Hallo zusammen,
eigentlich wollte ich hier nicht mehr viel schreiben, da ich im Moment denke, das die wichtigsten Dinge gesagt wurden und ich persönlich gerade nicht so recht weiss, ob ich da noch neue Konstruktives beitragen kann. Doch hier ist ein Punkt, wo ich gerne nochmal drauf eingehen würde, weil ich glaube, dass man hier exemplarisch ganz gut erklären kann, was Worte machen, und wie Kontext und eigene Wahrnehmung eine gewaltige Macht ausüben.
Lavendellöwin hat geschrieben: Mi 11. Dez 2024, 14:22
Meinetwegen darf eine crossdressende Person das T.. Wort für sich selbst nutzen, ich finde es aber auch in meiner
Anwesenheit nicht schön, es sind einfach andere Lebensrealitäten.
Für die crossdessende Person, mag das "Frau sein" ein Hobby sein, eine Flucht aus dem Alltag..alles schön.
Für mich ist es aber eben kein Hobby es ist meine Wahrheit, was was ich immer bin.
Ich lese aus diesen Formulierungen den ernstgemeinten und aufrichtigen Versuch mitfühlen und wertschätzend zu formulieren. Dafür möchte ich mich aufrichtig bedanken und weiss das zu schätzen. Aber es ist ein gutes Beispiel dafür, wie schwierig Kommunikation ist, und wie Worte Macht auf verschiedene Art und Weise entfalten können, die auch der Sender dieser Worte gar nicht einschätzen kann.
Ich beschreibe jetzt einfach mal, was der Satz
"Für die crossdessende Person, mag das "Frau sein" ein Hobby sein, eine Flucht aus dem Alltag..alles schön." Bei mir ausgelöst hat. Meine erste spontane, rein Instinktive, Reaktion war mich aufzuregen und eine gepfefferte Antwort zu schreiben, da es auch für mich als genderfluide/non-binäre Person, bei Weitem kein Hobby ist. Mich hat dieser Satz deutlich mehr berührt, als wenn ich mal wieder in einer Menschenmenge hinter mir Leute leise tuscheln höre und dort das berühmte T Wort fällt. Da schmunzle ich inzwischen nur noch. Da geht es um fremde Menschen, die keinerlei Bezug zu meinem Leben haben. Da interessiert es mich auch nicht, ob die Verständnis für meine Lebensrealität haben oder nicht.
Aber hier in diesem Forum, wo es alles Menschen sind, die selber mit ähnlichen oder zumindest verwandten Themen unterwegs sind, da macht so eine Aussage von "Hobby" schon etwas mit mir. Es zeigt mir halt jedes Mal, dass auch hier meine Lebensrealität nicht verstanden wird. Ich weiss, dieses Thema ist hier auch schon rauf und runter diskutiert worden und deshalb will ich jetzt an dieser Stelle nicht weiter darauf eingehen.
Was ich hier sagen will ist Folgendes: Worte sind mächtig. Es sind zwei Seiten. Man sollte sich schon Gedanken darüber machen, was Worte bewirken können. Und Worte können sehr mächtig sein. Andererseits ist auch die hörende Seite dafür verantwortlich, was Worte bei einem selber auslösen. Und hier möchte ich versuchen zu erklären, warum ich das T Wort gerne als Selbstbeschreibung verwende. Es ist nicht so, dass ich das nur aus Spaß mache und denke "Hach, wie lustig".
Für mich ist das eine Form der Selbstermächtigung. Wenn ich das Wort für mich benutze, dann normalisiere ich es, und niemand anders kann es mehr verwenden, um mich damit zu beleidigen. Ich höre es dann zwar, weiss dass es eine Beleidigung ist und teilweise auch so gemeint ist, aber es berührt mich nicht mehr. Ich kann schmunzelnd eine Augenbraue hochziehen und mir denken, oder vielleicht auch sogar sagen: "Komm, geh spielen, Kleiner." Gerade wenn man mit ernsten Themen humorvoll umgeht, entfaltet dies große Macht und ist nicht nur einfach Klamauk.
Liebe Grüße
Zita