Zitate:
«Evie» fungiert als eine Art kulturelles U-Boot: Denn wer den Instagram-Kanal des Magazins nur überfliegt oder hastig durch die Website scrollt, dem fällt womöglich nicht gleich auf, dass es sich um ein rechtes Propagandaprodukt handelt. Das zeigen allerdings Überschriften wie «Feminismus hilft den Überlebenden sexueller Gewalt nicht. Er hält nur das Opferdasein aufrecht» und «Das Patriarchat schützt Frauen besser als der moderne Feminismus»: Hier sind Macherinnen am Werk, die Phyllis Schlaflys Fackel des Antifeminismus weitertragen – und einer neuen Generation junger Frauen übergeben.
Pronatalismus ist bei der US-Rechten populär – man erinnere sich an die verächtlichen Äusserungen von US-Vizepräsident J. D. Vance im Wahlkampf 2024 zu «kinderlosen Katzen-Ladys». Aktuell schlägt das Weisse Haus vor, Müttern von sechs oder mehr Kindern eine Medaille zu verleihen. Pronatalismus geht oft Hand in Hand mit Migrationsfeindlichkeit – auch bei «Evie»: «Ökonomen mögen behaupten, dass es mehr technologische Innovation und Einwanderung braucht, dabei könnte die Antwort ganz einfach sein: Wir müssen die Familieneinheit fördern und die Menschen ermutigen, zu heiraten und Kinder zu bekommen», heisst es in einem Artikel. Junge Frauen würden sich «einer Karriere und einem Chef» widmen, «der sich nicht wirklich um sie kümmert», und hätten «promiskuitiven Sex, der sich negativ auf ihre psychische Gesundheit auswirkt» – sie verpassten «die wahre, lebenslange Erfüllung» als Ehefrau und Mutter.
«Evie» verbreitet dazu rassistische Narrative, was Titel wie dieser zeigen: «White Lives Matter: Wann hören wir auf, weisse Mädchen auf dem Altar der Inklusion zu opfern?» Diese gehen Hand in Hand mit der pronatalistischen Position des Magazins: Statt Einwanderung sollen amerikanische Frauen möglichst viele Kinder bekommen – für die Nation.
Das Magazin guckt auch durchaus über die USA hinaus, was für ein US-Blatt schon erstaunlich ist:Nicht nur die Mütter sollten die Kinder erziehen, sondern auch die Frauen der älteren Generation müssten dabei helfen. Das dürfte ganz im Sinne von J. D. Vance sein, der 2020 in einem rechten Podcast berichtete, seine Schwiegermutter helfe seiner Ehefrau Usha zu Hause mit den Kindern, worauf der Moderator ergänzte, das sei «der ganze Zweck einer Frau nach den Wechseljahren».
Und natürlich...Doch «Evie» propagiert nicht nur reaktionäre Rollenbilder, sondern gibt auch Rechtsextremen eine Bühne. So bekommt in der neusten Ausgabe des Printmagazins auch Eva Vlaardingerbroek eine 10-seitige Glamour-Fotostrecke und ein Interview. Vlaardingerbroek, einst Kandidatin für die rechtsextreme niederländische Partei «Forum voor Democratie», verbreitet rassistische Ansichten und lässt sich dem weissen Nationalismus zuordnen. 2023 war sie Elon Musks Begleitung zur Geburtstagsfeier des Springer-Chefs Mathias Döpfner. ... Im Interview mit «Evie» behauptet sie, «moderner Feminismus» versuche, «Frauen zu Männern zu machen» – und erntet die Bewunderung der Interviewerin: ... Dass «Evie» eine Bezeichnung wie «arische Prinzessin» positiv interpretiert, zeigt, wie die Publikation tickt: völkisches Denken im glossy Instagram-Look. In der Onlineversion des Interviews findet sich die Passage übrigens nicht mehr – wohl aber im gedruckten Magazin.
Erwartbar auch:Daneben bewirbt «Evie» auch biologischen Essenzialismus – also die Vorstellung, dass Gender nicht etwa ein gesellschaftliches, kulturelles Konstrukt ist, sondern biologisch determiniert. Daraus wird abgeleitet, dass aufgrund der angeblich gottgegebenen Unterschiede zwischen Männern und Frauen die traditionellen Geschlechterrollen zwingend seien. Dazu bekennt sich das Magazin auf der eigenen Website: «Wir wissen, dass Frauen und Männer von Natur aus unterschiedlich sind, auch wenn die Kräfte, die die Gesellschaft formen, noch so sehr für das Gegenteil eintreten.» ...
Dazu passt, dass das Magazin auch transfeindliche Narrative verbreitet. Denn die moderne amerikanische Rechte verschreibt sich aktuell mit grossem Einsatz dem Kampf gegen die Rechte von transgender Menschen, vor allem von trans Frauen. Der Schwenk weg von offener Homophobie hin zu Transfeindlichkeit ist eine jüngere Entwicklung, was vor allem damit zu tun hat, dass die US-Rechte den Kampf gegen Rechte für Schwule und Lesben gesellschaftlich – vorerst – verloren hat. Mit der Hetze gegen trans Menschen verspricht sie sich mehr Erfolg, schliesslich ist deren Zahl in der Gesamtbevölkerung deutlich kleiner, was diese bereits marginalisierte Gruppe zu einem idealen Sündenbock macht.
Lest den ganzen Artikel hier: https://republik.ch/2025/06/03/evie-mag ... nmagazinen (das Werbebanner in der Mitt kann weggeklickt werden)«Evie» bedient auch andere Klassiker des rechten Kulturkampfes – gewichtsbezogene Stigmatisierung («Wie die Bodypositivity-Bewegung zu einem Weg für verbitterte Frauen wurde, natürliche Schönheit anzugreifen»), Anti-Wokeness («Wie wir endlich die Woke-Ära gekillt haben»), Verehrung für Trump («10 ikonische Filmfiguren, die absolut Trump-Unterstützerinnen wären») und seinen jüngsten Sohn («Barron Trump und die Anziehungskraft der stillen Männlichkeit»), Lügen zu angeblichem Wahlbetrug nach Trumps Niederlage 2020, Verschwörungstheorien rund um die Corona-Pandemie und Impfungen.
[1] "Annika Brockschmidt ist Historikerin und Konfliktforscherin und arbeitet als Journalistin, Autorin und Podcasterin. Sie befasst sich vor allem mit der religiösen und politischen Rechten in den USA. Im Februar 2024 erschien ihr neustes Buch «Die Brandstifter. Wie Extremisten die Republikanische Partei übernahmen». Für die Republik schrieb sie zuletzt über den Kampf der religiösen Rechten gegen die Selbstbestimmung von Frauen über ihren Körper." Ich empfehle auch ihren aktuellen Vortrag auf der re:publica 2025: https://www.youtube.com/watch?v=2nRdvlA ... lkdA%3D%3D