----------------------------
ich habe diesen Bericht umgehängt von "Geschichten" zu "eigene Erlebnisse"
Liebe Freundinnen / Gleichgesinnte,
ich war sehr lange nicht hier im Forum unterwegs. Mit meinen 84 J hatte ich lange Zeit mit mir selbst zu tun. Gründe sind hier nicht interessant.
Aber ein Thema: das Crossdressing und Outing haben mich mein Leben lang begleitet. Äußere Umstände, vielleicht auch ein bisschen Feigheit, haben das so lange verhindert. Aber jetzt bin ich frei spät, aber nicht zu spät. Und ich genieße es in vollen Zügen.
Wie kam es dazu.
Ich wohne seit einiger Zeit in einer Senioren Residenz, Betreutes Wohnen, also kein Pflegeheim, sondern großes Apartment, freies Leben und Rundumversorgung komplett. U.a. gibt es hier Vollpension, Friseur, Beauty, Massage, Sportbereich und vieles andere mehr, direkt in der Residenz. Ich habe keine exzessiven Geldausgaben mehr wie: neue Möbel, kein Auto usw. Habe alle Klingelbeutel zusammengekratzt, so dass es reicht.
Es fing ganz harmlos an. Ich habe Fußpflege machen lassen. Durch eine normal aussehende junge Frau so um die 45 Jahre. Während der Behandlung haben wir uns gut unterhalten, auch ein bisschen gewitzelt. Die Dame hatte sehr gepflegte Hände, und kirschrot lackiert. Ich wollte, eigentlich ohne Hintergedanken, ein kleines Kompliment machen und bewunderte dieselben.
Schlagfertig kam es zurück: wenn es ihnen so gefällt, lackieren ich ihnen die Nägel auch kirschrot.
Rumms, es war wie der berühmte Schlag in die Magengegend. Mit heiserer Stimme sagte ich, sie gleich duzend, wenn es dir Spaß macht, kannst du machen, was du willst. Ich vermeinte ein leichtes Glitzern in ihren Augen zu sehen – egal, komme was da wolle. Und im Geheimen wollte ich dies ja schon immer.
Ja, sie lackierte ALLE Fußnägel in kirschrot. Ich war doch etwas geschockt. Es kam mir so vor, dass die Leuchtkraft der Farbe bis zur Weltraumkapsel zu sehen ist. Weiterhin löste dies in meinem Bauch ein Grummeln aus, dass ich befürchtete, das mein Rüssel das auch gern gesehen hätte. Soll heißen, ich war von einer Sekunde auf die andere völlig von der Rolle.
JA, MEINE FÜßE GEFALLEN MIR!!!
Die Fußpflegering beobachtet mich genau und erkannte meinen Zustand. Leise und mitfühlend sagte sie, es steht dir gut, lass deine Füße eine Woche so und komme wieder vorbei. Dann entscheiden wir, wie es weitergeht.
Als ich wieder in meiner Wohnung war, habe ich meine lackierten Füße sehr lange betrachtet. Ja, es gefiel mir und ich habe beschlossen es so zu belassen. War das der Durchbruch?
Nächster Tag: für heute hatte ich eine Ganzkörpermassage gebucht. Was mache ich mit meinen lackierten Füßen? Ich traf die Entscheidung: ich gehe da so hin, egal ob ich mich blamiere o.ä.
Ergebnis: die sehr junge Masseuse nahm das nicht nur lächelnd zu Kenntnis, nein sie fand das auch GUT. Dass ich mich das traue, es sähe doch gepflegt und sehr gut aus usw..………… Jetzt war ich wieder von der Rolle, mental und mich beschimpfend: Du bist der größte und feigste Trottel unter Gottes Sonne. Warum habe ich nicht schon FRÜHER ein Outing versucht. Es war doch so einfach. Jetzt fehlen mir rückblickend betrachtet dutzende Jahre meines Ich’s.
Der nächste weitgreifend und umfassenderer Schritt wurde durch ein zeitnahes Ereignis ausgelöst: Vorab: ich trage häufig in meinen Segel-Deckschuhen (Slipper) keine Socken. Ich stolpere in der Lounge (Aufenthaltsraum), kann mich auf eine Couch fallen lassen. Jedoch fliegen mir bei meiner künstlerischen Einlage die Slipper von den Füßen. Oh graus, jetzt sitz ich hier, Slipper weg, Füße blank – Fußnägel leuchten kirschrot ☹. Zu Glück waren NUR 4-5 Damen anwesend.
Nach anfänglicher Fürsorge, dass mir nix passiert ist, kamen dann grinsend meine lackierten Fußnägel zur Sprache: sehen toll aus, hätten sie nicht gedacht, dass ich usw. ´, …. solle ich so lassen, solle mir Riemchen-Sandaletten kaufen und ihnen diesen Anblick häufiger gönnen.
Nach meinen, zuerst Schamgefühlen, klickte es in meinem Kopf: ich war durch!!! Ich war in einem größeren Damenkreis mit lackierten Fußnägeln akzeptiert. Mich durchströmte ein Glücksgefühl. Ich wusste sofort, das ist nicht das Ende des Outings.
Und so war es auch. Meine lackierten Fußnägel machten in größerem Kreis der Damenwelt die Runde, waren aber auch kein Dauerthema. Aber ich konnte in den Sommermonaten meine nackten Füße jederzeit öffentlich zeigen. Es war akzeptiert.
Zur Information ist noch vorauszuschicken: es wohnen hier 90% Frauen. Daraus hat sich eine Kerntruppe von 10-12 Damen entwickelt, die abends häufig noch bei einem Glas Sekt oder Apero
zusammensitzt und klönt (und ich mitten in der Runde).
Und es ging auch wesentlich weiter. Grundsätzlich ist festzustellen, Frauen sind neugierig. Im Laufe der Zeit gab es immer wieder kleine Anspielungen auf meine weiblichen Füße, und auch ob ich denn auch Kleidung von ihnen tragen würde oder möchte. Also neugierig das ganze Programm.
Nach einer gewissen Überwindung gab ich „Neugier“ zu, wie es sich denn anfühlen würde, Damen hätten doch viel größere Auswahl, die Kleider wären bestimmt auch bequemer als Hosen usw.
Die Damen schauten sich an, sagten aber nix dazu. Es vergingen wieder ein/zwei Wochen.
Eines Abends, so nach 21 Uhr, Rezeption nicht mehr besetzt, keine sonstigen Hausbewohner mehr unterwegs, und bei der 3. Flasche Sekt wurden die Damen übermütig: jemand holte aus einer Tüte ein leichtes Strandkleid hervor. Grinsend alle: zieh das doch mal für uns an. Wir wollen mal sehen, wie denn die Füße dazu passen.
Jaaaa, das war es, was ich immer wollte, mich in Damenkleidung innerhalb einen Damengruppe bewegen, akzeptiert zu werden und mich unendlich wohlfühlen.
Ich nahm das Kleid mit einem frivol witzigen Spruch entgegen, bemerkte aber, ich zieh mich in meiner Wohnung um.
Ich wählte diesen Weg, da ich jetzt ALLES auf eine Karte setzen und mich voll präsentieren/outen wollte. Ich wollte das einfache, bunte Strandkleid gar nicht anziehen, sondern wollte mich komplett den Damen darstellen, ohne Möglichkeiten einer Ausrede, ohne Rückzugsmöglichkeiten, also meine Seele voll freigeben. Ich war mittlerweile sicher, dass ich den Damen vertrauen konnte.
In meiner Wohnung nun das volle Programm (im Geheimen war ich voll sortiert): BH, schwarzer Hüfthalter, Strümpfe mit breiter Spitze, Viskose French-Knicker, Hemdröckchen mit Spagettiträgern, goldfarbenen mit Strass verzierten Riemchen-Sandaletten, eine dezente Halskette und Armbänder. Das Kleid war das sogenannte „kleine Schwarze“ mit Kurzärmeln, 10 cm oberhalb der Knie. Von Schminke sehe ich immer ab, ich kann das nicht, sehe dann wie ein Clown auf Probe aus.
Dann ging wieder zu den wartenden Frauen. Schweigen, nochmals schweigen. Dann tosende Begeisterung und auch Lachen: das ist doch nicht möglich. Da steckt mehr dahinter als nur lackierte Fußnägel und ggf. ein Strandkleid anzuziehen. Wer bist du? Sie haben mich gelöchert mit Fragen. Ich habe alle Fragen beantwortet, mich seelisch völlig freigelegt.
Zum Schluss wurden die Damen kurz ernst: wir werden dir einen weiblichen Namen geben. Liebe Christiane, so nennen wir dich jetzt in unserem Kreis. Wir haben alle noch keinen Mann in unserem Leben erlebt, der so ist wie du. Wir sind alle über 80 J. Lebe dein Leben voll so wie du es möchtest. Sei willkommen im Kreis und der Welt der alten Weiber (Gelächter). Weiterhin: wir haben in der letzten Zeit bei dir einen leicht exhibitionistischen Zug festgestellt. Soll heißen, wir werden dich häufiger provozieren und dich an Grenzen führen. Das willst du doch, oder?
Ooaach, mir wurde der Hals eng.
Jetzt noch der Höhepunkt: bei (seltenen) Treffs zu SPÄTER Stunde durfte/musste ich immer im Kleid erscheinen. Manchmal wurde das während des Treffs kaum erwähnt. Es sollte einfach so sein. Manchmal treffen sich auch kleine Gruppen mit mir oder ohne mich in den einzelnen Apartments um Karten zu spielen, klönen und Sekt zu trinken.
Es ist jetzt zweimal vorgekommen, dass ich bei den Treffs in einer Wohnung aufgefordert wurde, das Kleid auszuziehen, um ein bisschen Schabernack zu haben. Ich tue das dann immer sehr sehr gerne. Ich habe wohl eine ausgeprägte exhibitionistische Ader. Ich werde dann immer so rollig, dass ich bedaure, dass in meinem Alter 84 J nur noch Erinnerungen auftauchen: DA WAR DOCH MAL WAS.
Ich habe den Namen Christiane durchsetzen können.
Liebe Grüße, Christiane.