Mündliche Anrede
Mündliche Anrede - # 2

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Alicia
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Re: Mündliche Anrede

Post 16 im Thema

Beitrag von Alicia »

Knäckebrötchen hat geschrieben: Fr 21. Mär 2025, 15:10 Warum dann nicht ein schlichtes "Hallo [Nachname]"?*
Diese Art von Anrede habe ich schon immer gehasst. Es begann mit meinem ersten Biologielehrer, der schlicht und ergreifend zu faul war, sich die Vornamen der Fünftklässler zu merken und uns genauso angesprochen hat. Wie Jaddy geschrieben hat, klingt das sehr von oben herab und kleinmachend.
Warum nehmen wir uns nicht mal ein Beispiel an den Amis (obwohl es aus dieser Richtung derzeit nichts Gutes zu übernehmen gibt)? Dort ist die Anrede "Hello Vorname" üblich. Wir haben nun den Vorteil, dass wir nicht in einem neutralen "you" weiterreden müssen, sondern gut differenzieren können mit "Sie" bei einem distanzierten Verhältnis zum Gegenüber und "Du" beim vertrauteren. Wäre doch mal einen Versuch Wert.
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Re: Mündliche Anrede

Post 17 im Thema

Beitrag von Vesta »

Lana hat geschrieben: Do 20. Mär 2025, 13:24 Es war schließlich kein Fehler der Verwaltung, dass da "Frau" stand, gefolgt von einem männlichen Vornamen.
[...]
Weil ich bewusst kein Passing als Frau anstrebe...
Wenn du Murks machst, kommt auch Murks bei raus. So einfach ist das. Wer soll denn das verstehen?

Wenn du einen männlichen Vornamen hast, wählst du "Herr" und wirst so angesprochen.wird dir das nicht vermeiden.
Willst du als Frau angeredet werden, muss der Vorname passen - ist ja mit Selbstbestimmungsgesetz nicht mehr so kompliziert - und das Passing sollte halbwegs stimmen.
Oder du wählst das Chaos und musst die Konsequenzen akzeptieren.

Die beste Lösung wäre, bei der Verwaltung dafür zu sorgen, dass auch Divers als Anrede möglich ist. Aber dafür brauchst du einen langen Atem, und ein Outing wird dir das nicht vermeiden.

Anreden mit "Meier" statt "Herr Meier" waren bis 1918 für Nichtadelige üblich, möchte heute aber kaum jemand haben. Daher ist das keine Alternative.

Und was Ens, Pers und sonstige Konstruktionen betrifft, das ist nicht Teil der deutschen Sprache. Gute Freunde werden's benutzen, von anderen kann man es nicht erwarten.
Nico
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Re: Mündliche Anrede

Post 18 im Thema

Beitrag von Nico »

Vesta hat geschrieben: Sa 22. Mär 2025, 00:25 Wenn du Murks machst, kommt auch Murks bei raus. So einfach ist das. Wer soll denn das verstehen?

Wenn du einen männlichen Vornamen hast, wählst du "Herr" und wirst so angesprochen.wird dir das nicht vermeiden.
Willst du als Frau angeredet werden, muss der Vorname passen - ist ja mit Selbstbestimmungsgesetz nicht mehr so kompliziert - und das Passing sollte halbwegs stimmen.
Oder du wählst das Chaos und musst die Konsequenzen akzeptieren.

Die beste Lösung wäre, bei der Verwaltung dafür zu sorgen, dass auch Divers als Anrede möglich ist. Aber dafür brauchst du einen langen Atem, und ein Outing wird dir das nicht vermeiden.
Ich verstehe es und finde es schade, dass im deutschen nur die Anreden „Frau“ und „Herr“ etabliert sind. Es geht hier klar und deutlich darum, wie man es handhaben kann, wenn beide sich nicht wirklich 100% stimmig abfühlen. Das SBGG kann daran wenig ändern.

Manchmal frage ich mich, was leichter ist. Mit falschen Anreden zu leben, oder eine „Neo-Anrede“ zu benutzen und andere zu verwirren, sich erklären und outen zu müssen, aber mit der Chance, dass diese sich langfristig etablieren.

„Divers“ als Anrede finde ich persönlich sehr unschön. Es erinnert mich an einen Brief der an „Neutrale Anrede Nico Muster“ adressiert war.

Eine wirklich gute Lösung fällt mir im Moment leider nicht ein.
LG Nico
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Re: Mündliche Anrede

Post 19 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Vesta hat geschrieben: Sa 22. Mär 2025, 00:25 Die beste Lösung wäre, bei der Verwaltung dafür zu sorgen, dass auch Divers als Anrede möglich ist. Aber dafür brauchst du einen langen Atem, und ein Outing wird dir das nicht vermeiden.
"Divers" ist keine Anrede.

"divers" ist eine amtliche Option des Geschlechtseintrags wie "männlich" oder "weiblich".

Und ich habe inzwischen die vierte Option, nämlich gar keinen Eintrag.
Wobei die vierte eigentlich die dritte ist, weil sie schon seit 2013 existierte und "divers" das gesetzliche Ergebnis einer Verfassungsbeschwerde einer nichtbinären (inter) Person war, die nicht geschlechtlich "nichts" sein wollte.
Deshalb ist "divers" die dritte positive Geschlechtsoption.
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Re: Mündliche Anrede

Post 20 im Thema

Beitrag von Knäckebrötchen »

Alicia hat geschrieben: Sa 22. Mär 2025, 00:03
Knäckebrötchen hat geschrieben: Fr 21. Mär 2025, 15:10 Warum dann nicht ein schlichtes "Hallo [Nachname]"?*
Diese Art von Anrede habe ich schon immer gehasst. Es begann mit meinem ersten Biologielehrer, der schlicht und ergreifend zu faul war, sich die Vornamen der Fünftklässler zu merken und uns genauso angesprochen hat. Wie Jaddy geschrieben hat, klingt das sehr von oben herab und kleinmachend.
Warum nehmen wir uns nicht mal ein Beispiel an den Amis (obwohl es aus dieser Richtung derzeit nichts Gutes zu übernehmen gibt)? Dort ist die Anrede "Hello Vorname" üblich. Wir haben nun den Vorteil, dass wir nicht in einem neutralen "you" weiterreden müssen, sondern gut differenzieren können mit "Sie" bei einem distanzierten Verhältnis zum Gegenüber und "Du" beim vertrauteren. Wäre doch mal einen Versuch Wert.
Das hier so viele so negative Verknüpfungen mit dieser Form der Anrede haben ist natürlich schade. Ich habe sie zum Glück nicht machen müssen, für mich wäre es tatsächlich eine neutrale Form der Anrede. Nicht besonders elegant, zugegeben, aber eben nicht negativ konnotiert.

Letztendlich war es ein Vorschlag unter vielen. Eben auch vor dem Hintergrund den Lana im Ausgangspost beschrieb, wo gewählte Anrede und Vornamen nicht "passen" und dann das Raten losgeht und es für die Person dann vielleicht sogar unangenehm wird. Genau deshalb habe ich die "amerikanische" Lösung nicht vorgeschlagen.

Und was sich von den vielen Vorschlägen und Versuchen nun etabliert... als relativ klassisch binär fühlender Mensch ist für mich die Anrede als "Frau X" genau so, wie ich es mir wünsche. Und wenn, wie gestern, ein Mensch mit Kinderwagen dem ich geholfen habe, sagt "und wieder sind es die Frauen, die einfach helfen" - dann stimmt der Tag für mich. Aber: ich fühle das so und viele hier und anderswo nicht - und da braucht es schon eine passende Form der Ansprache, da bin ich ganz dabei. Für mich würde ja nichts wegbrechen, bloß weil man mich mit einer anderen Bezeichnung anspricht. :)p

Das ist für mich auch ein ganz netter Weg, um Menschen die sich empören etwas den Wind aus den Segeln zu nehmen: was genau wird dir denn weg genommen, wenn Du nicht mit "Herr X oder Frau Y angesprochen wirst?" Weil oft ist es halt Gewohnheit, die aus Bequemlichkeit nicht geändert werden will.
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