die tatsächliche biochemische Wirkung - entzündungshemmend, aber nur äusserlich anwendbar - folgt natürlich nicht dem Simile-Prinzip (sprich: erzeugt bei gesunden Menschen keine Entzündungen) und auch nicht der Potenzierung: Je geringer die Konzentration, desto geringer die nachweisliche Wirkung. Das hat Hahnemann aber offenbar nicht gestört.